Predigten

Predigt zum Gauderfest 2019

Evangelium: Joh 21,1-19; Lesung: Apg 5,27b-32.40b-41

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!

Liebe versammelte Feiergemeinde!

Wir haben uns heuer wieder eingefunden aus Anlass des Gauderfestes, um gemeinsam die Heilige Messe zu feiern. Wir tun dies in Dankbarkeit, um Gott zu danken für viele Schönheiten und Wohltaten und für unser Leben und Wirken, wir tun dies der Osterzeit, in der uns die Evangelien von Begegnungen mit dem Auferstanden berichten, wir tun dies als österliche Menschen mit dem Hintergrund der Apostelgeschichte, die uns die Ausbreitung des Evangeliums schildert, mit dem Bewusstsein, dass wir heute, in dieser Zeit die Apostelgeschichte weiterschreiben.

1) Faszination der Apostelgeschichte – Evangelium des Heiligen Geistes

Für mich ist es immer wieder faszinierend, die Apostelgeschichte zu lesen und dabei zu fragen. Wie war es denn möglich, dass, wie wir in der heutigen Lesung gehört haben, einige wenige Apostel, zumeist Analphabeten, die Stadt Jerusalem mit ihrer Lehre erfüllten. Dieser Vorwurf des Hohenpriesters und Anklägers „ihr habe dies Stadt mit Eurer Lehre erfüllt“, ist ein gewaltiges Kompliment.

Wie war das möglich? Mir fallen besonders drei Punkte dazu ein:

Erstens: Der Herr ist wirklich auferstanden. Er ist den Jüngern wirklich erschienen. Das hat die Jünger neu gemacht. Es hat sie so beeindruckt, dass sie frei von aller Angst von dem reden mussten, wessen das Herz voll war.

Zweitens: Der Auferstandene hat den Jünger den Heiligen Geist geschenkt. Den Geist der Stärke, den Geist der Weisheit usw. Der Heilige Geist, der eigentliche Wirker in der Kirche.

Drittens: Petrus und die Apostel hatten, durch die Schule des Herr gegangen, eine unwiderstehliche Haltung, die in ihnen gereift war, angenommen. Sie gehorchten Gott mehr als den Menschen. Dieser Freimut, diese Freiheit von Menschenfrucht hat ihnen eine solche Wirkkraft verliehen.

2) Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen

Bei dieser Stelle, man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen, habe ich begonnen, darüber nachzudenken: Wo gibt es in deinem Leben als Priester bzw. Pfarrer Bereiche, wo sich die Alternative stellt: Gott oder den Menschen mehr zu gehorchen. Ich begann, eine Gewissenserforschung zu machen, die noch nicht abgeschlossen ist.

Darf ich aber die Frage an Euch, die Apostel von heute weitergeben. Wo sind in Eurem Leben Bereiche, wo ihr im Gewissen spürt: Da muss ich, da sollte ich jetzt Gott mehr gehorchen?

Aber zunächst die Frage: Was heißt eigentlich Gott gehorchen? Der Gehorsam kommt vom Hören. Hören bedeutet auch etwas aufnehmen, d. h. empfangen. Gott gehorchen heißt daher auch: Sich von Gott beschenken zu lassen, mit dem Licht der Wahrheit, mit einem inneren geistlichen Wachstum, letztlich dürfen wir sogar Gott selbst in uns aufnehmen. Gott gehorchen heißt, den größten Reichtum, IHN aufzunehmen. Und: Alles, was Gott uns schenkt, ist dazu da, um weitergegeben zu werden. Wer hat, kann geben, wer empfängt, kann schenken.

Und umgekehrt, liebe Gläubige, wenn wir Gott beiseite schieben, was können wir dann empfangen, woran orientieren wir uns? Wird uns nicht bald der tiefere Sinn des Lebens abhanden kommen? Werden wir nicht die Motivation für viele Dinge verlieren? Wem gehorcht der Mensch dann, wenn er Gott nicht gehorcht? Seinen Trieben und Neigungen? Wird er nicht ein Spielball von Ideologien und selbstgemachten Anschauungen? Der Mensch ohne Gott wird immer leerer oder häuft Ballast an, der nicht zum Weiterschenken geeignet ist. Das Ich verkrümmt sich.

Drei Ebenen des „Gott mehr Gehorchens“:  Europa, Kirche, der einzelne Christ

Wir sollen Gott mehr gehorchen als dem Menschen, dies, liebe Gläubige gilt für Europa, es gilt für die Kirche Christi und es gilt genauso für jeden Einzelnen von uns.

Europa: Kürzlich brannte in Paris eines der bedeutendsten Wahrzeichen des christlichen Glaubens, Notre Dame. War das nicht ein Warnsignal für die Christen Europas, dass da lautet  “Ihr müsst umkehren, ihr müsst Gott mehr gehorchen als den neuzeitlichen Ideologien”? Wenn ihr nicht die christlichen Wurzeln Europas neu belebt, wenn ihr Europa nicht wieder neu mit seiner Lehre erfüllt, dann wird es nicht mehr sein. Notre Dame ist schon das zweite deutliche Warnsignal an Europa. Vor drei Jahren stürzte im Geburtsort des Heiligen Benedikt die Basilika des Heiligen und Patrons von Europa und die Kathedrale in dessen Geburtsort Norcia ein.

Die Kirche: Der Kölner Kardinal Woelki sagte jüngst, auf Deutschland bezogen, es gäbe nur zwei Möglichkeiten, entweder die Entsäkularisierung der Kirche oder die Entchristlichung der Gesellschaft. Das bedeutet, wenn sich die Kirche nicht entsäkularisiert, also auf den Kern der Botschaft besinnt und wahres Profil zeigt, dann hat sie keinen Einfluss mehr auf die Gesellschaft, dann wird die Gesellschaft entchristlicht und die Kirche ist überflüssig. Eine angepasste Kirche wird nicht ernst genommen und löst sich auf.

Jeder Einzelne Christ steht genauso vor dieser Alternative, Gott mehr zu gehorchen oder den Menschen.  Dies soll der Fall sein, wenn es um das Bekenntnis zu  christlichen Grundsätze geht, wie das christliche Gottesbild, das Menschenbild, der Schutz des Lebens, die besondere Stellung der Familie, usw. Es trifft zu, wenn wir ganz einfach die zehn Gebote betrachten. So stellt sich für  jeden Christen am Sonntag die Frage. Den Tag des Herrn heiligen, das Sonntagsgebot erfüllen oder eben Gott weniger gehorchen als den Menschen.

Gott mehr zu gehorchen kann sich in besonderen Situationen abspielen, wenn wir Seine Stimme im Gewissen vernehmen. Jemand hat z. B.  den Gedanken, er soll einen Krankenbesuch machen, dann kommt die andere Seite mit vielen Ausreden. Oder jemand spürt den inneren Anstoß, er soll jetzt einen Neubeginn in der Ehe starten, wieder in die Beziehung investieren, dann kommt der innere Widerstand von der anderen Seite, oder jemand spürt deutlich, er solle jetzt einen Schritt der Versöhnung tun oder mit einem ernsthaften Gebetsleben beginnen. Das sind alles Situationen, wo es darum geht, jetzt wirklich der Stimme Gottes mehr zu gehorchen als den Menschen.

Immer dann, wenn wir gute und richtige Entscheidungen treffen, dann erfahren wir eine innere Stärkung. Eine Frau erzählte mir neulich, dass sie sehr lange mit einem Problem gerungen hat, als sie sich schließlich für das Gute entschied und die Entscheidung traf, in dem Moment erfuhr sie eine große Erleichterung, einen inneren Frieden und eine Stärkung.

3) Die Alternative – Bekenner oder Verleugner – authentischer Christ oder Karrikatur

Der amerikanische Psychologe Jordan Peterson hat ein vielbeachtetes Buch geschrieben mit dem Titel (Twelf rules for Life, zwölf Regeln für das Leben). Darunter ist die Regel „Tell the truth – or, at least, don’t lie“ (sag die Wahrheit … lüge nicht) und „Persue what is meaningful (not what is expedient)“ (strebe nach dem Bedeutungsvollen, nicht nach dem, was nützlich ist). In dem Buch führt er auch aus, was geschieht, wenn jemand ja sagt, wo er nein sagen sollte. Wenn jemand das tut wird er geschwächt, wenn er es öfter tut, wird der Charakter verdorben, der Mensch degeneriert zu einer Karrikatur. Und umgekehrt, wenn der Mensch dem Gewissen folgt, die Wahrheit sagt und die dadurch entstehenden Widerstände aushält, dann erfährt er jedes Mal eine Stärkung und der Charakter wird immer fester, d. h. der Mensch wird authentisch. Auf diesem Weg sind einfache Gläubige Bekenner und sogar Märtyrer  geworden, die eine große Anziehungskraft ausübten.

Für jeden von uns gibt es im Grunde genommen diese zwei Möglichkeiten. Es beginnt bei ganz kleinen Entscheidungen. Jeden Tag können wir einige Schritte gehen in Richtung Bekenner und innerlich stärker werden oder wir können durch Anpassung und Verleugnung die innere Freiheit, Stärke und Freude verlieren. 

Ich möchte euch alle ermutigen, diesen Weg des Bekenners zu gehen. Junge Leute halten heute Ausschau nach Menschen, die eine Klarheit, Orientierung und Zuversicht ausstrahlen. Dieser Weg bringt Sinn in das Leben, bringt wahre Freude und führt dazu, dass in uns eine persönliche Beziehung zum Herrn wächst. 

4) Erfüllt Tirol mit Seiner Lehre

Die wenigen Apostel haben damals in wenigen Tagen die Stadt Jerusalem mit der neuen Lehre erfüllt. Ihr liebe Gläubige, seid die Apostel von heute. Ihr habt das Potential und seid berufen, ganz Tirol und darüber hinaus neu mit Seiner Lehre zu erfüllen.

Wenn wir jetzt die Heilige Messe feiern, dann begegnen wir demselben Herrn wie die Jünger damals, dem Auferstandenen. Wenn wir Messe feiern, dann wirkt der derselbe Heilige Geist. Wenn wir es tun in der festen Überzeugung, IHM mehr zu gehorchen als den Menschen, dann dürfen wir die Worte des Priesters am Ende der Messe wörtlich nehmen. Gehet hin in Frieden, richtig übersetzt, gehet hin als Gesandte, als Apostel, als Vorboten einer von Glauben wieder neu erfüllten Heimat. Amen.

Gauderfeldmesse 6.5.2018

Predigt zum Gauderfest 2018
mit Bezirksblasmusikfest und Jubiläen
70 Jahre Bezirksblasmusikverband, 200 Jahre Musikkapelle Zell am Ziller

Bleibt in meiner Liebe!

Liebe Frau Bundesminister! Herr Landeshauptmann! Lieber Brauchtums- und Trachtenvereine, liebe Musikkapellen des Bezirkes mit der jubilierende Bundesmusikkapelle Zell am Ziller, Liebe Schützen. Liebe Gäste aus nah und fern, aus Südtirol, Baiern und darüber hinaus!

Jesus sagt im heutigen Evangelium. Bliebt in meiner Liebe!

Einem Literaten wird der Satz zugeschrieben. „Tradition ist nicht Anbetung der Asche, sondern Weitergabe des Feuers!“ Tradition heißt vor allem auch bleiben, bei der Überzeugung bleiben, feststehen in dem, was man tut, es heißt, etwas lebendig halten, z. B. die Musik pflegen und weitertragen, wie es unsere Bundesmusikkapelle seit 200 Jahren tut (seit 150 Jahren auch als Feuerwehrmusik), es heißt, die Tracht oder das Schützenwesen pflegen, wie ihr es heute zum Ausdruck bringt, und natürlich den Glauben bewahren und lebendig halten, es geht um das Feuer der Liebe.

Es ist vielleicht gerade heute wichtig, diese Aspekte des Bleibens, der Tradition zu betonen. Wir leben auch in einer Zeit, wo vieles leichtfertig über Bord geworfen wird, wo es geradezu einen Kult der Veränderung gibt, wo manche meinen, alles müsse stets neu erfunden werden. Da und dort, auch in der Kirche werden Diskussionsprozesse angestoßen, oft ohne Ziel, im naiven Glauben, es werden Visionen dabei herauskommen. Blieben, bewahren, lebendig halten hingegen ist nicht etwas starres, sondern erfordert höchste Aktivität.

Die Liebe, größte Kraft des Bleibens

Die größte, die eigentliche Kraft des Bleibens ist die Liebe, weil sie von Gott stammt. Unsere Welt ist nicht das Produkt eines Zufalles, sondern Ergebnis der schöpferischen Liebe, unser Christsein ist möglich durch die erlösende Liebe Jesu Christi, und die Liebe Gottes vervollkommnet und durchwirkt alles durch den Heiligen Geist. Der Apostel Paulus hat diese Kraft der Liebe, diese Gnadengabe überschwänglich im Korintherbrief beschrieben und sagt am Ende: Die Liebe glaubt alles, sie hofft alles, die Liebe hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf.

Das Kreuz, kulturelles und religiöses Symbol, Logo des Christen sowie Zeichen von Liebe, Toleranz und der Freiheit

Wenn wir nachdenken über die Tradition, über das Bleiben in der Liebe, über das Feuer der Liebe, dann stoßen wir auf ein Zeichen, das heute hier präsent ist. Das beeindruckende Kreuz, das heute beim Altar steht, gehört der Gemeinde Ramsau, es wurde vor zwei Jahren von Fähnrich Markus Anfang errichtet für das Regimentstreffen und Bezirksblasmusikfest. Dieses Kreuz, dass gerade öffentlich heftig diskutiert wird, ladet ein zur Betrachtung und dann zur Verinnerlichung. Der Apostel Paulus sagte von diesem Zeichen, es sei den Juden ein empörendes Ärgernis, den Griechen eine Torheit, uns aber, sagt er, „die wir gerettet werden, ist es Gottes Kraft.“ (1 Kor 1,18). Manchen ist das Kreuz heute gleichgültig, anderen eine bloße Zierde, einigen ist es Anlass zum Spott, es kommt sogar vor, das Christen mit hohen Ämtern das Kreuz verstecken, anderseits sehen viele, wie z. B. die bayrische Regierung, im Kreuz ein kulturelles Symbol, weil sie noch nicht vergessen haben, aus welchen Hauptquelle, aus welchen Wurzeln unsere Kultur stammt und teilweise noch getragen wird. Sie erkennen und anerkennen die Kultur auch als Frucht dieser Geistigkeit, des Kreuzes, des Glaubens, des Christentums. Sie wissen z. B., dass die Demokratie von Voraussetzungen lebt, die sich selbst nicht geben kann.

Das Kreuz ist darüber hinaus ein religiöses Zeichen, Ausdruck eines Glaubens und eine Lebenshaltung. Und es ist drittens sozusagen das Logo des einzelnen Christen, ein Symbol, dass wir persönlich als Siegel tragen. Bei der Taufe hat der Priester und bei der Firmung der Bischof mit Chrisamöl dieses Zeichen auf unsere Stirn gezeichnet. Es ist unser Seinsmerkmal.

Wenn wir im Glauben auf Christus den Gekreuzigten blicken, dann können wir im Kreuz das Zeichen der Liebe erkennen. So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn dahingab, damit jeder, der an ihn glaubt, noch verloren geht, sondern das ewige Leben hat (Joh. 3,16).

Wenn wir auf Christus blicken, dann können wir im Kreuz das Zeichen der Toleranz erkennen. Tolerare kommt aus dem Lateinischen und heißt so viel wie dulden, ertragen, aushalten. Die größte Tat der Toleranz hat ER vollbracht. Er hat die ganze Sünde der Welt auf sich genommen und ausgehalten. In diesem Sinne bedeutet Toleranz nicht Gleichgültigkeit, auch nicht eine Indifferenz, sondern eben das Bleiben in Seiner Liebe. Dieses Zeichen der Toleranz im Namen einer Toleranz verstecken, wäre wohl kontraproduktiv.

Wenn wir auf Christus blicken, dann sehen wir Kreuz ein Zeichen der Freiheit, die größte Freiheitstat, im Gehorsam gegenüber dem Vater dessen Willen tun.

Das Kreuz erhöht

Ihr Musiker wisst es. Wenn in einer Notenzeile ein Kreuz steht, dann werden die Noten dieser Zeil erhöht. Das können wir auch symbolisch anwenden. Die Tätigkeit der Musikkapellen erhöht und belebt das öffentliche Leben, die Gemeinden und das Vereinsleben. Die Tätigkeit der Brauchtungspfleger und der Schützen erhöht das kulturelle leben. Gute Musik kann den Menschen höher führen, sie hilft, geistige Empfindungen ausdrücken, die man nicht in Worte fassen kann. Die Musik im Gottesdienst ist nicht nur ein Beiwerk, sondern Bestandteil der Liturgie, sie führt höher, sie hilft, das Herz zu erheben, dass zu realisieren, was geistig geschieht.

Das Kreuz, liebe Gläubige ist Ausdruck der Liebe und führt zugleich hin zur Gnadengabe der Liebe, die alles andere übersteigt. Das Kreuz ist Ausdruck jener wahren Toleranz, die bereit ist, für das Gute, für das Wahre zu leiden, Situationen auszuhalten, durchzutragen und dabeizubleiben. Das Kreuz, wo immer es angenommen wird, führt den Menschen zu einer höheren Freiheit. Zu Freiheit die durch das Ja zu Gott, zum Nächsten und zur Verantwortung für andere gekennzeichnet ist. Jene Freiheit, die den Eigenwillen vom Willen Gottes durchkreuzen lässt.

Unser Land ist voll von Kreuzen bis zu den Berggipfeln. Die Kreuze können uns helfen, dankbar unsere Kultur zu schätzen, unseren Glauben tiefer zu erfassen und unser eigenes Christsein in Liebe, Toleranz und Freiheit erfüllt zu leben.

Das Kreuz steht bei der Heiligen Messe an jedem Altar. In der Messe feiern wir das Kreuz und die Auferstehung Christi. Dieses Kreuz am Altar möge uns bewusst machen. Die Messe ist der Ort des Eintretens in die Gemeinschaft mit dem Gekreuzigten und Auferstandenen, es ist der Ort des Bleibens in seiner Liebe und es ist der Ort der größten Veränderung. Hier geschieht Heiligung, hier kann das Feuer seiner Liebe entzündet werden.

Kommt jetzt alle betend, musizierend, mit euren Freuden und mit Euren Nöten, mit eurem Herzen zu ihm, bleibt in seiner Liebe. Seine Liebe möge euch erfüllen, damit seine Freude in euch sei, beim heutigen Umzug, bei Eurem Wirken im den Vereinen, in euren Familien. Von Seiner Liebe gehe die Kraft aus für Eure Liebe zur Musik, zum Brauchtum, zur Heimat, zur Kultur und zu Seiner Kirche, zum IHM, unseren Herrn und dem Nächsten. Amen.

30. Dezember, Radio Maria live aus Maria Rast

Sie diente Gott mit Beten und Fasten

Predigt in Maria Rast mit Radio Maria 30. Dez. 2017

(1 Joh 2,12-17, Lk2,26-40)

Liebe Gläubige! Lieber Hörergemeinschaft von Radio Maria!
Die Weihnachtszeit – Vertiefung der Gotteserkenntnis

Wir befinden uns heute am 6. Tag der Weihnachtszeit, also noch in der Weihnachtsoktav, d. h. innerhalb der acht Tage der unmittelbaren Weihnachtszeit.

Weihnachten ist ein Ereignis, die Feier von Weihnachten ist die Vergegenwärtigung eines Ereignisses oder auch dessen Verinnerlichung, die Weihnachtszeit ist uns geschenkt, damit wir dieses Glaubensgeheimnis in uns weiter vertiefen, damit es in uns lebendig bleibe oder lebendiger werde.

Die Lesungen in der Weihnachtszeit berichten uns von Menschen, die Christus, das Weihnachtsgeheimnis erkannt haben. Mit Weihnachten begann ein Prozess der Erkenntnis Christi im Laufe der Geschichte.

Am Weihnachtsfest selbst haben wir von den Engeln gehört, die in ihrer Reinheit zuerst den neugeborenen Messias erkannten, von den Hirten, die in ihrer Armut offen waren für die neue Botschaft. Selbst Herodes, wie wir am Tag der unschuldigen Kinder gehört haben, hat etwas von der Bedeutung des neugeborenen Kindes erkannt, weil er es fürchtete als Gefahr für seine Macht. Am zweiten Weihnachtstag haben wir vom heiligen Stefanus gehört, der vom Geist erfüllt war und den Himmel offen sah. Gestern handelte die Lesung vom greisen Simeon, der in Jesus das Licht der Völker erkannte.

Am heutigen Tag blicken wir auf die Prophetin Hanna im Lichte der Worte des Johannesbriefes.

Zeit der Gotteserkenntnis

Die Weihnachtszeit ist uns geschenkt, dass wir diesem Glaubensgeheimnis der Menschwerdung in uns Raum geben, dass wir in der Gotteserkenntnis wachsen. Dabei hilft uns vor allem das Wort Gottes. So hat der Heilige Hieronymus einmal gesagt, wer die Schrift nicht kennt, der kennt Christus nicht. Im Johannesbrief haben wir heute die Worte gehört: Ich schreibe euch (…), dass ihr stark seid, dass das Wort Gottes in euch bleibt und dass ihr den Bösen besiegt habt.

Das Wort Gottes schenkt Erkenntnis Gottes, es schafft Beziehung zu Gott, deshalb macht es stark, es gibt die Kraft, das Böse zu besiegen. Deshalb betrachten wir die Bibel als Heilige Schrift, als wirkmächtiges Wort. Deshalb gelten ihre Autoren als von Gott inspiriert und deshalb hat die Kirche den Auftrag, dieses heilige Wort in seiner Unverfälschtheit zu bewahren und vor ideologischen Einflüssen zu schützen.


Das Beispiel der Witwe Hanna

Die Witwe und Prophetin Hanna ist uns eine Wegweiserin in der Weihnachtszeit. Sie hilft uns, das Wort und den Urheber des Wortes selbst aufzunehmen. Drei Dinge lehrt sie uns durch ihr Leben. Sie hielt sich ständig im Tempel auf, sie diente Gott mit Fasten und Beten, und sie lebte den Witwenstand gottverbunden. So hat sie dann den Messias erkannt und Gott gepriesen.

Heilige Orte aufsuchen:

Hanna heilt sich ständig im Tempel auf. Sie lehrt uns, dass es gut ist, die Heiligen Orte, besonders die geweihten Kirchen aufzusuchen. Sie sind geheiligt durch die Gegenwart des Menschgewordenen Sohnes im Tabernakel. Sie helfen uns, Weihnachten zu vertiefen. Wir sollen die Heiligen Orte nicht durch profane Tätigkeiten entwerten oder gar entweihen und wir sollen nicht heilige Handlungen an profane Orte verlegen.

Gott dienen durch Beten und Fasten:

Hanna hat Gott gedient durch Beten und Fasten. Das Gebet schafft Beziehung zu Gott. Das Gebet öffnet den Menschen für eine tiefere Gotteserkenntnis.

Das Fasten, der bewusste Verzicht aus Liebe, gibt dem Geist mehr Raum. Es macht uns frei von Anhänglichkeiten an vergängliche Dinge und frei für höhere Dinge, letztlich für die Liebe zu Gott.

Hanna lebte den Witwenstand gottverbunden:

Hanna hat den Witwenstand gelebt. Sie verzichtete so auf eine Erfüllung im menschlichen Bereich. Sie nahm den Stand der Witwenschaft an und sie entdeckte darin eine Möglichkeit, Gott besonders zu dienen.

Sie nahm einen menschlichen Mangel auf sich. Dadurch wurden in ihr Kräfte frei für den besonderen Dienst an Gott. Man könnte sogar sagen, sie hat durch die Annahme eines Mangels eine größere geistliche Wirkmöglichkeit gefunden. So wurde sie vor den Schriftgelehrten und Ältesten gewürdigt, den Messias zu erkennen und eine wahre Weihnachtsfreude zu erleben.

Liebe Gläubige: Wir sind jetzt im Heiligtum Maria Rast versammelt, um Gott durch unser Gebet zu dienen. Die heilige Hanna möge uns helfen und lehren, durch Gebet und Fasten sowie durch die Annahme und geistliche Bewältigung verschiedener Mängel oder schwieriger Lebenssituationen geistliche Kräfte zu wecken, um damit Gott zu dienen und in der Erkenntnis Gottes zu wachsen.

Mit diesen Gedanken wollen wir jetzt als feiernde Gemeinde in Maria Rast und als Gebetsgemeinschaft von Radio Maria in den Lobpreis der Prophetin Hanna einstimmen. Amen.

3. Goldener Samstag (Weihbischof Hofer)

Goldener Samstag, Maria Rast, 14. Okt. 2017
Maria unter dem Kreuz, „Mariaschmerzen“

Liebe Schwestern und Brüder!
Das Evangelium, das wir eben gehört haben, ist uns sehr vertraut. Maria unter dem Kreuz (Joh 19, 25-27). Apropos Maria:
Viele von euch haben sicher ein Marienbild oder eine Muttergottesstatue zu Hause. Diese Mariendarstellungen sind jedoch sehr unterschiedlich: Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm oder auch die Schutzmantelmadonna, die unter ihrem Mantel die Menschen in Schutz nimmt. Wir kennen aber auch die Fatima- oder Lourdes-Muttergottes. Wieder anders sind die schönen gotischen oder barocken Marienbilder- oder Statuen usw.
Doch die bekannteste Darstellung ist wohl die Schmerzensmutter, die sog. Pieta: Maria, die voller Schmerzen unter dem Kreuz den Leichnam ihres Sohnes hält und vor Gram fast vergeht. – Und genau daran erinnern wir uns immer wieder, wenn uns das heutige Evangelium verkündet wird und wir an ihre Schmerzen denken.
Der Glaube des Volkes spricht von sieben Schmerzen Mariens. Sie sind alle in der Bibel genannt. Die Weissagung Simeons im Tempel von Jerusalem an Maria: „Deine Seele wird ein Schwert durchdringen“. Weiters die Flucht nach Ägypten, weil König Herodes das Jesuskind umbringen will. Dann das angstvolle Suchen des 12-jährigen Jesus bei einer Wallfahrt, weiters der schmerzliche Weg nach Golgota, die grausame Kreuzigung, die Kreuzabnahme und die Grablegung. Es gehört wohl zu den schmerzlichsten Situationen, wenn eine Mutter ihr eigenes Kind zu Grabe tragen muss. Was so eine Mutter erlebt und erleidet, ist kaum auszudenken.
Ja es stimmt: Maria unter dem Kreuz – diese Darstellung der Gottesmutter geht uns besonders zu Herzen oder? Wieso eigentlich? Weil wir uns bei Maria mit unserem Kreuz und Leid und mit allem, was uns Schmerzen bereitet und traurig stimmt, wiederfinden und von ihr verstanden fühlen. Denn alles, was uns oft so sehr niederdrückt und zu schaffen macht, hat auch sie erlebt und erduldet. Maria ist also trotz ihrer hohen Berufung immer „Schwester der Menschen“ und unsere Mutter geblieben.
Liebe Schwestern und Brüder!
Und so dürfen auch wir immer wieder mit unserem Kreuz und Leid zur Schmerzensmutter kommen! Wie sagt das Sprichwort? „Unter jedem Dach ein Ach!“ Und dieses „Ach“, dieses Kreuz hat – wie wir wissen -, 1000 Namen und Erscheinungsformen: Krankheit, plötzlicher Tod, Arbeitslosigkeit, Depression, gebrochene Beziehungen, Scheidung, Einsamkeit, Verleumdung, Krieg und Terror, Flucht und Hungersnot, Streit, Krebs usw. usf.
Und dieses Kreuz ist immer schwer und schmerzlich. Wir wollen es wegwerfen und loswerden und oft genug brechen wir auch unter dem Kreuz zusammen. – Doch wie sagt der Herr? „Wer nicht täglich sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein!“
Das heißt also: Das Kreuz gehört zu unserem Leben und noch mehr zum Christsein! Denn eine Nachfolge Christi zum Nulltarif gibt es nicht! Seit jedoch Jesus Christus den Weg des Kreuzes gegangen ist, wissen wir: Wir sind mit unserem Kreuz nicht allein! Denn ER geht mit und ER leidet auch mit uns!
Kreuz und Leid kann aber auch einen Menschen unendlich wachsen und reifen lassen! Wir alle kennen sicher Menschen, die an ihrem Kreuz nicht zerbrochen sind, die es vielmehr still und ergeben getragen haben und so über sich hinausgewachsen sind. Ich meine: solche Menschen sind die wirklich Großen in unserer Gesellschaft, die unser aller Achtung und Respekt verdienen.
Wie immer auch: Das Kreuz ist und bleibt für uns ein Geheimnis! Da jedoch Jesus am Kreuz für uns gestorben ist, dürfen wir wissen: Christus will uns nicht vom Kreuz erlösen, sondern Christus will uns durch das Kreuz erlösen!
Diese Erfahrung musste auch Maria machen. Deshalb steht sie auch auf unserer Seite als unsre große Fürsprecherin und unser Vorbild. Das Gedächtnis ihrer Schmerzen will uns wieder daran erinnern uns wohl auch trösten.
Liebe Schwestern und Brüder!
Der Vorvorgänger des jetzigen Erzbischofs von Prag war Kardinal Tomaschek. Ich habe ihn noch kennenlernen dürfen. Er war ein echter Bekennerbischof. Jahrelang wurde er von den Kommunisten eingesperrt und war amtsbehindert. Von diesem großen Mann stammt ein Wort, über das ich schon viel nachgedacht habe. Kardinal Tomaschek sagte: „Wer für die Kirche arbeitet, der tut viel. Wer für die Kirche betet, der tut mehr. Wer für die Kirche leidet, der tut am meisten!“
Wer für die Kirche arbeitet, der tut viel!
Gott sei Dank, gibt es in unseren Pfarren viele, die für die Kirche arbeiten; die viel Zeit und Energie für ihre Pfarre aufwenden. Und von all diesen Vielen lebt unsere Kirche und leben auch unsere Pfarrgemeinden! Ihnen allen danke ich!
Wer für die Kirche betet, der tut mehr!
Ohne Gebet können wir als Christen nicht leben. Und so danke ich jetzt ganz besonders all den vielen Beterinnen und Betern, die alles, was in unseren Pfarren geschieht, mit ihrem Gebet begleiten und so erst fruchtbar werden lassen. Die eucharistische Anbetung das ganze Jahr über in eurer Pfarre ist da ein wahres Kraftwerk für unsere Kirche! Herzlich Vergelt’s Gott dafür!
Wer für die Kirche leidet, der jedoch tut am meisten!
Oft klagen mir ältere Leute: „Ich kann jetzt nichts mehr tun, weil ich alt bin!“ Oh nein: Alte und Kranke können sogar sehr viel tun! Wenn sie nämlich ihr Kreuz und Leid, das mit dem Alter verbunden ist, gläubig und geduldig tragen und z. B. für ihre Familie, für ihre Kinder und Enkel oder auch für ihre Pfarre und die Kirche aufopfern, dann können sie viel Gutes tun; dann kann von ihrem Kreuz viel Segen ausgehen!
Und so danke ich allen Kreuzträgerinnen und Kreuzträgern mit einem kräftigen Vergelt’s Gott! Sie alle sind unserem Herrn, aber auch seiner Mutter sehr nahe! Möge die Schmerzensmutter sie alle mit ihrer machtvollen Fürbitte begleiten! Denn auch ihr blieb das Kreuz nicht erspart. Und so beten wir nun innig: Maria, du Frau der Schmerzen, bitte für uns! Amen.

Einweihung Fatimakapelle (Weihbischof Hofer)

Fatima, Zell/Z., 13. Okt 2017

Liebe Mitbrüder!
Liebe Schwestern und Brüder!
Das Wort „Fatima“ löst in uns ganz unterschiedliche Gedanken, Erwartungen, Sehnsüchte, Fragen und vielleicht auch Erinnerungen aus. Viele sind sicher über Fatima informiert, andere waren schon dort und noch einmal andere haben eine sog. Fatima-Muttergottes zu Hause oder denken an die vieldiskutierten Geheimnisse von Fatima usw. usf.
Um es ganz kurz zu sagen: Begonnen hat alles am 13. Mai 1917. Da ist drei Hirtenkindern eben in Fatima, 130 Kilometer nördlich von Lissabon, die Muttergottes erschienen, „strahlender als die Sonne“, wie sie berichten. Es waren dies die Geschwister Francisco und Jacinta, 9 bzw. 7 Jahre und ihre Cousine Lucia. Sie war mit 10 Jahren die älteste. Insgesamt erschien Maria diesen Kindern sechsmal, immer am 13. der folgenden Monate.
Bei der letzten Erscheinung am 13. Oktober 1917 – also genau heute vor 100 Jahren – beobachteten 70.000 Menschen das sog. „Sonnenwunder“. Die Sonne drehte sich wie ein riesiges Feuerrad mit rasender Geschwindigkeit. Sie schien auf die Erde zu stürzen und nahm dann ihre normale Lage wieder ein.
Als sie aufhörte zu tanzen, hatte sie sich blutrot verfärbt. Das alles dauerte etwa 10 Minuten, berichteten alle, die Augenzeugen dieses Wunders gewesen sind. Viele stellten erstaunt fest, dass ihre vom Regen völlig durchnässten Kleider plötzlich trocken waren. Selbst in 40 Kilometer Entfernung war diese Himmelserscheinung noch zu sehen. Dieses sog. „Sonnenwunder“ galt fortan als Bestätigung der Botschaften der Gottesmutter. – Und was war ihre Botschaft?
Liebe Schwestern und Brüder!
Die Botschaft von Fatima möchte ich nun mit den drei Worten zusammenfassen: Umkehr, Gebet und Friede!
Umkehr, das ist die Urbotschaft Jesu! „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe“ (Mt 4,17). Mit diesem Appell beginnt Jesus sein öffentliches Wirken. Diese Botschaft hören wir jedes Jahr vor allem im Advent und in der Fastenzeit. Aber sie ist nicht nur auf diese Wochen beschränkt. Denn Umkehr haben wir alle jeden Tag nötig!
Umkehr heißt nämlich: uns stets neu auf Gott und unsere Mitmenschen hin auszurichten; uns Gott zuzukehren; die Wege, die von Jesus wegführen, zu verlassen; gegen die bösen Neigungen in uns, die jede und jeder kennt, anzukämpfen; unsere Fehler, Schwächen und Sünden nicht zu bagatellisieren, sondern zu bereuen und auch zu beichten; mit Entschiedenheit das Gute zu tun usw. usf. Und das nicht nur alle heiligen Zeiten, sondern jeden Tag! Deswegen ruft uns auch der Apostel zu: „Lasst euch mit Gott versöhnen“ (2 Kor 5,20)!
Gewiss: Echte und wirkliche Umkehr geht nicht im Handumdrehen. Oftmals ist dies ein hartes Ringen mit unserem inneren „Schweinehund“. Doch wenn Maria bei der 2. Erscheinung am 13. Juni 1917 zu Lucia sagte: „Verliere nicht den Mut! Ich werde dich nie verlassen!“, dann gilt dieses Wort der Gottesmutter wohl auch uns. Sie möge uns in unserem Bemühen begleiten.
Liebe Schwestern und Brüder!
Das 2. Stichwort heißt Gebet! Immer wieder forderte Maria bei ihren Erscheinungen in Fatima die Seherkinder auf zu beten, täglich zu beten, den Rosenkranz zu beten, für die Bekehrung der Sünder zu beten!
Beten, das ist das Atmen der Seele. Beten heißt in Kontakt stehen mit Jesus, mit dem lebendigen Gott. Ohne Gebet würde uns als Christen bald die Luft ausgehen. Beten aber ist immer auch ein stellvertretendes Geschehen und Tun. Denn wir stehen ja nicht nur allein vor Gott, sondern immer auch für andere.
Eine Mutter z.B. nimmt sicher, wenn sie in die Kirche geht, ihre ganze Familie mit, und der Pfarrer betet für seine ganze Pfarrgemeinde. Das ist stellvertretendes Beten. Von ihm geht ganz sicher sehr viel Segen aus für unsere Mitmenschen, für unsere Familien, für die Kirche, ja für die ganze Welt.
In diesem Zusammenhang will ich auch ein Wort zum sog. „Sühnegebet“ sagen. Zu Weihnachten singen wir: „Christ ist erschienen, für uns zu sühnen.“ Sühne meint, stellvertretend für die Sünden anderer büßen, d.h. zu beten oder ein Opfer zu bringen. Sühne ist also ein Akt der Wiedergutmachung. Dies ist deswegen möglich und höchst sinnvoll und erstrebenswert, weil wir als Christen alle einen Leib bilden und miteinander in einem lebendigen Austausch stehen.
Auf diesem Hintergrund können wir also mit Fug und Recht beten: „Mein Gott! Ich bitte dich um Verzeihung für jene, die nicht an dich glauben, dich nicht anbeten, auf dich nicht hoffen und dich nicht lieben!“ Dieses Sühnegebet ist im Grunde ein stellvertretendes Gebet für andere! Tun wir deswegen einander diesen Dienst der Liebe. Er kann und wird vielen helfen.
Liebe Schwestern und Brüder!
Und das 3. zentrale Wort der Botschaft von Fatima heißt Friede! „Betet und es wird Frieden sein“, sagte die Gottesmutter in Fatima! Das war nicht nur damals während des 1. Weltkrieges aktuell, das Gebet um den Frieden ist heute aktueller denn je! Denn die Welt blutet im Großen wie im Kleinen! Krieg, Terror, Unfriede, Gewalt, Mord und Totschlag, Hetzte, Verleumdung, Flucht usw. sind nur einige Stichworte dafür.
Wir wissen es alle: Niemand kann den Frieden erzwingen. Wenn nämlich der andere nicht will, bin ich machtlos. Wenige können den Frieden verhandeln; alle aber können wir um den Frieden beten! Denn alle Menschen sehnen sich nach Frieden. Dieser Friede aber beginnt in der eigenen Familie! Beten wir also mit Maria um den Frieden in unseren Familien, um den Frieden in unserer Kirche und um den Frieden in der Welt. Denn ohne Friede kann niemand leben!
Liebe Schwestern und Brüder!
Dauerhafte Umkehr, beharrliches Gebet vor allem das Rosenkranzgebet und echtes Bemühen um den Frieden, das sind drei zentrale Botschaften von Fatima.
Das Seherkind Franzisco starb 1919 mit 11 Jahren, seine Schwester Jacinta ein Jahr später mit noch nicht 10 Jahren. Papst Franziskus hat sie heuer am 13. Mai in Fatima heiliggesprochen. Und Lucia starb als Ordensfrau 2005 mit 93 Jahren. Und so rufen wir nun voll Vertrauen: U.L.F. von Fatima! Bitte für uns, bitte für unsere Familien und für die ganze Welt! Amen.

Jubiläumsgottesdienst 100 Jahre Fatima

am Samstag, 13. Mai um 8.00 Uhr in Maria Rast mit Hauptzelebrant Dekanstellvertreter Hans Peter Proßegger, Pfarrer Jürgen Gradwohl und Festprediger Dekan Ignaz Steinwender

Liebe Mitbrüder, liebe Pfarrgemeinderäte aus dem Dekanat, liebe Gläubige aus dem Zillertal und darüber hinaus!

Der 13. Mai hat eine besondere Bedeutung im Leben, bei den Päpsten und für die ganze Kirche. Wie mein Mitbruder eben sagte, seit 1917 hat sich die Welt verändert, aber der 13. Mai hat auch eine aktuelle, gegenwärtige Bedeutung, die sollen wir auch bedenken.

Aber zunächst zu den Päpsten: Am 13. Mai 1792 ist Pius IX. geboren. Ein Papst, der wie fast kein anderer marianisch war, der sich auch mit Irrtümern auseinandergesetzt hat, schon damals, die die Botschaft von Fatima betreffen. Am 13. Mai 1981 gab es das Attentat auf Johannes Paul II. der sich wie kaum einer von Maria führen ließ. Aber das entscheidende Ereignis war der 13. Mai 1917. Mitten in einem grausamen Weltkrieg, in dem Jahr, in dem eine furchtbare Ideologie sich erstmals durchsetzte in der Oktoberrevolution, ist die Muttergottes in Fatima erschienen. Es ist derselbe Tag, an dem Pius XII. in Rom zum Bischof geweiht wurde. Und mit diesem Ereignis in Fatima ist eine Botschaft verbunden, die uns ganz tief aufrüttelt und uns sagt: Kehrt um, wendet euch hin zu Gott, betet, tut Buße. Und es ist eine Botschaft, die wie keine andere hineinreicht in das Alltagsgeschehen, in das Weltgeschehen, in das politische Geschehen. Die Botschaft betrifft auch das Phänomen des Krieges. Ursachen und Folgen. Und auch das Phänomen Marxismus unter dem Stichwort politischer Wirkung. Diese Botschaft hat die Welt verändert, den Gang der Geschichte mit beeinflusst.

Und heute sind wir hier am 13. Mai. Heute ist auch ein historischer Tag. Es ist nicht nur ein Gedenken an 100 Jahre Fatima. Heute wird entscheidendes Geschehen: in Fatima wo der Heilige Vater zwei Seherkinder heilig sprechen wird: Jacinta und Francisco. Es wird ein geistliches Ereignis sein mit einer besonderen Wirkkraft, die wir noch nicht abschätzen können. Heute wird in Rom ein junger Amerikaner zum Priester geweiht, dessen Vorfahren aus dem Zillertal stammen. Es ist auch etwas Bedeutendes, schließen wir ihn in unser Gebet ein. Heute ist auch ein wichtiger Tag für unsere Pfarren, für das Zillertal, für jeden uns. Und vielleicht können wir später einmal sagen, an diesem Tag hat etwas Besonderes begonnen. Wir hatten vorgestern einen Vortrag über die Entwicklungen in Europa von einem Politprofi aus Deutschland und er hat am Beginn seiner Ausführungen gemeint, es ist ja schwierig über die Probleme und negativen Dinge zu sprechen, wenn man praktisch im Vorzimmer des Paradieses ist. Er hat die wunderschöne Gegend bewundert und er war zutiefst angerührt von der Schönheit und den Schätzen in unserem Tal, die er während seines kurzen Aufenthaltes bereits entdecken konnte.

Vor eineinhalb Jahren hat mich nach der Heiligen Messe eine Frau auf Englisch gefragt, ob ich ihr Auskunft geben könnte über ihre Vorfahren und wir sind ins Pfarrbüro gegangen und haben es im Taufbuch auch gleich gefunden. Ihr Mann, ihre Tochter und ihr Sohn, eben der junge Mann, der heute geweiht wird, waren dabei und ich habe ihnen das Haus gezeigt, wo ihre Vorfahren herstammen. Und nachher sind wir zum Essen gegangen und der Vater des heutigen Weihekandidaten hat dann gemeint: Der Bischof muss Sie sehr gerne haben, dass er Sie in eine so schöne Gegend schickt. Vielleicht geht es uns heute auch so ähnlich, dass wir einerseits die Schönheiten sehen und erfahren und vielleicht bewusster aufnehmen, die Landschaft, die Tradition, die kulturellen Schätze und zugleich spüren, es ist viel Leid da. Persönliche Schicksale aber auch das Leid, das wir uns gegenseitig zufügen. Wenn wir mit den Nachbarn im Streit sind, wenn es innerhalb der Beziehungen Streit gibt. Vieles was wir Menschen uns sozusagen bereiten, durch die Folgen der Erbsünde, weil dieser Kampf zwischen der Schlange und der Frau eben auch in unserem Inneren da ist. Und zugleich sehen wir heute auch wenn wir wachsam sind, verschiedene dramatische Entwicklungen in unserer Gesellschaft, zB die demografische Entwicklung oder dass das Leben kaum noch geschützt wird. Viele fragen auch: Wie geht es weiter mit dem Wohlstand? Und angesichts der Botschaft von Fatima müssen wir uns auch fragen: Ist nicht auch die Gefahr eines Krieges greifbar? Und wenn wir einerseits diese Probleme vor Augen haben und andererseits die Schönheiten betrachten und empfinden, dann fragen wir uns: Wie können wir mit diesem Widerspruch am besten umgehen? Es gibt einige Versuchung in dieser Situation: die eine Versuchung wäre, dass wir das ganze verdrängen, nach dem Motto, was ich nicht weiß, macht mich nicht heißt. Ich höre nicht hin, lese nichts und kann einfach unbeschwert vor mich hin leben. Oder es die Versuchung da, wir flüchten in Ablenkungen und steigern uns irgendwo hinein, um das größere Ganze einfach zu übersehen und vergessen. Die Versuchung an der Oberfläche zu leben, die Versuchung des Götzendienstes, also irgendwelche Dinge so bedeutsam zu machen, dass sie den Platz Gottes einnehmen, die Versuchung der Zerstreuung, dass wir das Glück dort suchen, wo wir es nicht finden können und in Süchte hineingeraten . Oder die Versuchung der Resignation bis hin zur Verzweiflung.

Aber was ist unsere richtige Antwort, jenseits dieser Versuchungen. Ich möchte drei Punkte aufzählen, natürlich nur exemplarisch. Wir sollen die Wirklichkeit nüchtern sehen. Wir sollen das was ist, uns selbst annehmen. Wir sollen auf diese Situation antworten.

Das erste, liebe Gläubige, das ist das mit sehenden Augen durch die Welt gehen. Sehen heißt auch mit dem Blick des Glaubens, das sehen, was wir in der Lesung gehört haben. Die Feindschaft zwischen der Schlange und der Frau, den geistigen Kampf sehen, der heute überall tobt. Wir wären blind, wenn wir das nicht wahrnehmen würden. Wie Papst Benedikt XVI. 2010 gesagt hat: die Fatima-Botschaft ist noch nicht zu Ende. Wir sollen sehen, welche Entwicklungen und Veränderungen da sind. Wir müssen uns, liebe Gläubige, auch mit der Geschichte befassen, sonst sehen wir nichts, sonst können wir nicht die Zukunft planen, wenn wir nicht wissen, wo die Wurzeln sind. Sehen heißt mit den geistlichen Augen sehen. Paulus sagt, der geistliche Mensch urteilt über alles, weil er in die Tiefe sieht. Wir sollen uns auch selbst betrachten, zur Selbsterkenntnis gelangen. Die Größe und das Elend des Menschen erkennen, unsere erhabene Berufung erkennen, unsere Gottesebenbildlichkeit, die Berufung zur Heiligkeit erkennen, aber auch wissen, dass die Folgen der Erbsünde auch da sind. Wir müssen es wissen, damit wir richtig damit umgehen. Aus den Sehenden sollen wir Annehmende werden. Mensch, die ja sagen zu sich selbst und Gott. Und gerade im Blick auf Fatima sollen wir erkennen, Gott hat uns da hingestellt, wo wir jetzt sind. Dort ist unser Platz. Wir sollen die Umstände und auch die Schwierigkeiten zunächst einmal annehmen. Besonders trifft das auch zu für Leidsituationen. In Fatima ist besonders auch der Gedanke an Sühne wichtig. Sühne bedeutet der Mensch tut etwas, um den Unrat an Schuld und Sünde zu tilgen, der in der Welt als geistliche Wirklichkeit da ist. Es hängt davon ab, ob Menschen Sühne leisten. Von dem hängt auch der Gang der Welt ab. Wenn Menschen in der Lage sind, etwas das Schwierigkeiten bereitet, ein Leid anzunehmen, dann werden sie damit zu einer tieferen Erkenntnis geführt. Menschen, die nicht die Warum-Frage stellen, sondern annehmen, bekommen indirekt oft eine Antwort auf die Frage nach dem Warum. Das Annehmen führt zu einer inneren Reifung und zu einer Öffnung des Herzen. Wo ein Mensch etwas annimmt in Liebe und im Glauben, dort öffnet sich die Tür für die Gnade Gottes, für die Vorsehung. Dort beginnt Gott im Herzen des Menschen zu wirken. Deswegen liegt in der Annahme des Leiden und in der Sühne überhaupt das größte geistliche Kapital. Davon hängt der Verlauf der Weltgeschichte ab. Und zum Annehmen gehört natürlich dazu, dass wir Gläubige auf die Situation der Welt aber noch mehr auf den Anruf Gottes jetzt in dieser Zeit wirklich antworten.

Wir sollen nicht Getriebene sein in der Welt, die von irgendwelchen Neigungen und Gefühlen oder Meinungen hin und her geschüttelt werden. Wir sollen Geführte sein, Menschen die eine innere Klarheit darüber haben, was gut und böse ist, was ihr eigentliches Ziel ist, was der Weg ist. Menschen, die eben geführt sind und eben in der Lage auch Orientierung zu geben. Wir sollen nicht Kinder der Zeit sein, die wie tote Fische mit dem Strom schwimmen. Wir sollen Kinder der Ewigkeit sein, Kinder Gottes sein. Uns so sollen wir auf die Situation der Welt und auf die geistliche Situation antworten, in dem wir alles, was uns bewegt, was wir erkennen und sehen und was wir anzunehmen haben vor Gott hintragen. Durch das Gebet, durch das regelmäßige Gebet, am besten durch die Anbetung. Denn alles was wir vor Gott hintragen, wird sozusagen hineingestellt in die Vorsehung, in das Wirken Gottes. Gerade dazu hat Jesus uns Maria zur Mutter gegeben. Sie leitet uns dazu an, dass wir alles immer wieder durch sie zu Gott bringen, denn dadurch wird die Geschichte eine Heilsgeschichte. Antworten auf die Verhältnisse heißt auch, liebe Gläubige, umkehren, nicht nur einmal, sondern sich immer wieder neu bewusst zu Gott hinwenden. Und es heißt auch, wir sollen tun, was wir in unserer Lage tun können, was jeder von uns an seinem Platz tun kann. Wir sollen bei jeder Gelegenheit das sagen, was man heute nicht sagen darf, weil es die Political Correctness verbietet. Und wir sollen uns bewusst sein, in der heutigen Welt als Christ zu leben, heißt auch, sich einzusetzen, einen geistigen Kampf zu führen. Zuerst einmal im eigenen Inneren. Wir müssen ringen um eine persönliche Gottesbeziehung. Gott muss uns innerlich werden, im Denken, im Fühlen, ganz im Herzen, so dass wir wirklich mit ihm kommunizieren, wenn wir mit ihm sprechen und noch mehr in der Eucharistiefeier. Es ist ein innerer Kampf um die Tugenden, des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Es ist so: Gott bietet uns alle Schätze an, aber nicht ohne uns, nicht ohne unsere Zustimmung und nicht ohne unser Mitwirken. Und wir sollen den Kampf auch führen in der Gesellschaft, dort wo wir sind: in der Familie, am Arbeitsplatz und auch besonders in der Politik. Die Christen sind gefordert. Und zur Antwort gehört es auch dazu, dass wir die geistlichen Mittel wieder mehr kennen und schätzen lernen. Dass wir wissen, dass das Fasten eine geistliche Kraft ist. Wenn wir diese einsetzen, gibt es Wirkungen. Das Gebet ist eine geistliche Kraft. Am meisten aber die Sakramente.

Über ein Mittel möchte ich noch ganz kurz sprechen. Es ist das was wir heute noch tun werden: die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens. Was bedeutet so eine Weihe. Es bedeutet, dass der einzelne Mensch sagt: Ich übergebe mich Maria. Ich stelle mich bewusst hinein unter ihren Schutz unter ihre Führung. Und Maria stellt mich hinein in das Wirken die Vorsehung. Es ist eine Art Selbstübergabe, die den Menschen nicht unfrei macht, sondern im Gegenteil, dem Menschen die Fülle der Freiheit im Lichte des Glaubens schenkt. Liebe Gläubige, wenn wir heute von diesem Mittel Gebrauch machen und uns bewusst Maria übergeben möchten, dann denken wir noch einmal daran, dass der heutige Tag, der 13. Mai, ein Kairos ist, eine Gunst der Stunde, eine besondere Gnadenstunde. Vielleicht sind heute Menschen da, die ganz unmittelbar eine Berufung empfangen. Vielleicht fallen heute Samen hinein in die Herzen, die heute beginnen zu wachsen, und in 20 oder 30 Jahren geschehen wichtige Dinge, die vielleicht heute wie ein Same begonnen haben. Der heutige 100. Gedenktag der Erscheinungen von Fatima ist für uns ein historisches Ereignis. Gehen wir heute bewusst zu Maria als sehende Menschen, als annehmende Menschen und als Menschen, die antworten auf den Ruf Gottes und auf die Zeichen der Zeit und dann dürfen wir wirklich voller Hoffnung sein, das Gegenteil von der Verzweiflung. Denn es gibt die ganz klare Glaubenswahrheit: der Sieg ist schon vollbracht. Christus, der Herr, hat zu Ostern gesiegt, er hat die Sünde besiegt, er hat den Tod besiegt. Für uns geht es eigentlich nur darum, dass wir auf Seiner Seite sind. Und es ist auch eine philosophische Erkenntnis, die Wahrheit hat ein Sein in sich. Die Lüge hat keinen Bestand. Die Lüge kann momentan mächtig werden, zu einer gewissen Zeit, an einem gewissen Ort. Aber auf lange Sicht hat nur Bestand was aus der Wahrheit ist. Und das, liebe Gläubige, muss uns dem Mut geben, für die Wahrheit des Glaubens, für die Würde des Menschen wirklich einzutreten. Und als Christen dürfen wir Vertrauen haben und das ist auch in den Worten der Muttergottes ausgedrückt: Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren!

Predigt zum Nationalfeiertag 2016

Predigt zum Nationalfeiertag, dem 26. Oktober 2016

Bitte um Hilfe Gottes – Gebet für Österreich
„Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist und Gott, was Gott gebührt“
Lesung vom Traum Salomons (1 Kön 3,11b-14) und Evangelium: Mt 22,15-21;

Liebe Gläubige!

Heute, am Staatsfeiertag, wollen wir besonders an unser Land Österreich denken und für unsere Heimat beten.
Der Nationalfeiertag wurde eingeführt, nachdem der letzte fremde Besatzungssoldat Österreich am 26. Oktober 1955 verlassen hat. Österreich war wieder frei. Die Freiheit Österreichs wurde erwirkt, erbetet und erlitten. Die selbstlosen Bemühungen von Politkern wie Leopold Figl und das Gebet 100.000 er Menschen, die sich am Rosenkranzsühnekreuzzug beteiligten, haben ein Wunder bewirkt, die Freiheit Österreichs, den Staatsvertrag. Vielleicht war dieses Wunder auch eine Frucht des Leidens vieler Menschen in den KZs etc. Das Wunder kam zustande in einem Klima, in einem Geist des Wiederaufbaues, geprägt von der Einstellung, dass man in der Not alle Kräfte mobilisiert, an sich, an Österreich und an Gott glaubt.

Dankbar die Vergangenheit und kritisch und wachsam die Gegenwart beurteilen
Nun sind es schon 60 Jahre, dass wir ununterbrochen in Frieden leben. Noch nie in der Geschichte Österreichs gab es eine so lange Zeit des Friedens. Heute denken wir dankbar daran, dass wir in Frieden, Wohlstand und mit einem hohen sozialen Niveau leben dürfen.

Gerade deshalb sollten wir aber realistisch die Gegenwart betrachten und Entwicklungen und Gefahren sehen, denen wir ausgesetzt sind.

– Es gibt Bestrebungen, Russland gegen Westeuropa aufzubringen, also reale Kriegsgefahr und es gibt Bestrebungen, den Islam zu radikalisieren und Europa zu destabilisieren.
– Wirtschaftsfachleute sagen, dass der Euro wackelt, das bedeutet die Gefahr einer großen Katastrophe.
– Auf Grund verschiedener Entwicklungen sind soziale Einbrüche vorherzusehen mit allen möglichen Konsequenzen.
– Eine Gefahr anderer Art ist der große Vertrauensverlust gegenüber der Politik und den Medien, die immer öfter den Eindruck erwecken, eher Gehirnwäsche als Information zu betreiben.
– ein weiteres Phänomen unserer Zeit ist die Zurückdrängung christlicher Werte im öffentlichen und im privaten Leben, während der Islam und der Atheismus im Voranschreiten sind. Die schleichende Abkehr von christlichen Grundwerten bedeutet auch, dass die Basis für die Demokratie schmäler wird.

Mit der Hilfe Gottes rechnen – das Beispiel König Salomons

Wenn wir uns fragen, wie wir uns zu bestehenden Entwicklungen stellen sollen, dann ist es einmal hilfreich auf das Beispiel des König Salomon zu blicken, der knapp 1000 vor Christus König in Israel wurde. Als Salomon in jungen Jahren König wurde, da sah er sich mit einer großen Verantwortung konfrontiert und er hatte einen Traum, in dem er sich etwas wünschen konnte. Salomon, der seine Verantwortung vor Gott erkannte, wünschte sich nicht den Tod der Feinde, ein langes Leben oder Reichtum und Ehre, sondern vielmehr ein hörendes Herz, dass fähig sei, das Gute und Böse zu unterscheiden. Dies war eine Bitte um die Hilfe Gottes, um die rechte Gewissensbildung. Dem König Salomon wurde sein Wunsch erfüllt. Er wurde der Inbegriff des weisen Herrschers. Alle anderen Dinge, die er Gott bzw. der Weisheit hintangestellt hatte, wurden im dazugegeben. An ihm wurde schon wirklich, was Jesus später geraten hat. „Suchet zuerst das Reich Gottes, alles Andere wird euch dazugegeben!“ Weil er zuerst die Verantwortung vor Gott sah, weil er mit seiner Hilfe gerechnet hat, deshalb ist er reich beschenkt und ein guter Herrscher geworden, zum Segen des ganzen Volkes.

Mit Gottes Hilfe für unser Land arbeiten und beten

Wenn wir heute dankbar den Staatsfeiertag und damit die Freiheit Österreichs feiern, dann überlegen wir auch, was für Christen wichtig ist, was unser Beitrag sein kann für die Zukunft des Landes.
Erstens ist es einmal wichtig, dass wir immer wieder voll Dankbarkeit bedenken, dass wir eines der reichsten Länder sind. Unser Land hat eine großartige, faszinierende Geschichte, die auch eine Glaubensgeschichte ist. Das sollen wir dankbar sehen. Unser Land hat eine reiche Kultur mit unschätzbaren Werten. Unser Land ist reich an schöner Landschaft und vielen Charismen und Begabungen der Menschen. Wir sollen dies anerkennen, wertschätzen und uns bewusst sein, dass wir berufen sind, diese Werte lebendig zu halten, zu leben und zu entfalten. Jeder Einzelne kann viel dazu beitragen. Hier einige Vorschläge. Wir sollen für die Politiker und alle, die in der Gesellschaft Verantwortung tragen, beten. Die Urchristen haben sogar in Zeiten der Verfolgung für den Kaiser gebetet.Wir sollen nicht nur für die Politiker beten, sondern auch um gute Politiker beten, die ihre Verantwortung vor Gott und für die Menschen erkennen.Wir sollen Gott bitten um ein hörendes Herz, damit wir fähig werden, Gott zu geben, was ihm gebührt und dem Kaiser (dem Land, Staat etc.) was ihm gebührt. Dem Kaiser geben, was des Kaisers ist, bedeutet ein guter Staatsbürger sein und bereit sein, sich einzubringen. Jeder kann auch im Kleinen viel dazu beitragen und z. B. mithelfen, Vertrauen zu schaffen, Frieden zu stiften, christliche Werte zu fördern, dem Zeitgeist widerstehen und am Aufbau des Landes teilhaben.Wer sich ganz einfach bemüht, die 10 Gebote zu halten und zu leben, der leistet viel die die Grundlagen des Rechtsstaates und der Demokratie.
Mit diesen Gedanken wollen wir jetzt eintreten in die Messefeier, in die Begegnung mit dem Herrn der Geschichte und dem König aller Völker. Beten wir als Glieder des einen Volkes Gottes (Kirche) für unsere Heimat, für unser Land Österreich. Amen.

Predigt z. Installierung d. Pfarrers von Mayrhofen

Predigt
zur
Installierung des neuen Pfarrers
(Mayrhofen, am 25. September 2016)

Lieber Herr Pfarrer Jürgen, lieber Mitbruder Bernhard Augustin,
liebe Eltern, Geschwister und Verwandte des neuen Pfarrers,
liebe Gäste aus dem früheren Wirkungsbereich des Pfarrers, den Pfarren Viehofen, Maishofen und Saalbach!
Liebe Pfarrgemeinde von Mayrhofen!

Wir feiern heute den 26. Sonntag im Jahreskreis mit der traditionell in eurer Pfarre üblichen Schutzengelprozession und in diesem Rahmen wird heute der neue Pfarrer installiert.

Der neue Pfarrer kommt

Euer neuer Pfarrer Mag. Jürgen Gradwohl ist zu Euch gekommen und bereits von vielen herzlich aufgenommen worden. Ihr habt euren bisherigen Pfarrer sehr dankbar und respektvoll verabschiedet und bereitet dem neuen Pfarrer heute auch offiziell einen herzlichen Empfang.
Euer Pfarrer kommt aus einer Familie, so ist es eine besondere Freude, dass die Eltern des Pfarrers und die Geschwister gekommen sind, nochmals ein herzliches Grüß Gott. aus seinem früheren Wirkungsbereich, aus drei Pinzgauer Tourismuspfarren – insgesamt hat er schon in neun verschiedenen Pfarren gewirkt. Aus dem Tourismus kommt er zusätzlich durch seine frühere berufliche Tätigkeit als Koch.
zu Euch, um mit Euch Christ und für Euch Priester zu sein. Er kommt zu den Menschen, er kommt zu vielen Mitarbeitern, den Religionslehrerinnen, den Pfarrgemeinderäten, den liturgischen und vielen weiteren Mitarbeitern, er kommt zu Euch Christen, die ihr Glieder der Kirche seid.
Euer neuer Pfarrer wird heute installiert, d. h. in sein Amt eingesetzt, weil er nicht in eigener Sache kommt, sondern im Auftrag des Bischofs. Als geweihter Priester ist er aus den Menschen genommen um für Gott und die Menschen da zu sein. Der eigentliche Pfarrer von Mayrhofen ist Erzbischof Franz. Jürgen Gradwohl wird an seiner Stelle und in seinem Auftrag hier den Dienst verrichten.

Priestermangel einst und heute
Es ist nicht selbstverständlich, dass ihr wieder einen eigenen Pfarrer bekommt, den ihr mit Brandberg teilen werdet. Es gibt Pfarren in dieser Größenordnung, die keinen eigenen Pfarrer mehr am Ort haben. Ein Vergleich mit früher kann unser Problembewusstsein schärfen. Ich lese öfters in den Pfarrbriefen „Zillertaler Pfarrbote“, die Pfarrer Dr. Krapf, der jahrzehntelang in Mayrhofen seelsorglich gewirkt hat und nach dem auch eine Straße hier benannt ist, in den 30-er Jahren herausgegeben hat. In einem Beitrag beklagte er schon 1933 den Priestermangel, weil damals nicht alle 34 Seelsorgsposten im Zillertal besetzt waren. Er klagte auch darüber, dass weniger Priester aus dem Zillertal hervorkämen als im Zillertal wirkten. Heute sind im Zillertal acht Priester hauptamtlich tätig.
Eine Hauptursache des Priestermangels wird der sein, dass das Bewusstsein darüber, was der Priester ist und was er tun kann, geschwunden ist. Gleichzeitig ist auch das Bewusstsein geschwunden, wer wir als Getaufte sind, was es bedeutet, Christ zu sein. Vielleicht gibt uns Gott genau so viele Priester, wie wir wirklich, im eigentlichen Sinne brauchen. Die Lesungen vom Schutzengelfest können uns einiges über das Wesen des Priestertums und des Getauftseins sagen .

Ich möchte auf zwei Aussagen hinweisen. Im Buch Exodus hörten wir vom Engel. „Achte auf ihn, und hör auf seine Stimme!“ Im Evangelium sagt uns Jesus heute: „Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen.“ An anderer Stelle sagt Jesus: „Euch aber muss es zuerst um sein Reich gehen. Alles andere wird euch dazugegeben.“
Den Schutzengel beachten heißt Gott beachten, seinen Willen ernst nehmen. Denn es ist die Aufgabe des Schutzengels – und jeder Mensch hat einen eigenen Schutzengel – den Menschen für Gott zu öffnen, dem Menschen als Bote zu helfen, Gottes Willen zu erkennen und den Menschen zu schützen, vor leiblichen Gefahren aber besonders auch vor der Sünde, die unser Heil gefährdet und uns von Gott trennt. Der Schutzengel hilft uns auch, umzukehren und durch die Erkenntnis Gottes vor ihm wie Kinder zu werden und auch so zu handeln. Er hilft uns auch, wirklich das Reich Gottes zuerst zu suchen. Wir sehen gerade in unserer Gesellschaft, dass die Probleme und Konflikte zunehmen, im Kleinen wie im Großen, und dass immer mehr scheinbar unlösbare Situationen entstehen. Gerade hier dürfen wir darauf vertrauen. Wenn wir zuerst das Himmelreich suchen, werden sich viele Dinge wie von selbst regeln und es gibt nicht nur Lösungen, sondern die Erlösung.

Aufgaben von Priester und Getauften

Der Pfarrer hat die Aufgabe, wie wir es zuerst im Dekret des Herrn Erzbischofs vernommen haben, zur lehren, zu leiten und zu heiligen. Es soll die Aufmerksamkeit der Menschen auf Gott lenken, er soll in den Menschen die Sehnsucht nach Gott wecken und ihnen helfen, zuerst sein Reich zu suchen, damit ihnen alles andere dazugegeben wird. Er soll als Mann Gottes Gott zu den Menschen bringen und die Menschen zu Gott führen. Im Tiefsten tut er dies, wenn er in der Messe in Persona Christi spricht: „Dies ist mein Leib“, oder wenn er als Beichtvater die Worte sagt: „Ich spreche dich los von deinen Sünden“, und damit die Trennung oder Entfernung von Gott aufhebt. Der Pfarrer hat die Aufgabe, die Menschen zu heiligen. Er tut dies vor allem bei der Spendung der Sakramente. Wo immer Heiligung geschieht, wo Menschen sich Gott nähern, dort wird das Himmelreich schon jetzt wirksam. Das II. Vatikanische Konzil (1962-1965) hat in Erinnerung gerufen, dass alle Getauften berufen sind, nach Heiligkeit zu streben. Es ist eine Schlüsselfrage, dass wir diese großartige Würde verstehen und damit auch die Bedeutung des Heiligungsdienstes des Priesters.

Das Verhältnis zwischen Pfarrer und Pfarrgemeinde

Ein kurzer Gedanke zum Verhältnis zwischen Pfarrer und Pfarrgemeinde. Der Pfarrer tritt als Mensch in Beziehung zu vielen Menschen. Er selber und jeder Mensch sind einmalig.
Der Pfarrer hat auch eine Beziehung zur Pfarre. Auch eine Pfarre ist etwas Einmaliges. Jede Pfarre hat eine eigene Geschichte, eigene Besonderheiten, ein eigenes Gepräge. So sagt man gelegentlich: Der Pfarrer ist mit der Pfarre verheiratet.
Der Pfarrer begegnet aber vor allem den Christen als Priester. Er soll ein Mann Gottes sein, der Gott zu denen Menschen bringt oder umgekehrt den Menschen hilft, Gott näherzukommen. Das Verhältnis von Pfarrer und Pfarrgemeinde soll bestimmt sein vom gemeinsamen Ziel, vom gemeinsamen Streben nach Heiligkeit und dadurch von der gemeinsamen Mitte, die Christus ist. Der Pfarrer ist zuallererst auch der erste Vorbeter der Pfarre. Er betet jeden Tag das Brevier, um Gott näher zu kommen und er betet es für seine Gläubigen. Umgekehrt sollen auch die Gläubigen für den Pfarrer beten. Er lebt geistlich vom Gebet der Gläubigen. Wenn Menschen für- oder miteinander beten, dann werden die Beziehungen tiefer und gestalten sich auf der geistlichen Ebene. Dies ist in der Familie so, wenn Eltern für Kinder und Kinder für die Eltern beten, und es ist so, wenn Religionslehrer für ihre Anvertrauten Schüler beten. Denn: Je mehr durch das Gebet füreinander das Reich Gottes anwesend wird, desto reicher und erfüllender wird auch das Verhältnis zwischen den Menschen.

Wünsche für Pfarrer und Pfarrgemeinde

Lieber Herr Pfarrer Jürgen: Im Ernennungsdekret wünscht Dir der Herr Erzbischof, wie wir gehört haben, die Gnade, mit Freude das heilige Amt ausüben zu können, zur Ehre Gottes und zum Heil der Menschen. Genau das möchte ich dir auch heute für deinen Dienst wünschen und euch, liebe Pfarrgemeinde wünsche ich im Grund das Gleiche. Möget ihr durch das gute Zusammenwirken mit dem Pfarrer viele Gnaden empfangen, um mit Freude am Glauben euer Christsein erfüllt zu leben.

So wollen wir jetzt zur Höchstform des Gebetes, zur Mitte des Priestertums und des Christseins, zur Quelle und zum Gipfel, zur Heilige Messe schreiten. Hier liegt unsere Identität, hier handelt ER, Gott an uns, hier beginnt das Reich Gottes. Amen.

Predigt für Radio Maria Sendung 9.7.2016

Messe in Maria Rast mit Radio Maria
9. Juli 2016
Lesungen: Jes 6,1-8; Mt 10,24-33

Gotteserfahrung und Berufung des Jesaja
Liebe Gläubige! Liebe Hörergemeinschaft von Radio Maria!

Die heutige Lesung berichtet von einer außergewöhnlichen Gottesbegegnung, die zugleich zu einem Berufungsgeschehen.
Jesaja sah den Herrn, auf einem hohen erhabenen Thron, der Saum seines Gewandes erfüllt den Tempel, Seraphine sind da und rufen Heilig, heilig, heilig, …. Die Türschwellen bebten und der Tempel füllt sich mit Rauch.
Jesaja ist so überwältigt von dieser Gotteserkenntnis, dass er bei diesen Erhabenen Anblick zugleich erkennt, wer er selber ist, ein Mann mit unreinen Lippen, in einem Volk mit unreinen Lippen; er sagt: Wehe mir, ich bin verloren.
Nach dieser Erkenntnis kommt der Seraphim von Gott her und reinigt die Lippen Jesajas mit einer glühenden Kohle. Jesaja erfährt die Vergebung der Schuld, sogar die Sühnung der Sünden.

Die Erkenntnis Gottes, die Selbsterkenntnis und die Reinigung haben Jesaja ganz frei gemacht. Jetzt kann er auf die Ansprache Gottes „Wen soll ich senden“ in ganzer Freiheit antworten. „Hier bin ich, sende mich.“ Jetzt kann dieser einfache sterbliche Menschen ein Werkzekug Gottes werden, jetzt ist gereinigt, er kann alle Menschenfurcht ablegen, er braucht keine Selbstbestätigung, er braucht nicht das Lob der Menschen, jetzt kann er den Mächtigen Israels widersprechen, jetzt kann er machtvolle Wort finden, Worte, die die wirksam bleiben, Worte die heute in unsere Gottesdienstgemeinde mit ihren Kraft hereinreichen.

Bedeutung der Gottes- und Selbsterkenntnis
Liebe Gläubige! Diese umwerfende Erfahrung, die Jesaja macht, ist uns geschildert, damit wir noch mehr auf das Gewicht seiner Worte achten, sie hat aber auch direkt mit unseren Glaubensleben zu tun. Diese Erfahrung zeigt uns nämlich, was in unserem Glaubensleben entscheidend ist. Die Gotteserkenntnis, die Selbsterkenntnis und damit verbunden die Reinigung und die Sendung des Menschen. Wir gewöhnliche Menschen werden kaum solche tiefgreifenden Erfahrungen machen wie Jesaja, aber gibt auch die Möglichkeit, so zu sagen Schritt für schritt in dieselben Erfahrungen zu machen, hineinzuwachsen in eine tiefere Gotteserkenntnis, in eine vollkommenere Selbsterkenntnis, in das Geschehen der Reinigung und schließlich in die Berufung und Sendung durch Gott.

Die Gotteserkenntnis öffnet und den Blick für die ganze Wirklichkeit. Gott nicht erkennen, hieße unrealistisch sein, am Wesentlichen vorbeizugehen. Die Gotteserkenntnis kann dazu führen, dass wir die irdischen Dinge im wahren Licht erkennen, das wir erkennen, worauf es wirklich ankommt. Die Gotteserkenntnis bewahrt uns vor der Verzweiflung, sie schenkt uns eine neue Freiheit.
Die Selbsterkenntnis, die Erkenntnis der Geschöpflichkeit, die Erkenntnis der Sündhaftigkeit, bewahrt uns vor dem Hochmut, sie befreit vor dem Wahn, alles selbst richten zu können oder zu müssen, sie macht uns frei von der Versuchung, über andere zu richten und zu urteilen.

Die Gottes- und Selbsterkenntnis öffnen in uns das Bedürfnis, die Sehnsucht und den Weg, uns von Gott reinigen zu lassen. Reinigung geschieht durch Akte der Reue, besonders tief im Sakramente der Buße, eine besondere Form ist der Ablass beim Durchschreiten der Heiligen Pforte. Reinigung kann auch gerade dann geschehen, wenn wir in manchen Widerwärtigkeiten, aufreibenden Lebenssituationen oder in bestimmten Leiden die glühende Kohle des Seraphim entdecken, der uns im Durchschreiten durch diese Dinge reinigt und frei macht. Wenn er erkennende Mensch sich reinigen lässt, dann wird er frei von Lob und Tadel, dann bekommt er die innere Stärke des Propheten, für den letztlich nur eines wichtig ist, diesem unendlichen Gott nahe zu sein, in seiner Hand zu sein. Hier wächst das tiefe Vertrauen, in Gottes Vorsehung ganz geborgen zu sein, noch mehr als die Spatzen, von denen keiner ohne den Willen Gottes zur Erde fällt.
Gottes- und Selbsterkenntnis und die damit verbundene Reinigung machen den Menschen frei für das Wort: „Hier bin ich, sende mich.“ Der Mensch kann dann sagen. Ich weiß wer ich bin. Ich bin hier, weil ER, Gott mich hier auf diesen Platz gestellt hat. Und hier an diesem Platz bin ich ganz frei, mich von IHM senden zu lassen. Hier, an diesem Platz bin ich sein Werkzeug. Von hier aus lasse ich mich senden. Hier an diesem Platz möchte ich allein Dir gefallen und alles in der Welt lieben, weil du mein Geliebter es liebst.

Die Heilige Messe als Ort der Erkenntnis, der Reinigung und der Sendung

Liebe Gläubige! Was der Prophet Jesaja mit einer großen Wucht erfahren hat, was in vielen kleinen Schritten in unserem Leben geschehen kann, ein Wachstum in der Gottes und Selbsterkenntnis, die Reinigung durch den Seraphim und schließlich unsere Antwort auf den Ruf Gottes, dass ist im besonders auch ein Geschehen in der Heiligen Messe.
Die Messe ist zuallererst eine Gottesbegegnung. Sie ist so ein Geschehen der Gottes und Selbsterkenntnis. Die Heiligkeit der Liturgie, ihre heilige Ordnung, hilft uns aus der Sphäre des Banalen heraustreten und uns in die Gegenwart Gottes hineinzustellen, uns von ihm ansprechen und berühren zu lassen. Wir treten bewusst vor Gott hin, beim Bußakt in der Erkenntnis der eigenen Sündhaftigkeit, beim Wortgottesdienst öffnen wir uns für Sein Wort und damit für tiefere Erkenntnisse, beim Sanktus treten wir sogar ein in den Lobpreis der Engel, um uns dann bei der Wandlung von IHM wandeln zu lassen und uns beim Hochgebet in das Gebet Jesu zum Vater hineinziehen zu lassen. Die Messe ist insgesamt ein Geschehen der Erkenntnis, eine Geschehen der Reinigung, der Heilung und Heiligung, ein Gottesbegegnung. Und so ist die Messe auch der bevorzugte Ort, wo wir Menschen jedes Mal wie der Prophet Jesaja auf den Ruf Gottes antworten können.
Es ist der Ort, wo wir sagen. Herr, hier bin ich. Sende mich. Es ist der Ort, wo wir mit Maria sagen. Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach Deinem Worte. Der Priester bestätigt diese Erkenntnis mit dem Sendungsauftrag am Schluss der Messe. Wenn er sagt gehet hin in Frieden, dann sollte es, genau übersetzt eigentlich heißen: Gehet hin als Gesandte. Gehet ihn als Menschen, die wirklich bei IHM waren und jetzt als seine Gesandte hinausgehen.
Liebe Gläubige! Lassen wir uns jetzt ein auf dieses Geschehen. Sprechen wir die Worte des Propheten Jesaja. Hier bin ich. Sende mich. Oder sagen wir mit den Worten des Heiligen Petrus am Berg Tabor. Gut, dass wir hier sind.

Predigt für Radio Maria Live Sendung

Predigt in Maria Rast am Hainzenberg mit Radio Maria

28 Mai 2016 Sa, 8. Woche im Jahreskreis

Lesung: Jud 17.20b-25

Liebe Gläubige!

Wir haben heute eine Lesung gehört aus dem Judasbrief. Dieser dürfte um das Jahr 90 herum geschrieben worden sein und richtig sich an Gemeinden, in den der Glaube schon Fuß gefasst hat, die aber gefährdet sind von Müdigkeit, von der Aufweichung des Glaubens durch Irrlehren und alle möglichen Strömungen.

Im Anfang dieses Briefes ermahnt der Schreiber die Gläubigen, für den überlieferten Glauben zu kämpfen, der den Heiligen ein für allemal anvertraut ist.

Die Irrlehrer, ihr Auftreten ihr Weg und das Gericht über sie

Im ersten Teil handelt der Brief dann von den Irrlehrern, die sich eingeschlichen haben, von ihrem Auftreten, ihrem Weg und dem drohenden Gericht über sie. Sie führen ein zügelloses Leben und verleugnen Christus als einzigen Herrn und Herrscher. Sie lästern über alles, was sie nicht kennen, sie sind den Weg Kains gegangen, sie sind ein Schandfleck beim Liebesmahl, an dem sie ohne Scheu teilnehmen und es sich gut gehen lassen, sie sind Hirten, die eine Weise für sich selber suchen, sie sind wie Sterne, die keine feste Bahn haben. Sie sind Nörgler, immer unzufrieden mit ihrem Geschick; sie lassen sich von ihren Begierden leiten, sie nehmen große Worte in den Mund und schmeicheln den Menschen aus Eigennutz. Es sind Spötter, irdisch gesinnt, die nicht den Geist besitzen und die Einheit zerstören.

Ermahnung und Ermutigung der Gemeinden

Vor diesem Hintergrund ermahnt der Schreiber die Gemeinden, er ermutigt und bestärkt sie, indem er ihnen sagt, was wichtig und erläutert ihnen das Verhalten gegenüber Zweiflern und Abgefallenen. Er nennt als Ermahnung vier Punkte. Es geht um die Reinheit des Glaubens (sie sollen sich auf den hochheiligen Glauben gründen und darauf weiterbauen), das Gebet in der Kraft des Heiligen Geistes, das Festhalten an der Liebe Gottes und das Warten auf das Erbarmen Jesu Christi. Der Zweifler sollen sie sich erbarmen und den Abfall verabscheuen.

Zeitlose Bedeutung der vier Punkte

Diese Ermahnungen oder besser gesagt Ermutigung des Apostels sind zeitlos gültig, einmal deshalb, weil sich die Irrtümer immer wiederholen, auch wenn manche glauben, sie neu erfunden zu haben, sie sind vielleicht besonders bedeutsam, weil wir heute offenbar wieder urkirchlichen Verhältnissen entgegengehen.

Zum Ersten: Die Gläubigen sollen auf den hochheiligen Glauben bauen und daran weiterbauen. D. h es geht um die Reinheit und Klarheit des Glaubens. Je reiner und klarer der Glaube ist, desto tiefer kann er alle Bereiche unsers Seins durchdringen, desto mehr wird er uns im wahrsten Sinne des Wortes erfüllen. Weiterbauen am Glauben bedeutet dann den Versuch, diese Reinheit zu bewahren und zu vertiefen, immer mehr innere Klarheit zu gewinnen.

Wo die Klarheit des Glaubens verloren geht, dort sinkt die Motivation, dort entsteht Überdruss. Dort nisten sich bald immer mehr Irrtümer ein und Laster machen sich breit.

Zum Zweiten: Die Reinheit des Glaubens wirkt sich aus auf das Gebet. Je reiner der Glaube, desto mehr kann das Gebet im Heiligen Geist stattfinden, desto mehr kann es ein inständiges Gebet werden, ein gottgefälliges Gebet. Ohne Klarheit im Glauben kann das Gebet absinken in ein bloßes Selbstgespräch, ohne Klarheit im Glauben können religiöse Feiern herabsinken zu selbstgemachten Veranstaltungen.

Zum Dritten: Die Klarheit im Glauben und des inständige Gebet verbinden sich mit dem Festhalten an der Liebe Gottes. Gott tritt so sehr in den Mittelpunkt, dass der Mensch in seiner Liebe bleiben kann und selbst liebend antworten kann. Wenn Gott im Mittelpunkt des Glaubens und des Gebetes ist, dann wird er auch zum Mittelpunkt des Lebens.

Zum Vierten: In der Klarheit des Glaubens , durch das Gebet im Heiligen Geist und in der Liebe zu Gott bleibt der Mensch immer ausgerichtet auf das Größere. Er wartet auf die Vollendung durch den Herrn, auf das ewige Leben.

Kämpfen mit der Macht Gottes

Liebe Gläubige! Wenn wir kämpfen um den überlieferten Glauben, wenn wir ringen um ein innerliches Gebet und uns mühen, in der Liebe zu bleiben, dann dürfen wir das tun in der Gewissheit, dass Gott die Macht hat, uns vor jedem Fehltritt zu bewahren, damit wir einmal untadelig und voll Freude vor seine Herrlichkeit treten können.

Maria, unsere Mutter, verkörpert in sich die Fülle und die Reinheit des Glaubens, die Lauterkeit des Gebetes und die Gnadengabe der Liebe. Sie möge uns beistehen auf unserem Weg. Amen.

Bezirkserntedankfest 2015

Predigt zum Bezirkserntedankfest in Zell am Ziller
11. Oktober 2015

Unser Land, unsere HeimatLiebe Landjugend! Liebe Ehrengäste aus Politik und Landwirtschaft! Liebe Vereine! Liebe Gläubige!
Das Thema des heutigen Tages ist das Thema jeden Sonntags, Gott danken, Gott preisen, seine Erlösungstat feiern, um an dessen Früchten teilzuhaben.
In dieses Thema fließt heute Erntedank ein und das Thema der Landjugend: unser Land, unser größtes Gut, eigentlich das Thema Heimat.

Beim Propheten Joel kommt der große Jubel und die Freude über die Ernte zum Ausdruck, im Evangelium des heutigen Tages geht der reiche Jüngling von Jesus weg, weil er an seinem Vermögen hängt. Dort die große Freude über die vielen Gaben, hier die Traurigkeit trotz des Reichtums. Denken wir darüber nach im Hinblick auf das heutige Leitthema Land oder Heimat!

Fragen wir uns zunächst, was ist eigentlich Heimat, wo ist Heimat? Eingangs hat der Bezirksleiter bereits einige schöne Worte dazu gefunden.
Heimat ist ein Ort, wo Menschen sich kennen, schätzen, gern haben, Heimat ist in der Familie, wo man sein kann, wie man ist, Heimat kommt zum Ausdruck in der Sprache, durch die wir uns verstehen, durch die wir tiefere Empfindungen ausdrücken, Heimat verbinden wir mit dem Hof, dem Haus unserer Kindheit, wir verbinden Heimat mit unserer schönen Landschaft, Heimat erleben wir in unserem Dorf mit seinen Besonderheiten, zur Heimat gehört auch die Geschichte des Landes, unserer Väter, die Wurzeln, aus denen wir hervorgegangen sind. Heimat ist dort, wo ein Mensch eine positive Identität findet und diese mit ganzen Herzen bejaht. Am tiefsten wird Heimat wirklich, wenn der Menschen seinen eigentlichen Ursprung, Gott, berührt oder besser gesagt, wenn er von dem berührt wird, dem er sein Dasein verdankt, von dem er sich geliebt und angenommen weiß.

Bei diesem Nachdenken können wir auch die Frage stellen. Haben wir Heimat automatisch, wie gelingt Beheimatung, wie steht es um unser Land? Ist es überhaupt noch unser Land, unsere Heimat? Könnte es auch sein, dass uns die Heimat sozusagen von Innen her entschwindet?
Denken wir z. B. an das Abnehmen der Achtung, den rauer werdenden Ton im Umgang, denken wir daran, wie vielen Belastungen und Versuchungen die Familien ausgesetzt sind, denken wir an unsere Sprache, die vergendert wird, an die Lieder, nicht oft gar nicht mehr heimatlich anmuten, denken wir an die Arbeit am Hof, wo die Beziehung zur Scholle durch die Agrarbürokratie überlagert wird, und wie steht es mit unserer Geschichte? Kennen wir sie noch, sind wir stolz auf sie oder wissen wir nur mehr die Vorurteile und Verdrehungen, die uns ständig serviert werden? Und die Kernfrage: Wie steht es mit unserem Glauben? Sind wir stolz darauf? Stehen wir fest im Glauben?

Wir wollen aber nicht bei kritischen Fragen stehen bleiben, das tun ohnehin andere genug, sondern wir wollen uns fragen: Wie kann unsere Identität wachsen, wie kann unsere Heimatbewusstsein gestärkt werden? Was ist unser Beitrag, damit unser Land unser größtes Gut ist und bleibt. Die Antwort gibt uns Jesus indirekt im heutigen Evangelium.

Der Jüngling im heutigen Evangelium ist reich. Er hat ein großes Vermögen. Er ist auch geistig reich. Er hält alle Gebote. Aber: Er hängt an vergänglichen Dingen und findet nicht die Kraft, loszulassen und dem Ruf Jesu zu folgen. Er findet nicht die Kraft, sich zum Höheren aufzuschwingen.

Natürlich ist dieses Beispiel nicht einfach übertragbar. Dieser einmalige Ruf Jesu, alles zu verkaufen und ihm in dieser besonderen Weise nachzufolgen, ergeht nicht an jeden von uns, aber in dieser Stelle ist eine Grundbotschaft enthalten, die jeden von uns betrifft. Es geht um die Frage, ob wir am Reichtum hängen oder ob wir unser Herz an Gott hängen.
Für jeden von uns stellt sich die Frage: Wofür lebst du? Woran hängst du Dein Herz? Hängst du dein Herz an vergängliche Dinge, oder hängst du dein Herz an Gott? Gibt es etwas Vergängliches, ohne das du nicht sein kannst, oder kommt wirklich Gott zuerst?

Wenn wir unser Herz an Vergängliches hängen, dazu gehören auch Personen, dann ereilt uns die Traurigkeit dieser Welt. Denn nichts Endliches kann unsere Sehnsucht stillen. Wenn wir unser Herz an Gott hängen, dann sind wir ganz frei, dann können wir ganz froh sein, dann können wir irdisch gesehen reich sein, ohne gebunden zu sein.

Wenn wir unser Herz an Gott binden, wie es unsere Väter im Herz-Jesu-Gelöbnis taten, dann haben wir die einzig wahre, dauerhafte und tragbare Identität in IHM, dann haben wir Heimat in tiefstem Sinne und dann können uns Familie, Arbeit, Hof, Gemeinde noch tiefer zur Heimat werden.

Wenn wir den Ruf Jesu mit großzügiger Bereitschaft beantworten, dann können wir aus ganzem Herz sagen, das ist unser Land, unser größtes Gut, es ist dann unser heiliges Land Tirol. Heilig deshalb, weil es uns von Gott geschenkt ist, heil, weil wir mit IHM verbunden als freie, erlöste Christen in diesem Land leben.

Daraus erwächst die Verantwortung und der Auftrag, das Land heilig zu halten, die Heimat zu schützen von äußeren und inneren Bedrohungen, unsere Beziehungen, die Familie, die Sprache zu pflegen, die Geschichte zu achten und schließlich den Glauben hochzuhalten.

Gerade dann, wenn wir Gott an die erste Stelle stellen, dann werden unser menschliche Beziehungen eine ganz neue Qualität erhalten, dann werden unsere Familien Hauskirchen, dann wird unsere Arbeit ein Dienst an Gott, dann wird uns alles zur Heimat, dann können wir selbst Identität stiften, schaffen und ausstrahlen.

Wenn wir jetzt Erntedank feiern, dann wollen wir unser dankbares Herz öffnen zu Gott, wir wollen jubeln und ihm danken für alle die Wohltaten.
Indem wir die heilige Messe feiern, gehen wir zu dem, an dessen Herz sich unsere Väter gebunden haben, zu dem, der uns am tiefsten Punkt der Seele jene Identität gibt, die uns alles zu Heimat werden lässt.

Herz Mariä Samstag

Unbeflecktes Herz Mariä
Predigt in Maria Rast, Radio Maria
12. Juni 2015

1I Geschichte der Herz-Mariä Verehrung
Liebe Gläubige! Liebe Hörergemeinschaft von Radio Maria! Die Verehrung des Herzens Mariä geht schon zurück auf Kirchenväter, hat im 13. Jahrhundert besondere Impulse erhalten und hat sich im 17. und 18. Jahrhundert besonders entfaltet. Wenn man die Entwicklung der Neuzeit betrachtet, die man auch als eine Bewegung einer Art Emanzipation von Gott sehen kann, dann sieht man parallel dazu in der Geschichte der Spiritualität eine Entfaltung der Verehrung des heiligsten Herzens Jesu und auch der Herz-Mariä-Verehrung. Je mehr der Mensch in den Vordergrund tritt, desto mehr wird in der Spiritualität der Kirche das Herz des Gottmenschen und Herz Marias betrachtet und verehrt, damit der Mensch Gott in seiner Mitte, in seinem Herzen bewahren kann. Am Höhepunkt des Ersten Weltkrieges, kurz vor der Oktoberrevolution in Russland, deren Folgen bis heute andauern und bisher mehr als 100 Millionen Opfer gefordert hat, ist die Mutter Gottes in Fatima erstmals erschienen und hat in ihren Botschaften einen mächtigen Impuls zur Verehrung des unbefleckten Herzens Mariä gegeben.
Das Fest des unbefleckten Herzens Mariä einen Tag nach dem Herz-Jesu-Fest verdeutlicht uns auch die innige Verbindung dieser beiden Herzen. Maria hat Jesus empfangen, unter ihrem Herzen getragen, ihn in Nazareth erzogen, mit ihrem Herzen sein Wirken begleitet und schließlich sein Leiden mütterlich mitleidend in ihrem Herzen miterlebt. Ihr Herz ist so wie ein Spiegel des Herzens Jesu, eine Wohnstätte der göttlichen Geheimnisse, denn Maria bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen.

2) Das unbefleckte Herz Marias
Was, liebe Gläubige verstehen wir unter dem unbefleckten Herz Mariens. Was heißt unbefleckt. Mit drei Worten könnten wir es näher beschreiben, rein, heilig und vollkommen.
Maria ist rein, das heißt, in ihrem Herzen ist nichts, das ihre Liebe trübt, nichts, das irgendetwas verdunkeln könnte, nichts Unklares, alles ist schön, eben rein.
Das Herz Mariä ist heilig. In ihm ist alles heil, alles passt zusammen, alles ist sozusagen in der rechten Ordnung.
Das Herz Marias ist vollkommen, d. h. es ist ganz, es ist voll der Gnade, in ihrem Herzen ist nichts, was diese Gnade vermindern würde, es ist ein Ort des himmlischen Friedens.

Im Herzen Mariens ist alles in einer heiligen, göttlichen Ordnung, es ist ein Mikrokosmos der Liebe, in liebendem Einklang mit Gott, mit sich, den Menschen, mit dem Kosmos.

3) Die befleckte Menschheit – Globalisierung der Sünde
Vielleicht können wir das unbefleckte Herz besser verstehen, wenn wir das Gegenteil betrachten, die Welt, den Menschen, die ganze Schöpfung in ihrer Zerrissenheit, in ihrem Aufruhr, in ihrer Unruhe, in ihrer Ungeordnetheit.
In der Neuzeit hat der Mensch viele Fortschritte gemacht, die viele Möglichkeiten zum Guten enthalten, aber: Durch verschiedene Irrtümer kann dieser Fortschritt zur Gefahr für den Menschen selbst werden.
Der Mensch ist vielfach vom Gärtner, der den Garten Gottes hegt und pflegt, zum Macher geworden, der alles selbst in die Hand nimmt und die Gesetze Gottes beiseite lässt.
Der Mensch ist vielfach vom Beschützer zum Unterdrücker geworden. Der Mensch ist vom Empfänger der Gaben Gottes zum Nehmer geworden.
Der Mensch, der in seinem Herzen keinen Platz mehr für Gott hat, befleckt sich unablässig, er wird von einer Gier erfasst, dieses Herz mit anderen Dingen zu füllen, mit Macht, mit Ehre, mit Geld. Er wird zum Sklaven der Dinge. Er rebelliert gegen Gott, der Nächste wird ihm zum Konkurrenten und er wird sich selbst zum Feind.

Solche Entwicklungen gehen vielfach auf einen Grundirrtum zurück, auf den Glauben, der Mensch könne selbst das Paradies machen, und zwar gleich und hier auf Erden. Wir erleben heute den Höhepunkt einer Entwicklung, eine Globalisierung der Unordnung, wo zentral von oben gesteuert, die Ordnung Gottes bekämpft, die Sünde propagiert wird. Hier geht es letztlich um die in der Fatimabotschaft angedeuteten Irrtümer Russlands, die in der ganzen Welt verbreitet werden, eine materialistische Sicht der Arbeit und der Wirtschaft als Prozess, der den Menschen zum Rädchen degradiert, der Kampf der Geschlechter, die Zerstörung der Familie, wie sie die Genderideologen betreiben usw.

4) Das unbefleckte Herz Marias wird triumphieren

Liebe Gläubige! Wenn wir heute konfrontiert sind mit einem Triumph der Sünde, der Widernatürlichkeit, dem Triumph der Macher, der Ideologen, dann sollen wir vor solchen Entwicklungen nicht wie gelähmt sein, sondern an die große Verheißung Marias in Fatima denken. Am Ende wird das unbefleckte Herz triumphieren.
Jemand hat einmal gesagt, die Menschen verzeihen einiges, Gott verzeiht alles, die Natur verzeiht nichts. Jeder vernünftige Mensch weiß, wenn man gegen die Natur handelt, dann zieht man auf lange Sicht den Kürzeren. Genauso ist es mit der Ordnung des Geistes und mit der Ordnung der Liebe. Gott verzeiht alles, wenn wir umkehren. Aber: Alles, was nicht in dieser Ordnung ist, hat ohne Umkehr auf Dauer keinen Bestand, es hat schon jetzt kein wirkliches Sein, es ist nur Schein. Jede Unordnung zerstört sich auf Dauer von selbst.
Der globalisierten Unordnung steht das unbefleckte Herz Mariens gegenüber. Die Globalisierung der Liebe geht vom Herzen Mariens, vom Herzen einzelner Menschen aus.

Das unbefleckte Herz Mariens weist uns wie ein Spiegel hin zum Herzen Jesu, dem Zentrum, einem unendlichen Meer der Liebe. Das unbefleckte Herz Mariens verehren heißt, sich wie der Apostel Johannes, an die Brust des Meisters lehnen, aus der Quelle lebendigen Wasser trinken. Es heißt, sich im Sein verankern, sich auf festen Grund stellen, sich auf die Seite dessen begeben, der schon gesiegt hat.
Wenn wir die Botschaft von Fatima ernst nehmen, umkehren, täglich den Rosenkranz beten, Gott anbeten, Sühne leisten und das unbefleckte Herz Marias verehren, dann wird Gott in uns, in unseren Herzen das Feuer seiner göttlichen Liebe entzünden, ein Feuer, das unwiderstehlich ist, allem standhält und mitten im Kampf der Geister eine innere Ruhe gibt, in der der Triumph des unbefleckten Herzens Marias schon verborgen da ist. Amen.

Predigt zur Einweihung der Fatimakapelle

Predigt in der Franziskanerkirche in Salzburg
in der Messe vor der Segnung der Fatimakapelle
und Einsetzung einer Engelbertreliquie
durch den Herrn Erzbischof
13. Mai 2015, I. Steinwender

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Ich möchte euch jetzt einladen, nachzudenken über die bevorstehende Segnung der neu renovierten Fatimakapelle und der Einsetzung einer Engelbertreliquie, und zwar unter dem Gesichtspunkt des morgigen Festes Christi Himmelfahrt. Mit der Himmelfahrt Christi hat eine neue Zeit begonnen.Mit Himmelfahrt beginnt eine neue Zeit

Es kam das Gebet um den Heiligen Geist und mit Pfingsten die Zeit des Heiligen Geistes, die Endzeit, die andauern wird bis zur Wiederkunft des Herrn.Dies ist zugleich die Zeit der Kirche, geboren, hervorgegangen aus der Seite Christi, ausgestattet mit dem Missionsauftrag, das Evangelium allen Geschöpfen zu verkünden und bestimmt, den Weg durch die Zeit zu gehen um dann im himmlischen Jerusalem als Braut Christi verherrlicht zu werden.
Damit beginnt die besondere Zeit des Glaubens: Die Apostel haben Jesus gesehen, jetzt werden sie ihn mit geistlichen Augen sehen, mit den erleuchteten Augen des Herzens, jetzt beginnen sie zu erkennen und tiefer zu verstehen, was der Herrn ihnen früher gesagt hat, jetzt wird ihnen durch den Heiligen Geist bewusst, zu welcher Hoffnung sie berufen sind, jetzt erfahren sie immer tiefer, welchen Reichtum Gott seinen Heiligen schenkt, wie der Apostel Paulus den Ephesern schreibt.

Fatimakapelle und Engelbertreliquie
Auf diesem Weg durch die Zeit wird die Kirche mit der Hierarchie und dem Volk geführt und getragen von Maria, der Mutter Gottes, der Braut des Heiligen Geistes, der Mutter der Kirche und von den vielen bekannten und verborgenen Heiligen.
Wenn unser Herr Erzbischof heute die neu renovierte Fatimakapelle in dieser schönen Marienkirche segnet und zugleich eine Reliquie des Seligen Engelbert Kolland einsetzen wird, dann hat das eine mehrfache, symbolische Bedeutung.

Es drückt aus, dass hier in diesem Heiligtum die Menschen zur Mutter Gottes kommen können mit ihren gegenwärtigen und zeitnahen Anliegen und auch mit ihrer Bereitschaft, die hoch aktuelle Botschaft von Fatima ernst zu nehmen und dieser Botschaft gemäß zu handeln und leben. Durch diesen Akt wird auch die tiefe Beziehung, die der Heilige Franziskus, der Franziskanerorden und im besonderen der Selige Engelbert Kolland zu Maria hatten bzw. haben, ausgedrückt. So kann man mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dass der Selige Engelbert, der sich im Studium regelmäßig hier an diesem Ort aufgehalten hat, hier seine Ordens- bzw. Priesterberufung empfangen hat. Ich persönlich glaube, dass diese Berufung, wie jede Berufung schon irgendwie vorbereitet war z. B. durch Kindheitserlebnisse des Seligen in der Zillertaler Wallfahrtskirche Maria Rast.
Weiters wird dadurch die Aktualität der Botschaft von Fatima und die unmittelbare Bedeutung unseres Seligen in der gegenwärtigen Zeit deutlich gemacht.

Die Botschaft der Fatimakapelle
Letzteren Punkt möchte ich kurz ausführen: In den Botschaften von Fatima geht es neben der Höllenvision und der Berufung des Menschen zum Himmel um Krieg, um Irrtümer Russlands sowie um die Notwendigkeit von Gebet, Umkehr und vor allem Buße.

In der Fatimabotschaft wird deutlich, dass ein Zusammenhang besteht zwischen den Schrecken des Krieges und der Sünde des Menschen, der Abwendung des Menschen von Gott. Johannes Paul II. hat im Zusammenhang mit dem Balkankrieg in den 90er-Jahren sinngemäß gesagt: Die Summe vieler Sünden Einzelner ergeben einen Krieg. Hier wird deutlich wie wichtig gerade in dieser Zeit die Umkehr und das Gebet für den Frieden sind.

Weiter spricht die Mutter Gottes in Fatima von den Irrtümern Russlands, die in der Welt verbreitet werden, es geht um die Irrtümer des Marxismus, die durch die 1917 ausgebrochene Oktoberrevolution besondere Ausbreitung erfahren sollten.

Ich erinnere mich, wie in den 90-Jahren ein Metaphysiker auf der theologischen Fakultät in Salzburg sagte, im Westen wird Karl Marx perfekter verwirklicht als bisher im Osten.
Er sah damals schon, was wir heute im fortgeschrittenen Stadium noch klarer erkennen können. Die Wirtschaft und die Technik, gegenwärtig eine Symbiose von Kapitalismus und Kommunismus, ursprünglich dazu bestimmt, dem Menschen mehr Freiheit und geben und dem Menschen zu dienen, wird immer mehr zu einem Moloch, zu einem Götzen, zu einem anonymen Prozess, der den Menschen zum Sklaven erniedrigt.

Karl Marx hat die Vernichtung der irdischen Familie propagiert. Der russische Präsident Gorbatschov hat erkannt, dass es ein verhängnisvoller Irrtum war, die Frauen möglichst gleich von den Kindern weg in den Arbeitsprozess zu stecken. Heute wird dieses urmarxistische Programm bei uns umgesetzt, man fördert die Auslagerung der Erziehungsarbeit aus der Familie, die Verstaatlichung der Familie und letztlich deren Zerstörung.

Zu den Irrtümern Russlands gehört auch die Genderideologie, die auf den Marxismus zurückgeht und einen Angriff auf die Schöpfungsordnung, ja auf den Schöpfer selbst darstellt.

Papst Johannes Paul II., der den Marxismus studiert und erlebt hat, hat durch verschiedene Enzykliken wie Redemptor hominis, Sozialenzykliken, durch eine christliche Sicht der Arbeit, seinen außergewöhnlichen Einsatz für die Würde der Familie und besonders durch die Theologie des Leibes den marxistischen Irrtümern die heilbringende christliche Lehre gegenübergestellt und so diesen Irrtümern den Boden genommen. Es ist sicher bezeichnend, dass er gerade am Fatimatag 1981 auf wunderbare Weise ein Attentat überlebte.

Die Mutter Gottes möge uns durch die neu renovierte Fatimakapelle helfen, die Familien zu schützen, die Irrtümer des Marxismus zu überwinden und den prophetischen Worten von Papst Johannes Paul II. und seinen Nachfolgen zu folgen.

Die Botschaft der Engelbert-Reliquie
Liebe Gläubige: Die Einsetzung der Engelbertreliquie enthält ebenso einige Botschaften für Euch, die Franziskaner und die vielen Menschen, die in Eure Kirche kommen. Ich möchte drei Punkte noch kurz anführen.

Hier hat der selige Engelbert seine Berufung empfangen. Diese Kirche ist, war und soll immer auch ein Ort der Berufungen sein. Ich selbst durfte hier am Beginn meiner Studienzeit, als ich meine Priesterberufung, die ich am 10. Juli 1988 in Tamsweg empfangen hatte, überdachte, viele Messen mitfeiern und zur Beichte gehen. Hier hat der selige Engelbert als Student mit vielen Problemen gerungen und innere Klarheit über seinen Weg bekommen. Mögen hier viele Menschen, wie einst der selige Engelbert, Klarheit über den Plan, den Gott mit ihnen hat, bekommen, ihre besondere Berufung zum Priester- und Ordensstand erkennen und gestärkt werden, den Glaubensweg zu gehen.

Der selige Engelbert hat hier seine besondere Beziehung zu Maria gepflegt wie schon als Kind in Maria Rast und später in Syrien im Heiligtum von Sednaya. Mögen hier viele Menschen diese Kirche als Ort der Führung durch Maria erfahren und entdecken, für ihre mütterliche Fürsorge und die Botschaften von Fatima empfänglich werden und diesen marianischen Geist pflegen.

Von hier aus führte der Weg des Seligen Engelbert ins Studium zum Priestertum und später weiter in die Mission bis zum Martyrium. Engelbert Kolland hat nicht nur seine geliebte Heimat, seine Familie und sogar den Kulturkreis verlassen, sondern ist durch einen außergewöhnlichen Geist der Buße in ein Leben der Ganzhingabe hineingewachsen, sodass sein Martyrium am 10. Juli 1860 im Alter Christi geradezu als eine Vollendung dieses Weges erscheint.

Möge die Gegenwart seiner Reliquie vielen Menschen hier helfen, in marianischer Weise den Weg des Gebetes und der Buße zu gehen, zu erkennen, dass dieser Weg nicht das Menschsein mindert, sondern freimacht und hinführt zu jener inneren Freiheit, zur Heiligkeit, zur wahren Selbstverwirklichung in der Ganzhingabe, jener Weg, wo der Mensch ganz Werkzeug Gottes werden kann und aus tiefster Überzeugung mit dem Heiligen Franziskus und dem Seligen Engelbert sagen kann: Mein Gott und mein Alles. Amen.

Gauderfestpredigt

Predigt zum Gauderfest, 2015
Evangelium: Joh 15,1-8

Lieber Herr Bundesminister, geschätzter Herr Landeshauptmann. Liebe Festgäste, liebe versammelte Trachten- und Traditionsvereine, Musikkapellen, Schützen, Kaiserjäger und Kirchenchor. Wir sind heute wieder versammelt, viele Menschen aus nah und fern, von Bayern bis Südtirol, viele Vereine, es ist eine große Einheit in der bunten Vielfalt, versammelt um den Einen, der uns Vielfalt in der Einheit ermöglicht. Gerade diese beeindruckende Versammlung ermöglicht es uns heute, das besser zu verstehen, was uns der Herr sagen will mit dem Bild vom Weinstock und den Reben.
Ich denke, der Herr will uns damit die wahre Identität für unser Christsein zeigen und geben, er will uns zweitens damit darlegen, wie wir diese Identität bewahren und entfalten können, zu unserem Heil, zu unserer größeren Freude.

Das Bild vom Weinstock – Einheit in der Vielfalt
Die Rebe wird fruchtbar, wenn sie mit dem Weinstock verbunden ist, dadurch entfaltet sie sich zu dem, was sie sein soll, eben eine Rebe und sie hat dadurch Teil an der Fülle des Weinstocks. Aus dieser fruchtbaren Verbindung ist die Rebe zugleich mit den anderen Reben verbunden, sie hat Teil an einer Einheit, die die Vielfalt nicht beeinträchtigt, sondern sogar fördert, an einer Einheit, die mehr