Engelbertprozession in Ramsau

Engelbertprozession in Ramsau

Am Sonntag, 6. Juli fand die Engelbertprozession in Ramsau im Gedenken an den Todestag des Heiligen Engelbert am 10. Juli statt. Nach dem Festgottesdienst beim Musikpavillon führte der Prozessionszug zum Heisenhaushof, zum Lochhäusl, dem Geburtshaus des Heiligen Engelbert und zum Dorfbrunnen. Allen Vereinen und Körperschaften, sowie allen Privatpersonen, die einen Dienst übernommen haben, sei an dieser Stelle herzlich gedankt. Ein besonderer Dank ergeht auch an Mesnerin Anna Sporer für die Vorbereitungsarbeiten, sowie der Singgemeinschaft und der Musikkapelle Ramsau für die musikalische Gestaltung.

Das im Rahmen der Predigt von Dekan Steinwender verlesene “Evangelium nach Engelbert” soll an dieser Stelle wiedergegeben werden, zum Nachlesen für die Teilnehmer an der Prozession, aber auch in der Hoffnung, dass es viele mit Gewinn lesen, die nicht bei diesem Festereignis dabei sein konnten.

Evangelium nach Engelbert Kolland,

            verlesen am 6. 7. 2025, anlässlich der Festmesse in Ramsau

In jener Zeit gingen drei Männer von Zell entlang des Zillers nach Ramsau; ein Ramsauer, ein Zeller und ein Franziskaner.

Unterwegs sprachen sie über den Heiligen Engelbert

Als sie beim Museum vorbeikamen, sagte der Franziskaner: Ist das der Ort, wo ursprünglich das Engelbertmuseum hinkommen hätte sollen; das jetzt aber im Widumsgarten steht?

Da sagte der Ramsauer: Der Engelbert gehört uns, weil er bei uns geboren ist.

Daraufhin sagte der Zeller: Der Engelbert gehört der ganzen Pfarre, weil er in der Pfarrkirche getauft wurde

Der Franziskaner bemerkte daraufhin: Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte, der Engelbert gehört uns Franziskanern, weil er bei uns eingetreten ist, bei uns studiert hat und bei uns gewirkt hat;

Während sie noch darüber redeten, kam ein Wanderer, ging mit ihnen, hörte ihnen zu und sagte schließlich: Habt ihr einmal darüber nachgedacht, warum Gott ausgerechnet im hinteren Zillertal, in Ramsau einen jungen Mann zu diesem Weg berufen hat?

Als keine Antwort kam, setzte er fort: Vielleicht, weil damals nach der Auswanderung viele Unfriede herrschte, der religiöser Streit ging weiter, der Argwohn gegen die Geistlichkeit wurde weitergegeben, viele lehnten die Beichte, die Marienverehrung und die Heiligenverehrung ab; während Engelbert in Salzburg mit der Berufung rang, haben viele in Ramsau dem späteren Dekan Ignaz Huber das Leben schwer gemacht. Beruft Gott nicht Heilige, damit Frieden, Versöhnung, Heilung möglich werden, damit der Wert des Glaubens und der Sakramente wieder neu entdeckt werden?

Als die drei schweigen, setzte der Wanderer fort:

Habt ihr überlegt, warum Papst Franziskus den Engelbert Kolland im vergangenen Jahr heiliggesprochen hat, was könnte die göttliche Vorsehung damit beabsichtigen? Die Heiligsprechung hat doch den Sinn, dass ein neuer Heiliger in der ganzen Weltkirche zur Verehrung angeboten wird und daher vielen Gläubigen ein Nutzen sein kann.

–          Wisst ihr, dass es wohl noch sie so viele Christenverfolgungen in islamischen Ländern gab wie heute und die Medien und sogar wir Christen im Westen schweigen?

–          Wisst ihr, dass die Islamisierung Europas drastisch voranschreitet, auch in Österreich?

–          Wisst ihr, dass, wie Kardinal Müller jüngst sagte, die Atheisten und die Medien in Europa bewusst den Islam fördern, um das Christentum zu schwächen?

–          Ist euch bewusst, dass bei uns der Glaube zurückgeht, die Gläubigen weniger und lauer werden?

Sind das nicht Themen, Entwicklungen und Zustände, wo man den neuen Heiligen Engelbert braucht und anrufen sollte?

Da sagte der Ramsauer: Sollten wir nicht stolz sein auf unseren Engelbert?

Da antwortete der Wanderer: So würde ich es nicht ausdrücken. Kann man denn stolz sein auf etwas, das nicht das eigene Verdienst ist? Kann sich jemand selbst einen Heiligen geben? Engelbert Kolland wäre wohl nie auf die Idee gekommen, auf seinen Ordensvater Franziskus stolz zu sein? Ist ein Heiliger nicht vielmehr ein Geschenk von Gott, über das man sich freut, das man wertschätzt. Sind nicht alle geistlichen Geschenke wie unser schöner katholischer Glaube, die Sakramente, der Gebetsschatz der Kirche usw. dann am wirksamsten, wenn wir sie annehmen und vor allem auch weitergeben?

Da wurde es plötzlich sehr still!

Der Wanderer fuhr fort: Erinnert ihr euch an die Predigt von Weihbischof Hofer, der in seiner Predigt in Ramsau sagte, man soll den heiligen Engelbert nicht nur verehren, sondern nachahmen. Vielleicht so, wie der Engelbert seinen Ordensvater Franziskus nachgeahmt hat. Je mehr wir das tun, desto demütiger werden wir werden. Um dann wie der heilige Franziskus immer tiefer zu erkennen, dass wir alles, was wir haben, was wir können und was wir sind, Gott, d. h. seiner Gnade verdanken. Dann wird uns auch klar, dass wir in den Heiligen mehr das Wirken Gottes verehren als diese selbst.

Wer den Weg der Heiligung anstrebt bzw. geht – und das will der heilige Engelbert von uns – der wird dann vor allem dankbar sein für das Vorbild der Heiligen, und mehr noch für die Gnade Gottes. Diese übergroße Dankbarkeit wird ihm große Kraft verleihen, den Weg der Heiligkeit zu gehen, die Kirche, das Priestertum, die Sakramente mit großer Liebe zu schätzen.

Während der Stolz trennt, führen Demut und Dankbarkeit die Menschen zusammen, geben ihnen eine große Freude am Glauben geben und wecken im Herzen das Bedürfnis, das Geschenk des Glaubens an die eigenen Kinder, an Arbeitskollegen und alle Menschen, die uns begegnen, weiterzugeben.

Während dieser Worte geriet der Wanderer in eine große innere Ergriffenheit. Die drei Zuhörer sahen plötzlich, wie seine Augen zu leuchten begannen und fragten ganz leise: Wer bist du denn?

Der Wanderer antwortete: Ich bin euer Engelbert, ich wurde von Gott gerufen,

–          für euch und alle Tiroler, damit sie den Glauben der Väter wieder entdecken und lebendig leben

–          um den vielen verfolgten Christen beizustehen

–          um die müden, schlafenden Christen im Westen aufzuwecken

Als Heiliger bin ich jetzt für die ganze Weltkirche da, für alle, die Hilfe brauchen und besonders auch für die, die wie ich Gott suchen und nach Heiligkeit streben wollen, aber ich gehöre ganz Gott. ER hat mich gerufen, euch zu helfen, damit auch ihr ganz IHM gehört.

Während er diese Worte sprach, entschwand er ihren Blicken.

Die drei wurden tief ergriffen, blickten einander an uns sagten: Brannte nicht unser Herz als er unterwegs mit uns redete. Und diesem Augenblick traf sie ein göttlichen Strahl der Gnade ins Herz. Sie empfanden eine tiefe innere Freude, einen großen Frieden und sagten. Jetzt gehen wir zum Antlass. Wir wollen Gott unseren Herrn loben und preisen!

Ignaz Steinwender

Herzlichen Dank auch an unseren treuen Fotografen Geachberg Franz.