Für die Zukunft Tirols – in Treue zum Herz-Jesu-Gelöbnis

Für die Zukunft Tirols – in Treue zum Herz-Jesu-Gelöbnis

An dieser Stelle veröffentlichen wir mit Erlaubnis des Autors einen offenen Brief an die Verantwortungsträger in Kirche und Politik in Tirol, da er den christlichen Zugang zu aktuellen weltanschaulichen Fragen wie der Frage nach dem Lebensschutz hervorragend wiedergibt. Bitte nehmt euch Zeit ihn zu lesen:

Offener Brief an die Verantwortungsträgerinnen und Verantwortungsträger in Tirol

Zur Erinnerung an das Herz-Jesu-Gelöbnis und zur Verantwortung für das Leben

Kramsach, im Juni 2026

Sehr geehrte Mitglieder der Tiroler Landesregierung,

sehr geehrte Bezirkshauptleute,

sehr geehrte Bürgermeisterinnen und Bürgermeister,

sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Schützen, des Kameradschaftsbundes,

der römisch-katholischen Kirche, der evangelischen Kirche und der christlichen Freikirchen,

liebe Verantwortungsträgerinnen und Verantwortungsträger in unserem Land Tirol!

Ich schreibe diese Zeilen mit Respekt vor Ihrem Amt, mit Dank für vieles, was in unserem Land an Gutem geschieht, aber auch mit großer Sorge.

Tirol ist nicht irgendein Landstrich. Tirol hat eine besondere Geschichte, eine starke Identität und eine tief christlich geprägte geistliche Erinnerung. Dazu gehört in besonderer Weise das Herz-Jesu-Gelöbnis. Es ist nicht bloß ein historisches Relikt, nicht bloß Brauchtum, nicht bloß ein schönes Lied und auch nicht bloß beeindruckende Feuer auf den Bergen.

Das Herz-Jesu-Gelöbnis erinnert daran, dass Menschen in einer Zeit äußerer Bedrohung ihre Hoffnung nicht allein auf militärische Stärke, politische Klugheit oder menschliche Organisationskraft gesetzt haben, sondern auf GOTT. Sie haben das Land dem Herzen von JESUS CHRISTUS anvertraut.

Wer dieses Gelöbnis heute erneuert, singt nicht nur von Treue. Er stellt sich – ob bewusst oder unbewusst – unter eine geistliche Verpflichtung. Darum möchte ich nicht anklagen, sondern erinnern. Nicht drohen, sondern ermahnen. Nicht beschämen, sondern ermutigen.

Denn es geht um eine einfache, aber ernste Frage:

Kann ein Land glaubwürdig das Herz Jesu anrufen und zugleich Entscheidungen fördern oder dulden, die dem Schutz des Lebens, der Würde des Menschen und der göttlichen Ordnung widersprechen?

Diese Frage richtet sich nicht nur an einzelne Politiker und Politikerinnen. Sie richtet sich an uns alle: an die Landesregierung, an Gemeinden, an Kirchen, an Vereine, an Traditionsverbände, an Ärztinnen und Ärzte, Pädagoginnen und Pädagogen, Seelsorgerinnen und Seelsorger, Eltern – und auch an mich selbst.

Gerade dort, wo Tirol sich öffentlich auf christliche Wurzeln beruft, darf der Glaube nicht zur Folklore werden. Ein Gelöbnis, das keine Folgen hat, wird zur Worthülse. Ein Bekenntnis, das den Schwächsten nicht schützt, verliert seine Glaubwürdigkeit.

1. Der Schutz des ungeborenen Lebens

Mit großer Sorge musste ich feststellen, dass Schwangerschaftsabbrüche nun auch im Bereich der Tirol Kliniken bzw. im Umfeld öffentlicher medizinischer Versorgung angeboten werden. Mir ist bewusst, dass Schwangerschaftskonflikte oft mit Angst, Druck, Überforderung, Einsamkeit, wirtschaftlicher Not und familiären Spannungen verbunden sind. Mir ist ebenso bewusst, dass man Schwangerschaftsabbrüche nicht durch Kriminalisierung verhindert, und mir ist auch klar, dass Frauen in einer solchen Notlage nicht in unsichere oder illegale Situationen gedrängt werden dürfen.

Gerade deshalb braucht es Hilfe – aber Hilfe darf eben nicht nur darin bestehen, dass die Beendigung des ungeborenen Lebens als organisierte Dienstleistung angeboten wird. Eine Frau in Not braucht umfassende Beratung und einfühlsame Begleitung. Ein Mann in Verantwortung braucht Ermutigung. Eltern brauchen praktische Unterstützung.

Das ungeborene Kind braucht größtmöglichen Schutz.

Und eine Gesellschaft, die menschlich bleiben will, darf das schwächste Leben nicht zur verhandelbaren Größe machen.

Ich bitte die politisch Verantwortlichen daher eindringlich: Prüfen Sie, ob Tirol nicht einen anderen, besseren Weg gehen kann. Einen Weg, der Frauen nicht allein lässt, Männer in die Verantwortung ruft, Familien stärkt und ungeborenes Leben bestmöglich schützt.

Nicht die Frage „Wie kann ein Abbruch möglichst diskret und sicher organisiert werden?“ sollte im Mittelpunkt stehen, sondern die Frage:

Wie können wir Müttern, Vätern und Kindern so helfen, dass Leben möglich wird?

Wenn Tirol das Herz-Jesu-Gelöbnis ernst nimmt, dann muss der Schutz des Lebens vom ersten Anfang an ein Herzensanliegen des Landes sein.

2. Kinder, Jugendliche und das Transgender Center Innsbruck

Auch die Entwicklungen rund um das Transgender Center Innsbruck und den Umgang mit Kindern und Jugendlichen in Fragen von Körper, Geschlecht und Identität erfüllen mich mit Sorge.

Zunächst möchte ich ausdrücklich sagen: Menschen, die unter ihrem Körper, ihrer Identität oder ihrer Lebensgeschichte leiden, verdienen keine Verachtung. Sie brauchen Zuwendung, Respekt, Geduld, sorgfältige medizinische und psychologische Abklärung und – wo gewünscht – auch seelsorgliche Begleitung. Gerade Christen sollten hier nicht lieblos, überheblich oder vorschnell urteilen.

Aber gerade weil es um leidende Menschen geht, und besonders dann, wenn Minderjährige betroffen sind, braucht es höchste Vorsicht.

Kinder und Jugendliche sind keine fertigen Erwachsenen. Sie befinden sich in körperlicher, seelischer, geistiger und sozialer Entwicklung. Vieles ist in dieser Lebensphase noch im Werden. Vieles verändert sich. Vieles, was heute als drängende innere Gewissheit empfunden wird, kann morgen in einem anderen Licht erscheinen, wenn Zeit, Beziehung, Reifung und gute Begleitung hinzukommen.

Ein junger Mensch ist wie ein junger Baum. Wenn ein junger Baum schief zu wachsen scheint, schneidet man ihn nicht vorschnell radikal zurecht. Man stützt ihn, schützt ihn, gibt ihm Licht, Wasser, guten Boden und Zeit. Gerade was noch wächst, braucht Geduld. Es braucht keine überstürzten Eingriffe, sondern behutsame Begleitung.

So sehe ich es auch bei Kindern und Jugendlichen, die in Fragen von Körper, Geschlecht und Identität verunsichert sind oder leiden. Sie brauchen keine Verachtung, aber auch keine vorschnelle Festlegung. Sie brauchen Schutzräume, stabile Beziehungen, ehrliche Gespräche, seelische Hilfe und Erwachsene, die nicht jedes momentane Empfinden sofort medizinisch bestätigen, sondern verantwortungsvoll prüfen, was dem jungen Menschen wirklich und nachhaltig dient.

Wo medizinische, psychologische, hormonelle oder operative Schritte in eine Richtung weisen, deren Folgen weitreichend und teilweise unumkehrbar sein können, darf nicht der Druck des Zeitgeistes entscheiden. Dort müssen Demut, wissenschaftliche Redlichkeit, Gewissensfreiheit, Elternrechte und der Schutz des Kindes unbedingten Vorrang haben.

Ich bitte daher die Verantwortlichen in Politik, Medizin, Schule, Kirche und Seelsorge: Sorgen Sie dafür, dass Kinder und Jugendliche nicht ideologisch vereinnahmt werden. Sorgen Sie dafür, dass Eltern ernst genommen und nicht an den Rand gedrängt werden. Sorgen Sie dafür, dass Ärztinnen und Ärzte, Therapeutinnen und Therapeuten, Pädagoginnen und Pädagogen sowie Seelsorgerinnen und Seelsorger ihrem Gewissen folgen dürfen. Und sorgen Sie dafür, dass der menschliche Leib nicht als beliebig veränderbares Material behandelt wird.

Aus christlicher Sicht ist der Mensch zudem nicht sein eigener Schöpfer. Er ist Geschöpf GOTTES – mit Leib, Seele und Geist. Diese Wahrheit darf nicht hart, lieblos oder verächtlich ausgesprochen werden. Aber sie darf auch nicht verschwiegen oder mundtot gemacht werden.

Darum bitte ich: Stellen Sie gerade bei Minderjährigen den Schutz des Kindes über den Druck schneller Lösungen. Geben Sie Zeit. Geben Sie Halt. Geben Sie Wahrheit und Liebe. Und helfen Sie jungen Menschen, in ihrem von GOTT geschenkten Leib zur Ruhe zu kommen.

3. Die Verantwortung der Kirchen

An die Kirchen und christlichen Gemeinden richte ich eine besondere Bitte: Wir dürfen uns nicht darauf beschränken, schöne liturgische Feiern zu gestalten und christliche Traditionen zu bewahren. Das ist wertvoll, aber es genügt nicht! Die Kirche ist nicht zuerst Zeremonienmeisterin oder Hüterin von Kultur, sondern Zeugin JESU CHRISTI.

Wo Leben bedroht ist, muss die Kirche für das Leben sprechen. Wo Menschen verwirrt sind, muss die Kirche Orientierung geben. Wo Schuld geschehen ist, muss die Kirche Vergebung in CHRISTUS zusprechen. Wo Angst herrscht, muss die Kirche Hoffnung schenken. Wo der Mensch sich selbst zum Maß aller Dinge macht, muss die Kirche an GOTT den Schöpfer erinnern.

Dabei geht es nicht um moralische Überheblichkeit. Christen wissen um Schuld, Versagen, Zerbruch und Bedürftigkeit. Gerade deshalb ist das Evangelium so kostbar: JESUS CHRISTUS deckt Schuld nicht zu, aber er vergibt sie. Er zerbricht den geknickten Halm nicht, aber er nennt Wahrheit Wahrheit. Er verachtet den Sünder nicht, aber er ruft ihn zur Umkehr. Eine Kirche, die nur noch gesellschaftliche Entwicklungen begleitet, ohne sie am Wort GOTTES zu prüfen, verliert ihre prophetische Kraft. Eine Kirche, die aus Angst vor Ablehnung schweigt, lässt die Menschen allein.

4. Die Verantwortung von Schützen, Kameradschaftsbund und Traditionsverbänden

Auch an die Schützen, den Kameradschaftsbund und andere Traditionsverbände möchte ich mich wenden. Tiroler Tradition ist mehr als Tracht und Marketenderinnen, Fahnen, Musik, Festzüge und äußerer Brauch. Sie lebt aus Werten: Treue, Verantwortung, Opferbereitschaft, Heimatliebe, Schutz der Schwachen, Selbstbeherrschung und Ehrfurcht vor GOTT.

Wer sich auf Andreas Hofer, auf das Herz-Jesu-Gelöbnis und auf die Geschichte Tirols beruft, sollte diese Erinnerung nicht nur ehrfürchtig pflegen, sondern sie auch glaubwürdig in die Gegenwart übersetzen.

Heute stehen zwar keine napoleonischen Truppen vor Tirol. Aber Tirol steht vor anderen Herausforderungen: vor geistlicher Müdigkeit, vor Gleichgültigkeit gegenüber dem ungeborenen Leben, vor einer Verwirrung des Menschenbildes, vor einer Kultur, in der persönliche Freiheit oft höher bewertet wird als Verantwortung. Zu dieser Verantwortung gehört auch der ehrliche Blick auf unsere eigene Fest- und Vereinskultur. Wo Gemeinschaft, Tradition und Kameradschaft gefeiert werden, braucht es Maß, Würde und Selbstbeherrschung.

Wenn aus Geselligkeit Gewohnheit wird und aus Gewohnheit Maßlosigkeit, wird das Zeugnis schwach. Gerade christlich geprägte Traditionsverbände sollten zeigen, dass Freude und Gemeinschaft nicht auf Kosten von Klarheit, Würde und Vorbildwirkung gehen müssen. Denn wer öffentlich für Heimat, Glauben, Familie und christliche Werte einsteht, wird auch daran gemessen, ob diese Werte im eigenen Verhalten sichtbar werden. Tradition überzeugt nicht zuerst durch laute Worte, sondern durch glaubwürdiges Leben. Gerade deshalb braucht es Männer und Frauen, die nicht lautstark gegen Menschen auftreten, aber klar für das Leben, für Familien, für Kinder, für Maß und Verantwortung und für die Würde des Menschen einstehen.

5. Eine ermutigende Ermahnung

Ich schreibe nicht, weil ich meine, selbst über den Dingen zu stehen. Ich schreibe als Christ, der ebenfalls auf GOTTES Gnade angewiesen ist. Ich schreibe, weil ich glaube, dass unser Land mehr braucht als Verwaltung, medizinische Angebote, politische Mehrheiten und öffentliche Kommunikation.

Tirol braucht erneuerte Herzen.

Das Herz-Jesu-Gelöbnis erinnert uns daran: Der Mensch lebt nicht aus sich selbst. Ein Land lebt nicht nur von Wohlstand, Tourismus, Infrastruktur, Bildung und Sicherheit. Es lebt auch davon, welches Menschenbild es hat und vertritt – und ob es GOTT noch als Herrn über Leben, Wahrheit und Gewissen anerkennt.

Darum bitte ich Sie: Prüfen Sie die Entscheidungen unseres Landes nicht nur unter rechtlichen, finanziellen oder organisatorischen Gesichtspunkten. Prüfen Sie sie auch vor GOTT und vor Ihrem Gewissen.

Fragen Sie nicht nur: Was ist erlaubt?

Fragen Sie auch: Was dient dem Leben? Was schützt die Schwachen? Was stärkt Familien? Was bewahrt Kinder? Was entspricht der Würde des Menschen als Geschöpf GOTTES?

Ich bin überzeugt: Ein Tirol, das dem Herzen Jesu vertraut, muss kein hartes, enges oder liebloses Land sein. Im Gegenteil. Es kann ein Land sein, in dem Hilfe stärker ist als Angst, Wahrheit stärker als Ideologie, Vergebung stärker als Schuld und Lebensschutz stärker als Gleichgültigkeit.

6. Konkrete Bitten

Ich bitte die Landesregierung und die Verantwortlichen im Gesundheitswesen, alles zu unternehmen, damit öffentliche Einrichtungen nicht zu Orten werden, an denen ungeborenes Leben beendet wird, sondern zu Orten, an denen Frauen, Männer und Kinder umfassende und nachhaltige Hilfe erfahren. Ich bitte die Gemeinden, Beratungsangebote, Hilfsfonds, Wohnmöglichkeiten, Familienunterstützung und lokale Netzwerke für Schwangere in Not sichtbar zu machen und aktiv – organisatorisch und finanziell – zu fördern.

Ich bitte die Kirchen und christlichen Gemeinden, klar, barmherzig und öffentlich für das Leben einzutreten – nicht parteipolitisch, sondern aus Treue zu JESUS CHRISTUS.

Ich bitte Schulen, medizinische Einrichtungen und politische Entscheidungsträger, bei Fragen von Geschlecht und Identität besonders bei Minderjährigen größte Zurückhaltung, Schutzorientierung und Wahrhaftigkeit walten zu lassen.

Ich bitte Schützen, Kameradschaftsbund und Traditionsverbände, das Herz-Jesu-Gelöbnis nicht nur als Erinnerung an die Vergangenheit zu verstehen, sondern als Auftrag für dieGegenwart und Perspektive für die Zukunft.

Und ich bitte uns alle, den Ton der Auseinandersetzung so zu führen, dass Menschen nicht beschämt, sondern gewonnen werden. Die Wahrheit braucht Klarheit. Aber Klarheit ohne Liebe wird hart. Liebe ohne Wahrheit wird beliebig. Christlicher Glaube verbindet beides: Wahrheit und Gnade.

Möge Tirol nicht nur vom Herzen Jesu singen, sondern sich von JESUS CHRISTUS das Herz erneuern lassen.

Möge unser Land ein Ort sein, an dem das ungeborene Kind geschützt, die verzweifelte Mutter begleitet, der verunsicherte Jugendliche behutsam geführt, die Familie gestärkt, der alte und kranke Mensch geehrt und der suchende Mensch zu CHRISTUS eingeladen wird.

Möge GOTT den Verantwortlichen Weisheit schenken.

Möge er Mut geben, unbequeme Fragen nicht zu verdrängen.

Möge er unser Land vor Hartherzigkeit und Menschenfurcht bewahren.

Und möge JESUS CHRISTUS in Tirol nicht nur Tradition bleiben, sondern Herr, Retter und Hoffnung sein.

Mit respektvollen Grüßen und in christlicher Verantwortung

Stefan Schmalzl

Christ, Ehemann, Vater und Großvater

in Sorge und Hoffnung für Tirol