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Kommentar der Woche

Angriff auf unsere Kinder (10.4.)

Angriff auf unsere Kinder

Das Bildungsministerium lässt mit einem Entwürf für einen neuen Erlass zur schulischen Sexualerziehung aufhorchen. Allein beim Lesen der Organisationen und Dokumente auf die sich dieser Entwurf bezieht (zB International Planned Parenthood Federation, einer der weltweit größten Verhütungs- und Abtreibungsorganisationen) lässt Schlimmes befürchten. Im Gegensatz zum derzeit gültigen Erlass vom 1990 wird nicht nur das Erziehungsrecht der Eltern, das die verpflichtende Information der Eltern über Inhalte und Methode der schulischen Sexualerziehung miteinschließt, ausgehöhlt, indem nur noch nebulos von Kooperation mit den Eltern die Rede ist, sondern auch klar ausgedrückt, dass die Schule nicht Ort der Wertvermittlung in diesem Bereich sein soll. Dabei muss uns klar sein, dass es keine wertfreie Sexualerziehung gibt, die über die Benennung der Geschlechtsorgane hinausgeht. Fruchtbarkeit, Schwangerschaft, Ehe, Beziehung, die Vermittlung dieser Themen hängt wesentlich von der Werteinstellung desjenigen ab, der mit den Kindern darüber spricht. Wertfrei bedeutet in diesem Zusammenhang, dass Heterosexualität und Homosexualität, eheliche Liebe und One-Night-Stands, Treue und Promiskuität als gleich legitim dargestellt wird. Begriffe wie Liebe und Familie kommen im Entwurf nicht vor, dafür soll den jungen Menschen aber Lust und Genuss beigebracht werden. Um nicht missverstanden zu werden: Das eine schließt das andere ja nicht aus, sondern Gott hat in wunderbarer Weise große Glücksgefühle mit der körperlichen Vereinigung verbunden, doch darauf allein kann man keine dauerhafte Beziehung aufbauen.

Man könnte meinen, dass wenn die derzeit gültigen Gebote der Sexualaufklärung beachtet werden, alle glücklich sein müssten.
1. Werde nicht schwanger! = Nimm die Pille
2. Stecke dich nicht mit einer Geschlechtskrankheit an! = Nimm ein Kondom
3. Tu, was du willst und mit wem du willst, solange der andere auch will!

Der Blick in so manches leere Gesicht junger Mädchen zeigt vielleicht deutlicher als jede Moralpredigt, dass dieser Lebensstil nicht glücklich macht. Schon jetzt gibt es eine Generation junger Menschen, die desillusioniert durch viele gescheiterte sexuelle Beziehungen den Glauben an eine lebenslang in Treue gelebte Partnerschaft verloren haben. Wenn der geplante Grundsatzerlass zur Sexualerziehung in seiner derzeitigen Form durchgeht, haben wir als Eltern in der Schule jedenfalls keine Verbündeten mehr im Kampf um das Lebensglück unserer Kinder.

Es ist höchste Zeit, dass Eltern ihrer Erziehungsverantwortung in diesem Bereich wieder mehr gewahr werden und diese verantwortungsbewusst wahrnehmen. Dazu bedarf es selbstverständlich der Fähigkeit selbst kompetent über dieses Thema zu sprechen. Hilfestellungen dazu bietet zB das Internetportal www.sexualerziehung.at, sehr gute Literaturhinweise gibt es auch auf diesem Folder.
Dringend notwendig wäre auch ein Protest gegen den vorliegenden Entwurf, an das zuständige Ministerium.
Kontaktdaten:
Fr. Mag. Dr. Haller
schulpsychologie@bmbf.gv.at

Ohne Liebe ist alles schwer (16.3.)

Ohne Liebe ist alles schwer

Auf schmerzliche Weise habe ich bereits mehrmals erleben müssen, dass getaufte Katholiken darüber gejammert haben, dass sie (Aufgrund verschiedener Ereignisse bzw. Erwartungen und Verpflichtungen) mehrmals in einer Woche zur Messe gehen MUSSTEN(!). Man hört dann Aussagen wie „ Jetzt muss es wieder für eine Weile reichen“ oder „Jetzt habe ich aber genug vom Kirchengehen“. Während manche (zB Mütter oder ältere Menschen, aber auch Berufstätige) womöglich eine große Sehnsucht danach hätten, wenn nicht täglich, so doch so oft wie möglich, die hl. Eucharistie feiern zu können und in ihr, Jesus Christus, unserem Erlöser zu begegnen, tun andere so, als wäre dies ein großes Opfer. Hört man sie darüber sprechen, könnte man meinen, es ginge um eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt. Dieselbe Einstellung spricht auch aus der Frage „Ja, muss ich denn JEDEN Sonntag in die Kirche gehen?“

Als Antwort möchte ich folgenden Vergleich anführen. Jeder, der schon einmal richtig verliebt war, kann sich sicherlich noch an die erste Zeit der jungen Liebe zurückerinnern. Für den Angebeteten war einem nichts zu mühsam. Um mit der Angebeteten beisammen sein zu können, nahm man jede Strapaze auf sich. Ich erinnere mich noch gut: Mopedfahrten bei eisiger Kälte, nächtliche Schneekettenmontagen, stundenlange Auto- oder Zugfahrten – um ein bisschen Zeit miteinander verbringen zu können, war keine Anstrengung zu viel. Verliebte wollen am liebsten täglich zusammen sein. Könnten sie sich nur eine Stunde in der Woche sehen, so würden sie dies – wenn auch schwer – nur durch tägliche ausführliche Telefonate überleben. Man kann miteinander reden und miteinander schweigen. Für die anderen, die vielleicht fragen, ob man denn nicht bald genug voneinander habe, hat man nur Verachtung übrig.

Wenn Liebende – vielleicht nach Jahren – die Worte aussprechen: Ich habe genug von dir (und das nicht in der Hitze des Gefechtes im Streit, sondern ganz bewusst), dann ist die Liebe wohl erkaltet.

Und nichts anderes bedeutet es, wenn Katholiken so daherreden, wenn es um die Hl. Messe geht. Die Liebe zu Christus ist erkaltet. Vielleicht kann man sogar das berühmte Hohelied der Liebe aus dem Brief des Apostels Paulus an die Korinther auf diese Situation ummünzen: Und ginge ich nur zur Messe, weil ich muss oder glaube zu müssen, hätte aber die Liebe nicht, so bliebe es ohne Frucht.

Doch wie in der Ehe kann auch eine erkaltete Liebe zu Gott neu entzündet werden: Durch ein neu oder besser Kennenlernen (zB durch die Lektüre des Katechismus), durch mehr gemeinsame Zeit (regelmäßiger Messbesuch), durch mehr Gespräch (mehr Gebet, besonders die Anbetung), auch wenn es am Beginn schwerfällt. Ohne Liebe ist alles schwer, doch wenn die Liebe erwacht, ist alles leicht.

Warum jeden Sonntag Familiengottesdienst ist(11.3)

Die Stelle in der Heiligen Schrift, wo die Jünger Mütter, die ihre Kinder von Jesus segnen lassen möchten, abweisen wollen und Jesus seine Apostel daraufhin scharf zurechtweist und ihnen sagt, sie sollten doch die Kinder zu ihm kommen lassen, wird oft bei Taufen verwendet, manchmal auch bei Kindersegnungen oder bei liturgischen Feiern am Muttertag. Vielleicht gab es in der Kirche einmal eine Zeit, in der kleine Kinder im Gottesdienst nicht sehr willkommen waren. Vielleicht fühlten sich manche Priester oder auch Gläubige durch sie in ihrer Andacht gestört. Vielleicht war das zu einer Zeit als noch viele Eltern jeden Sonntag die Heilige Messe besuchten und sich in der Betreuung der kleineren Kinder, die noch zuhause bleiben mussten, abwechselten und so nie die ganze Familie gemeinsam den Gottesdienst mitfeiern konnte. Vielleicht war es eine solche Konstellation, die Liturgen auf die Idee des Familiengottesdienstes brachte, bei dem ausdrücklich auch Familien mit kleineren Kindern eingeladen waren, gemeinsam mitzufeiern. Das wäre zwar ein schöner Gedanke, doch bezweifle ich, dass es so war.

Viel eher vermute ich, dass die Idee des Familiengottesdienstes zu einer Zeit aufkam, als man bemerkte, dass die gläubigen Familien, die tatsächlich jeden Sonntag in die Messe gingen, immer weniger und weniger wurden und man versuchte durch ein so genanntes „niederschwelliges“ Angebot auch jene zu erreichen, die zwar noch nicht völlig von der Kirche entfremdet waren, jedoch den Glauben nicht mehr praktizierten. Vielleicht wollte man so aus der Not eine Tugend machen, indem man behaupten konnte, dass viele Familien regelmäßig zum Familiengottesdienst gingen.
Unerwähnt blieb dabei, dass diese Familien meist zu den normalen Sonntagsmessen dazwischen nicht hingingen und durch die Bezeichnung Familiengottesdienst vielleicht gar der Eindruck entstand, Familien seien nur zu den ausdrücklichen Familiengottesdiensten erwünscht bzw. der Messbesuch sei für Familien mit kleinen Kindern nur zu diesen ausgewiesenen Familiengottesdiensten notwendig und sie (vor allem die Eltern) seien von der allgemeinen Sonntagspflicht befreit.

Um solchen Missverständnissen vorzubeugen, werden wir in der Pfarre in Zukunft den Begriff Familiengottesdienst nicht mehr verwenden. Alle Familien sind mit Kindern jedes Alters bei jedem Gottesdienst herzlich willkommen. (Dass die Eltern ein Gespür dafür haben, wann es vielleicht tatsächlich einmal notwendig sein sollte, die Hl. Messe mit einem Kind zu verlassen, wenn es zB längere Zeit laut spricht oder weint, sei an dieser Stelle vorausgesetzt) Alle Eltern versprechen bei der Taufe die christliche Erziehung ihrer Kinder. Die Mitfeier der hl. Liturgie ist dabei ein ganz wesentlicher Aspekt, da im Gottesdienst eine echte Gottesbegegnung stattfindet, für welche Kinder ganz besonders empfänglich sind. Nehmen wir uns die Mütter aus der Heiligen Schrift zum Vorbild, die ihren Kindern die Begegnung mit Jesus ermöglicht haben.









Gedanken zur Sonntagslesung (1. März)

Die alttestamentliche Lesung des heutigen Sonntags (Genesis 22,1-2.9a.10-13.15-18.) habe ich schon viele Male gehört. Es ist der bekannte Text, der davon erzählt, wie Abraham seinen einzigen Sohn Isaak, den Gott ihm und seiner Frau erst in hohem Alter geschenkt hat , in den er all seine Hoffnungen gesetzt hat und den er von Herzen liebt, Gott als Brandopfer darbringen soll. Ich konnte viele Jahre nur schwer mit dieser Stelle in der Heiligen Schrift umgehen und fragte mich, was verstörender war, dass Gott den Sohn als Opfer fordert oder dass Abraham gehorcht. Bei der heutigen Sonntagsmesse ist mir erstmals ein anderer Aspekt des Textes aufgefallen. Nachdem Gott sich vom Gehorsam und der Opferbereitschaft Abrahams überzeugt hat, spricht er die berühmte Verheißung zu ihm: Weil du das getan hast und deinen einzigen Sohn mir nicht vorenthalten hast, will ich dir Segen schenken in Fülle und deine Nachkommen zahlreich machen wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand. Und zum ersten Mal ist mir aufgegangen, dass diese Verheißung für jeden Menschen gilt, der sich ganz Gott übereignet und nichts für sich zurückbehält. Ganz klar verstand ich plötzlich: Gott nimmt nichts, er schenkt alles!!! Auch wenn es im ersten Moment anders aussehen mag, auch wenn er ein Opfer von uns verlangt, auch wenn wir Geliebtes und Vertrautes zurücklassen müssen, schenkt Gott die Fülle – die Fülle der Freude, der Zufriedenheit, der inneren Ruhe.
Ich darf dies gerade im eigenen Leben erfahren. Bereits während der Schwangerschaft mit unserem fünften Kind, wurde mir bewusst, dass ich einige meiner außerfamiliären Verpflichtungen aufgeben würde müssen. Obwohl es sich einerseits um ehrenamtliches Engagement in einer guten Sache und andererseits um die Teilhabe in einer netten Gemeinschaft, die mir viel Freude machte, handelte, spürte ich, dass es nicht mehr möglich sein würde, alles unter einen Hut zu bringen. Diese Tätigkeiten aufzugeben, wäre noch wenige Monate zuvor für mich buchstäblich undenkbar gewesen. Ich hätte diese Aufgaben nicht aufgeben wollen und können. In dieser Schwangerschaft habe ich dann mit Gewissheit erkannt, dass Gott mich an erster Stelle als Mutter und Ehefrau braucht und alles andere zweitrangig ist. Ich bin dankbar für die Gnade, diese Dinge, die mir viel bedeutet und mir große Freude bereitet haben, ohne Wehmut, ohne Reue hinter mir lassen zu können. Ich durfte lernen, dass – auch wenn es so scheinen mag, als bedeute den Willen Gottes zu tun, ein Opfer – Gott das freiwillige Ja zu seinen Plänen immer belohnt, erstens mit der Gewissheit, das Richtige getan zu haben und zweitens mit einem tiefen inneren Frieden.

Bericht von der Sommerakademie in Aigen

Unter dem Titel „Als Mann und Frau schuf er sie: Die Herausforderung der Gender-Ideologie“ fand die diesjährige 26. Internationale Theologische Sommerakademie im oberösterreichischen Aigen im Mühlviertel vom 25. – 27. 8. 2014 statt. Um die theologische wie auch gesellschaftspolitische Fragestellung zu bewältigen, war es dem neuen Leiter der Akademie, Bischofvikar Dr. Helmut Prader gelungen, hochkarätige, disziplin- und konfessionsübergreifende Fachleute zu gewinnen, die das Thema von verschiedenen Seiten beleuchteten.

Der in Heiligenkreuz lehrende Bibliker Prof. Michael Ernst vertiefte die anthropologische Sicht von Mann und Frau im Alten und im neuen Testament und ging insbesondere auf die Stellung Jesu und des Apostels Paulus zur Ehe ein. Jesus habe rigoros die Scheidung als hartherzig abgelehnt und habe die Ehe wieder auf den Schöpfungswillen zurückgeführt. Das Hohelied der Liebe, eine Sammlung profaner Liebeslyrik mit der Freude am Liebesspiel und Liebesgenuss sei später von christlichen Schriftstellern auf die Verbindung Christi mit der Kirche oder auf die mystische Vereinigung der Seele mit Gott gedeutet worden. Das neue Testament wende die Ehesymbolik auf Christus und die Kirche an, bei Paulus erscheine die Gemeinde als Braut und Christus als Bräutigam. Auch die Offenbarung des Johannes kenne eine ausgestaltete Brautmystik, die himmlische Gemeinde, die präexistente Gottestadt, das vom Himmel herabkommende Jerusalem sei wie eine Braut ausgestattet für den Bräutigam, das Lamm.

Über die Bedeutung des Naturrechtes sprach der an der evangelikalen, staatsunabhängigen Hochschule in Basel lehrende Philosoph und Religionswissenschaftler Professor Harald Seubert. Natur sei nicht einfach Materie, sondern die eigentliche Schwerkraft und Prägung der Dinge. Mit Natur sei der Logos, das Anfängliche, das Prinzipium, das Wesen gemeint. Heute seien wir wieder Sophisten geworden, der Mensch sei das Maß aller Dinge, man wolle sein wie Gott. Die Natur sei eine Norma normans, das wahre Gesetz, die richtige Vernunft. Es wäre ein Frevel, so Professor Seubert, diesem Gesetz etwas von seiner Gültigkeit zu nehmen. Wenn das Naturrecht preisgegeben werde, dann verfalle man dem Nihilismus, könne Menschenrechte nicht wirklich begründen und zerstöre die Freiheit.

Über Identität und Geschlechterdifferenz sprach die in Heiligenkreuz lehrende Professorin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz. Sie bezeichnete die Andersheit der Geschlechter als positiv sowie als Rätsel, die Ehe habe eine kosmische, weltschöpfende Bedeutung. Die beiden Geschlechter seinen voneinander abhängig. Der Mann entbinde die Frau zum Leben, diese gebe das Leben zurück. Die Frau könne nicht die Rolle des Mannes übernehmen und umgekehrt. In Gott sei der Ursprung des Eros, der Freude der Geschlechter aneinander und der Freude am Leben. Zu Zölibat und Ehe sagte sie: Nur ein ganzer Mensch könne sich mit einem Ganzen treffen. Es dürfe nur jemand heiraten, der auch allein bleiben könne und dürfe nur jemand allein bleiben, der auch zu zweit sein könne.. Die Liebe sei nicht ein Verschmelzungs- oder Ergänzungsvorgang.

Der Naturwissenschaftler Professor Manfred Spreng, u. a. Fachmann für Sinnes- und Neurophysiologie, Informatik, prächirurgischer Epilepsiediagnostik und engagiert in der freien Kirche in Erlangen, kritisierte einerseits die Heranziehung der Naturwissenschaften zur Entmythologisierung biblischer Wahrheiten, während andererseits naturwissenschaftliche Fakten von Genderideologen geleugnet würden. Er widerlegte die Position, dass Neugeborene als unbeschriebenes Blatt (tabula rasa) zur Welt kämen genauso wie die Behauptung, das Mann und Frausein nur angeredet bzw. erlernt und daher auch veränderbar sei mit Erkenntnissen vor allem der Gehirnforschung.
Die Gehirnforschung zeige, dass biblische Aussagen von der Frau als starker Gefährtin, als ergänzender Gehilfin und als besonnener Ratgeberin den wissenschaftlichen Erkenntnissen entspreche.
Professor Spreng erörterte die Bedeutung der Zweigeschlechtlichkeit für die Kindererziehung und kam zum Resümee, dass in der „guten Schöpfung der Zweigeschlechtlichkeit“ die „gütige Macht des Schöpfers“ zu erkennen sei, welcher auf geniale Weise diese „verzahnte und optimal sich ergänzende komplementäre Polarität“ des Menschen geschaffen habe. Das Abgeben von Kindern mit zwei Jahren in Kinderkrippen ohne Mutter habe durch das Gefühl des Ausgesetztseins eine gesteigerte Erregung des Furchtzentrums und damit eine Erhöhung des Kortisonspiegels zur Folge und sei vergleichbar mit dem eines gestressten Managers. Die Nichtbeachtung der Schöpfungsordnung habe psychische und physische Beeinträchtigung der Gesundheit zur Folge. Der Genderismus sei eine krankmachende Ideologie.

Der Kommunikationsberater der Diözese Chur, Giuseppe Gracia, vertrat eingangs die These, dass die Wahrnehmung einer unzureichenden katholischen Kommunikation nicht einfach mit schlechter Medienarbeit zu tun habe, sondern ebenso mit der Verweltlichung oder Verbürgerlichung der Kirche, für die die Kirchensteuer wie ein Brandbeschleuniger wirke. Die Mehrheitsfähigkeit sei so vorrangig, dass man fast alles tue, „um den Frieden mit der säkularisierten Gesellschaft nicht zu stören.“ Die zweite These sei, dass die Chance der Kirche paradoxerweise darin bestehe, dass sie antibürgerlich sei, da sich unser Herr im Himmel nicht an Mehrheiten orientiere, sondern wünsche, dass sich die Mehrheiten an ihm orientieren, daher der Ruf zur Umkehr, der zum Glauben gehöre. Demnach wäre die Kirche „ein erfrischendes Kontrastprogramm zur Verweltlichung“, die den Menschen herausrufe aus dem Bürgerlichen, gesellschaftlich gerade Angesagten.“ Dieses Kontrastprogramm würden die Massenmedien mögen, weil es von der Norm abweiche.

Der Familienvater und Herausgeber der Zeitschrift Vision 2000, Dr. Christoph Gaspari beschrieb zuerst die Vaterlose Gesellschaft als Massenphänomen, entstanden durch die Lockerung der Mann-Frau-Beziehung und der Scheidungsflut und eine Gegenbewegung dazu. Der Vater sei Garant für die Errichtung und Aufrechterhaltung eines Ortes der Sicherheit und Geborgenheit. Hier erfahre das Kind, das der Mensch im Leben vor allem anderen den Vorrang haben. Grundlage für Vaterschaft seinen die Totalhingabe, die unbedingte Bindung und die Fruchtbarkeit. Vater sein sei ein lebenslanger Lernprozess. Der Vater sei besonders begabt, Grenzen zu setzen, anzuspornen und zu helfen, über die Grenzen hinauszugehen. Der Vater müsse anwesend sein, Zeit haben und sich interessieren für das, was Kinder bewegt. Er müsse zu jedem Kind eine besondere Beziehung haben. Das Ja des Vaters zum Kind helfe diesem, zu verstehen, dass es gut sei, dass es mich gibt. Väter seien in dem Maß gute Väter, als sie für Gott durchlässig seien.

Eine besondere Ergänzung fand der dritte Tag der Tagung durch die Referate von Frau Dr. Gudrun Kugler aus Wien und Frau Birgit Kelle aus Kempten, beide hoch engagiert im Einsatz für ein neues Frauen- und Familienbild gegen das Diktat von Berufs-Feministinnen und Politikerinnen.
Frau Dr. Gudrun Kugler, Expertin für internationales Recht und Frauenrechte und vielfach politisch engagiert, kritisierte Einschränkungen der Gewissensfreiheit. In 15 europäischen Ländern gäbe es 41 Gesetze, die Christen benachteiligen würden. In der Familienpolitik, in der Frauenpolitik, bei der Abtreibung, in der Fortpflanzungsmedizin und bei der Sexualerziehung gäbe es problematische Gesetzeslagen bzw. Diskussionen. Es gäbe keine Wahlfreiheit für Mütter, die bei den Kindern bleiben möchten. Bei der verpflichtenden Beratung vor Abtreibungen gäbe es keine Bedenkfrist, während bei schönheitschirurgischen Eingriffen mindestens zehn Tage vorgeschrieben sei. Bei der Homosexualität werde sich künftig die Frage stellen, ob die Meinung, die ein Christ vertritt, eine tolerierte Randmeinung sein werde oder verboten und mit Strafe belegt werde. Frau Kugler ermahnte und ermutigte zum politischen Engagement und erinnerte an Worte Papst Benedikts, dass Christen eine kreative Minderheit werden sollten und dass es herausragender Persönlichkeiten bedürfe.

die vierfache Mutter, Frau Birgit Kelle, führte aus, dass die Genderideologen nicht nur Toleranz, sondern Akzeptanz verlangen, in der Gegenwehr immer hektischer und aggressiver werden und nach den Kindern greifen, weil diese noch formbar seien. Die meisten Frauen lehnten die Gendersprache ab und sollten „befreit“ werden, ob sie wollten oder nicht. Frau Kelle schilderte „Genderfortschritte“ wie drei Toilettentüren in Berlin, die Diskussion um „Ampelweibchen“ etc. Das Endziel sei die Auflösung der Kategorie Geschlecht. Das Geschlecht sei dann nur mehr eine soziale Funktion, ebenso die Elternschaft. Sie ermutigte zum Kampf gegen die Genderideologie, die nun bereits auf der Ebenen von Schule und Kindergarten angelangt sei. Der größte Feind der Genderideologie sei die Biologie, die mit wissenschaftlichen Fakten widerspreche.

Die Diözesanbischöfe Alois Schwarz und Klaus Küng reisten zur Mitfeier einer Heiligen Messe an und lobten die Tagung.

Durch die Vorträge und auch in den Diskussionen wurden viele anthropologische Erkenntnisse vertieft und der weltanschauliche Kampf um den Menschen, seine Würde und seine Freiheit bewusst gemacht. Es wurde insgesamt deutlich, dass die Genderideologie sowohl naturwissenschaftlichen, als auch philosophischen und theologischen Erkenntnissen widerspricht, als antichristlich und unvernünftig gesehen werden kann und von einer kleinen, zumeist durch den eigenen Lebensstil betroffenen Minderheit der Mehrheit aufoktroyiert werden solle.
Der Hinweis von Prälat Christoph Cassetti, dass Papst Franziskus die Genderideologie als dämonisch bezeichnet habe und seine Bezugnahme auf eine Aussage von Papst Benedikt vom Machbarkeitswahn des Menschen wurde durch die Referate dieser Akademie verständlicher.

Die nächste Sommerakademie wird sich – unbeeindruckt vom Gender-Mainstreaming – mit dem Thema Gott Vater auseinandersetzen.

Ignaz Steinwender

Alle Vorträge können unter http://www.bonifatius.tv/ angeschaut oder bei Radio Maria auf CD bestellt oder in der Radiothek heruntergeladen werden.

Huldigungen oder Gebet um das Seelenheil (13.8.)

Der Tod von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer führte zu einer ungeahnten Welle von Würdigungen, ja beinahe ist man versucht zu sagen Huldigungen, von denen besonders jene von kirchlichen Würdenträgern vorgetragenen einen bitteren Beigeschmack hinterlassen, blenden sie doch einen Aspekt der politischen Arbeit Prammers, der dem christlichen Glauben vollkommen widerspricht, einfach aus: ihren unermüdlichen, kompromisslosen und radikalen Einsatz für die Abtreibung.

Kirchliche Stimmen zu Prammers Tod:



Bischof Schwarz schätzte die kompetente Zusammenarbeit mit ihr. Es waren laut Schwarz immer gute, herzliche und offene Begegnungen mit der Nationalratspräsidentin.

Caritas-Präsident Michael Landau schrieb in einer Aussendung, mit Barbara Prammer verliere Österreich eine wichtige und engagierte Stimme für Menschlichkeit und Toleranz.      

Beeindruckt habe ihn (Kardinal Schönborn) die "bescheidene, kluge und sehr menschliche Art", wie Prammer ihr Amt ausgeübt habe und wie sie im Laufe der Jahre "in Österreich und international großes Ansehen gewonnen" habe. Der Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz sprach zugleich der Familie seine "tief empfundene Anteilnahme" aus und bedankte sich bei Prammer "für den Dienst, den sie für unser Land so umsichtig und verantwortungsvoll wahrgenommen hat."

Die Katholische Frauenbewegung (kfbö) verliert mit Barbara Prammer eine überaus interessierte und engagierte "Verbündete und Fürsprecherin".

Alle Frauen in Österreich würden noch lange von Prammers Einsatz zehren können, meinte Haas. Für sie bleibe die Verstorbene ein Vorbild und "Ermutigung, in diese Richtung weiterzugehen"
Aussagen Prammers als Politikerin:



Der gesetzlich legitimierte Schwangerschaftsabbruch sei eine bahnbrechende Errungenschaft, die nicht in Frage gestellt werden dürfte, betonte Prammer erneut in einer Aussendung am Dienstag. Flankierende Maßnahmen zur Fristenlösung seien angebracht, aber für Prammer vor allem im Zusammenhang mit der Empfängnisverhütung. So forderte sie erneut Gratisverhütungsmittel in den Schulen. (APA 28.12.2004)

Es ist untragbar, dass es in Österreich immer noch Bundesländer ohne Möglichkeiten für
Schwangerschaftsabbrüche gibt. Betroffenen Frauen bleibt oft nichts anderes übrig, als teure Privatärzte aufzusuchen oder in andere
Länder zu reisen." Prammer fordert deshalb in allen Bundesländern Kliniken für Schwangerschaftsabbrüche. Zugleich verlangt Prammer, Gegendemonstranten vor derartigen
Kliniken wegzuweisen. (ÖSTERREICH, 28.11.2007)

Die Bundesfrauenvorsitzende der SPÖ, Barbara Prammer, hat davor gewarnt, die Straffreiheit des Schwangerschaftabbruches in Frage zu stellen. Wer an den Grundfesten der Fristenregelung rüttle, habe mit "erbittertem Widerstand" der SPÖ-Frauen zu rechnen. Vielmehr seien Verbesserungen notwendig, betonte Prammer am Donnerstag. So müsse man den Schwangerschaftsabbruch in jedem Bundesland ermöglichen, Schutzzonen vor den Kliniken müssten Frauen vor Psychoterror schützen. (APA, 23.12.2004)

Ob der Verstorbenen bewusst war, ob es ihr jemand von den Seelsorgern, mit denen sie oft zusammengearbeitet hat, jemals gesagt hat, dass sie durch ihren gezielten Einsatz für die Abtreibung automatisch exkommuniziert ist? Ob sie am Ende ihres Lebens wohl jemand zu Reue und Umkehr aufgefordert hat? Wir wissen es nicht! Statt Lobeshymnen, die der Verstorbenen nichts mehr nützen, gibt es für Katholiken eigentlich nur eines, was sie tun können und wozu sie auch von ihren Hirten aufgefordert werden sollten: Für Frau Prammer zu beten.


Die echte Reform (27.3.)

Ecclesia semper reformanda (Die Kirche ist immer zu reformieren) – ein bekannter und oft gebrauchter Ausspruch, der manchmal in sehr gegensätzlicher Weise verwendet und von verschiedensten Kräften als Legitimation für die Umsetzung der eigenen Ideen beansprucht wird. Laut Duden wird der Begriff reformieren heute hauptsächlich im Sinne von umgestalten, erneuern oder umformen gebraucht, dabei geht der ursprüngliche Wortsinn in eine andere Richtung. Die Vorsilbe „re“ bedeutet im Lateinischen zurück, „formare“ kann man mit „gestalten“ oder „ordnen“ übersetzen. Man könnte also reformieren auch so verstehen, dass etwas wieder in die ursprüngliche Ordnung zurückgebracht werden soll. Ich denke, dass das gerade auch auf die Kirche zutrifft. Jesus erklärt einmal „Am Anfang war es nicht so“ und zeigt uns damit die Richtung jeder echten Reform. Wir müssen schauen, wie es am Anfang war, wie es von Gott gewollt ist, wie es seiner Ordnung entspricht. Alle Reformbestrebungen innerhalb der Kirche müssen also zum Ziel haben, in allem Tun dem Willen Gottes wieder mehr zu entsprechen.
Wo Menschen sind, da menschelt es, sagt man. Man könnte auch sagen, durch die Erbsünde hat der Mensch eine leichte Schlagseite bekommen und driftet immer wieder vom rechten Weg ab. Was für den einzelnen gilt, gilt auch für die Kirche, sofern man sie als aus vielen lebendigen Gliedern bestehenden Leib Christi versteht. Die Kirche als Gemeinschaft der Getauften ist eine echte Schicksalsgemeinschaft. Leidet einer (zB unter Verfolgung wegen des Glaubens), leiden alle mit (so sollte es wenigstens sein), gewinnt einer (zB durch sein heiligmäßiges Leben), gewinnen alle, da sich durch jeden Heiligen das Antlitz der Kirche und das Antlitz der Welt verändern. Wenn heute in der Kirche über Reform gesprochen wird, denken die meisten an Änderungen in den Strukturen und bei der Hierarchie, sie denken an das Kirchenrecht und die Dogmen. Das ist eigentlich wenig geistlich. Kaum einer denkt an das Änderungspotenzial, das in einem Fortschritt auf dem Weg zur Heiligkeit liegt. Jeder Fortschritt an Heiligkeit ist ein Schritt weg von der Sünde, die uns von Gott trennt, zurück in seine liebenden Arme. Jeder kann heute mit der Reform der Kirche beginnen, in dem er selbst sein Leben neu ordnet, wieder auf Gott hin ausrichtet. Mutter Teresa antwortete einem Reporter einmal schlagfertig auf die Frage, was sich an der Kirche ändern müsse: „Sie und ich!“ Befolgen wir ihren Rat, indem wir noch heute zu Gott zurückkehren und uns im Sakrament der Beichte mit ihm versöhnen.

Bettina Rahm

Wenn ein Politiker das Herz Jesu verehrt (20.12.)

Die Angelobungsformel ... so wahr mir Gott helfe und vor dem Heiligsten Herzen Jesu Christi von Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter hat viele Gläubige, die sich nach integren und bekennenden Persönlichkeiten in der Politik sehnen sehr gefreut. Die Teils gehässigen Reaktionen der Medien haben gezeigt, wie weit die veröffentlichte Meinung und das Empfinden der Bevölkerung auseinandergehen. Im folgenden zwei Leserbriefe an die TT:

Die Intoleranz der Toleranten

Der neue Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter hat bei seiner Angelobung als Minister einen religiösen Einschub gemacht. Dies war, wie die TT behauptete, ein Fressen für alle Wiener Medien. Die TT hat eine Umfrage dazu gemacht und festgehalten, dass knapp die Hälfte der Befragten meinten, Minister Rupprechter hätte sich das heilige Herz Jesu sparen können. Abgesehen von der Respektlosigkeit dieser Formulierung sei hier angemerkt:

Minister Rupprechter hat aber nichts anderes getan, als seine weltanschauliche bzw. religiöse Überzeugung zum Ausdruck gebracht und damit von der Religionsfreiheit Gebrauch gemacht.
Wenn das für alle Wiener Medien wirklich ein Fressen war, dann bedeut dies, dass diese die Religionsfreiheit nicht achten.
Welchen Sinn hat es, dass die TT eine Meinungsumfrage dazu macht und Peter Nindler dann den Minister fragt, ob er angesichts der Reaktionen bereue, diese Gelöbnisformel verwendet zu haben? Ist es etwa eine bereuenswerte Sünde, wenn man eine religiöse Überzeugung ausdrückt und nicht mit der öffentlichen oder besser veröffentlichten Meinung übereinstimmt? Ist eine Glaubensüberzeugung nicht viel mehr als eine bloße Meinung?

Die Reaktionen sagen viel aus über die religiöse Intoleranz der „Toleranten“.

Ignaz Steinwender


Religionsfreiheit auch für Minister

Ja, es ist wirklich ein Skandal: Da erdreistet sich ein Minister eines Landes, das seinen Bürgern Religionsfreiheit garantiert und seinen Regierungsmitgliedern das Recht der Verwendung einer religiösen Formel bei der Angelobung einräumt, doch tatsächlich von diesem Recht Gebrauch zu machen. Dass in diesem Gelöbnis nicht nur seine persönliche Spiritualität zum Ausdruck kommt, sondern sich in dieser auch eine Verbundenheit mit seiner Heimat Tirol und ein Traditionsbewusstsein wiederspiegelt, lässt nun sowohl bei denen, die sich selbst für besonders fortschrittlich und tolerant halten die Wogen hochgehen. Selbst bei der TT echauffiert man sich offenbar so sehr darüber, dass man auf inhaltliche Fragen zu seinem Ressort im Interview mit dem Minister ganz vergisst, doch vielleicht ist Qualitätsjournalismus kein wichtiges Kriterium für eine Zeitung, die in der Moderne stecken geblieben ist und übersehen hat, dass wir schon in der Postmoderne sind.
Bettina Rahm

Aufbruch im Niedergang



In letzter Zeit hört man auf verschiedenen Ebenen der Kirche von Aufbrüchen. Ein Anlass, um darüber nachzudenken.


Aufbrüche in der Kirchengeschichte



In der Geschichte der Kirche gab es immer wieder geistliche Aufbrüche, am eindrucksvollsten sind solche bereits in der Apostelgeschichte geschildert. Merkmale bzw. von Aufbrüchen waren das missionarische Bewusstsein, das zur Ausbreitung der Kirche geführt hat, viele Berufungen zum Priestertum oder zum Leben in Ordensgemeinschaften, das Streben nach Heiligkeit von Gläubigen in der Welt, die sich in ihrem christlichen Selbstbewußtsein von der Welt unterschieden (Entweltlichung) und eine unüberwindbare Freude an Gott, der Kirche, am Christsein. Immer wieder gab es im Lauf der Kirchengeschichte große Aufbrüche und Erneuerungen wie etwa die gregoriansiche Reform im 11. Jahrhundert, eine Erneuerung nach dem Konzil von Trient (1545 – 1563), oder große missionarische Entwicklungen im der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, um nur einige Beispiele zu nennen.



Nachkonziliare Auf- und Einbrüche



Die Aufbrüche nach dem II. Vat. Konzil muss man hingegen differenziert betrachten. Es gab in manchen Orten eine Aufbruchsstimmung, die sich oft nicht mit der Wirklichkeit deckte und es gab wirkliche Aufbrüche.



Eine oberflächliche oder teilweise ideologisch motivierte Aufbruchsstimmung war sehr verbreitet in der Kirche des Westens, besonders im deutschsprachigen Raum und hier am meisten in Holland, das damals als das Mekka der fortschrittlichen Katholiken galt. Der scheinbare Aufbruch in Holland, der durch einen Bruch mit der Tradition, einem leichtfertigen Überbordwerfen von gewachsener Spiritualität einherging, führte zu drastischen Einbrüchen. Der Dissens gegen Rom, gegen die kirchliche Lehre und romtreue Bekennerbischöfe, die fehlende Solidarität mit verfolgten Christen im Osten, die Relativierung von Glaubensinhalten und moralischen Prinzipien hatte dramatische Folgen: Leere Priesterseminare, leere Klöster, immer leerere Kirchen und schließlich ein weitgehender Zusammenbruch der Pfarrpastoral, der Verkauf von Gotteshäusern. Das missionarische Bewusstsein und die Glaubenssubstanz waren weitgehend geschwunden. Das Bemerkenswerte daran war, dass dieser beispiellose Niedergang mit der Feier von angeblichen Aufbrüchen „garniert“ wurde. Im deutschen Sprachraum war es gebietsweise ähnlich, mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung. Trotz dramatischer Einbrüche und Rückgänge beschwor man weiterhin Aufbrüche, die zumeist keine wirklichen waren.



Ungeachtet dieser ortskirchlichen Besonderheiten gab es nach dem II. Vatikanischen Konzil wirkliche Aufbrüche, in Ländern der dritten Welt, in verfolgten Ortskirchen und auch in verschiedenen Bewegungen und neuen Ordensgemeinschaften sowie in einzelnen Pfarren und Diözesen. Diese Aufbrüche waren nicht verordnet, sie wurden nicht gefeiert, sondern sie wurden errungen durch eine beharrliche Treue zum Lehramt, durch ein mutiges Widerstehen gegenüber dem Zeitgeist durch ein Standhalten in der Verfolgung, durch die Liebe zur Kirche, durch die Pflege der Einheit, durch eine würdig gefeierte Liturgie, durch ein konsequentes Streben nach Heiligkeit und ein mutiges Vorangehen. Die Früchte dieser Aufbrüche waren ein Wachstum im Glauben, zahlreiche Berufungen, eine Stärkung des missionarischen Bewusstseins und Freude am Glauben.



Ein besonderer Motor für diese Aufbrüche war Johannes Paul II. Als Papst bewirkte er weltweit eine Trendumkehr bei Berufungen, er stärkte in vielen Ortskirchen das christliche Selbstbewusstsein und inspirierte durch die Weltjugendtage eine neue Generation von Jugendlichen. Sein unerschütterlicher Glaube, sein unbändiges Vertrauen und seine selbstlose Hingabe haben viele Menschen angezogen und geistliche Früchte hervorgebracht.



Aufbruch im Niedergang



Heute gibt es sicher eine verbreitete Sehnsucht nach geistlichen Aufbrüchen. Jeder Christ kann bei sich beginnen und aufbrechen, aus der Mittelmäßigkeit zu geistlichen Ansprüchen, aus der Lauheit zu selbstloser Hingabe, aus der Anpassungsmentalität zu einem gelebten christlichen Selbstbewusstsein.

Aufbrüche werden dort am leichtesten gelingen, wo man zunächst nüchtern und realistisch den gegenwärtigen Niedergang in vielen Bereichen sieht und dann mit der Gnade Gottes ans Werk geht: Persönliche Umkehr, Vertiefung des Glaubens, Liebe zur Kirche, würdige Feier der Messe und der Einsatz für den Mitmenschen.

Ein Beispiel: Vor 40 Jahren wurde in Österreich die Fristenregelung eingeführt. Seither sind die Abtreibungen enorm gestiegen. Die Folgen für unser Land sind katastrophal. Religiöser Niedergang, seelische Traumata, Zerrüttung von Familien und vieles hängt ursächlich auch damit zusammen. Durch die dadurch hervorgerufene demographische Katastrophe werden wir in den nächsten Jahren enorme wirtschaftliche, gesellschaftliche und soziale Probleme bekommen (Pensionsversicherung, Alten- und Krankenversorgung etc.). Durch die Blindheit in der Politik und die schlafenden Wächter in der Kirche schlittern wir sehenden Auges in einen dramatischen Niedergang.



Aber und trotzdem gibt es auch Aufbrüche. In unserer Pfarre sind derzeit Jugendliche von Jugend für das Leben zu Gast. Sie machen Schuleinsätze in vielen Klassen. Sie betreiben wirkliche Aufklärung über das Werden des Lebens, über die Folgen der Abtreibung, sie greifen heiße Eisen auf und sind motivierend für das Ja zum Leben. Sie tun es uneigennützig aus reinem Idealismus. Ich bin auch den verantwortlichen Direktoren und Lehrpersonen für ihre Offenheit und die ausgezeichnete Zusammenarbeit sehr dankbar und ich bin fest davon überzeugt, dass durch diese Schuleinsätze von Jugend für das Leben vielen künftigen Ungeborenen das Leben retten, zum Glück vieler Menschen beitragen, in Schülern die Offenheit für geistliche Wege fördern, eben viel Gutes tun. Sie sind ein großer Segen, Wegbereiter für einen künftigen Aufbruch!

Ignaz Steinwender

Trauriger Jahrestag einer Kultur des Todes (29.11)

Trauriger Jahrestag einer Kultur des Todes

Am 29. November 1973 wurde in Österreich die so genannte Fristenregelung unter absoluter Parlamentsmehrheit der SPÖ beschlossen. Damit wurden Abtreibungen bis zur 12. Schwangerschaftswoche straffrei gestellt. Ein ungestraftes Morden begann. Was den Menschen als letzter Ausweg in Härtefällen verkauft wurde, ist heute längst salonfähig. Die Stern-Kampagne „Wir haben abgetrieben“, in der viele prominente Frauen sich zur Abtreibung bekannten (obwohl es bei manchen gar nicht stimmte, sie das Anliegen aber ideell unterstützen wollten), ist nur ein Mosaikstein einer andauernden Manipulation der Menschen. Man dürfe Frauen, die abtreiben lassen, nicht kriminalisieren (dabei hätten Strafen ohnehin die Ärzte, nicht die Frauen betroffen), es handle sich nur um Schwangerschaftsgewebe (dabei gibt es wissenschaftlich keinen Zweifel, dass bei der Zeugung ein neuer ,einzigartiger Mensch entsteht, der sich als Mensch, nicht zum Menschen entwickelt), Frauen müssten vor den Komplikationen bei illegalen Abtreibungen geschützt werden (dafür werden die Nebenwirkungen der nunmehr legalen Abtreibungen verschwiegen), so die Abtreibungslobbyisten. Dass Abtreibung ein Millionengeschäft ist, und sich so genannte Ärzte mit der Tötung ungeborener Kinder eine goldene Nase verdienen, will niemand gerne zugeben. Heute wird europaweit von linken und feministischen Politikern die Abtreibung als Menschenrecht eingefordert. Dieselben Aktivisten propagieren auch Verhütungsmittel aller Art. Der Slogan „Lieber verhüten als abtreiben“ ist eine Lüge. Die Abtreibung ist ideologisch gesehen eine Frucht der Verhütungsmentalität. Durch die Anti-Baby-Pille entsteht eine Anti-Baby-Mentalität. Versagt die Verhütung, fungiert die Abtreibung als Notfalllösung.
Einige wenige europäische Länder verweigern sich bisher dieser Kultur des Todes.
In Österreich müssen wir uns Plattheiten wie „Jede Abtreibung ist eine zuviel“ von unseren Politikern anhören, ohne dass sich jemand ernstlich darum bemüht, Frauen echte Alternativen vorzuschlagen, Adoption zur fördern und zu erleichtern, die Gründe für Abtreibungen zu erheben und gezielt Hilfestellungen anzubieten. Es werden nicht einmal die Zahlen statistisch erhoben. Abtreibungsbefürworter geben die Zahl mit 30000 Abtreibungen pro Jahr an. Das sind 4 Schulklassen täglich!! Da kann man nicht mehr von Härtefällen sprechen. In 40 Jahren also 1,2 Millionen getötete Kinder. Welche Schande für unser Land. Und welcher Schaden. Nicht nur, dass unter den Kindern, die niemand wollte Musikgenies wie Mozart, Heilige, Nobelpreisträger, Erfinder und Forscher hätten sein können, die betroffenen Frauen und Familien werden mit der traumatisierenden Erfahrung der Tötung des eigenen Kindes völlig allein zurückgelassen. Das so genannte Post-Abortion-Syndrom, eine nach Abtreibungen auftretende psychische Störung, sowie körperliche Komplikationen wie Unfruchtbarkeit, Verletzungen im Unterleib, Krebsrisiko werden totgeschwiegen.
Als Mutter Teresa der Friedensnobelpreis überreicht wurde sagte sie in einer Rede vor der versammelten Führungsriege Europas, dass jene Länder die ärmsten seien, die Angst vor Kindern und deshalb die Abtreibung legalisiert hätten.
Doch was können wir – abgesehen davon, dass wir bei Wahlen besonders den Aspekt des Lebensschutzes in die Entscheidung mit einbeziehen – tun? Ich glaube, als Christen müssen wir uns über jedes Kind freuen, auch über das einer 15-Jährigen, auch über das einer 45-Jährigen, nicht nur über das erträumte Wunschkind, sondern auch über das unerwartete Überraschungsgeschenk. Die Kirche verurteilt die Abtreibung, nicht die Frauen, die in scheinbar ausweglosen Situationen abtreiben. Sie lädt deshalb alle Betroffenen immer wieder ein, im Sakrament der Versöhnung Vergebung zu erfahren.
Bettina Rahm

Ein Lob der römischen Kurie (29.11)



Immer wieder liest oder hört man von der römischen Kurie. Nicht nur Kardinäle und Bischöfe, sondern viele Journalisten und diverse Gruppen machen sich Gedanken über eine Reform der Kurie.

Seit dem II. Vatikanischen Konzil ist der Name römische Kurie vorwiegend negativ besetzt. Damals gehörte es auch unter Bischöfen teilweise zum „guten Ton“, auf die Kurie einzudreschen. Die Kurie war der neue Feind und man versuchte, einen Gegensatz zwischen Papst und Kurie herzustellen, der „Papa buono“ und die finstere Kurie. Manche Konzilsbeobachter meinten, dass man beim II. Vatikanischen Konzil keine Feinde hatte, kein Gegenüber, mit dem man sich auseinanderzusetzen hatte, weshalb man die böse Kurie als Feind entdeckte. Ich erinnere mich noch, wie einige Professoren in Univorlesungen immer noch dieses ideologische Vorurteil weitertradierten.

Dies hat nicht nur der Kurie selbst, sondern vor allem dem Papst und der ganzen Kirche geschadet. Es ist verständlich, wenn Kirchengegner versuchen, einen Gegensatz zwischen Papst und Kurie herzustellen. Weniger verständlich ist es, wenn kirchliche Leute dieses Spiel mitmachen und pauschal und abfällig über die Kurie urteilen.

Papst Benedikt hat sich in seiner Abschiedsansprache mit sehr herzlichen Worten bei der Kurie bedankt. Sicher gibt es überall, wo Menschen sind, auch menschliche Schwächen und Versuchungen, aber insgesamt glaube ich, dass die Verwaltung der römisch katholischen Kirche etwas Beeindruckendes ist.

Keine Institution auf der ganzen Welt hat annähernd soviel Erfahrung in der Verwaltung wie die römisch katholische Kirche. Es ist in Wirklichkeit einmalig und auch faszinierend, wie von einem Ministaat wie dem Vatikan aus eine Weltkirche mit 1,1 Milliarden Menschen geleitet wird. Ich glaube, dass dies die „schlankste“ Verwaltung überhaupt ist! Es gibt nichts Vergleichbares!

Die Rede vom römischen Zentralismus ist auch so ein plumpes Schlagwort von Kleingeistern. Sie kommt vorwiegend aus dem deutschen Sprachraum, also von einer sterbenden Kirche, von dort, wo die Diözesankurien im Vergleich zu anderen Ländern und im Vergleich zum Vatikan wirklich aufgebläht sind. Dort wäre eine Kurienreform nach dem Motto, mehr Geist, weniger Kurie, durchaus angebracht, wenn man den Balken im eigenen Auge sehen würde.



Ignaz Steinwender

Der selige Engelbert hat entschieden (12.11.)



Als Papst Franziskus als neu gewählter Papst erstmals vor die am Petersplatz versammelten Gläubigen hintrat, brauchte es einige Zeit, bis man einiges vom neuen Papst erfuhr. In den medialen Spekulationen war er nämlich praktisch nicht vorgekommen, seine Wahl geschah völlig überraschend. Es wurde wieder einmal deutlich: Der Heilige Geist führt die Regie.

Ähnlich scheint es nun in der Erzdiözese Salzburg zu sein. Durch Indiskretionen wurde medial verbreitet, Weihbischof Lackner sei vom Domkapitel am Sonntag gewählt worden, Weihbischof Laun und Pater Wallner von Heiligenkreuz seien weiters auf dem Dreiervorschlag gewesen. Dies war, wenn man voraussetzt, dass die verbreiteten Nachrichten zutreffen, zunächst einmal sehr überraschend, wenn man bedenkt, was in der letzten Zeit alles spekuliert wurde und dass manche Personen medial als mehr oder weniger fix für den Dreiervorschlag gehandelt wurden.

Wenn man andererseits bedenkt, dass die Hochschule Heiligenkreuz einen großen Aufschwung verzeichnet und dass das Priesterseminar in Heiligenkreuz im Gegensatz zu den Diözesanseminaren geradezu als aus allen Nähten platzt, dann ist es nicht verwunderlich, dass drei Professoren von Heiligenkreuz auf dem Dreiervorschlag waren.

Ich erinnere mich oft an eine Begegnung, die wie wir heuer im Rahmen einer Pfarrwallfahrt in Graz in der Soldatenkirche zum Seligen Engelbert (Belgierkaserne) mit Weihbischof Lackner hatten. Weihbischof Lackner, der gerade von einer Vorlesung in Heiligenkreuz gekommen war, nahm sich viel Zeit für uns, die Begegnung war herzlich, direkt, geistlich und humorvoll, für uns alle ein großes Geschenk, eine unvergesslich Begegnung.

Für katholisch denkende Gläubige ist immer klar. Gott beruft, der Heilige Geist führt Regie. Wenn unter Papst Franziskus ein Franziskaner in einer Erzdiözese Bischof wird, aus der der selige Franziskanerpater Engelbert Kolland hervorgekommen ist und besonders verehrt wird, dann spürt man noch greifbarer das Wirken der Vorsehung.

Ignaz Steinwender







Vom Heimgang einer Mutter

Ein sehr schöner Partespruch lautet: Die Mutter wars, was brauchts der Worte mehr. Dieses Wort passt auch besonders für Maria Fankhauser, die im 97. Lebensjahr am 9. Oktober zu Gott heimgekehrt ist. Bei ihrem Begräbnis wurde nicht ohne Grund das Evangelium von der freudigen Begegnung von Maria und Elisabeth, die beide guter Hoffnung sind, welches stets zu Maria Heimsuchung und am zweiten Goldenen Samstag in Maria Rast verkündet wird, ausgewählt. Maria Fankhauser hatte 140 direkte Nachkommen, 9 Kinder, 43 Enkelkinder, 75 Urenkel und 13 Ururenkel, von denen sie – bis zum Schluss geistesgegenwärtig – stets voller Freude sprach. Von allen wurde sie einfach Mutter genannt. 45 Jahre war sie verheiratet, 30 Jahre Witwe, rund 10 Jahre pflegte sie ihre schwerkranke Schwiegermutter. Bis zu ihrem 90. Lebensjahr arbeitete sie im Stall mit. In ihrem arbeitsreichen Leben hatte der Glaube stets einen besonderen Stellenwert. Vielleicht waren gerade ihr treues Gebet und die Liebe zum eucharistischen Herrn die Quelle ihrer Zufriedenheit und Dankbarkeit, die sie bis zuletzt ausstrahlte. Mit kindlicher Freude empfing sie beispielsweise den Priester, der kurz vor Weihnachten mit der Heiligen Kommunion zur ihr kam. Mehrmals sagte sie: „Ein Engel hat dich geschickt“ und verabschiedete sich freudestrahlend mit den Worten: „Das war mein schönstes Weihnachtsgeschenk.“ Ihr bescheidenes Dasein voll Hingabe an das Leben und den Glauben mögen nicht nur für ihre Nachkommen und Verwandten, sondern für uns alle eine Ermutigung sein.

Marxismus durch die Hintertür - die Ganztagsschule

Es ist kein Wunder, dass sich einige aus dem rot-grünen Lager (bei den ÖVP-Mitgliedern verwundert es schon mehr) über die Aussagen von Landesschulratspräsident Lintner empören, hat er doch das Unverzeihliche gewagt, nämlich die Wahrheit zu sagen, und das noch dazu kurz vor einer wichtigen Wahl. Was uns heute in Sachen Bildungspolitik als der Weisheit letzter Schluss verkauft wird, ist nichts als ein – wie Lintner richtig bemerkt –bereits über 100 Jahre altes und noch dazu gescheitertes Modell. Die marxistische Ideologie mit ihrem Gleichheitsdogma, die hinter Gesamt- und Ganztagsschule (und übrigens auch hinter möglichst früher, flächendeckender Kleinkindbetreuung) steckt, hat ein erklärtes Ziel: Frauen sollen als Arbeitskräfte möglichst früh und möglichst ganztags zur Verfügung stehen. Als zweiter Effekt werden die rundum betreuten Kinder, die von klein auf in staatlicher Obhut sind, auch weltanschaulich in die Richtung gebildet, die genehm ist, zB Gendermainstreaming. Es muss für so manchen Ideologen in der Tat skandalös erscheinen, dass einer auszusprechen wagt, dass der Kaiser nackt ist, dass nämlich nicht alle Kinder gleich sind und dass man sie auch nicht dadurch gleich machen kann, dass alle die gleiche Schule besuchen und das möglichst den ganzen Tag. Die Konsequenzen des forcierten Systems sind unschwer zu erraten: Den schulisch schwachen Schülern wird eingeredet, sie hätten die gleichen Chancen und Möglichkeiten wie die guten, was unweigerlich zu Enttäuschung und Neid führt, anstatt ihnen zu einer realistischen Selbsteinschätzung zu verhelfen und sie zu ermutigen, sich ihrer, schulisch vielleicht weniger relevanten Fähigkeiten wie handwerkliches Geschick oder Hausverstand oder aber hohe Sozialkompetenz, bewusst zu werden. Den sehr begabten Kindern jedoch wird in einem System der Gleichmacherei, in dem es kein erstrebenswertes Ziel mehr ist, besser zu werden und dazuzulernen, jede Motivation genommen, ihr eigentliches Potential auszuschöpfen. Selbst wenn es gelänge, alle gleich zu machen, wäre das Ergebnis maximal „gleich mittelmäßig“. Eliten sind nicht mehr erwünscht, ihr Fehlen wird jedoch gerade von Verantwortlichen in der Wirtschaft beklagt. Zum Schluss seien jene, die sich – auch in den eigenen Reihen – gar so über Lintner aufregen, an folgendes Nietzsche-Zitat erinnert: „Ihr redet so laut, als ob ihr Unrecht hättet!“

Bettina Rahm
(erging auch als Leserbrief an die Tiroler Tageszeitung)

Sehende, die zum Sehen verleiten (13.09.)

Sehende, die zum Sehen verleiten!

Im heutigen Evangelium stellt Jesus die Frage. Kann ein Blinder einen Blinden führen! Werden nicht beide in eine Grube fallen?
Eine wichtige Frage für alle, die berufen sind, zu führen, Eltern, Lehrer, Vorgesetzte, Politiker etc.
Ein Kirchenführer sagte einmal in einer Predigt: Die Menschen heut sind so blind, dass sie die eigene Hand vor dem Gesicht nicht mehr sehen.

Jemand kann nur führen, wenn er selbst sieht! Jesus sagt den Jüngern: „Ihr seid das Licht der Welt!“ Die Jünger sollen sehend sein bzw. werden und sehend machen. Der Heilige Thomas von Aquin sagt, dass es der größte Freundschaftsdienst ist, jemandem den Zugang zu Gott zu ermöglichen. Wer Gott erkennt und eine Beziehung zu Gott erlangt, wird im eigentlichen Sinne sehend.

Es gibt aber viele Hindernisse, um im übernatürlichen Sinne sehend zu werden.
Einmal die Ansicht, dass es keine Wahrheit gibt oder dass der Mensch nicht fähig sei, Wahrheit zu erkennen. Wer von dieser relativistischen Sicht überzeugt ist, kann nicht sehend werden. Ebenso kann jemand nicht sehend werden, wenn er nicht sehen will, wenn er nicht bereit ist, mit ganzer innerer Hingabe danach zu streben. Das dritte Hindernis zu sehen, ist die Sünde. Die Sünde, ob bewusst oder unbewusst, verdunkelt die Erkenntniskraft des Menschen. Wer in Sünde verstrickt ist, kann nicht sehen oder kann nicht sehen wollen. Ein Zeichen der Verstricktheit in die Sünde ist die Lust am Urteilen über andere. Dabei neigt der Mensch dazu, im anderen seine eigenen Fehler zu erkennen.

Je mehr der Mensch sehend wird, desto mehr wird er sich seiner eigenen Fehler bewusst werden und spüren, dass er aus eigener Kraft nicht gut sein und nicht wirklich sehen kann, sondern nur mit der Hilfe Gottes. Dies ist der wahrhaft kritische Christ. Diese Erkenntnis führt dazu, dass er den Fehlern anderer gegenüber milde wird. Er betet lieber für andere, anstatt sie zu richten.
Er strebt nach tieferer Wahrheitserkenntnis und nach einer persönlichen Gottesbeziehung und weiß, dass er in dem Maß führen kann, in dem Maß er sich von IHM führen lässt.
Ich glaube, dass gerade die jungen Menschen heute eine groß Sehnsucht haben nach wirklichen Vorbildern, nach Menschen, die überzeugt und daher überzeugend und authentisch sind, Menschen bei denen man spürt, sie sehen, sie wissen, was sie wollen und gehen in Freude diesen Weg, eben überzeugte, gläubige Christen wie die Heilige Notburga!

Gebetsaufruf für Syrien (31.8.)

Im Jahre 2009 haben wir von der Pfarre Zell aus eine Pfarrwallfahrt nach Syrien gemacht zum Grab des Seligen Engelbert Kolland und auf den Spuren des Apostels Paulus.

Wir haben ein blühendes Land vorgefunden, überaus freundliche Menschen und viele wertvolle Schätze des Landes gesehen. Wir konnten uns auch frei bewegen und jeden Tag die Heilige Messe feiern. Natürlich war uns klar, dass Syrien politisch eine Diktatur ist. Aber wir haben auch erfahren, dass die ca. eine Million Christen dort relativ unbehelligt ihren Glauben ausüben können, besser als in allen anderen arabischen Staaten. Syrien hat auch großzügig hundertausende Flüchtlinge aus dem Irak aufgenommen, nachdem der Irak von einigen Westmächten zum Chaos „befreit“ worden war.
Es war für jeden aufmerksamen Beobachter völlig klar, dass in Syrien von Beginn an ausländische Kräfte die Rebellion geschürt haben, auf dem Rücken der Bevölkerung, mit unvorstellbaren Greueln und bisher über 100.000 Tote, bis hin zur Kriegsgefahr. Ein großes Verbrechen spielt sich vor unseren Augen ab.

Als Gläubige Christen schulden wir den leidgeprüften Menschen in Syrien, aber auch denen, die dieses Verbrechen verschulden unser Gebet. Ich möchte euch ein besonderes Friedensgebet für Syrien empfehlen, das im Gebets- und Wallfahrtsbüchlein zum Seligen Engelbert Kolland auf Seite 41 und 42 abgedruckt ist.
Denn, wie sagt Reinhold Schneider: „Nur den Betern kann es noch gelingen, das Schwert ob unseren Häuptern aufzuhalten!“

Ignaz Steinwender



Friedensgebet für Syrien

Seliger Engelbert Kolland
Du hast fünf Jahre in der Stadt Damaskus als Seelsorger gewirkt und
mit den Menschen verschiedener Konfessionen und Religionen, die dich
als „Vater Engel“ verehrten, zusammengelebt.
Du hast den Menschen mit großer Liebe gedient und dein Leben für den
Glauben eingesetzt und hingegeben.
Wir bitten für das Land Syrien, das zu deiner zweiten Heimat geworden
ist, und für alle Menschen, die dort leben:
Erwirke beim Herrn, dass aller Hass zwischen verfeindeten Gruppen
getilgt und in Liebe verwandelt werde, gib, dass sich alle Mächte, die
Gewalt und Feindschaft in Syrien schüren, zurückziehen, ermutige in
dem Land viele Menschen, nach deinem Vorbild mit ganzer Hingabe ein
friedliches Miteinander zu suchen, erbitte den Menschen Stärkung,
damit sie im Geist der Versöhnung, des Dialoges und des friedlichen
Miteinanders zusammenleben können, und der Herr dem Land und den darin
lebenden Menschen den ersehnten Frieden schenke. Amen.







Ist die Kirche noch zu retten? (26.7.)



Diese große Überschrift stand in der jüngsten Ausgabe der Innsbrucker Kirchenzeitung auf Seite drei. Im Beitrag ging es dann um eine Sinus-Milieustudie, die nach 2005 nun auch 2012 von der deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegeben wurde. Mein erster, zugegeben etwas polemischer Gedanke war: Sind denn die deutschen Bischöfe noch zu retten, wenn sie immer noch große Summen Geld, das von Kirchensteuerzahlern stammen wird, für derartige Studien ausgeben? Aber Polemik beiseite:

Allein der Titel gibt schon Anlass zum nachdenken. Was bedeutet die Frage: „Ist die Kirche noch zu retten?“ Wer soll denn die Kirche retten? Was ist denn Kirche überhaupt?

Kirche ist nicht Selbstzweck. Sie ist, wie das II. Vat. Konzil sagt, „Zeichen und Werkzeug der innigsten Vereinigung des Menschen mit Gott und untereinander.“ Sie soll also der Ort sein, wo Menschen sich mit Gott vereinigen können. Gerade Papst Franziskus, mit dem in diesem Bericht Erwartungen verknüpft werden, betont immer wieder, dass die Kirche aus dem Kreisen um sich selbst herausfinden muss, dass sie nach außen wirksam sein soll. Als Papst Benedikt bei seinem letzten Deutschlandbesuch in Freiburg von einer notwendigen Entweltlichung der Kirche sprach, da bemühten sich hohe Kirchenvertreter gleich nach seiner Abreise, diese Aussage abzuschwächen bzw. umzudeuten.
Der Leiter der Sinus-Studie, Georg Frericks stellte lt. Bericht die Diagnose: „Die Kirche ist nicht im Heute angekommen, ihr wird ein großes Modernitäts-Defizit angelastet.“ Was drückt diese Feststellung aus? Wer lastet der Kirche ein Defizit an? Steckt hinter dieser Feststellung nicht ein katholischer Minderwertigkeitskomplex, nämlich das unbiblische Bestreben, die Kirche müsse sich der Welt angleichen, sie müsse mit der Zeit gehen, das Programm der Verweltlichung.

Jesus sagt: Wer sein Leben retten will, der wird es verlieren, wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert wird es retten (Mt 16,25). Könnte man das nicht im übertragenen Sinne auf die Kirche anwenden. Wenn die Kirche auf ihren Selbsterhalt bedacht ist, wenn sie durch Studien erforschen will, was sie tun muss, damit sie gut ankommt, dann ist sie nicht mehr zu retten. Wenn das Salz seinen Geschmack verloren hat, dann wird es weggeworfen und von den Menschen zertreten.

Jesus allein ist der Retter! Wenn ER im Mittelpunkt steht, dann ist die Kirche Ort der Rettung der Menschen. Wenn die Kirche bzw. der Mensch sich selbst in den Mittelpunkt stellt, dann bleibt er sich selbst überlassen, dann gibt es keine Rettung.

Ignaz Steinwender

Was Mütter und Kinder brauchen (24.5.)



Kürzlich las ich in einer Bezirkszeitung eine Aussage einer Wirtschaftskammerfunktionärin (ob sie selbst Kinder hat, ist mir nicht bekannt) darüber, was Frauen wirklich brauchen. Ihrer Ansicht nach vor allem eines: eine gute Kinderbetreuung. Abgesehen davon, dass ich diese Aussage für irrig halte, werden die Tatsachen hier umgekehrt. In Wahrheit will die Wirtschaft die Frauen als Arbeitskräfte, und das um jeden Preis. Auch auf Kosten der nächsten Generation. Während wir schon länger davon wissen, dass eine vaterlose Kindheit nicht unbedingt förderlich für Kinder ist, steuern wir geradewegs auf eine mutterlose Kindheit zu. Gewiss, die Mutter ist schon noch irgendwie da, aber nur noch das, was zwischen beruflicher Anforderung, Alltagsbelastungen als Hausfrau und sonstigen Verpflichtungen bzw. Terminen (man muss sich schließlich auch Selbstverwirklichen) noch übrig bleibt. Die Familie wird heute an zwei Fronten angegriffen. Die einen wollen sie aus ideologischen Gründen zerstören, wollen die Kinder in staatlicher Obhut sehen, das elterliche Erziehungsrecht beschneiden. Die anderen geben sich zwar noch irgendwie als Familienpartei aus, sind aber bereit die Familie auf dem Altar der Wirtschaftsbosse zu opfern. In einer Fernsehdiskussion hat einmal eine Politikerin die Ergebnisse einer Jugendstudie lächerlich gemacht und die jungen Menschen unseres Landes als Träumer und weltfremd hingestellt, weil eine Mehrheit sich gewünscht hat, dass Mütter bis zum Kindergarteneintritt des Kindes (heute ohnehin in den allermeisten Kindergärten spätestens mit drei Jahren möglich) die Möglichkeit haben sollen, daheim zu bleiben. Wir erleben jedoch eine Politik, die in die Gegenrichtung steuert. Es gibt finanzielle Anreize für jene, die schon ein Jahr nach der Geburt wieder einer Erwerbstätigkeit nachgehen, das Angebot an Krippenbetreuungsplätzen wird ständig vergrößert, obwohl mit den dafür benötigten Finanzmitteln auch die eigene Betreuung der Kinder, die nachweislich für das Kind besser und stressfreier ist, gefördert und unterstützt werden könnte. Auch Kardinal Meisner kritisierte jüngst die deutsche Familienpolitik, die es verabsäume junge Frauen wirklich zu einer größeren Kinderzahl zu ermutigen und der es an Wertschätzung für die Mütter und die Erziehungsarbeit mangle.
Andererseits muss man sich angesichts des Lebensstils mancher junger Familien mit Neuwagen, Flugurlauben, Markenbekleidung, regelmäßige Kaffeehausbesuche usw. fragen, ob denn die finanzielle Not wirklich oft so groß ist, dass die Frau wieder arbeiten muss, obwohl noch Kleinkinder zu versorgen sind. Schließlich ist die Kleinkindbetreuung auch nicht gratis, ganz zu schweigen von den Ausgaben, die durch Fahrt zum Arbeitsplatz oder mehr benötigte Bekleidung (sowohl für die berufstätige Mutter, die immer chic aussehen soll, als auch für das Kind, das fremdbetreut wird) entstehen. Ich bezweifle manchmal ernsthaft, ob die Rechnung, dass ein zweiter (Teilzeit)-Verdienst einer Jungfamilie wirklich so viel bringt, stimmt. Eine Lehrerin schrieb mir einmal ins Poesie-Album: „Arm ist nicht der, der wenig hat, sondern der, der viel bedarf“. Kinder brauchen nicht viel, sie brauchen bis zum dritten Lebensjahr vor allem die Mutter. Doch nach den Bedürfnissen der Kinder fragt in der ganzen Betreuungsdiskussion niemand.

Auf dem Weg zum perfekten Menschen (17.5.)

Eine der Schlagzeilen der vergangenen Tage lautete, dass sich die bekannte Schauspielerin Angelina Jolie die Brust amputieren hat lassen – als Vorbeugungsmaßnahme gegen Brustkrebs. Ihre Mutter war an dieser Krankheit im Alter von 56 Jahren gestorben und bei ihr habe man mittels Gentest eine 87%ige Wahrscheinlichkeit ebenfalls zu erkranken festgestellt. Das menschliche Genom ist heute weitgehend entschlüsselt. Bei den meisten Krankheiten, bei denen genetische Vorbelastungen zu den Risikofaktoren zählen, gibt es schon die Möglichkeit sich daraufhin austesten zu lassen. Was heute vielleicht einige wenige freiwillig machen lassen, könnte schon bald von allen Menschen erwartet werden. Wäre es denn nicht praktisch schon im Voraus zu wissen, ob jemand eine erbliche Vorbelastung für eine schwere Krankheit in sich trägt? Man könnte sich dann fragen, ob so jemand nicht höhere Versicherungsbeiträge zahlen sollte, oder ob es sich überhaupt auszahlt, ihm jede Art von Behandlung oder Ausbildung angedeihen zu lassen, wenn es doch möglicherweise doch umsonst ist. Horrorszenarien, die man sich heute wohl kaum vorstellen kann. Doch allein schon der Gedanke bereits in jungen Jahren erfahren zu können (oder schlimmstenfalls müssen), an welchen schlimmen Erkrankungen man mit welcher Wahrscheinlichkeit später zu leiden haben wird, macht bestimmt nicht glücklicher.
Eines ist jedenfalls sicher. Würde ein durch künstliche Befruchtung erzeugtes Baby heute vor der Einsetzung in die Gebärmutter mittels PID (=Präimplantationsdiagnostik) untersucht, hätte es bei Nachweis des „Brustkrebsgens“ wohl keinerlei Chance zur Welt zu kommen. Es würde einfach aussortiert und entsorgt oder noch für weitere Forschungszwecke missbraucht. Fans von Angelina Jolie würden die schöne, talentierte Frau sicherlich vermissen. Wer weiß, welche Genies, Schönheiten oder Heilige in den nächsten Jahren – PID wird in immer mehr Ländern zugelassen und IVF (=Künstliche Befruchtung im Reagenzglas) nimmt immer mehr zu, da die Fruchtbarkeit (zum Teil selbstverschuldet durch jahrelange Manipulation des Zyklus durch Hormone) merkbar abnimmt – dieser bewussten Selektion zum Opfer fallen. Vermutlich ist der Schritt von der Erkenntnis, welche Genveränderung welche Krankheiten hervorruft, zu einfachen Bluttests ( wie beispielsweise den bereits in einigen Ländern zugelassenen praena-Test, mit dem Trisomie 21 kostengünstig und ohne Risiko für die Schwangere festgestellt werden kann) nur noch ein kleiner. Dass das Risiko für die Ungeborenen dadurch jedoch drastisch zunimmt, muss wohl nicht eigens dazugesagt werden. Der Wunsch nach dem perfekten Menschen wird immer größer, die dafür in Kauf genommenen Kollateralschäden nehmen zu. Ganz schleichend will der Mensch wieder selbst bestimmen, welches Leben lebenswert ist und welches nicht. Wer das Buch „Schöne neue Welt“ oder den Film „Gattaca“ kennt, dem muss vor so einer Zukunft grausen. Und für mich stellt sich immer öfter die Frage, ob ich selbst denn in einer solchen Welt voller perfekten Menschen überhaupt noch einen Platz hätte.

Bettina Rahm

Bienen, Pestizide und schwarz-grüne Koalitionen



In der letzten Zeit gab es heftige Diskussionen und auch große Empörung über das Thema Pestizide und die Bienen. Die Bienen, die ein fleißiger Imker in meinem Garten betreut und die ich dort oft beobachte, haben mich angeregt, über dieses Thema nachzudenken.

Manche sagen, Pestizide dienen einem guten Zweck, nämlich der Schädlingsbekämpfung, andere sagen, die Pestizide sind ein Gift, es ist ein Eingriff gegen die Natur, das ist generell abzulehnen. Durch die Pestizide sterben die Bienen.

Was nützt es, Schädlinge erfolgreich mit Pestiziden zu bekämpfen, wenn dann die Bienen, die ja für das Gedeihen der Vegetation unentbehrlich sind, sterben?

Vielen Menschen wird immer klarer: Wenn der Mensch gegen die Natur handelt, dann handelt er gegen sich selbst, auch wenn er meint, damit einen Fortschritt zu erzielen. Denn irgendwann schlägt die Natur zurück. Dann wird aus einem scheinbaren Vorteil ein größerer Nachteil, oder gar eine Katastrophe.

Warum wird der Mensch dann aber nicht gescheiter und kehrt um? Vielleicht, weil Ursache und Wirkung oft weit auseinander liegen, weil die Zusammenhänge oft nicht so unmittelbar einsehbar sind, vor allem aber auch wegen der Gier, der Rücksichtslosigkeit, wegen des Materialismus’. Der Egoist sieht nicht die Ordnung der Natur oder er will sie nicht sehen. Er denkt nur an sich und ist daher kurzsichtig.

Hier könnte man fragen, ob es nicht ähnliches in der geistigen Welt gibt. Es gibt eine Schöpfungsordnung, die Gott in die Natur hineingelegt hat und eine geistige, eine übernatürliche Ordnung. Der Mensch ist berufen und fähig, diese Ordnungen zu erkennen und sie mit Gottes Hilfe zu beachten. Dadurch findet er Erfüllung und Heil. Wenn der Mensch gegen die Gesetze Gottes handelt (durch die Sünde), dann stellt er sich außerhalb der lebensbejahenden Ordnung und handelt sich selbst viele Unannehmlichkeiten ein.

Die Bibel berichtet, dass als Folge des Sündenfalles (Ungehorsam – nicht hören auf Gott) nicht nur der Mensch, sondern die ganze Schöpfung in Mitleidenschaft gezogen wurde (Verlust des Paradieses mit vielen Folgen, vgl. Buch Genesis, Kapitel drei). Der Apostel Paulus sieht, dass dieser Zusammenhang auch in umgekehrter Richtung besteht. Die ganze Schöpfung ist auch in die Erlösung des Menschen einbezogen. So schreibt er im Römerbrief: „Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes.“ (Röm 8,19) „Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt. Aber auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben, seufzen in unserem Herzen und warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden.“ (Röm 8,21-23). Die heilige Hildegard hat auf den Zusammenhang zwischen der geistigen Ordnung und der kosmischen Ordnung und auf die Folgen der Sünde für die Natur (z. B. Wasser und Luftverschmutzung) hingewiesen, wie Erzbischof Kothgasser im Fastenhirtenbrief 2011 darlegte.

Wenn diese Zusammenhänge erkannt werden, dann wird man feststellen, dass zwischen Landwirtschafts- und Umweltministerium keine Unvereinbarkeit besteht, ganz im Gegenteil. Wenn die Grünen wirklich grün sind (offen für Schöpfungsordnung oder sogar für den Schöpfer und seine geistige Ordnung) und die Schwarzen wirklich schwarz sind (weltanschaulich christlich-sozial), dann könnte dies eine Annährung zwischen schwarz und grün erleichtern.

Durch die Umkehr des Menschen, durch Annahme der Erlösung in der Hinwendung zu Gott und seiner Ordnung wird auch die Schöpfung befreit. An diese Notwendigkeit der Umkehr zu Gott und der Abwendung von der Sünde erinnert uns auch die Botschaft von Fatima (13. Mai 1917).

Die Bienen sind indirekt auch beteiligt am Osterfest, dem Grund der neuen Heilsordnung in der Erlösung. So besingt der Priester im Exultet (Osterlob) der Osternacht den Auferstanden mit den Worten: „Aus dem köstlichen Wachs der Bienen bereitet, wird Sie (die Osterkerze) Dir dargebracht von Deiner heiligen Kirche.“

Der Heilige Athanasius, der die Folgen der Häresie (Anm. geistige Schädlinge oder Pestizide) erkannte, verglich die Bischöfe mit Bienen. Wie die Wächterbienen die Feinde vom Bienenstock abwehren, so haben die Bischöfe das Kirchenvolk von eindringenden Häresien zu bewahren.

Der Heilige Ambrosius ist der Patron der Bienen und des Lernens. Von ihm als Kirchenlehrer könnten wir lernen, wie wichtig es ist, im Glauben zu tieferen Einsichten zu gelangen und die geistige und von Gott in die Natur eingestiftete Ordnung zu beachten.
Der ehemalige Politiker (Stadtpräfekt von Mailand) könnte sogar als Patron für echte schwarz-grüne Koalitionen dienen.

Bleibt in meiner Liebe (3.Mai)

Gestern hieß es im Tagesevangelium: Bleibt in meiner Liebe (Joh 15,9).

Wenn Jesus dies seinen Jüngern vor seinem Weggang sagt, dann hat diese Botschaft besonderes Gewicht. Die Jünger sollen in seiner Liebe bleiben, sie sollen das bewahren, was der Herr ihnen geschenkt hat und es lebendig erhalten.

Wir leben heute in einer Zeit, wo vieles geschaffen wird, es gibt immer mehr Neues, vieles verändert sich. Gleichzeitig beobachten wir das Phänomen, dass vieles einzubrechen beginnt, es trägt nicht mehr, es wird brüchig. Es gibt geradezu einen Erosionsprozess. In der Politik bröckelt manches ab, die Parteien verlieren ihr Profil, es ist schwieriger geworden, Menschen für öffentliches Engagement zu gewinnen, die Meinung vieler Menschen über die Politik ist schlecht.
Es gibt eine Erosion in der Moral. Immer weniger tragfähig sind menschliche Beziehungen. Auch in unserer Ortskirche (nicht in der Weltkirche) gibt es das Phänomen von Austritten und Rückgängen, die in manchen Pastroalkonzepten einer sich selbst verwaltenden, verweltlichten Kirche bereits eingeplant werden.

Vor diesem Hintergrund bekommen die Worte Jesu eine besondere Bedeutung: Bleibt in meiner Liebe. Papst Franziskus ermutigte jüngst die Menschen dazu, durchzuhalten und Schwierigkeiten nicht aus dem Weg zu gehen, weil es dadurch nicht leichter werde.
Standhalten, bleiben, durchhalten, weitermachen ist oft viel mehr als irgendwas aus dem Boden zu stampfen. Es ist höchste Form von Aktivität, Lebendigkeit und Dynamik, es bedeutet nicht zuletzt, in der Liebe bleiben. Das Mittel dazu heißt: Wenn ihr meine Gebote haltet, dann werdet ihr in meiner Liebe bleiben (Joh 15,10).

Sicher ist es nicht einfach, aber es ist der einzige Weg, der einen Sinn ergibt. Wer sich auf diesen Weg einlässt, wird auch beschenkt werden mit einer tieferen Sinnerfüllung. Der Heilige Athanasius sagt: "Um die Heilige Schrift zu verstehen, muss einer einen rechtschaffenen Lebenswandel führen, mit reinem Herzen und mit einer Tugend, die sich nach Christus gebildet hat, hinzutreten, um die Wahrheit erfassen zu können, soweit dies dem menschlichen Geiste gegeben ist."
Es gibt keinen großen Geist in der Menschheitsgeschichte, der nicht durch Schwierigkeiten hindurch gereift und gewachsen ist.
Und Jesus verhießt den Jüngern und uns für dieses Bleiben in der Liebe einen großen Lohn: Er sagt: „Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.“ (Joh 15,11).

Ignaz Steinwender

Gottesprivilegien oder Kirchenprivilegien (23.4.)

Das Volkbegehren gegen Kirchenprivilegien ist ein Flopp geworden, erstmals in der Geschichte Österreichs hat ein Volksbegehren weniger als ein Prozent Beteiligung erreicht. Egal ob es Desinteresse, die Erkenntnis, dass Initiatoren mit falschen Behauptungen agierten oder die Wertschätzung gegenüber der Kirche oder mancher ihren Einrichtungen oder die tiefere Erkenntnis, was die Kirche eigentlich vermitteln darf, die das Scheitern des Volksbegehrens bewirkte, es ist ein Anlass, über Privilegien nachzudenken.

Privileg bedeutet von seinem Wortsinn her das Vorrecht für einen Einzelnen oder eine Gruppe, das andere nicht haben.

Die Kirche, so hieß es stereotyp, bekomme vom Staat viele Privilegien. Man könnte auch einmal umgekehrt formulieren und fragen: Ist nicht vor allem der Staat ein Nutznießer, ein Privilegierter, wenn es in ihm eine vitale Kirche gibt? Ist es nicht die Kirche, die dem Staat unbezahlbare Werte gibt, indem sie z. B. Voraussetzungen schafft, die Demokratie, soziales Zusammenleben, wirtschaftliches Gedeihen und vieles andere fördern bzw. ermöglichen. Aber ist es nicht auch problematisch, wenn man die Leistungen der Kirche für die Gemeinschaft, Soziales, Bildung und Kultur darstellt und dabei das Eigentliche in den Hintergrund tritt? Denn wenn man nicht zuerst das Reich Gottes sucht, wird einem das andere auf Dauer nicht mehr dazugegeben!

Die Osterzeit, die bis Pfingsten dauert, lenkt unseren Blick auf den Kern dessen, was Kirche ist. Als der Auferstandene den Jüngern erschien, hat er ihnen (und damit der Kirche) den Frieden geschenkt, den Heiligen Geist und die Vollmacht, Sünden zu vergeben, alles Gaben, die kein Mensch einfach machen kann, die niemand geben kann und die alles andere übertreffen. Es sind Gaben, die aber jedem offen sind, der sich ausstreckt und sie als Geschenk empfangen will.
Die Kirche darf diese Gaben, trotz der Fehler ihre Glieder, weiterschenken und Ort der Begegnung des Menschen mit Gott sein.

Dieses Ostergeschenk ist das größte, dass es auf Erden gibt, es ist noch dazu gratis und jeder kann es bekommen, der wirklich will und auf Götzen verzichtet. Gott will, dass dies kein Privileg für einige sei, sondern von allen angenommen wird. Er will, dass alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen und gerettet werden.

Die Vielen, die das erkennen und annehmen dürfen, sind dazu berufen, in allen die Sehnsucht nach diesem Geschenk zu wecken, apostolisch und missionarisch zu sein.

Man sollte ein Gottesbegehren starten, damit das größte Geschenk, Gott, kein Privileg bleibt.

Ignaz Steinwender

Bauch, Kopf und Herz (8.1.13)

Bauch, Kopf und Herz

In unserem ganzen Leben geht es darum, sich zu entscheiden. Doch wonach entscheide ich mich? Welches sind meine Kriterien? Gehe ich nur nach dem Bauchgefühl, wie es in Filmen, Talkshows und von diversen Ratgebern empfohlen wird? Gefühle sind eine wichtige Antriebskraft in unserem Leben, aber eine echte Entscheidungshilfe sind sie eigentlich nicht. Denn wer zu Beispiel dem Gefühl, dem Ehepartner davonlaufen zu wollen (und das kommt selbst in den besten Ehen hin und wieder vor), heute nachgibt, sieht sich morgen mit vielen Problemen konfrontiert, an die man vorher nicht gedacht hat. Eine andere Instanz ist der Kopf. Er wägt Entscheidungen hauptsächlich nach Gesichtspunkten der Nützlichkeit ab. Er hilft uns einzuordnen, ob ein Verhalten klug oder unklug ist, vorteilhaft oder unvorteilhaft. Im letzten sagt aber selbst die Vernunft, nichts über die moralische Qualität einer Entscheidung aus. Kopfmenschen können auch eiskalt sein, können sich für das Böse entscheiden. Als wichtige Entscheidungshilfen hat Gott uns einerseits den Heiligen Geist gegeben, der den Verstand erleuchten kann und weiter das Gewissen, das als Gottes Stimme in unserem Herzen zu uns spricht. Während landläufig das Herz mit den Gefühlen in Verbindung gebracht wird, sieht der bekannte Psychiater und Psychotherapeut DDr. Raphael Bonelli, das Herz als jenes „Organ“, mit dessen Hilfe wir gut und böse, richtig und falsch unterscheiden können. Mit Hilfe des Herzens können wir das Bauchgefühl (zB Neid auf einen erfolgreicheren Konkurrenten) und das Kalkül des Kopfes (ein negatives Gerücht über den anderen brächte mir mehr Aufträge) überwinden und uns zu einer guten Handlung, die auch vor Gott bestehen kann, durchringen.
Heute gibt es eine sehr große Verwirrung. Der Bauch wird völlig überbewertet. Es geht nur mehr um Lust und um das, wobei ich mich gut fühle. Wer ständig seinem Bauch folgt, wird ein Egoist und kann keine dauerhaften Beziehungen führen. Im Leben muss man eben auch manchmal Dinge tun, auf die man keine Lust hat. Das soll nicht heißen, dass Gefühle grundsätzlich schlecht sind. Doch kann nicht allein mein gutes oder schlechtes Gefühl ein Entscheidungskriterium sein. Der Verstandesmensch kann zwar das Gefühl der Unlust oder Angst überwinden, um ein vernünftiges Ziel zu erreichen. Es kann ein gutes Ziel sein, zB mache ich die Hausaufgaben, obwohl ich keine Lust dazu habe, weil ich weiß, dass es für meinen schulischen Erfolg wichtig ist. Es kann aber auch ein schlechtes Ziel sein, wenn ich beispielsweise meine Angst überwinde und aus der Tasche des Lehrers die Schularbeitenaufgabe stehle, damit ich bessere Noten bekomme oder sie an Mitschüler verkaufen kann. Zum Verstand braucht es noch den Willen, das Gute zu tun, auch wenn es mir möglicherweise Nachteile einbringt.
Das Herz erkennt die Gefühle, schaut auf die Abwägungen der Vernunft und entscheidet schließlich nach dem Maßstab des Gewissens, nach dem Maßstab von Gut und Böse. So sollte es zumindest sein. Leider fehlt heute vielen Menschen die nötige Herzensbildung. Dafür braucht es Orientierung und Klarheit darüber, was gut und was böse ist. Für uns ist es die Lehre der Kirche, der Katechismus, anhand dessen wir unser Gewissen bilden sollen und müssen. Dem Wissen muss allerdings auch die Tat folgen. Als Christen sind wir alle zur Selbsterziehung unseres Herzens gefragt. Jeden Tag bieten sich viele Gelegenheiten, die Unlust und Berechnung zu überwinden und einfach auch in den ganz kleinen Dingen des Alltags sich für das Gute und Richtige zu entscheiden. Dann werden wir langsam aber sicher zu Menschen, die ein großes Herz haben, ein Herz voll Liebe, und das ist nichts anderes, als das, wozu wir alle berufen sind: Heiligkeit.

Bettina Rahm

Vom Sündenfall (15.12.)

Der 8. Dezember ist einer meiner liebsten Feiertage, wohl besonders wegen der Lesung aus dem Buch Genesis, in der der Sündenfall geschildert wird. Zu Maria Empfängnis feiern wir, dass Maria durch ein Gnadenprivileg Gottes ohne Erbsünde empfangen wurde. Die Lehre von der Erbsünde, die manchen – die sie gründlich missverstehen – nicht nachvollziehbar erscheint, ist für mich immer wieder eine Bestätigung, dass unser Glaube vernünftig und wahr ist. Im Islam gibt es beispielsweise zwar die Annahme, dass man gegen Gottes Gebote sündigen kann, doch keine Lehre von der Erbsünde. Praktisch bedeutet das, dass ein gläubiger, frommer Muslim ein Leben lang ohne Sünde bleiben könnte, wenn er sich nur genug anstrengte und Allah genug liebte. Wem könnte das gelingen? Wer könnte nicht an diesem hohen Anspruch scheitern? Bei uns ist das ganz anders. Wir Katholiken glauben – und ein nüchterner Blick in den menschlichen Alltag lehrt uns nichts anderes – dass der Mensch in seiner Fähigkeit zum Guten verletzt ist. Wir glauben zwar nicht, dass „Hopfen und Malz“ verloren ist, doch blickt der katholische Glaube realistisch auf das Wesen des Menschen, dessen Gut-Sein nun einmal unvollkommen ist. Diese Wunde haben uns nach biblischem Bericht unsere Stammeltern Adam und Eva geschlagen. Nun ist es nicht so, dass Gott ein so nachtragender, beleidigter Gott wäre, der einen Ausrutscher allen weiteren Generationen anrechnen würde. Adam und Eva stehen für die Menschheit schlechthin, in deren Herz der Widersacher, die Schlange immer wieder Zweifel an Gottes Liebe sät. Im Fall der ersten Menschen geschieht dies durch die simple Frage, ob Gott wirklich verboten habe, von den Bäumen des Gartens zu essen. Bewusst wird die Aussage Gottes, nur der Baum der Erkenntnis sei tabu, verdreht. Dann behauptet der Satan, Gott wolle den Menschen die Erkenntnis vorenthalten, da sie sonst wie Gott seien. Denselben Wunsch, der Luzifer seinen Platz an Gottes Seite gekostet hat, nämlich wie Gott sein zu wollen, sät er nun in das Herz Evas. Adam sieht tatenlos zu als Eva mit der Schlange spricht, als sie die Frucht pflückt und isst und nimmt sie schließlich aus Evas Hand, um selbst davon zu essen. „Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren“, heißt es in der Bibel. Allein in diesem Satz wird so viel ausgesagt, was die Menschen durch den Sündenfall verloren haben: den anderen nur mit dem Blick der Lieben ansehen zu können, den anderen ganz sehen zu können, nicht nur den Körper, die Schönheit des Körpers erkennen können ohne Anzüglichkeiten oder Hintergedanken, mit einem so reinen Blick wie ein Kind der Nacktheit des anderen begegnen.

Adam wird von Gott zur Rede gestellt, schließlich war ihm der Garten und die Frau anvertraut worden. Schon seit Adam scheinen die Menschen immer wieder zu vergessen, dass sie Gott Rechenschaft schuldig sind. Und schon seit damals arbeitet der Mensch mit faulen Ausreden. „Die Frau, die du mir beigesellt hast, hat mir zu essen gegeben“, so lautet Adams Antwort. Nicht nur, dass er sich vor der Verantwortung drückt, im letzten beschuldigt er sogar Gott, ihn eine so schlechte Frau gegeben zu haben. Eva wälzt die Verantwortung ebenfalls ab, auf die Schlange. Was dann folgt, kennen wir aus unserem Alltag. Gott prophezeit den Menschen die Mühsal des Alltags und des Beziehungslebens. Alles, was Gott so gut erschaffen hat, ist aus dem Lot geraten. Am Ende eines jeden Lebens steht der Tod. Dabei darf dies jedoch nicht in erster Linie als Strafe Gottes an den Menschen gesehen werden, sondern einfach als Folge der Sünde. Auch das verkennen wir heute oft. Unsere Sünden haben Folgen: manche sind unmittelbar, manche wirken sich langfristig aus, alle sind relevant für unser Leben nach dem Tod.

Nun mögen vielleicht manche einwenden, dass ein allmächtiger Gott doch diese Folgen ändern könnte, dass er doch die Erbsünde aufheben oder ungeschehen machen könnte. Ja, das könnte er, mehr noch, er hat es bereits getan, indem er seinen eigenen Sohn, Jesus Christus, als Sühnopfer für uns alle hingegeben hat. Durch die Taufe sind wir mit ihm verbunden und werden von der Erbsünde befreit, wenngleich wir auch – wie bei allen Sünden – unter den Folgen weiter leiden. Eine dieser Folgen ist eben das Gift des Misstrauens gegenüber Gott. Der Blick auf die Muttergottes am heutigen Festtag kann uns helfen, dieses Misstrauen zu überwinden, indem wir versuchen, wie sie zu allem, was Gott von uns möchte, ja zu sagen.

Der 8. Dezember (8.12.)

Am heutigen Feiertag fiel mir nach einem Gespräch in dem es darum ging, ob der 8. Dezember denn nun wirklich ein „richtiger“ Feiertag sei, die folgende Geschichte wieder ein.
Es wurde unter ihnen kein Sonntag
Eines Tages kamen unter einem großen Baum die Tiere zusammen, weil auch sie einen Sonntag haben wollten wie die Menschen. Der König der Tiere, der Löwe, erklärte: „Das ist ganz einfach. Wenn ich eine Gazelle verspeise, dann ist für mich Sonntag.“ Das Pferd meinte: „Mir genügt schon eine weite Koppel, dass ich stundenlang austraben kann, dann ist für mich Sonntag.“ Das Schwein grunzte: „Eine richtige Dreckmulde und ein Sack Eicheln müssen her, dann ist für mich Sonntag.“ Das Faultier gähnte und bettelte: „Ich brauche einen dicken Ast um zu schlafen, wenn es bei mir Sonntag werden soll.“ Der Pfau stolzierte einmal um den Kreis, zeigte sein prächtiges Federkleid und stellte höflich, aber bestimmt fest: „Nur ein Satz neuer Schwanzfedern, er genügt für meinen Sonntag.“
So erzählten und erklärten die Tiere stundenlang und alle Wünsche wurden erfüllt. Aber es wurde unter ihnen kein Sonntag. Da kamen die Menschen vorbei und lachten die Tiere aus: „Ja, wisst ihr denn nicht, dass es Sonntag wird, wenn man mit Gott wie mit einem Freund spricht?“ (aus Afrika)

Was in der Geschichte über den Sonntag ausgesagt wird, gilt für alle Feiertage genauso. Und was den Tieren wiederfährt, sehen wir heute auch bei allzu vielen Menschen. Wo Gott keinen Platz mehr im Leben hat, gibt es keinen Sonntag und keinen Feiertag mehr. Und so vergeht für viele der heutige Tag im Arbeitsstress oder im Einkaufsstress oder im Sportstress. Und ich bin einfach froh, dass heute Feiertag ist, ein Tag an dem ich all das, was so viele stresst, nicht tun muss.

Die Macht des Gebetes (10.11.)



Irgendwie komme ich mir komisch vor, an dieser Stelle über das Gebet zu schreiben, da es in unserer Pfarre gewiss viele größere Beter gibt als mich. Trotzdem durfte ich in der letzten Zeit immer wieder erfahren, welch eine Gnade es ist, beten zu können und welche Macht im Gebet steckt. Für mich gibt es deshalb ganz klar, einige Argumente, die für das Gebet sprechen:Es rettet aus der Ohnmacht, mit der wir angesichts von Schicksalsschlägen und Hiobsbotschaften konfrontiert sind. Das Gefühl, überhaupt nichts zu tun können, ist ganz furchtbar und schlägt leicht in Verzweiflung über. Wer beten kann, der kann etwas tun. Nämlich Gott das Anliegen vortragen, den geliebten Menschen oder die schwierige Situation Gott anvertrauen und bei IHM Hilfe erbitten, wo menschliche Hilfe schwach ist oder ganz versagt.Es nimmt uns die Last der vielen schlechten Nachrichten, die uns täglich erreichen und uns zu erdrücken droht. Seien es nun ganz persönliche Anliegen oder Gebete für Freunde und Bekannte, die es momentan schwer haben oder der Blick in die Zeitung oder die Hauptnachrichten, der uns in die Knie zwingt. Wir können alles Gott übergeben. ER trägt die Last, ER nimmt uns ab, was für uns zu schwer ist.Es vertieft unsere Beziehung zu Gott. Wie man beim Gespräch mit Bekannten, das sich vielleicht über einen längeren Zeitraum immer mehr vertieft, merkt, dass aus der Bekanntschaft eine Freundschaft wird, so wird auch unsere Freundschaft mit Gott immer intensiver, je regelmäßiger und intensiver und auch persönlicher wir mit ihm sprechen.Beten schafft aber auch Gemeinschaft unter den Betern. Egal ob man sich nur flüchtig kennt oder befreundet ist, das gemeinsame Gebet für ein bestimmtes Anliegen verbindet. Man teilt eine gemeinsame Sorge, und mehr noch, man teilt die Art und Weise damit umzugehen. In unserer Pfarre und darüber hinaus gibt es eine sehr lebendige Gebetsgemeinschaft, oft eine regelrechte Gebetskette und wie wohl tut es zu wissen, dringende Anliegen ohne viel Aufhebens anderen Mitbetern anvertrauen zu können und so nicht allein damit vor Gott zu stehen, der uns verheißen hat, dass alles, was zwei gemeinsam im Namen Jesu erbitten, sie erhalten werden, wenn sie glauben.Das wichtigste Argument für das Gebet jedoch ist schlicht und einfach, dass es wirkt. Gott erhört Gebete. Es ist geradezu staunenswert, wie sich im Alltag kleinere und größere Wunder ereignen, in denen wir durch das Licht des Glaubens den Finger Gottes erkennen können. Was gibt es schöneres, als von einer Gebetserhörung zu erfahren. Gewiss kann Gott unser Gebet auch manchmal auf unerwartete Weise annehmen, weshalb es gut ist im Gebet oft das „dein Wille geschehe“ zu sprechen, damit wir es so verinnerlichen, dass wir immer mehr glauben können, dass es selbst dann, wenn ein Gebet scheinbar nicht gehört wurde, zu unserem Besten ist.

Der Herr ist mein Hirte (5.10.)

Als unser Herr Dekan gestern beim Seelenrosenkranz den Psalm 23 „Der Herr ist mein Hirte“ betete, fühlte ich mich an zwei Gelegenheiten erinnert, wo mich dieses Psalmwort besonders begleitet hat. Als ich nach dem Abschluss der Pädak im Sommer 2002 mit einer Gruppe aus unserer Pfarre und Umgebung beim Weltjugendtag in Toronto war, war eines meiner größten Anliegen meine berufliche Zukunft. Die Zusagen und Absagen für die Lehrerstellen waren schon verteilt, ich war leer ausgegangen und fragte mich ernstlich, was ich denn jetzt mit meinem Leben anfangen sollte. Einer aus der Gruppe der Lorettos, denen wir uns angeschlossen hatten, hatte ein Säckchen mit Bibelworten bei sich und lud mich und einige andere ein, Gott eine Frage oder ein Anliegen hinzulegen, ein Gebet zu sprechen und dann eine Bibelstelle zu ziehen und diese als Antwort zu verstehen. Ich zog damals den Psalm 23. Dieses Wort berührte mich zutiefst und brachte mir einen echten inneren Frieden. Ich schöpfte Vertrauen, dass Gott schon wissen würde, wo er mich hinhaben wollte und im Herbst bekam ich dann doch eine Anstellung. Doch auch schon früher, während meiner Ausbildung war mir der Psalm 23 untergekommen. Ich sollte als Studentin bei einer Religionsstunde zuschauen, um von der Lehrerin zu lernen. Diese hatte die Schüler als Hausübung den Psalm 23 auswendig lernen lassen, nachdem sie ihn gemeinsam gelesen und darüber gesprochen hatten. Sie fragte daraufhin die Kinder, welchen Sinn es habe, diesen Text aus der Bibel auswendig zu lernen. Ohne zu zögern antwortete ein Schüler: „Damit wir dieses Gebet können, wenn wir es brauchen.“ Was für eine weise Antwort aus dem Mund eines 11 – oder 12-Jährigen. In der Tat ist es so, dass wir vorgeformte Gebete brauchen, gerade für die Momente, wo wir sprachlos sind, angesichts unserer Sorgen, unserer Schmerzen oder unserer Trauer, aber auch wenn uns vielleicht vor Freude und Glück die Worte fehlen. Die Psalmen sind ein großer Schatz an wertvollen Gebeten für jeden Anlass, weil sie einerseits zutiefst menschlich sind und andererseits ganz auf Gott ausgerichtet. Es sind Gebete ohne Ablaufdatum, die damals genauso wie heute eine große Hilfe sind, das, was unser Herz bewegt auszudrücken aber auch unser Herz mit dem Gebetsschatz zu nähren. Wir dürfen nämlich gewiss sein, dass es unser Innerstes verändert, wenn wir vertrauensvoll mit dem Psalmisten beten: „Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen. Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. Er stillt mein Verlangen, er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen. Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil, denn du bist bei mir. Dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht. Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl, du füllst mir reichlich den Becher. Lauter Güte und Hulde werden mir folgen mein Leben lang, und im Hause des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.“

Einige Psalmen zum Kennenlernen findet ihr auch in unserer Rubrik Sakramente/Gebete.

Bettina Rahm

Wo Gott ist, ist Leben! (28.9.)

Kürzlich berichteten der ORF und andere Medien über die Aussagen eines Demografen, der unter anderem feststellte, dass Katholiken (gemeint sind die Praktizierenden, die auch am Sonntag an der Heilige Messe teilnehmen) eine höhere Geburtenrate als die Durchschnittsbevölkerung haben. Während in manchen Foren eine Diskussion über die Ausbreitung des Islam, die ebenfalls Thema des Interviews war, entbrannte, stieß ich mich - neben der Tatsache, dass die Gläubigen in einem Atemzug mit den Ungebildeten, die laut Statistik ebenfalls eine höhere Kinderzahl haben, erwähnt wurden – vor allem an der lapidaren und oberflächlichen Erklärung für diese Tatsache. Der österreichische Demograf Wolfgang Lutz wird mit der Aussage zitiert, dass religiöse Menschen oft mehr an sozialen Kontakten und Gemeinschaft interessiert seien und sich das auch in höheren Geburtenraten niederschlage. Das klingt ja fast so, als hätten Gläubige nur deshalb mehr Kinder, weil sie nicht allein sein wollen. Es ist bemerkenswert, dass einerseits immer wieder der Kindermangel beklagt wird, andererseits gar nicht genau hingeschaut wird, warum manche eben doch noch mehr als die statistischen 1,4 Kinder bekommen. Die Frage müsste doch lauten: Warum bekommen manche mehr Kinder und wie kann die Gesellschaft, der Staat eine Haltung in der Kinder willkommen sind fördern. Ohne dass die Reihenfolge eine Wertung oder Gewichtung darstellt und ohne Anspruch auf Ausschließlichkeit und Vollständigkeit, sind mir folgenden Gründe für eine größere Kinderzahl eingefallen:Das Bewusstsein, dass Kinder in erster Linie ein Geschenk Gottes sind, nicht eine Karrierebremse oder finanzielle BelastungDas Bewusstsein, dass Opfer – und selbst der Frömmste würde wohl nicht behaupten, dass einem in der Begleitung und Erziehung von Kindern nicht auch Opfer abverlangt werden – nicht umsonst sindDas Bewusstsein, dass menschliche Nähe wertvoller ist, als materieller Wohlstand und dass sich so mancher Verzicht (zB auf einen Urlaub oder ein besseres Auto) lohntDas Bewusstsein, dass jedes Leben einzigartig und kostbar ist, so dass auch Kinder aus überraschenden Schwangerschaften angenommen werdenDas Bewusstsein, dass Gott an unserer Seite ist und wir deshalb auch unsere familiären Sorgen ihm anvertrauen können und mit Hoffnung und Zuversicht in die Zukunft blicken dürfenDas Bewusstsein, dass sich der Mut zu mehr Kindern immer als Segen auf die Familie zurückfälltDas Bewusstsein, dass zur menschlichen Sexualität auch die Fruchtbarkeit gehört und das großherzige Ja zu einem Leben in der Ordnung Gottes
Was die Statistik zeigt, ist nichts anderes, als ein Abbild dessen, was wir glauben: Wo Gott ist, ist Leben!

Vom Dialog

Heute hört man innerhalb der Kirche oft den Begriff Dialog. Die Priester sollen mit den Gläubigen einen Dialog führen, die Bischöfe sind dialogbereit gegenüber allen möglichen Gruppierungen. Doch kommt mir oft vor, es gibt ein Missverständnis über die Bedeutung dieses Wortes, über dessen Inhalt. Eine ganz neutrale Auffassung ist, unter einem Dialog einfach ein Gespräch zu verstehen. So weit, so gut. Und doch gibt es nicht wenige, die einfach so lange laut „Dialog“ schreien, bis bei den Gesprächen das Ergebnis herauskommt, dass sie wollen.

Ein kürzlich erlebtes Beispiel zeigt vielleicht, was Dialog meiner Meinung nach sein kann. Nach dem Artikel über den Zölibat, der vor einiger Zeit im Pfarrbrief erschienen ist, bekam ich eine Rückmeldung von einem Bekannten, der meine Argumente anzweifelte und sie zu widerlegen versuchte. Daraus entstand ein längerer E-Mail-Kontakt, bei dem wir unsere Argumente vertiefen, besser erklären und die des anderen in Frage stellen konnten. Natürlich hätte ich mir gewünscht, den anderen zu für meine Ansichten zu gewinnen, weil ich von dem, was ich gesagt und geschrieben habe, überzeugt bin. Am Ende blieb ich eine Zölibatsbefürworterin und er ein Zölibatsgegner. Obwohl es keinem von uns gelungen ist, den anderen umzustimmen, kann man doch nicht behaupten, es hätte kein Dialog stattgefunden. Wäre mein Gegenüber jetzt ein Mitglied irgendeiner selbsternannten Reforminitiative, würde er -da am Ende unseres Schriftverkehrs nicht einmal ein Kompromiss herausgekommen ist -einfach in regelmäßigen Abständen behaupten, wir müssten über den Zölibat reden, obwohl eigentlich alles gesagt ist. Ein redlicher Gesprächspartner wird vermutlich sagen: Wir werden uns in diesem Punkt nicht einigen, wir können trotzdem in anderen Punkten einer Meinung sein. Auch menschlich kann so ein Dialog viel bringen, wenn er uns am Ende Toleranz und Achtung vor dem Andersdenkenden lehrt. Für mich war die Diskussion über den Zölibat sehr gewinnbringend. Ich konnte mich in der Argumentation üben, ich konnte Gegenargumente kennenlernen und überlegen, wie ich sie entkräften könnte. Ich konnte meinem Kritiker vielleicht Denkanstöße geben. Ich erinnerte mich dabei immer wieder an die Zeit, bevor ich die Lehre der Kirche wirklich kennengelernt hatte und selbst ähnlich argumentierte. Heute bin ich dankbar für die Gnade des Glaubens und vor allem bin ich für mich zu dem Schluss gekommen, dass manches eben nur im Licht des Glaubens ganz verstanden werden kann. Eine Befürchtung oder ein Vorurteil gegenüber gläubigen Menschen ist ja immer, dass der Glaube, blind mache, dass er die Wahrnehmung, die Sicht auf die Welt einenge. Ich erlebe es genau umgekehrt. Wer glaubt, sieht mehr! Zum Beispiel auch die Schönheit des Zölibats.

Bettina Rahm

Götzen - auch heute noch? (13.9.)

Der Begriff „Götze“ kommt in der Bibel einige Male vor, trotzdem ist es mir schon öfter im Gespräch so ergangen, dass wenn das Wort „Götze“ fällt, die Leute nachfragen, was das denn eigentlich sei. Im Wortstamm steckt noch das Wort Gott, es meint aber, dass etwas oder jemand, der nicht Gott ist an Gottes Stelle tritt. Im Judentum und im Christentum gibt es die Zehn Gebote, deren erstes die Anbetung anderer Götter verbietet. Wie wir wissen, hat das auserwählte Volk Israel schon bald nach seiner Rettung sich einem Götzenbild, dem goldenen Kalb, zugewandt. Doch gibt es das auch heute? Ist das auch in unserer Zeit ein Problem, dem man zB in so einem Kommentar nachgehen soll? Es gibt in unserem Sprachgebrauch den Begriff, etwas oder jemanden „abgöttisch“ lieben, das meint eine Liebe, eine Verehrung, ja an Anbetung (man sagt ja zB auch der oder die „Angebetete“) grenzende Hingabe, die eigentlich nur Gott gebührt. Direkt gefragt, werden die allermeisten Christen sicherlich von sich behaupten, dass sie selbstverständlich keine anderen Götter anbeten. Viele denken dabei vielleicht an die antike Götterwelt der Griechen und Römer oder die Gottheiten in den östlichen Religionen. Doch es geht um mehr als nur um den Kult. Es geht darum, was in meinem Herzen den ersten Platz einnimmt. Gott will in unserem Leben die Nummer eins sein. Wenn Gott nämlich an erster Stelle steht, hat auch alles andere seinen richtigen Platz, weil Gott uns nichts wegnimmt, sondern alles schenken will. Wir brauchen uns ja nur fragen, was uns die Zeit zum Gottesdienst oder zum Gebet „stiehlt“ oder was häufige Ausreden anderer sind. Es gibt viele Götzen, die vielleicht langsam und schleichend, vielleicht zunächst unbemerkt den Platz Gottes in unserem Leben einnehmen. Manche tun alles für den Sport. Da gibt es keine unpassende Uhrzeit, kein unpassendes Wetter, keinen Termin, der nicht verschoben werden könnte, damit nicht der Lauf oder die Rad- oder Klettertour oder das Schierlebnis stattfinden kann. Bei manchen ist die Arbeit zum Götzen geworden. Sie arbeiten nicht, um davon leben zu können, sondern leben für die Arbeit, oft ohne es selbst zu merken. Wie nötig hätten diese Menschen doch den Sonntag, der ihnen Ruhe verschafft, auch wenn sie – zumindest bis zum Zusammenbruch – meinen, diese Ruhe nicht zu brauchen. Einigen ist für ihr Haustier nichts zu viel. Es werden keine Kosten und Mühen gescheut, damit es dem Vierbeiner an nichts fehlt. Da nimmt man sogar das Gassi gehen im Morgengrauen gerne in Kauf, während die Sonntagsmesse leider viel zu früh beginnt. Das sind nur einige Beispiele, es gäbe noch viele weitere, zB Unterhaltungssucht, Computer aber auch Menschen, denen wir alles andere unterordnen.
Alle diese Dinge, Sport, Arbeit, Tierliebe, sind an sich sehr gute Dinge. Doch wenn sie unser Leben beherrschen, wenn sie uns die Zeit für unsere Gottesbeziehung stehlen, wenn sie an Gottes Stelle treten, dann sind es eben Götzen. Vielleicht kann das bevorstehende Jahr des Glaubens ein Anlass sein, Gott wieder an die erste Stelle zu stellen, ihm wenigstens jeden Tag eine kurze Gebetszeit zu widmen und am Sonntag die Heilige Messe mitzufeiern.

Bettina Rahm

Wenn der Hausverstand siegt (7.9.)

Verschwiegen von den deutschsprachigen Medien ereignete sich kürzlich eine Sensation in Norwegen. Ein vom Staat mit 56 Millionen Euro pro Jahr subventioniertes Institut für Gender Studien wurde wegen Unwissenschaftlichkeit geschlossen. Auslöser war eine kritische Dokumentation im staatlichen Fernsehen, in der ein landesweit bekannter Kabarettist, der während seines Soziologiestudiums die Zwangsbeglückung mit den „Erkenntnissen“ der Gender Ideologie erlebt hatte, Gender Studien als das entlarvte, was sie sind: ideologisch verblendete Scheinwissenschaften.
Während weltweit viele aktuelle Studien aus verschiedenen medizinischen und biologischen Fachrichtungen eindeutig das belegen, was jeder Mensch mit gesundem Hausverstand weiß, nämlich dass Männer und Frauen unterschiedlich sind, dass sie unterschiedlich fühlen, denken und handeln, halten die Verfechter der Genderideologie, die jegliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern leugnet, daran fest, dass jeder Unterschied nur anerzogen sei. In der Dokumentation kommt ein Arzt zu Wort, der Babys einen Tag nach der Geburt einen Gegenstand(zB ein Mobile) oder ein Gesicht zum Betrachten gezeigt und dabei festgestellt hat, dass schon in den ersten Lebenstagen die Mädchen deutlich öfter und länger das Gesicht betrachten, während sich die männlichen Babys den Gegenständen intensiver zuwendeten. Auch von der Hirnforschung werden die Unterschiede zwischen den Geschlechter bestätigt. Konfrontiert mit diesen wissenschaftlichen Aussagen, fiel den norwegischen Gender-Forschern nichts anderes ein, als zu beklagen, dass es einfach unverbesserliche Leute, die bewusst nach den Unterschieden suchten. Biologische Fakten seien für sie nicht relevant. Kurz zusammengefasst suchen die Gender-Studien, nicht wie man es von eigentlich von der Wissenschaft erwartet nach der Wahrheit, sondern allein nach Theorien, die die eigene Ideologie irgendwie plausibler machen. Die Gender-Anhänger blamierten sich derart, dass die Politik drastisch die Konsequenzen zog und im Gleichbehandlungs-Vorzeigeland Norwegen das Gender-Institut zusperren musste. Die Frage, auf die der gesamte Film aufbaute, war folgende: Warum üben nach vielen Jahren, in denen man den Menschen bewusst durch die Schule, die Medien, die Politik glauben machen wollte, dass Männer und Frauen gleich sind und in denen Mädchen in Männerberufen und Männer in Frauenberufen besonders gefördert wurden, immer noch die meisten Frauen frauentypische Berufe und die meisten Männer männertypische Berufe aus? Die Antwort ist einfach: Weil Norwegen ein Wohlstandsland ist, in dem Frauen ohne wirtschaftliche Überlebensdruck ihren Wunschberuf wählen können, und nicht wie es beispielsweise in manchen Schwellen-oder Entwicklungsländern der Fall ist, Ingenieurin werden müssen, um überhaupt eine akademische Laufbahn mit absehbarem finanziellem Erfolg erreichen zu können. Es geht den Menschen so gut, dass sie es sich leisten können, das zu tun, was ihrer Natur entspricht, und so wählen Mädchen Berufe, wo ihre soziale Kompetenz und ihre Empathie gefragt sind, und Buben technische Berufe, wo mathematische und naturwissenschaftliche Fähigkeiten von Vorteil sind.

Wer sich jetzt wundert, davon nirgends gelesen oder gehört zu haben, dem sei gesagt: Österreich und Deutschland sind noch nicht so weit. Im Gegenteil, hierzulande werden Studenten verschiedenster Fachrichtungen immer häufiger mit Gender-Kursen zwangsbeglückt. Je höher der Ausbildungsstand, desto mehr Gender-Indoktrination bekommen junge Menschen heute mit, bleibt nur zu hoffen, dass sich trotz aller versuchten Beeinflussung der gesunde Menschenverstand nicht ganz ausschalten lässt und sich so mancher vielleicht daran erinnert, dass Gott den Menschen eben nicht als Einheitswesen erschaffen hat, sondern als Mann und Frau.

Die Dokumentation kann hier angeschaut werden (englische Untertitel)

http://www.youtube.com/watch?v=p5LRdW8xw70

Wo ich schwach bin, ist ER stark (25.8.)

Der Apostel Paulus schreibt im zweiten Brief an die Korinther, dass ihm ein Stachel ins Fleisch gestoßen sei. Dabei könnte es sich um ein Leiden gehandelt haben, das ihn in seinem Wirken gebremst hat, wahrscheinlicher ist jedoch die Annahme, dass er damit meint, dass er trotz seiner besonderen Stellung, seiner tiefen Beziehung zu Christus, einen wunden Punkt hat, eine Schwachstelle, eine Sache, wo er immer noch in Versuchung kommt. Gott nimmt ihm diese Schwäche nicht ab, sondern antwortet dem hl. Paulus: „Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit.“ (2 Kor 12,9) Gerade in diesen Tagen habe ich erfahren dürfen, was mit diesem Wort gemeint ist. Ich habe in einem Bereich eine schwere Versuchung erlebt. Ich hatte große Angst davor ihr zu erliegen. Als ich mir eingestand, dass ich aus eigener Kraft wohl kaum widerstehen würde können, bat ich Gott in einem Stoßgebet, die Situation, die für mich eine Versuchung bedeutete, zu ändern oder mich wider Erwarten davor zu bewahren. Gott hat dieses Gebet erhört! Und da ist mir obige Bibelstelle wieder eingefallen. Als ich zugegeben habe, dass ich selbst zu schwach bin, war ER stark für mich und hat mich bewahrt. Ich zweifle nicht daran, dass alles anders ausgegangen wäre, wenn ich mir gedacht hätte: Ich werde dann schon das Richtige sagen und tun, ich werde schon widerstehen, ich bin schon stark genug, um nicht zu fallen. Der heilige Josefmaria Escriva bringt es auf den Punkt, wenn er schreibt: „Sei nicht so feige, „mutig“ zu sein: fliehe!“ (Der Weg, 132) Es ist ganz klar. (Glaubens)Mut kann nicht dadurch bewiesen werden, indem man gefährliche Situationen sucht oder Versuchungen (in Form von bestimmten Menschen, Medien, Veranstaltungen,…) nicht meidet, im Gegenteil, wer um seine Schwachheit weiß, wird dem Rat des hl Josefmaria folgen und fliehen. Und wenn es scheint, dass es keinen Fluchtweg gibt, dass man eine bestimmte Situation nicht umgehen kann, dann schafft Gott ungeahnte Auswege, wenn man ihn nur darum bittet.

Bettina Rahm

Auch behinderte Kinder sind Abbilder Gottes -16.8.

In Deutschland wurde - unter anderem mit finanziellen Mitteln aus dem Gesundheitsministerium - ein Bluttest zur Erkennung von Kindern mit Trisomie 21 (Down Syndrom) entwickelt. Dieser Test soll mehr Sicherheit bei der frühzeitigen Erkennung dieses Gendefekts bei geringerem Risiko für Mutter und Kind gewährleisten. Zwar ist gerade die Fruchtwasserpunktion als invasive Methode mit einem erheblichen Risiko für das Ungeborene verbunden, doch bei diesem Bluttest von einer Verringerung des Risikos zu sprechen ist doch reichlich zynisch. Hat die Früherkennung des Down Syndroms doch keinerlei therapeutischen Zweck, sondern vor allem einen: eine Abtreibung möglichst früh in der Schwangerschaft vornehmen zu können. Auch in Österreich gibt es Stimmen, die nicht nur auf die Zulassung des Tests drängen, sondern ihn sich gar flächendeckend für alle Schwangeren wünschen. Schon jetzt wächst der Druck auf schwangere Frauen, sich verschiedensten pränatal-diagnostischen Verfahren zu unterziehen und im Falle einer entdeckten Behinderung das Kind abtreiben zu lassen. Es sei nicht zumutbar (und vor allem heutzutage auch gar nicht mehr nötig), ein behindertes Kind zu haben. Schon vor einigen Jahren beklagte ein Funktionär der Lebenshilfe den deutlichen Rückgang von Geburten von Kindern mit Trisomie 21, da immer systematischer nach ihnen im Mutterleib gesucht würde und die allermeisten Eltern – oft alleingelassen und überfordert mit der gestellten Diagnose – sich für eine Abtreibung entschieden. Dies ist nur eine Auswirkung der so weit verbreiteten Verdrängung des Leids und des Leidens.
Aus christlicher Sicht spricht vieles gegen diese bewusste Selektion behinderter Menschen, vor allem die Gottesebenbildlichkeit jedes Menschen und das Wissen darum, dass Gott allein der Herr über Leben und Tod ist und es uns als Menschen nicht zusteht, darüber zu entscheiden, welches Leben lebenswert ist und welches nicht. Vor allem der Gedanke daran, in welcher Hinsicht behinderte Kinder Abbilder Gottes sind, bewegt mich immer wieder. Gerade von Kindern mit Down Syndrom ist bekannt, dass sie ein besonders herzliches Wesen, eine große Liebesfähigkeit und Kreativität besitzen. Sie bewahren oft ein Leben lang dieses kindliche Gemüt, das Jesus uns allen als Beispiel vorstellt. Wie gut würde es uns tun, mehr darauf hinzublicken, was diese Kinder so besonders macht, als darauf, was ihnen nach den Maßstäben unserer Leistungsgesellschaft fehlt. Eine Gesellschaft, die nur aus Gesunden bestünde, wäre nicht besser, sondern ärmer. Ihr fehlten Menschen, an denen sich die christliche Nächstenliebe bewähren könnte. Ihr fehlten Menschen, an denen unsere Liebe wachsen kann, an denen wir als Menschen reifen können, die unseren Blick weiten für das, was wichtiger ist als die Götzen unserer Zeit: Gesundheit, Erfolg, Leistung.


Bettina Rahm

PS: Anbei ein Link zu einem Interview mit einer Mutter über ihr Kind mit Down Syndrom.

Die Taufe (31.7.)

Voll Verwunderung las ich in der letzten Bezirkszeitung die Überschrift
„"Taufe verweigert - Eltern sauer"“ mit dem Untertitel „"Tumult um verweigerte
Taufe in der Gemeinde Achenkirch"“. Beim Lesen des Artikels merkte ich, dass
gar keine Taufe verweigert wurde. Vielmehr war der Pfarrer von Achenkirch
eigentlich entgegenkommend. Er hätte die Taufe erlaubt, allerdings mit einem
auswärtigen Priester. Es war in dem Beitrag nicht erfahrbar, worin ein
Tumult bestanden haben sollte.
Verwundert war ich auch über den spitzen, wenn nicht gehässigen,
kirchenfeindlichen Ton dieses Artikels. Die Pfarre Achenkirch und der
Pfarrer wurden zu Unrecht ins schiefe Licht gerückt, und das von Eltern, die
anonym bleiben. Der besagte Beitrag verdunkelt darüber hinaus eher, worum es
bei der Taufe geht, so z. B. die Formulierung, dass das Paar entschieden
habe, die Taufe in der Heimatgemeinde „durchzuführen“.

Als Johannes Paul II. als Papst Polen besuchte, hat er in seiner
Heimatpfarre den Taufstein umarmt, bei dem er getauft worden war. Für ihn
war die Taufe ein bedeutenderes Ereignis als die spätere Wahl zum Papst,
verlautete aus seiner Umgebung. Ja, die Taufe ist das größte Geschenk, das
es überhaupt gibt, weil ein Mensch dadurch ein Kind Gottes (mit Gott
verbunden) und ein Glied Seiner Kirche wird. Da sich die Kirche konkret in
der Pfarre verwirklicht, ist es sinnvoll und gut, in der Pfarre (möglichst
in der Pfarrkirche), wo man lebt und den Glauben praktiziert, das Kind
taufen zu lassen, weil der Täufling in die konkrete Kirche eingegliedert
wird.
So stellt sich die Frage: Wem nützt dieser Artikel im Bezirksblatt? Was
sollte damit bezweckt werden?
Wenn das Kind das Geschenk der Taufe empfängt, dann bleibt nur zu hoffen,
dass es von den Eltern und dem Paten bzw. der Patin auch das bekommt, was
diese bei der Taufe versprechen, eine christliche Erziehung, damit es Gott
und den Nächsten lieben lernt! Kinder haben ein Recht auf Gott!

Ignaz Steinwender

Mut zu Kindern! (26.Juli)

Ich habe heute gelesen, dass die jährlichen Abtreibungszahlen in Österreich mit 30000 bis 40000 beziffert werden. An anderer Stelle wird der so genannte demografische Wandel, der Einbruch der Geburtenzahlen mit seinen verheerenden Folgen für unser Pensionssystem, unsere Wirtschaft und unser Land als Ganzes beklagt. Kaum jemand scheint diese beiden Sachverhalte miteinander in Verbindung zu bringen oder in Verbindung bringen zu wollen. Uns fehlen die Kinder. Sie werden entweder verhütet oder abgetrieben (zweiteres häufig als Folge eines Versagens des ersteren).
Doch wie kann es so weit kommen, wenn alle Befragungen unter Jugendlichen immer ergeben, dass sich der Großteil von ihnen nichts sehnlicher wünscht als eine Familie, als selbst Kinder zu haben? Viele träumen von zwei oder drei Kindern, die Realität schaut anders aus. Der österreichische Durchschnitt liegt bei 1,4 Kindern pro Frau.

Es ist sehr erfreulich, dass ich gerade in meinem Umfeld einen gegenteiligen Trend erlebe. Während mir manche Bekannte berichten, dass sie noch vor 10 Jahren als asozial verunglimpft wurden, weil sie drei Kinder hatten oder sie sich die unverschämte Frage gefallen lassen mussten, ob „das“ denn heute noch sein müsse, gibt es heute wieder immer mehr Familien, die zu einem dritten, vielleicht sogar zu einem vierten Kind ja sagen. Abgesehen von äußeren Umständen trägt vielleicht auch das Vorbild von kinderreichen Familien bei, die man als positiv erlebt, wo man sieht: Ja, es geht auch mit noch einem Kind mehr. Ich bin davon überzeugt, dass auch die positive Haltung zum Leben, die wir in unserer Pfarre auf unterschiedliche Weise immer wieder zu vermitteln versuchen, einen Beitrag dazu leistet, wenn auch vielleicht unbewusst.

Mit Schrecken denke ich an eine Aussage eines Urlaubsgastes mit einem eineinhalb-jährigen Sohn, der meinte: „Kinder – das ist 10% Vergnügen und 90% Verzicht“. Vielleicht kann dieser Kommentar auch ein Appell an alle Familien sein, diese unglaubliche Aussage zu widerlegen. Gewiss gibt es Momente des Verzichts, doch persönlich habe ich noch keine Sekunde das Gefühl gehabt, die Kinder, die Familie seien diesen Verzicht nicht wert. Leben wir einfach so, dass wir das, was in der Heiligen Schrift steht, ausstrahlen: Kinder sind ein Segen!

Bettina Rahm

Beichtverbot für Kinder? (14. Juli)

In der Tiroler Tageszeitung fand sich am 1. Juli ein Kurzbericht, in dem ein Mitglied der so genannten Initiative gegen Kirchenprivilegien ein Beichtverbot für Kinder gefordert hatte. In vielen deutschsprachigen Medien war zu dieser Zeit über das Urteil eines deutschen Bezirksgericht berichtet worden, dass ein Verbot der Beschneidung von jüdischen Jungen im Säuglingsalter ausgesprochen hatte. Diese Gelegenheit wurde sofort genutzt um auch gegen die Katholische Kirche zu polemisieren, mit der Behauptung, dass die Kirche an einem Schuldkomplex leide und bei der Kinderbeichte die Persönlichkeitsrechte der Kinder verletzt würde und sie deshalb verboten gehöre. Ich habe mir erlaubt, darauf mit folgendem Leserbrief zu antworten:

Der Kurzbericht „Verbot von Beichte für Kinder gefordert“ in der TT vom 1. Juli vermittelt ein völlig verzerrtes Bild der Beichte. Bei der Beichte handelt es sich ebenso wie bei der erwähnten Taufe nicht einfach um ein Ritual, sondern um ein Sakrament, eine Quelle der Gnade und des Heiles. In der Kirche gibt es keinen Schuldkomplex, sondern einfach eine realistische Sicht auf das, was wir alle aus eigener Erfahrung kennen: Fehler, Verletzungen, Schuld, innerkirchlich auch mit Sünde bezeichnet. Wie tröstlich ist da doch unser katholischer Glaube, der uns – ehrliche Reue vorausgesetzt - Gottes grenzenlose Barmherzigkeit zusagt, selbst dort, wo nach menschlichen Maßstäben Verzeihung oder Wiedergutmachung nicht mehr möglich ist. Auch Kinder kennen schon das ungute Gefühl, das sich einstellt, wenn man etwas Böses getan hat, wir nennen es das schlechte Gewissen. Wenn sich jemand schuldig gemacht hat, ist ein Schuldgefühl ein Zeichen, dass der Mensch noch ein gesundes Empfinden hat, was gut und was böse, was recht und was unrecht ist. Eine gute Beichtvorbereitung kann helfen, das Gewissen zu schärfen und anstatt die Schuld immer bei anderen zu suchen, wie es heute so weit verbreitet ist, das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen. Die Beichte schenkt einen Neuanfang, bietet die Erfahrung Gottes als barmherzigem Vater, der seinem geliebten Kind alles vergeben möchte und verleiht die Gnade einer echten Stärkung im Guten. Soll all das nun Kindern versagt bleiben, weil jemand, der der Kirche ganz offensichtlich nicht wohlgesonnen ist, das Sakrament der Versöhnung nicht versteht?

Bettina Rahm

Der Gehorsam - ein Kennzeichen der Liebe

Kürzlich führte ich eine spannende Diskussion über den Gehorsam in Kirche und Familie mit einer Freundin. Das Thema ist mir daraufhin nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Was heißt eigentlich gehorsam sein und warum haben viele Menschen ein so großes Problem damit? Den Glaubensgehorsam schulden Katholiken zu allererst Gott, dann dem Lehramt der Kirche, ganz konkret dem Heiligen Vater und den Bischöfen, vor allem wenn es um Glaubens- und Sittenfragen geht. Dieser Gehorsam ist aber nicht blind. Er anerkennt, dass es noch eine höhere Instanz gibt, dass ich nicht selbst das Maß der Dinge bin. Glaubensgehorsam heißt, einsehen, dass eine Lehraussage oder ein Gebot zum Wohl der Menschen ist, diese Aussage bejahen und danach leben. Ein Beispiel aus dem Familienleben verdeutlicht den Sinn dieses Gehorsams. Der Vater oder die Mutter haben einen größeren Überblick als die Kinder. Wenn sie den Kindern etwas verbieten oder sie zu einer bestimmten Handlung auffordern, haben sie das Wohl der Kinder im Blick. Es geht ihnen nicht darum, die eigene Macht oder Überlegenheit auszunutzen, sondern die Kinder zu beschützen, zu fördern und zu formen. In der Kindererziehung gibt es das treffende Wort: Erziehung basiert auf Beziehung. Das will aussagen, dass die Kinder den Eltern oder auch Lehrern aus Zuneigung gehorchen, sie tun etwas ihnen „zuliebe“. Wer der Kirche und damit letztlich Gott nicht gehorchen will, bei dem stimmt womöglich auch etwas in der Beziehung zu Gott und zur Kirche nicht. Vielleicht fehlt das Vertrauen oder die Zuneigung. Nicht umsonst sagt Jesus: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. (Joh 14,15)

Bettina Rahm

Fürchtet euch nicht! (22. Juni)

Fürchtet euch nicht!

Ein Referent sagte einmal, in der Heiligen Schrift stehe 365 Mal „Fürchte dich nicht“. Wie passend, es ist als ob Gott uns jeden Tag im Jahr zusagte, dass wir an seiner Seite keine Angst zu haben brauchen. Und trotzdem gibt es gerade auch unter Gläubigen eine sehr weit verbreitete Angst, die so genannte Menschenfurcht. Es ist die Angst, zu sehr aufzufallen, als konservativ angesehen zu werden, als Kirchenspringer verschrien zu sein, als extrem zu gelten usw. Es ist oft sehr ernüchternd zu sehen, wie viele im Glauben sehr treue Menschen im Herzen feig sind. Wie oft schweigen wir, wenn über Kirche, Papst oder Pfarrer schlecht gesprochen wird? Wie oft bleiben wir (gerade bei Gottesdiensten wo viele Fernstehende dabei sind) sitzen, obwohl man aufstehen sollte oder stehen obwohl man knien sollte, um nur ja nicht aus der Masse herauszustechen oder aufzufallen. Wie oft verzichten wir auf die Kommunion (zB bei Begräbnissen), um uns nicht als fromm zu outen? Wie oft denken wir vielmehr darüber nach, wie die Menschen uns beurteilen, als darüber wie Gott unser Handeln beurteilt. Wie oft tun oder sagen wir nicht das, was wir sollten, das wozu wir als Christen eigentlich verpflichtet wären, aus Angst, was andere über uns denken und reden? Dabei vergessen wir, dass jedes Mal, wenn wir dieser Versuchung, uns lieber anpassen zu wollen, nachgeben, wir innerlich schwächer und schwächer werden. Zum Schluss sind wir keine Katholiken mehr, sondern nur noch die Karikatur eines Gläubigen, der keinerlei Anziehungskraft auf andere ausübt und belächelt wird. Wer gerade in diesen kleinen Dingen nicht gegen den inneren Widerstand ankämpft, wird nie ein echter Bekenner werden können, er wird auch, wenn es wirklich darauf ankommt, feig sein. Wenn wir uns aber überwinden, die Menschenfurcht besiegen, gibt Gott uns die Gnade, immer mutigere Bekenner zu werden. Der verstorbene Kaisersohn Otto von Habsburg sagte einmal, das Schlimmste sei die Feigheit der Guten. Es nützt nichts, den Glauben zu kennen, gut eingestellt zu sein und die christlichen Werte zu teilen, wenn man dann doch zu allem ja und amen sagt, doch überall nur ein Mitläufer ist und doch es unterlässt, das unterscheidend Christliche ins Spiel zu bringen.
Im Schuldbekenntnis bekennen wir, dass wir oft Gutes unterlassen haben. Viele dieser Unterlassungssünden geschehen aus Menschenfurcht. Dabei ist diese Angst ja völlig unbegründet. Dem, der öffentlich bekennt, dem, der auch einmal mutig etwas Unpopuläres sagt, dem, der den Glauben und die Kirche verteidigt, geschieht überhaupt nichts. Im Gegenteil, er wird immer freier, so zu leben, wie er möchte und wie es Gott gefällt, anstatt nur die Freiheit zu haben, das zu tun, was alle tun.

Bettina Rahm

Englisch in der Liturgie (13.6.)

Vor kurzem hat unser Herr Landeshauptmann einen bedeutenden Fußballer auf Englisch angesprochen, obwohl dieser schon lange in Österreich ist und gut deutsch kann. Es war höflich gemeint, die Medien haben daraus eine Schlagzeile gemacht. Vielleicht kam hier etwas typisch Österreichisches zum Ausdruck. Der Österreicher neigt dazu, sich selbst unter den Scheffel zu stellen und sich dem anderen anzupassen, Ausdruck eines mangelnden Selbststandes.

Diese Begebenheit ließ mich an die Bedeutung der Sprache in der Liturgie denken. Wenn wir beten, also mit Gott sprechen, dann versteht er uns in jeder Sprache. Trotzdem hat es etwas besonders an sich, Jesus in einer Sprache anzureden, die er auf Erden gesprochen hat (hebräisch bzw. aramäisch, lateinisch und griechisch). Die Kirche hat(te) eine universale Sprache, die in der ganzen Welt galt. Die kirchliche Muttersprache Latein drückte das Bewusstsein der Universalität und Zugehörigkeit zum neuen Volk Gottes jenseits der Nationalität aus, eben die katholische Weite. Natürlich konnten viele nicht umgangssprachlich Latein, aber sie wussten, warum es ging, was ein Sanktus und ein Gloria ist und die Sprache war besonders geeignet, die Liturgie als heiliges Geschehen zu vermitteln, zu erleben und eben zu feiern. Dann entstand das Bedürfnis, die Liturgie in der jeweiligen Volkssprache zu feiern mit dem Argument, dass die Leute ja alles verstehen sollten. Dies geschah in den letzten Jahrzehnten. Die meisten Leute wussten damals noch, was in der Messe geschah und verstanden nun, was gesungen und gebetet wurde.

Dann kam aber ein dramatischer Wissensverlust. Immer weniger Leute wussten z. B., was in der Messe gefeiert wird, was die einzelnen Teile bedeuteten etc., obwohl sie die liturgischen Texte verstanden. Dann kam die Mode dazu, englische Lieder zu singen, die die meisten Leute nicht wirklich verstanden. Als ich einmal einen Chor fragte, was dieses englische Lied aussage, musste ich feststellen, dass sie es nicht verstanden. Die meisten Gottesdienstbesucher können die englischen Lieder nicht verstehen. So kam zum Wissensverlust auch noch der Verstehensverlust. Ich mag an sich die englische Sprache, beziehe auch eine Zeitschrift in Englisch und bete manchmal auch das englische Brevier, aber ich frage mich trotzdem: Woher kommt dieses Bedürfnis, englische Lieder zu singen? Warum ist es auch im weltlichen Bereich so, dass Kinder viele englische Lieder lernen und das deutsche Liedgut fast gänzlich verloren geht?

Ist es ein Minderwertigkeitskomplex im deutschsprachigen Raum, ist es das Bedürfnis, modern zu erscheinen oder bei der Jugend (die inzwischen völlig anders denkt) anzukommen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Engländer oder ein Franzose auf die Idee käme, in der Liturgie Deutsch zu verwenden.

Im Gegensatz zur lateinischen Sprache ist Englisch wahrscheinlich am schlechtesten geeignet, das Heilige, das Mystische besser zum Ausdruck zu bringen (Italienisch wäre hier z. B. viel besser geeignet). Englisch wird eher mit Disco, Fußball oder Internet assoziiert. So kommt bei der häufigen Verwendung von Englisch zum Wissens- und Verstehensverlust noch ein Verlust der spirituellen Tiefe und der Heiligkeit zum Tragen. Was bleibt dann vom Gottesdienst, um es etwas überspitzt auszudrücken: Ein Event, ein selbstgemachtes Erlebnis, etwas, das jenen taugt, die weder Gott suchen noch sich selbst überschreiten wollen, ein banales Geschehen, das bald schal wird. Deshalb sollten englische Lieder im Gottesdienst die Ausnahme sein und dafür die Chance ergriffen werden mit liturgisch passenden deutschen Texten das Liturgieverständnis der Gläubigen zu vertiefen oder durch lateinische Gesänge dem Mysterium wieder mehr Raum zu geben.



Ich bin für eine gute Katechese (Glaubenswissen), für ein besseres Verstehen (Volkssprache) und für die katholische Weite (gelegentlich auch etwas Lateinisches) und eine spirituelle Tiefe. Ich glaube, dass man damit die Jugend viel mehr begeistern könnte.
Dekan Ignaz Steinwender

Über Gefühl, Vernunft und Glaube (9.6.)

Vor kurzem habe ich folgenden Witz gehört: Zwei junge Männer sitzen auf
einem Baum und sägen fröhlich an der Innenseite des Astes, auf dem sie
sitzen. Ein Mann geht vorüber und sagt ihnen, dass dies sehr unvernünftig
sei und Folgen haben werde, wenn sie den eigenen Ast absägen. Die zwei
reagieren sehr ungehalten und bezichtigen den Mann der ungebetenen
Einmischung, weil er ihnen die Freude am Sägen verderben will. Der Mann geht
kopfschüttelnd weiter. Die beiden setzen das Sägen fort, fallen schließlich
herunter und bleiben bewusstlos liegen. Als der erste erwacht, sieht er, wie
dieser Mann von vorhin wieder vorübergeht. Er weckt den anderen und sagt:
Schau, jetzt geht dieser Wahrsager wieder vorbei!

Dieser Witz sagt manches über heutige Verhältnisse aus. Wir sägen auf dem
Ast, an dem wir sitzen, weil wir unvernünftig sind.
Es gab eine Zeit, wo der Mensch durch den Fortschritt und die Technik dazu
neigte, die Vernunft einseitig zu verabsolutieren. Der Rationalismus ohne
Glaube führte jedoch in eine Sachgasse. Heute scheint es umgekehrt zu sein.
Es gibt immer mehr Anzeichen, dass sich der Mensch der Vernunft verweigert.
Der Aberglaube und der Irrationalismus nehmen immer mehr zu. Man wundert
sich, was Menschen heute so alles glauben, während sie für die
vernünftigsten Dinge die Einsicht verwehren. Hier einige Beispiele:

Wir haben ein demographisches Problem, die Menschen werden älter, die Kinder
werden weniger. Jeder weiß, dass dies in Kürze zum Zusammenbruch des
Pensionssystems, vieler sozialer Selbstverständlichkeiten und zu einem
drastischen Einbruch im Wohlstand führen wird. Trotzdem tun Politik,
Pädagogen und Meinungsmacher vielfach das Unvernünftigste, das es gibt.
Anstatt Mut zum Leben zu machen und die Familie zu fördern, werden
Abtreibung und Verhütung propagiert und die Familie benachteiligt. Wir sägen
am eigenen Ast!

Oft spricht man heute von einem Werteverlust! Die Solidarität bröckelt, die
Gewaltbereitschaft nimmt zu, die Zeitungen sind voll von Skandalen. Viele
sagen, wir bräuchten wieder mehr Werte. Wenn jedoch jemand einen konkreten
Wert einfordert, dann fallen alle über ihn her, er gilt als rückständig,
konservativ etc. Die öffentliche Meinung arbeitet gezielt daran, den Glauben
und jene die ihn verkünden, ins schlechte Licht zu rücken. Dabei wird genau
der tiefere Grund, warum Werte überhaupt lebenswert erscheinen, beseitigt.
Das ist unvernünftig und bedeutet: Wir sägen am eigenen Ast.

Es gibt heute die Tendenz, das Gefühl und die Emotion in der Weise
absolut zu setzen, dass die Vernunft abgewertet oder sogar ausgeschaltet wird.
Verschiedene Weltanschauungen, esoterische Praktiken und das
Harmoniebedürfnis des Menschen tragen viel dazu bei. Wer kennt nicht
folgende Situation: In einer Diskussion wird jemand mit einen vernünftigen,
logischen Argument konfrontiert. Wenn er dann sagt, es gehe ihm schlecht
dabei, wenn er das höre, dann ist die Diskussion auch schon zu Ende. Ein echtes Nachdenken wird dadurch verhindert, dass dem anderen sofort der Schwarze Peter zugeschoben wird. Heute braucht es keine Gegenargumente mehr, es genügt, gekränkt, beleidigt oder verletzt zu sein, schon wird ein wirkliches Nachdenken über eine Situation oder einen Sachverhalt beiseite geschoben. Ist das, was wir bei älteren, dementen Menschen oft beobachten nämlich der Ausfall der kognitiven Leistungen während sie nur noch auf emotionaler Ebene erreichbar sind, nicht ein Phänomen, das wir - wenn auch in etwas anderer Form - auch in der Gesellschaft insgesamt beobachten können?
Die Vernunft wird ausgeschaltet. Wie oft werden Hinweise auf moralische
Probleme mit dem Hinweis „"wenn es demjenigen taugt, dann ist es o. k." abgetan? Wie oft werden statt objektiver Grundsätze das bloße Gefühl oder
der Eindruck zur Entscheidung herbeigezogen? Dabei ist das Gefühl an sich
etwas Gutes und Wertvolles, wenn es von der Vernunft geleitet wird. Wenn es
aber zum obersten Maßstab wird, dann kommt der Aberglaube, der
Irrationalismus und die Unvernunft zur Geltung.

Die Vernunft sollte über dem Gefühl stehen und vom Glauben inspiriert
werden. Dann kann der Wille zum Guten geformt werden und die Leidenschaften
in den Dienst der Liebe nehmen, ein Prozess der Reifung, des Freiwerdens und
der Erfüllung. Vernunft und Glaube sind der Ast, auf dem wir sitzen, zwei
Flügel auf dem Weg zu Gott.

Gedanken zur Demenz (31.Mai)

Gedanken über Demenz



Letzte Woche war eine vom Sozial- und Gesundheitssprengel veranstaltete Podiumsdiskussion über das Thema Demenz, die sehr interessant und gut besucht war. Vor der Diskussion wurde der Film Ilse wo bist du gezeigt, der in sehr beeindruckender und ergreifender Weise ein Einzelschicksal darstellte und den Krankheitsverlauf bis zum Tod zeigte.



Demenz – so kam es auch im Gespräch mit Fachleuten heraus – ist eine Krankheit, bei der die kognitiven Fähigkeiten des Menschen immer mehr nachlassen bzw. ausfallen. Es wurde auch gesagt, dass Demente jedoch immer noch auf der emotionalen Ebene erreichbar sind. Wie der Pflegeleiter des Altenheimes betonte, habe es daher bei Dementen keinen Sinn, logisch zu argumentieren, weil man damit oft unnötig Aggressionen wecke. Angesprochen wurde auch das Problem, dass die Schwierigkeiten von Patienten, wie die Konfrontation mit der Ohnmacht, die Angewiesenheit etc. oft auch zu Aggressionen führten. Diese richten sich dann ausgerechnet gegen diejenigen, die immer da sind und sich liebend um den Patienten annehmen, während andere, die oft nur gelegentlich vorbeikommen, diese Aggressionen nicht verspüren. Daher komme es oft sogar vor, dass aufopfernd pflegende Angehörige von anderen Angehörigen, die nur selten vorbeikommen moralisierend belehrt werden.



Die Demenz und die Krankheit überhaupt erinnern uns an eine christliche Grundwahrheit, nämlich, dass wir abhängig sind vom Schöpfer, dass wir von ihm Getragene sind, dass wir ohne IHN keinen Atemzug tun könnten. Leider vergessen wir das sehr oft. Die Kranken erinnern uns in einer Gesellschaft, wo vorrangig Leistung, Fähigkeiten, Durchsetzungsvermögen und Selbstbestimmung zählen, daran, dass der Mensch eben viel mehr ist als das, was er tut, was er kann oder was ihm von anderen zugestanden wird. Die Würde des Menschen leitet sich davon ab, dass er Ebenbild Gottes ist, das er eben eine Mensch ist. Dies bleibt er auch, wenn viele Ausdrucksmöglichkeiten ausfallen.

Aus christlicher Sicht ist daher zu betonen, dass Krankheit nicht ein Scheitern oder ein Misserfolg ist, sondern eine Wirklichkeit des Leben, eine Wegstrecke des Lebens. Es kann auch ein Mittel zur Erreichung des Zieles sein. Jesus selbst hat gelitten und ist durch sein Leiden zur Auferstehung gelangt. Das Leben ist ein in die Länge gezogenes Sterben.



Für Christen ist es bedeutsam, die kindliche Abhängigkeit des Menschen vom liebenden Schöpfergott zu entdecken und zu leben und bereits im Leben das Loslassen und damit die ars moriendi, die Kunst des Sterbens einzuüben. So kann die Askese, freiwilliger Verzicht, die freiwillige Armut, die Tugend des Gehorsams und das Annehmen von Leiden und Widerwärtigkeiten sowie auch die liebevolle Pflege von Kranken erfüllend und zugleich eine Einübung in die Kunst des Sterbens sein. Es kommt- wie am Schluss der Veranstaltung gesagt wurde- auf die Liebe an.



Im nächsten Beitrag wird die Frage gestellt: Gibt es in unserer Gesellschaft allgemein Anzeichen einer Demenz?

Den glimmenden Docht löscht er nicht aus! (23.5.)

Kürzlich habe ich ein neues Lied gelernt, in dem die Textzeile „Das geknickte Rohr zerbricht er nicht / und den glimmenden Docht löscht er nicht aus“ (Jes 42, 3a) aus dem Buch Jesaja vorkommt. Seitdem begleitet mich dieser Vers und ich habe öfters darüber nachgedacht.

Der Prophet Jesaja spricht von dem, der Gerechtigkeit bringen wird, es ist ein Vorausbild für Jesus. Wenn wir Jesus nachfolgen wollen, müssen wir ihn auch in seinem Handeln nachahmen. Was heißt es für uns, das geknickte Rohr nicht abzubrechen und den glimmenden Docht nicht auszulöschen? Manche sind vielleicht von Glaubenszweifeln geplagt, sind geknickt durch Zweifel. Bei manchen ist vielleicht das Feuer des Glaubens fast erloschen, es ist nur mehr ein glimmender Docht. Eine meiner größten Ängste ist es, dass jemand durch mein Verhalten, durch mein Reden und Tun vom Glauben abgehalten wird, dass ich der bin, der das Rohr endgültig knickt und den Docht vollkommen auslöscht. Deshalb ist gerade im persönlichen Gespräch, vor allem wenn es um Glaubensfragen geht, eine echte Sensibilität notwendig. Wir dürfen unser Gegenüber nicht überfordern und müssen doch herausfordern, wir dürfen nicht verurteilen und müssen doch klar in unseren Aussagen sein. Manch glimmender Docht kann durch einen sachten Luftzug wieder zum Brennen gebracht werden, wer jedoch wie ein Sturm dreinfährt, löscht ihn möglicherweise unwiderruflich aus. Wir brauchen Klarheit, Klugheit und Geduld. Manchmal kann es besser sein, nichts zu sagen, um ein gutes Gespräch nicht noch zu zerstören. Manchmal empfiehlt es sich statt ungefragt Antworten zu geben, einfach eine Frage zu stellen, die der andere bedenken kann, wenn er will.
Und manchmal schadet es uns allen nicht, wenn wir uns daran erinnern, dass auch wir – jeder auf seine Weise – ein geknicktes Rohr oder ein glimmender Docht ist. Wir alle werden geknickt durch die Sünde, wir alle brennen oft weniger als Gott es von uns möchte. Und doch gilt auch für uns „Das geknickte Rohr zerbricht er nicht / und den glimmenden Docht löscht er nicht aus“. Danke, Herr!
Bettina Rahm

Frauenministerin versteht Mütter nicht (3.Mai)

Frauenministerin versteht die Mutter-bleibt-beim-Kind-Mentalität nicht!

Unsere so genannte Frauenministerin lässt dieser Tage wieder einmal aufhorchen. Derzeit gibt es einen Rechtsanspruch auf Teilzeitbeschäftigung bis zum 7. Geburtstag eines Kindes. Das ist ein Entgegenkommen für Frauen, die am Nachmittag, wenn die Kinder zuhause sind, da sein wollen. Diese Regelung soll nach den Plänen von Ministerin Heinisch-Hosek in Zukunft nur noch gelten bis das Kind vier Jahre alt ist, da sie nicht verstehen könne, warum die Mütter bei den Kindern bleiben wollen. Außerdem seien die Frauen notwendig für den Arbeitsprozess und würden als Arbeitskräfte gebraucht. Vielleicht ist ihr selbst gar nicht bewusst, wie entlarvend diese Aussage ist. Es geht ihr eben nicht um die Frauen als Personen, und um die Kinder schon gar nicht, sondern darum, dass die Frauen als Arbeitskräfte zur Verfügung zu stehen haben. Das Wohl der Familien wird wirtschaftlichen Interessen untergeordnet. Ein Kommentator hat unter dem Bericht auf der Internetseite einer österreichweiten Tageszeitung bezugnehmend auf die Überschrift gepostet, dass die Frauenministerin eben die normalen Sachen nicht verstehen könne. Das was eigentlich normal ist, das, von dem wir tief im Inneren spüren, dass es das Richtige, das dem Menschen entsprechende ist, kann auch göttliche Ordnung genannt werden. Damit keine Missverständnisse auftreten: Gott befiehlt uns nicht, wie lange eine Frau sich ausschließlich der Kindererziehung widmen muss oder ab wann sie wie viele Stunden arbeiten gehen darf. Nein, Gott hält sich ganz Gentlemen-like zurück und lässt uns Menschen alle Freiheiten. Doch müssen wir erkennen, dass ein Leben nach der Ordnung Gottes dem Menschen gut tut, dem Menschen gerecht wird. Wir Menschen brauchen sehr lange, um wirklich selbstständig und unabhängig von unseren Eltern leben zu können, und doch gaukelt uns die Politik vor, dass eine frühe Trennung von der Mutter wünschenswert sei. Die bekannte Kinderpsychotherapeutin Christa Meves findet zu diesem Sachverhalt eindeutige Worte: „Es ist erstaunlich, so ein Modell immer noch zu propagieren. Wir haben einen riesigen Großversuch gehabt in den Ostblockländern, die ab 1917 mit der Russischen Revolution die Mütter an die Maschinen gestellt haben - so lange, bis die Wirtschaft kaputt war.
Gorbatschow beschreibt in seinem Buch "Perestroika": "Die Hauptursache dafür, daß wir millionenfachen Alkoholismus haben, daß so viele Menschen nicht mehr arbeitsfähig sind, liegt daran, daß wir nicht den Müttern geholfen haben, in den ersten Jahren bei ihren Kindern zu Hause zu bleiben." Das schreibt Gorbatschow ausdrücklich als Resultat des Ruins der UdSSR! Davon mindestens müssen wir lernen! Ein Teil solcher psychischen Schwierigkeiten liegt auch schon bei uns vor, erst recht in Ostdeutschland, in der früheren DDR, wo wir einen hohen Pegel von Alkoholismus,
Rechtsextremismus und anderen Anzeichen haben, die darauf schließen lassen, dass viele Menschen einer neurotischen Entwicklung ausgesetzt wurden.“
Gott hat in die Herzen der Mütter die Fähigkeit gelegt, ihre Kinder bedingungslos und bis zur Schmerzgrenze, ja sogar darüber hinaus zu lieben. Er hat ihnen die Sehnsucht gegeben mit den Kindern zu sprechen, auch wenn diese selbst noch nicht reden können, sie zu liebkosen und zu beschützen. Jede Mutter und jedes Kind weiß es instinktiv, dass der beste Platz für Kinder (einige wenige Einzelfälle ausgenommen) an der Seite der Mutter bzw. der Eltern ist. Wir dürfen uns diese Wahrheit durch die politische Propaganda, die behauptet, dass nur in der außerhäuslichen Kinderbetreuung, Kinder optimal gefördert würden, nicht ausreden lassen. Wir leben in einer Zeit, in der das zu tun, was für die Kinder und die Familien das Beste ist, immer mehr Opfer kostet, seien es finanzielle Einbußen oder einfach die Geringschätzung der Gesellschaft. Der Glaube hilft dabei, es trotzdem mit Freude zu tun.

Die hl. Kommunion

Liebendes Einswerden oder One-Nicht-Stand

Es ist traurig, dass gerade das Fest der ersten Heiligen Kommunion nun mancherorts zutage treten lässt, wie sehr das Glaubenswissen rund um den Kommunionempfang bereits verdunstet ist.
So wie das liebende Einswerden der Ehepartner in gegenseitiger Ganzhingabe und Ganzannahme die höchste Form der Vereinigung zweier Menschen darstellt, so ist die hl. Kommunion die innigste Form der Begegnung des Gläubigen mit Christus, seinem Herrn und Erlöser, der im Allerheiligsten als wahrer Gott und wahrer Mensch gegenwärtig ist. So wie unter Liebenden der eine kein Recht auf den anderen hat, so hat auch niemand ein Recht auf die hl Kommunion. Christus schenkt sich freiwillig. Sein Leib ist Nahrung und Medizin für die Seele, wenn wir disponiert sind, dieses Geschenk zu empfangen. Wenn wir eine Medizin einnehmen und zugleich Alkohol trinken, wird uns das Medikament vielleicht mehr schaden als nützen. Wenn wir die Kommunion empfangen, obwohl wir innerlich nicht dazu bereit sind, bringt sie uns keinen Segen. Der Apostel Paulus geht sogar so weit, dass er die Korinther eindringlich ermahnt: „Wer also unwürdig von diesem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn. Jeder soll sich selbst prüfen; erst dann soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken. Denn wer davon isst und trinkt, ohne zu bedenken, dass es der Leib es Herrn ist, der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt.“ (1 Kor 11,27-30)
Nun mag bei manchen Unsicherheit darüber herrschen, wodurch man unwürdig ist oder wird. Die Antwort darauf lautet: Durch die Sünde! Als Anhaltspunkt, was in Gottes Augen eine Sünde sei, können die 10 Gebote gelten. Da sich manche darüber empören, dass das Fernbleiben von der Sonntagsmesse ein Grund sein soll, nicht zur Kommunion zu gehen, sei einerseits auf das dritte Gebot und andererseits auf die eindeutigen Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils hingewiesen, wo es heißt: „An diesem Tag (gemeint ist der Sonntag, Anm.) müssen die Christgläubigen zusammenkommen, um das Wort Gottes zu hören, an der Eucharistiefeier teilzunehmen so des Leidens, der Auferstehung und der Herrlichkeit des Herrn Jesus zu gedenken und Gott dankzusagen. (SC 106) Oder an anderer Stelle: „Die Gläubigen sind verpflichtet, an den Sonn- und Feiertagen der Göttlichen Liturgie …. beizuwohnen. Damit die Gläubigen diese Pflicht leichter erfüllen können, wird festgelegt, dass die Frist zur Erfüllung dieser Pflicht mit dem Abend des Vortages beginnt und bis zum Ende des Sonn- oder Festtages läuft. Dringend wird den Gläubigen empfohlen, an diesen Tagen und noch öfter, ja täglich, die heilige Eucharistie zu empfangen.“ (OE 15)
Wenn nun aber jemand dem Herrn dem ihm gebührenden Platz nicht einräumt, die Liebesbeziehung zu ihm nicht pflegt, doch dann (zu irgendeinem Anlass ) die innigste Vereinigung mit ihm einfordert, dann handelt es sich dabei – um obiges Bild noch einmal zu verwenden – eben nicht um ein liebendes Einswerden, sondern um einen One-Night-Stand. Christus ist dagegen wehrlos.
Ein Priester, der jemandem, der nicht im Stand der Gnade ist, vom Empfang der hl. Kommunion abrät, tut einen wahren Liebesdienst. Er bewahrt den Menschen vor dem Gericht.
Jene aber, die das Geschenk Jesu jede Woche ausschlagen, doch bei der Erstkommunion oder anderen Festen die hl. Kommunion fordern, müssen sich die Frage gefallen lassen: Wenn euch die Kommunion so wichtig ist, warum kommt ihr dann nicht jeden Sonntag?
Bettina Rahm

Ein Hirte nach dem Herzen Jesu (19.4.)

Bereits zum wiederholten Mal las ich im Rupertusblatt von Wünschen und Forderungen, wie denn der nächste Erzbischof von Salzburg sein solle. Obwohl ich der Bischofsernennung gelassen entgegenblicke (gibt es doch ohnehin nur zwei Möglichkeiten: entweder wird es ein Kandidat der Vorsehung Gottes oder ein Kandidat der Zulassung Gottes werden), so möchte ich doch einige Gedanken zum medial transportierten Anforderungsprofil für den neuen Bischof darlegen. Der Bischof als Hirte seiner Diözese und der ihm anvertrauten Gläubigen muss sich meiner Meinung nach am Beispiel Jesu, dem guten Hirten, ausrichten. Jesus war gewiss mutig. Er sagte oft genau das, was die anderen nicht hören wollten, was niemand von ihm erwartete. So fand er den Mut, klarzustellen, dass die Praxis der Ehescheidung, wie sie sich eingebürgert hatte, um der Lebensrealität der Menschen mehr zu entsprechen, der Ordnung Gottes widersprach. In der so genannten eucharistischen Rede sprach er davon, dass sein Leib das Brot sei, das derjenige essen müsse, der das ewige Leben erhalten wolle. Das war für die Zuhörer unzumutbar. Er hatte den Mut, seiner Botschaft treu zu bleiben, auch wenn dies bedeutete, dass sich viele von ihm abwandten. Jesus war auch dialogfähig. Er sprach mit jedem, egal ob Pharisäer, Schriftgelehrter, Zöllner oder Ehebrecherin. Niemals verharmloste er dabei die Sünde und das Versagen, bei niemandem, der an ihn glaubte und sich bekehrte, verweigerte er die Vergebung. Doch stets war dies mit dem Anspruch verbunden: Geh und sündige von nun an nicht mehr. So weit, so gut. Doch in einem Punkt würde Jesus wohl bei jenen Gruppen, die meinen, die bevorstehende Bischofsernennung hänge irgendwie von ihrer Wunschliste ab, durchfallen. Er hat polarisiert! Er hat das Volk gespalten. Und zwar in jene, die ihn als ihren Erlöser annahmen, die ihr Leben umkrempelten, die im folgten (oft um einen hohen Preis) und in jene, die bei ihren Götzen und selbstgezimmerten Gottesbildern blieben. So forderte er von denen, die ihm nachfolgen ein furchtloses Bekenntnis und sagte ihnen Verfolgung und Spaltung bis in die eigenen Familien voraus (vgl Mt 10,16-39). Auch gilt seine Warnung: Wehe, wenn euch alle loben (Lk 6, 26a) wohl bis heute, für uns und die Bischöfe!

Bettina Rahm

Medizin gegen Korruption (29.3.)

Neulich sagte mir jemand: „Es ist nicht mehr zum Auszuhalten. Tagtäglich hört und liest man vorwiegend über Skandale, Korruption, alles schlechte Nachrichten, und das vor Ostern.

Es ist merkwürdig. Die Medien, die zumindest mehrheitlich kirchenkritisch bis kirchenfeindlich eingestellt sind und der Kirche oft vorwerfen, sie würde überholte moralische Positionen vertreten, berichten täglich über die „Sünden“ von Politikern, Wirtschaftsbossen oder Managern. Man könnte den Eindruck gewinnen, es entsteht ein neuer Puritanismus, die Sittenwächter sind im Kommen. Einerseits ist es sicher so, dass Korruption zugenommen hat, weil die Moral abgenommen hat. Andererseits hat das Moralisieren enorm zugenommen. Im kommunistischen Osten war es, vereinfacht ausgedrückt, so. Der Glaube wurde bekämpft und zurückgedrängt. In der Folge sank die Moral und dann wurde die Wirtschaft kaputt. Im neoliberalen Westen, in Wirklichkeit eine Mischung aus Kapitalismus und Kommunismus, scheint jetzt dasselbe zu geschehen. Die Religion wurde zurückgedrängt, die Moral ist gesunken und nun kommen unausweichlich soziale und wirtschaftliche Probleme auf uns zu.

Was nützt es aber, wenn die liberalen Medien, die die gegenwärtige Krise nicht unwesentlich mitverursacht haben, nun die Wirkungen beklagen und in eine extremen Moralismus verfallen? Oder ist das Ganze mehr eine Ablenkung von anderen Problemen, Vorgängen?



Die Kirche hätte eine gute Medizin für die Gesellschaft, nämlich eine gute Osterbeichte. Wenn viele ehrlich und mit ernsthaftem Besserungswillen zur Osterbeichte gingen, dann hätte das viele positive Nebenwirkungen für die Gesellschaft.



- Die Moral in der Gesellschaft würde steigen (durch die gegenwärtige Negativberichterstattung wird eher das Gegenteil gefördert), weil jeder, der ehrlich beichtet, ja einen Besserungsvorsatz hat und durch die Lossprechung eine übernatürliche Stärkung erfährt (göttliche Kraft – Gnade).

- Die Selbstanklage eines Pönitenten im anonymen Beichtstuhl vor dem Priester ist viel humaner als die unbarmherzige öffentliche Demontierung durch die Medien ohne Lossprechung.

- Es würde in der Gesellschaft mehr Wärme und Barmherzigkeit spürbar werden, denn jeder, der sich selbst als Sünder erkennt und Vergebung erfährt wird dankbarer und ist barmherziger im Umgang mit den Sünden anderer.

- Es wäre gut für die Wirtschaft und das soziale Klima (mehr Moral schafft mehr Vertrauen und motiviert zu sozialerem Verhalten).



Zusammengefasst kann man festhalten: Die Kirche hätte eine hervorragende Medizin mit ausgezeichneten positiven Nebenwirkungen (mehr Moral, mehr Humanität, mehr Barmherzigkeit, mehr Vertrauen, mehr soziale Gesinnung), heilsam sogar auch für jene, die ständig über sie nörgeln. Und diese Medizin ist sogar gratis. Eine Hauptwirkung davon: Eine wahre, tiefe und unzerstörbare Osterfreude. Frohe Ostern!



Ignaz Steinwender

Reform oder Reformation? (1.3.)

Im Zusammenhang mit der Schüllerinitiative wird oft von einer notwendigen
Reform oder sogar von einem Reformstau in der Kirche gesprochen.



Nun ist es sicher so, dass es niemanden gibt, der keine Reform will oder
eine Reform nicht für wichtig hielte. Die Kirche selbst sieht sich ja als
eine semper reformanda, also als eine sich ständig zu erneuernde.



Das Problem liegt bei der Frage, worin besteht eine Reform und durch welches
Verhalten wird klar, wer die wirklichen Reformer sind. Heute wird der
Eindruck erweckt, dass jeder, der irgendwelche Änderungen, meistens
struktureller Art oder die Änderung anderer einfordert, ein Reformer ist,
während jeder, der diese Wünsche nicht begeistert aufnimmt, ein Blockierer
ist, der für den Reformstau verantwortlichist. Hier wäre eine Unterscheidung zwischen wahrer und falscher Reform
wichtig, aber auch eine Unterscheidung zwischen Reformern und Reformatoren.



Die wahre Reform führt zur inneren Einheit der Kirche, die man an
verschiedenen Früchten erkennt, wie z. B. an der Freude am Glauben, am
geistlichen Wachstum, das sich z. B. auch an Berufungen zeigt. Beim Studium
der Kirchengeschichte erkennt man bald, dass die eigentlichen Reformer immer
die Heiligen waren. Diese haben sich selbst nicht so wichtig genommen,
hatten eine glühende Liebe zur Kirche und haben mit großem Seeleneifer den
Menschen gedient. Sie haben die Reform bei sich selbst begonnen, beim
Streben nach Heiligkeit. Dadurch erhielten sie eine große Anziehungskraft
und motivierten viele Menschen für diesen Weg, wodurch dann in der Folge
auch Strukturen verändert wurden. Wichtige Kennzeichen der Reformer waren
theologische Bildung, gelebte Demut und die Liebe zur Kirche.



Genau darin unterschieden sie sich von vielen angeblichen Reformern, die
Spaltungen verursacht haben. Diese haben nicht selten sich selbst in den
Mittelpunkt gestellt (fehlende Demut), die Gläubigen für ihre persönlichen
Aversionen missbraucht (Klerikalismus) und unbarmherzig die Fehler anderer
aufgedeckt. Ihre nicht selten mangelnde theologische Tiefe verband sich oft
mit einem überdurchschnittlichen Selbstbewusstsein. Sie erwarteten eine
Reform in erster Linie von strukturellen Veränderungen und der Besserung
anderer. Ihre Identität fanden sie immer mehr im Protest gegen etwas.



Was derzeit von Wien ausgehend in Österreich zu tage tritt, ist weder
außergewöhnlich noch überraschend. Was längst da war und seit Jahrzehnten
durch gepflegte Illusionen gewachsen ist, nämlich eine innere Spaltung der
Kirche, ist nun auch an der Oberfläche sichtbar geworden.



Einer der größten Reformer war Papst Johannes Paul II. Er hat viele Früchte
hervorgebracht und tut es als Fürsprecher weiter. Er hat die Zeichen der
Zeit erkannt und immer von einer Neuevangelisierung gesprochen, die er
selbst vorgelebt hat. Dort, wo man ihm gefolgt ist, sind Früchte gewachsen,
wo man ihn innerkirchlich bekämpft hat, dort ist ein wirklicher Reformstau
entstanden, der die Gefahr einer neuen Reformation heraufbeschworen hat.


Der Kirchenhistoriker Hubert Jedin sagte einmal sinngemäß dass die
Kirchenspaltung in der Reformation durch nichts so sehr gefördert wurde als
durch die Illusion, sie sei nicht schon längst da.



An wirksame Mittel der wahren Reform werden wir in Fastenzeit erinnert.
Umkehr, Gebet, Verzicht, Werke der Liebe und die Demut, die z. B. durch den
Empfang des Bußsakramentes gefördert wird. Die Beichte ist das wirksamste
Mittel, den Reformstau zu beseitigen.



Fasching und Fastenzeit - Humor und Ernst

In dieser Woche beenden wir im weltlichen Kalender den Fasching, der mit heutigem Tag endet und treten dann als Gläubige gemäß dem kirchlichen Kalender in die Fastenzeit ein. Ist dies ein Gegensatz? Ich glaube nicht!

Der Fasching hat in der Gesellschaft eine wichtige Aufgabe. Er soll dem Leben, das allzu leicht in einen tierischen Ernst gerät, eine gewisse Würze geben, aus dem grauen Alltag herausheben und helfen, das Leben mehr von der heiteren, gelassenen Seite zu sehen. Und es ist auch gut, wenn im Fasching manche Dinge humorvoll zum Vorschein kommen, die man sonst nicht so sagen könnte.

Natürlich gibt es auch Missverständnisse, Ausuferungen oder Verzerrungen, die dem Fasching einen schlechten Ruf einbringen bzw. eingebracht haben. Wer kennt nicht jenes Gefühl: Man sitzt in einer Faschingsversammlung oder schaut sich eine solche im Fernsehen an und es werden verschiedene Dinge dargeboten. Dann stockt einem plötzlich der Atem, eine Szene ist so derb, stockdumm, dass es einigen Zuhörern geradezu peinlich wird. Die Peinlichkeit wird noch erhöht durch das oberflächliche Lachen von Zuhörern, die sich an der Derbheit ergötzen. Wirklich schlimm wird es aber dann, wenn nicht einmal vor dem Wertvollsten halt gemacht wird, wenn über Heiliges wie z. B. über Sakramente gespöttelt, gelacht oder sogar gelästert wird, und das von oder in Gesellschaft von Christen. Dag würde man dann am Liebsten weggehen, um nicht dabei gewesen zu sein.

Eine wahre Bereicherung ist der Fasching, wenn ein geistvoller Humor zum Ausdruck kommt.

Dieser Humor ist die Fähigkeit, zu sich selbst Distanz zu haben, über sich selbst lachen zu können, eben das Gegenteil von Humorlosigkeit, einer Form von Verstocktheit, wo jemand auf sich selbst beschränkt ist und nichts wichtig nimmt außer sich selbst.
Der wahre Humor ist weiters die Fähigkeit, in schwierigen Lebenslagen und bei großen Problemen trotzdem noch heiter sein zu können, eben nicht alles tierisch ernst zu nehmen.
Der wahre Humor ist intelligent. Die Selbstdistanz verleiht dem Menschen einen großen Spielraum für Kreativität und gibt ihm so einen großen Einfallsreichtum.

Es ist kein Zufall, dass Leute mit einem lebendigen Glauben zum Humor neigen. Wer Christus kennt und in IHM verwurzelt ist, kann leichter über sich selbst lachen und viele Schwierigkeiten gelassen tragen.

Christus befreit uns von der dummen Derbheit zum fröhlichen Humor, vom tierischen Ernst zum heiligen Ernst. Weil wir das Heilige ernst nehmen, können wir über alle menschlichen Dinge lachen.

So ist ein heiterer Fasching eine gute Vorbereitung für ein ernsthaftes Bemühen in der Fastenzeit, die wiederum hineinführt in die Freude der Auferstehung, in das befreiende Osterlachen.

Ignaz Steinwender

Wenn Menschen Gott spielen (16.2.)

Die Geburt eines spanischen Babys macht momentan Schlagzeilen. Es handelt
sich um ein so genanntes Designerbaby, das im Reagenzglas gezüchtet wurde,
um seinem kranken Geschwisterchen als Lebensretter zu dienen. Laut
Medienberichten könne der fünfjährige Bruder durch die bei der Geburt
gewonnenen Stammzellen gerettet werden. In Österreich ist ein solches
Vorgehen zu Recht verboten, da dafür mehrere Kinder gezeugt, im
Embryonalstadium untersucht und schließlich alle, bis auf jenes, das die
gewünschten Eigenschaften besitzt, getötet oder –wenn es das Gesetz erlaubt
- für medizinische Experimente weiterverwendet werden.
Nun wird dieser Fall gewiss kein Einzelfall bleiben, im Gegenteil, es werden
andere Anwendungen der vorgeburtlichen Selektion dazukommen, etwa um
Knochenmarks- oder Organspender für kranke Geschwisterkinder zu erhalten.
Ein Kind sollte aber doch aus Liebe und um seiner selbst willen gezeugt
werden, und nicht um als Ersatzteillager für seine älteren Geschwister
dienen zu müssen. Dieses Vorgehen widerspricht der Würde des Menschen und
macht ihn zu einem Nutzobjekt.
Dem Menschen gemäß ist es, durch die liebevolle Umarmung seiner Eltern
gezeugt zu werden, vorbehaltlos geliebt und angenommen zu sein, ohne gewisse
„Kriterien“ (sei es die genetische Übereinstimmung mit einem Geschwisterchen
oder – was ebenfalls stark auf dem Vormarsch ist – einen Gencheck, der
bestimmte Erbkrankheiten ausschließt) zu erfüllen. Die
Präimplantationsdiagnostik, also ein Gencheck, kann aber nicht nur zum
Ausschluss bestimmter Krankheiten angewendet werden, sondern auch das
Geschlecht oder andere –man möchte meinen nebensächliche – Merkmale können
bestimmt werden und darüber entscheiden, welcher Embryo eingesetzt wird.
Durch das oben geschilderte Verfahren, entsteht ein neuer Mensch in der
Kälte und Einsamkeit eines Labors im Reagenzglas. Entspricht er nicht den
Vorstellungen, wird er entsorgt oder weiterverwertet. Aus menschlichen
Embryonen lassen sich allerhand kosmetische und medizinische Produkte
herstellen.
Manche argumentieren mit dem medizinischen Fortschritt und versprechen sich
Heilung und längeres Leben durch solch fragwürdige Techniken. Es kann nicht
laut genug und oft genug gesagt werden, dass der Zweck nicht die Mittel
heiligt. Gesundheit ist ein hohes Gut, und der Mensch darf und soll danach
streben, sie zu erhalten, doch nicht um jeden Preis!
In Diskussionen über solche Themen habe ich schon öfter den Vorwurf gehört,
dass man ja leicht urteilen könne, wenn man selbst nicht betroffen sei. Man
könne erst sagen, wie man sich selbst entscheiden würde, wenn man in eine
vergleichbare Situation kommt. Ich glaube, dass das falsch ist. Ich bin
eigentlich sogar vom Gegenteil überzeugt. Wenn man nicht betroffen ist, wenn
man selbst und die Angehörigen gesund sind, wenn man eben nicht durch die
Ängste und Befürchtungen, durch den Druck der Umgebung oder der Ärzte oder
durch die Verzweiflung angesichts einer aussichtlosen Lage in seinem
Urteilsvermögen getrübt ist, dann muss man grundsätzliche Entscheidungen
treffen. Zum Beispiel: Ich werde keine medizinischen Methoden in Anspruch
nehmen, bei denen Embryonen getötet werden.
Ähnliches gilt auch für Abtreibung oder Sterbehilfe. In guten Zeiten
überlegen und entscheiden, nur dann hat man auch die Kraft im Ernstfall zu
bestehen.

Von Priestern und Müttern

Es gibt heute zwei Berufsgruppen, die gesellschaftlich einen schweren Stand haben. Vielleicht weil es bei ihnen eben um mehr geht, als um einen Beruf, nämlich um eine Berufung und die damit verbundene Lebensweise. Gemeint sind Priester und Mütter. Wenn es auch auf den ersten Blick so aussieht, als hätten diese beiden Lebenswege kaum Gemeinsamkeiten, so gibt es doch vieles, was sie miteinander verbindet, oder wo sie sich gegenseitig ermutigen können.
Beide haben einen 24-Stunden-Job, sind für die ihnen Anvertrauten immer auf Abruf bereit und scheuen keine Mühe, wenn es um das Heil der anderen geht. Bei beiden steht das Dienen im Mittelpunkt. Und damit ecken sie wohl an in einer Ellbogengesellschaft, in der sich jeder selbst der nächste ist.
Beiden wird von der Gesellschaft suggeriert, dass in ihrem Leben eigentlich etwas Wichtiges fehle: dem Priester eine sexuelle Beziehung, der Mutter ein richtiger Beruf. Anstatt den jungen Männern zu sagen, dass ein Leben in der Nachfolge Christi wirklich ganz erfüllen kann und die jungen Frauen dazu zu ermutigen, ganz Mutter zu sein, wird Unzufriedenheit, Zweifel und Neid in ihre Herzen gesät. Die Folgen sind katastrophal. Junge Mütter werden nicht selten beim Spagat zwischen Beruf, Beziehung und Kindern aufgerieben, Priester zerbrechen oft an der Zerrissenheit zwischen Gott und zwischenmenschlichen Beziehungen.

Dabei könnten sich Priester und Mütter gegenseitig stärken, indem der eine dem anderen ein Vorbild in selbstloser Hingabe ist. Woher könnte der Priester das sorgende, mütterliche Element besser lernen, als wenn er es bei beispielhaften Müttern gesehen hat. Haben nicht gerade viele Heilige ihre Mutter oder die Mütter allgemein besonders geehrt und ihnen viel zu verdanken? Und ist es nicht ein Trost zu wissen, dass Angesichts des großes Arbeitspensums, mit dem viele Priester konfrontiert sind, es noch jemanden gibt, der wie sie immer da ist, immer zuhört, immer hilft? Und umgekehrt, kaum irgendwo sonst kann einer Mutter wieder so deutlich vor Augen geführt werden, dass sich Verzicht lohnt und dass Opfer Früchte bringen, als wenn sie auf einen treuen Priester und die geistlichen Früchte in seiner Pfarre blickt.

Vieles, das heute im Argen liegt, kann gut werden, wenn Priester wieder echte Priester und Mütter wieder echte Mütter werden.

Bettina Rahm

Ausgetreten? (1. Februar)

Kürzlich geriet ein Priester aus Ostösterreich in die Schlagzeilen, da er im Pfarrblatt die Namen aller aus der Kirche ausgetretenen Personen in seiner Pfarre veröffentlichte. Eine Frau beschwerte sich daraufhin und die Diözese stellte klar, dass dieses Vorgehen aus Datenschutzgründen nicht zulässig sei. Ich weiß nicht, was den Pfarrer zu diesem Schritt bewogen haben mag, er wollte ja gewiss nicht Werbung für den Kirchenaustritt machen, doch kann ich mir vorstellen, dass er Ähnliches erlebt hat, wie es Priester immer öfter erleben.
Oftmals treten Menschen aus der Kirche aus, ohne ihr Umfeld darüber zu informieren. Ein Kirchenaustritt ist zwar eine ganz persönliche Entscheidung, doch erscheint es mir redlich, die nächsten Verwandten über diesen Schritt zu informieren. Manche Ausgetretene besuchen sogar noch hin und wieder, meist zu besonderen Anlässen, den Gottesdienst und vermitteln so anderen den Eindruck, dieser Gemeinschaft nach wie vor anzugehören bzw. angehören zu wollen.

Leider gab es schon drastische Fälle, wo nach dem plötzlichen Tod eines Angehörigen, die Verwandten entsetzt feststellten, dass dieser aus der Kirche ausgetreten war, und es kein kirchliches Begräbnis geben kann. Die Kirche achtet den freien Willen des Menschen unbedingt. Wenn jemand nicht mehr Teil der kirchlichen Gemeinschaft sein will und dies offiziell bekundet, respektiert der Pfarrer diese Entscheidung, auch dann, wenn die Angehörigen um ein kirchliches Begräbnis bitten.

Für alle, die ihren Kirchenaustritt bereuen - vielleicht war es ja eine Kurzschlussentscheidung aus Ärger über den Kirchenbeitrag oder aufgrund einer Kränkung durch einen Geistlichen oder wegen einer Medienkampagne gegen die Kirche- gibt es die Möglichkeit, wieder in die Kirche einzutreten. Dazu kann jederzeit das Gespräch mit dem Ortspfarrer gesucht werden und die notwendigen Schritte geklärt werden.
Gerade das Argument, der Austritt erfolge wegen der Kirchenbeitrages, kann ich einerseits verstehen, andererseits auch wieder nicht. Wenn ich Mitgliedsbeitrag bei einem Fitnessstudio zu bezahlen hätte, aber nie hinginge, wäre mir das auch bald zu teuer und ich würde meine Mitgliedschaft kündigen. Daher ist es nachvollziehbar, dass Personen, die den Glauben nicht praktizieren, den Kirchenbeitrag ungern bezahlen wollen. Ein Austritt ist in einem solchen Fall vielleicht nur konsequent, da er äußerlich anzeigt, was innerlich bereits geschehen ist, die Trennung von der kirchlichen Gemeinschaft. Andererseits muss gesagt werden, dass gerade der finanzielle Beitrag, trotz aller Schwächen des derzeitigen Systems, die nicht geleugnet werden sollen, ein Prinzip bereits in den ersten Christengemeinden war. Wer viel hatte, gab viel, wer weniger hatte, weniger, wer nichts hatte, wurde von den anderen versorgt und mitgetragen. Wem der Kirchenbeitrag zu viel ist, für den gäbe es ja auch noch eine andere Alternative als den Austritt, nämlich das, was die Kirche zu bieten hat, auch in Anspruch zu nehmen, zum Beispiel indem man regelmäßig die Sakramente empfängt.

Bettina Rahm

Weihnachten wird in den Herzen entschieden (17.12)

Eine bekannte Elektronikkette hat für das heurige Weihnachtsgeschäft folgenden Slogan gewählt: Weihnachten wird unterm Baum entschieden. Dafür hagelte es scharfe Kritik von vielen Katholiken, darunter auch einigen Bischöfen, vor allem in Deutschland. Die evangelische und katholische Jugend Bayerns schloss sich zusammen um mit einer Gegenkampagne darauf aufmerksam zu machen, dass es zu Weihnachten um mehr geht, als um die Geschenke unterm Christbaum. „Weihnachten wurde unterm Stern entschieden – Wir sind doch nicht blöd“ lautete ihre Antwort. Bei manchen Kommentatoren war zu lesen, dass Weihnachten in der Krippe entschieden worden sei. Das alles ist richtig und das Bemühen dafür zu sensibilisieren, dass solche Werbespots gläubige Menschen kränken können, lobenswert. Es ist wahr, dass die Geburt unseres Erlösers Jesus Christus
unter dem Stern in der Krippe in Bethlehem das entscheidende Moment von Weihnachten war und ist und doch muss jeder selbst die Entscheidung für oder gegen Weihnachten selbst treffen. Weihnachten wird im letzen in unseren Herzen entschieden. Will ich, dass Jesus in mein Herz kommt? Bin ich überhaupt darauf vorbereitet? Habe ich mein Leben nach der Ordnung Gottes ausgerichtet oder herrscht in meinem Inneren das Chaos? Ist in meinem Herzen überhaupt noch ein Platz für Jesus frei? Und habe ich vor lauter Weihnachtsputz, Kekse backen und Saisonstress, inmitten der Vorbereitungen für einen „perfekten“ Weihnachstabend mit Festmenü und Geschenksberg denn noch wirklich Zeit für einen so unaufdringlichen Gast wie Gott?
Bei einem Vortrag darüber, wie Familien das Kirchenjahr leben und feiern können, sagte die Referentin in Bezug auf all die äußeren Vorbereitungsarbeiten zu Weihnachten: Rechtzeitig anfangen und rechtzeitig aufhören (auch wenn man nicht fertig geworden ist!) Wie wahr! Denn nur dann bleibt Zeit, um still zu werden, um sich innerlich zu ordnen, um sich in einer guten Beichte mit Gott und den Mitmenschen zu Versöhnen, damit Weihnachten wirklich das Fest des Friedens sein kann, um auch Raum zu schaffen für eine echte Ergriffenheit über das Wunder der Menschwerdung Gottes.

Bettina Rahm

Wo katholisch drauf steht... (1.12.)

...muss auch katholisch drin sein, so Kardinal Schönborn kürzlich bei einer Pressekonferenz. Dieser Aussage kann ich mich zu 100% anschließen, nur stellt sich die Frage, wer denn überprüft, ob bei denen, die katholisch heißen, auch die katholische Lehre vertreten wird. Bei manchen ist das nämlich so offensichtlich nicht der Fall, dass man sich nur wundern kann, dass sie sich überhaupt noch katholisch nennen dürfen. Zum Beispiel bei der Katholischen Frauenbewegung, deren neu gewählte Chefin kürzlich in einem Zeitungsinterview meinte, dass die KFB selbstverständlich für das Frauenpriestertum eintrete, oder manche Bildungseinrichtungen, die eigene, alternative Eheseminare anbieten, damit den Teilnehmern die kirchliche Lehre zu Sexualität und Fruchtbarkeit wie sie in der Enzyklika „Humanae Vitae“ dargelegt ist, erspart bleibt, oder die Katholische Aktion unserer Erzdiözese (dazu gehören Kath. Frauen- und Männerbewegung, Kath. Bildungswerk, Jungschar und Kath. Jugend,…) die sich einstimmig dafür entschieden hat, das so genannte Theologenmemorandum zu unterstützen, dessen Inhalt so wenig überraschend ist, dass ich dem keine Zeile widmen möchte. Und das Tollste bei allen diesen so genannten katholischen Vereinigungen ist, dass man immer wieder von der „Basis“ und deren Reformwünschen schwafelt. Tatsächlich ist mit Basis allerdings nicht der einfache Gläubige in der Pfarrgemeinde vor Ort gemeint, sondern die unzufriedenen Funktionäre, die mit ihren uralten Forderungen (manche werden schon seit der Reformationszeit wiedergekaut) hauptsächlich sich selbst vertreten. Einen Trost gibt es jedoch: In unserer, ebenso wie in vielen anderen Pfarren, gibt es Menschen, die sich unter dem Namen oben genannter Institutionen engagieren, die direkt bei den Menschen sind, die gläubig im Alltag leben, die der Kirche treu sind. Sie sind wohl der einzige Grund, dass sich so manche Organisation, die das „Katholisch“ im Namen führt, noch so nennen darf.

Bettina Rahm

Wenn Priester nicht mehr sein wollen, was sie sind

Im heutigen Bezirksblatt ist zu lesen, dass auch ein Priester aus unserem Bezirk sich dem Aufruf zum Ungehorsam der Pfarrer-Initiative gefolgt sei. Die Forderungen werden mit Formulierungen wiedergegeben, die eindeutig der Kirche den Schwarzen Peter zuschieben. Vor allem zwei Aussagen bedürfen deshalb einer Klärung.

Im Artikel heißt es: „Gutwilligen Gläubigen (auch Geschiedenen, Wiederverheirateten oder Mitgliedern anderer christl. Kirchen) wird die Eucharistie nicht verweigert.“ Und „Wortgottesdienste mit Kommunionspendung werden als „priesterlose Eucharistiefeier“ anerkannt.“

Sowohl der Begriff „anerkannt“ als auch die Formulierung „nicht verweigert“ rufen im Leser möglicherweise den Eindruck hervor, die Kirche verweigere Menschen ein Recht, das ihnen zusteht bzw. versage die Anerkennung einer Handlung, obwohl sie dies ohne weiteres könnte. Beides sind schwere Irrtümer.

Zur Anschuldigung der Eucharistieverweigerung: Geschiedenen wird die Kommunion keineswegs verweigert. Eine Trennung oder Scheidung ist kein Kommunionhindernis. Wer eine schwere Sünde begeht, dazu gehört auch Ehebruch, schließt sich selbst aus der Kommuniongemeinschaft aus. (Näheres dazu siehe Glaubensbote Nr…) Eine Interkommunion, das heißt ein Kommunionempfang eines Mitglieds einer anderen christlichen Konfession im Katholischen Gottesdienst ist derzeit nicht möglich. Die Eucharistie ist das Sakrament der Einheit und solange in der Ökumene nicht die völlige Einheit zwischen den Konfessionen wieder hergestellt ist, kann es auch keine gegenseitige Kommunion geben. Besonders klar ist die Trennung in diesem Bereich zwischen der Katholischen Kirche und den nach der Reformation entstandenen Gemeinschaften, da diese das katholische Eucharistieverständnis nicht teilen. Während zB bei den Protestanten der Gottesdienst lediglich ein Erinnerungs- und Brüdermahl ist, an dem prinzipiell jeder teilnehmen kann, glauben Katholiken, dass in der Heiligen Messe das Kreuzesopfer Christi auf unblutige Weise vergegenwärtigt wird und Jesus Christus nach der Wandlung in seiner ganzen Gottheit und seiner ganzen Menschheit in den heiligen Zeichen von Brot und Wein real gegenwärtig ist. Wer also zur Kommunion geht, vereint sich nicht symbolisch oder gedanklich mit Christus, sondern Christus kommt wirklich – wenn auch verborgen in den eucharistischen Gestalten – in unser Herz, um sich mit uns zu vereinigen. Das Allerheiligste ist deshalb auch das Kostbarste für einen Katholiken.

Aus diesem Grund dürfen auch zB kleine Kinder, die den Unterschied zwischen der Hostie und einer Oblate noch nicht verstehen, nicht die heilige Kommunion empfangen bzw. Menschen, die den Glauben an die Realpräsenz nicht teilen, nicht zum Tisch des Herrn treten. Die Kirche könnte nur etwas verweigern, wenn ein Anspruch auf das verlangte Gut bestünde. Asfa-Wossen Asserate schreibt in seinem Bestseller „Manieren“ dazu auf treffende Weise: „Zur Anerkennung solcher Grenzen gehört auch, allfällige Segnungen, heilige Handlungen, die Kommunion: alles, was für den Gläubigen von sakramentalen Eigenschaften besetzt ist, als Außenstehender nicht einfach auch für sich verlangen zu wollen. Man sollte sich immer aufs neue klarmachen, dass in sakraler Sphäre niemand und schon gar nicht der Außenstehende die mindesten Ansprüche besitzt.“

Die Rede von einer so genannten „priesterlosen Eucharistiefeier“ ist ein Widerspruch in sich. Ohne den Priester, der aufgrund seiner Weihe „in persona Christi“ handelt, gibt es keine Wandlung. Die liturgische Feier ist nur ein Wortgottesdienst. Auch die Spendung der Kommunion ändert nichts daran. Der heilige Pfarrer von Ars führt uns die Bedeutung des Priester drastisch vor Augen, wenn er sagt: „Oh, wie groß ist der Priester! Wenn er sich selbst verstünde, würde er sterben. Gott gehorcht ihm: Er spricht zwei Sätze aus, und auf sein Wort hin steigt der Herr vom Himmel herab und schließt sich in eine kleine Hostie ein.“ „Ohne das Sakrament der Weihe hätten wir den Herrn nicht. Wer hat ihn da in den Tabernakel gesetzt? Der Priester. Wer hat Eure Seele beim ersten Eintritt in das Leben aufgenommen? Der Priester. Wer nährt sie, um ihr die Kraft zu geben, ihre Pilgerschaft zu vollenden? Der Priester. Wer wird sie darauf vorbereiten, vor Gott zu erscheinen, indem er sie zum letzten Mal im Blut Jesu Christi wäscht? Der Priester, immer der Priester.“

Wie schade, wenn Priester das Große wozu sie von Christus berufen sind, selbst kleinreden und verleugnen.







Ist die Bischofswahl ein Wunschkonzert?

In den vergangenen Tagen bekamen die Pfarrgemeinderatsobleute eine Einladung der so genannten Taxhamer PGR-Initiative zu einem Treffen zugesandt. Da es sich bei der Taxhamer PGR-Initiative um keine offizielle kirchliche Einrichtung handelt und diese Initiative schon öfters durch unkirchliche Forderungen an die Öffentlichkeit getreten ist, drängt sich natürlich die Frage auf, woher diese PGR-Initiative die Adressen der PGR-Obleute hat, ob die Verwendung des offiziellen Pfarrgemeinderatslogos in der Einladung in Absprache mit dem Seelsorgeamt geschehen ist und mit welchem Recht eine solche Initiative die Teilnahme eines Vertreters aus jeder Pfarre fordern kann. Ebenso unklar ist, wer denn das Ganze (Papier und Briefmarken kosten ebenso Geld wie das Mittagessen für die Teilnehmer) eigentlich bezahlt.

Interessant ist auch die Tagesordnung, welche folgende Punkte umfasst:
+Welche Reformen sind dringend notwendig, um in Zeiten des Priestermangels die Qualität der Seelsorge und lebendige Pfarrgemeinden zu erhalten?

+Wie motivieren wir zur Kandidatur für die PGR-Wahl?

+Wünsche und Erwartungen bei der Wahl des neuen Erzbischofs

Schon nach wenigen Minuten Recherche im Internet ist klar, dass die gewünschten Reformen auffällig mit denen diverser anderer Initiativen (seien es Laien oder Priester, die dahinter stecken) überein stimmen. Wenn aber der Blick schon auf die uralten Forderungen nach Abschaffung des Zölibats und weiteren Änderungen der Zulassungsbedingungen fixiert ist, wie kann dann noch klar erkannt werden, was erstens wirkliche Lösungsansätze wären bzw. was zweitens auch wirklich möglich ist. Darüber hinaus stellt sich die Frage, was es bringt (den Pfarrgemeinderäten, den Pfarren, dem derzeitigen und dem zukünftigen Erzbischof) wenn hier eine Wunschliste an den zukünftigen Hirten der Erzdiözese fabriziert wird. Will man bereits im Vorfeld Druck erzeugen um gemeinsam mit den Medien die Bischofsernennung zu beeinflussen? Stellt sich nicht für jeden Christen vielmehr die Frage, was erwartet Gott, die Kirche, der Bischof, mein Ortspfarrer von mir?

In einem Pfarrblatt las ich folgende Anekdote: Als im Kloster ein neuer Abt gewählt werden sollte, unterhielten sich einige Mönche darüber, wer es wohl werde. Sie fragten einen älteren Mitbruder: „Was glaubst du, wer wird der neue Abt?“ Dieser antwortete: „Der eine oder der andere.“ „Welcher eine oder andere?“ fragten sie nach. Da sprach der weise Bruder: „Der von der Vorsehung Gottes oder der von der Zulassung Gottes.“

In diesem Sinne können wir alle der bevorstehenden Bischofswahl gelassen entgegen sehen. Doch darüber hinaus sollten wir im persönlichen und gemeinsamen Gebet Gott inständig um einen guten Hirten bitten.

Wenn der ORF bei Pfarrern herumfragt...

70 % der Pfarrer Österreichs unterstützen (zumindest teilweise) die Anliegen der Pfarrer-Initiative, die - bekannt durch ihren medial omnipräsenten Anführer Pf. Schüller- zum Ungehorsam gegen die Kirche aufgerufen hat. Solche Schlagzeilen musste sich der ORF Zuschauer diese Woche wieder um die Ohren hauen lassen. Dass der ORF als Auftraggeber einer Studie, in der 500 österreichische Pfarrer zu ihrer Haltung zu verschiedenen Forderungen so mancher selbst ernannten Reformer befragt wurden, auftritt und diese von seinem Haus- und Hoftheologen Prof. Zulehner durchführen lässt, ist eine skandalöse Einmischung in innerkirchliche Angelegenheiten mit dem vorrangigen Ziel, jene Ergebnisse zu erhalten, die die Zulehner’schen und Schüller’schen Theorien als mehrheitsfähig dastehen lassen.

Trotzdem können wir alle etwas daraus lernen:Jede Umfrage kann so durchgeführt werden, dass das herauskommt, was man will. Dazu müssen einerseits die „Richtigen“ befragt werden (offenbar hat eine große Zahl von romtreuen Priester die Teilnahme abgelehnt) und andererseits die Fragen „richtig“ gestellt sowie die Antworten „richtig“ interpretiert werden.

Wo ORF Religion draufsteht ist Zulehner drin, ist Schüller drin. Spätestens jetzt kann man ohne schlechtes Gewissen Berichte des „STAATSfunks“ über die katholische Kirche ignorieren und sich in anderen Medien informieren.

Die jungen Priester sind anders. Zum wiederholten Mal hat eine Zulehner-Studie gezeigt, dass die jungen Priester den Reformvorschlägen (die in Wirklichkeit keine Reformen sind) der 68er Priestergeneration ablehnend gegenüber stehen. 28% der Befragten lehnten die Reformvorschläge welche nicht im Einklang mit der katholischen Lehre sind ab, nach Altersgruppen aufgeteilt, zeigt sich, dass diese Ablehnung auf 51% der unter 40-Jährigen, aber nur auf 17% der 61-70-Jährigen zutrifft.Mit diesen Zahlen vermittelt die Studie – wenn auch wohl von den Urhebern unbeabsichtigt – doch Hoffnung für die Zukunft, es kommt eine neue Priestergeneration: wahrhaft Geistliche.

Einige Fragen bleiben aber doch noch offen:

Wenn von 500 Befragten 70% die Pfarrerinitiative bzw. deren Ideen und Anliegen unterstützen (und so kommt es in der Berichterstattung bei den Menschen an), wären das 350 Priester. Zählt man die Mitglieder und Unterstützer der Pfarrerinitiative zusammen sind es 361 Priester. Es werden doch wohl nicht gerade die angerufen und befragt worden sein? Und wenn nicht, warum unterschreiben dann diejenigen, die am Telefon so reformfreudig tun, nicht auch, wenn doch die Bischöfe ohnehin so kooperativ sind und keinerlei Sanktionen beabsichtigen?

Und was wäre, wenn tatsächlich 70% aller österreichischen Priester die Lehre der Kirche nicht mehr mittragen würden? Würden die Bischöfe aus ihrer Ohnmacht erwachen und klare Verhältnisse schaffen? Würde sich die österreichische Kirche von Rom abspalten? Würde Paul Zulehner Papst von Österreich?

Wie immer man auf diese Fragen antwortet, die eigentliche Frage für jeden einzelnen von uns ist: Bist du auf der Seite der Mehrheit oder bist du auf der Seite der Wahrheit?

Jesus - bitte warten! (19.10.)

Ich las einmal eine Geschichte, wo jemand, der nichts vom Christentum wusste, zufällig in einer Messe war. Er berichtete, dass gegen Ende der Zusammenkunft zuerst einige Leute zaghaft, dann mehrere Leute nach vorne gingen, dort ein weißes Blättchen bekamen und dann wieder mit eher traurigem Gesicht zurückgegangen seien.


Als ich - ich glaube es war letztes Jahr bei der Osternachtsfeier - Kommunion austeilte, kam als letztes eine Frau, die die Hände über der Brust gekreuzt hatte als Zeichen dafür, dass sie die Kommunion nicht empfangen könne.
Ich machte ihr ein Kreuzzeichen auf die Stirn und legte ihr die Hand auf. Dann ging sie überglücklich und geradezu freudensrtrahlend zurück. Ich dachte mir später. Alle anderen haben viel mehr empfangen, nämlich den Leib Christi, und sind ganz gewöhnlich zurückgegangen, so gewöhnlich, wie man eben zur Kommunion geht, was manche mit dem furchtbaren Wort Abspeisen gehen ausdrücken.

Wenn ein Nichtwissender in eine unserer Messen kommt, merkt der dann, dass es um ein tiefes Geheimnis geht, z. B. beim Kommunionempfang. Dieser ist zwar nicht der Höhepunkt der Messe (das ist die Wandlung), aber spürt man da, dass es um das Kostbarste geht, das es für uns Christen gibt, um den Leib Christi, um eine intime Vereinigung, die alles andere übertrifft?

Ist es nicht eher befremdend, wenn der Kommunionspender zum Speisgitter bzw. zum Mittelgang geht, hilfesuchend in die Reihen blicken muss bis sich allmählich einige aufraffen. Die Zauderer lassen ja nicht den Kommunionspender warten, sondern den Herrn. Es heißt also:
Jesus, bitte warten.


Zugegeben, jetzt habe ich vielleicht etwas übertrieben, aber: Ist es uns wirklich bewusst, was in der Messe geschieht, was ER in dieser Feier tut,
und wen wir da empfangen? Hier stellt sich auch die Frage, wer soll oder wer darf den Leib Christi empfangen? Der Empfang soll freiwillig, würdig und ehrfürchtig geschehen.



- Mit freiwillig meine ich, es soll eine bewusste Entscheidung des Einzelnen sein. Dies setzt voraus, das der Gläubige weiß, wen er empfängt und daher daran glaubt, dass Christus hier wirklich, wahrhaft und dem Wesen nach (realiter, vere und substantialiter) gegenwärtig ist. Niemand soll zum Empfang gezwungen bzw. genötigt werden, zB durch das gewohnheitsmäßige Vorgehen Bankreihe für Bankreihe oder wie z. B. oft Angehörige von Verstorbenen, denen gesagt wird, sie müssten gehen, weil sie Angehörige sind. Wer sich aber entschlossen hat, soll ohne zu zögern vortreten. Manche warten vielleicht aus Menschenfurcht, weil sie nicht zu fromm dastehen wollen, manche wollen vielleicht aus falscher Bescheidenheit anderen den Vortritt lassen, oder meinen irrtümlich die Angehörigen bei Begräbnissen müssten zuerst gehen.

- Der Kommunikant soll würdig sein, d. h. frei von schwerer Sünde. Wer unwürdig isst, beleidigt Gott, schadet sich selbst (er isst sich das
Gericht, sagt Paulus) und der Kirche. Wenn jemand aus bewusster Entscheidung wegen Unwürdigkeit nicht empfängt und einen geistlichen Akt der Anbetung setzt, ist er dem Herrn sicher viel näher als ein oberflächlicher, gewohnheitsmäßiger oder unwürdiger Kommunikant. Weil die Eucharistie ein Sakrament der Versöhnten ist, hat das Sakrament der Versöhnung eine wichtige Bedeutung. Wenn die Beichte fast abgekommen ist aber die Kommunionen zugenommen haben, dann stimmt etwas nicht mehr. Kommt es dann nach den ersten, die zaghaft zur Kommunion vortreten, zu einem Dammbruch, so dass nachher jeder "Abspeisen geht", bedeutet das eben nicht einen Fluss der Gnaden, sondern ein großes Problem für die Seelsorge.

- Der Gläubige soll die Kommunion ehrfürchtig empfangen. Wer weiß, wen er empfängt, wird eine Kniebeuge vor dem Empfang bzw. einen
knienden Empfang wenn auch nicht als zwingend, so doch sicher sehr angemessen empfinden. Die Momente nach der Vereinigung mit Jesus in der Kommunion sollen von innigem Gebet erfüllt sein. Niemals sonst ist man dem Herrn so nahe.


So kann die Messe wirklich zur Quelle und zum Gipfel werden und Früchte bringen. Durch den regelmäßigen freiwilligen, würdigen und
ehrfürchtigen Empfang des Leibes Christi wird der Kommunikant in seinem Inneren geformt bzw. verwandelt, im Sein, im Denken, im Wollen und sogar in seinen Neigungen. Er wird Frucht bringen.

Noch eine praktische Anregung:

Wenn der Priester aus dem Kelch trinkt und dann den Ministranten die Kommunion spendet, dann mögen die Kommunikanten bereits vortreten, damit ER nicht warten muss.

Die Kirche trotzdem lieben (13.10.)

Oft hört man den ermutigend gemeinten Satz, ich bleibe trotzdem in der Kirche, oder die Aussage, die Kirche soll man trotzdem lieben. Ehrlich gesagt, bei diesen Formulierungen beschleicht mich ein seltsames Gefühl. Wer von uns kann so etwas sagen?

Wenn jemand über seine eigene Mutter schimpft, ihre Schwächen aufzeigt oder gar dadurch ihr Antlitz verdunkelt, dann wären wir zu recht empört und denken, wie kann denn jemand seine eigene Mutter so behandeln, ist das nicht ein missratenes Kind? Heute ist es üblich geworden, dass die Mutter Kirche öffentlich von ihren eigenen Kindern an den Pranger gestellt wird. Ist das nicht auch abgrundtief verwerflich, ein Handeln mißratener Kinder? Der Philosoph Josef Pieper hat einmal über die Dankbarkeit geschrieben, dass wir unseren Eltern niemals das vergelten können, was wir ihnen verdanken, nämlich das Leben. Was immer wir unseren Eltern Gutes tun, es ist nur ein Dank für viel mehr, das wir ihnen schulden.

Wenn wir über die Kirche nachdenken, dann sollten wir uns zuerst einmal die Frage stellen, was wir ihr verdanken. An erster Stelle ist es das geistige, übernatürliche Leben, die Kindschaft Gottes durch die heilige Taufe. Haben wir das verdient, hatten wir einen Anspruch darauf? Können wir der Kirche das zurückgeben? Sicher nicht! Klingt bei der Aussage, die Kirche trotzdem lieben, nicht ein großer Hochmut mit, der etwa lautet: Ich liebe die Kirche trotzdem, obwohl der Papst nicht tut, was ich will, obwohl dieser oder jener das getan hat, obwohl ich diese oder jene Erfahrung mit jemand gemacht habe, usw.

Könnten wir nicht umgekehrt die Frage stellen: Gott liebt mich trotzdem. Ich darf trotzdem bei seiner Kirche bleiben, obwohl ich undankbar war, obwohl ich ein schlechtes Beispiel gegeben habe, obwohl ich ein lauer Christ bin, obwohl ich vergessen habe, was ich meiner Mutter Kirche verdanke, obwohl andere mich ertragen müssen, wie ich bin. Ich darf bei der Kirche bleiben und in ihr immer wieder die Barmherzigkeit Gottes erfahren, ich darf trotz meiner Sünden ein Glied an ihrem Leib blieben und an den Verdiensten Christi und seiner Heiligen teilhaben. Gott liebt mich trotzdem und lässt mich durch Seine Kirche den Weg des Heiles gehen. Wenn ich das erkennen darf, dann kann ich Gott nur dafür danken in dem Bewusstsein. Meine Liebe zur Kirche ist nur ein Dank für viel mehr, dass ich ihr schulde. „Nur danken kann ich, mehr doch nicht!“

Esoterik-Weg in die Unfreiheit (6.Oktober)

Es ist bemerkenswert zu beobachten, wie die Angebote und Veranstaltungen mit esoterischem oder okkultem Inhalt oder Hintergrund immer zahlreicher werden. Auch getaufte Christen, ja selbst Kirchgänger scheinen kaum Skrupel zu haben, esoterische Praktiken anzuwenden oder bei sich anwenden zu lassen und werden meist über die Wellness- oder Gesundheitsschiene so schleichend mit dem esoterischen Gedankengut vertraut gemacht. Das esoterische Welt- und Menschenbild widerspricht der christlichen Auffassung vollkommen, da es die Wahrheit über Gott und seine Geschöpfe verzerrt und verdunkelt, so dass meist langsam und zuerst unbemerkt die Glaubenspraxis wie das Gebet und der Gottesdienstbesuch abnimmt, bis schließlich der Irrglaube an irgendwelche kosmischen Kräfte und göttliche Energien den Glauben an den einen, allmächtigen Gott vollkommen abgelöst haben. Schon im Alten Testament heißt es: Es soll bei dir keinen geben, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lässt, keinen, der Losorakel befragt, Wolken deutet, aus dem Becher weissagt, zaubert, Gebetsbeschwörungen hersagt oer Totengeister befragt, keinen Hellseher, keinen, der Verstorbene um Rat fragt. Denn jeder, der so etwas tut, ist dem Herrn ein Gräuel. (Dtn 18,10-12) Gewiss gibt es in diesem Bereich auch viele Scharlatane, die den naiven Menschen einfach das Geld aus der Tasche ziehen, doch es gibt eben auch Phänomene, die aus geistlicher Sicht abzulehnen sind. Oft entstehen Abhängigkeiten, die die Freiheit des Menschen massiv einschränken. Wenn ich zuerst ein Pendel oder irgendwelche Karten befragen muss, bevor ich eine Entscheidung treffen kann oder meine Entscheidungen vom Rat irgendwelcher Astrologen abhängig mache, verliere ich meine Freiheit. Wenn mir eingeredet wird, dass jedes körperliche oder seelische Unwohlsein auf eine Störung des Energieflusses zurückzuführen sei, und dass dieses Problem durch die richtige Meditation oder andere Techniken behoben werden kann, lastet ein enormer Druck auf den Betroffenen. Schließlich sind sie erstens selbst Schuld an ihrem Zustand und müssen das Leid auch noch selbst überwinden. Bei wem dann Reiki oder andere so genannte Heilungspraktiken nicht wirken, der glaubt zu wenig, bemüht sich zu wenig, öffnet sich zu wenig und ist erst recht wieder selbst verantwortlich. Bei wem es wirkt, der gerät meist immer tiefer in diesen Sumpf von tausendundeiner Möglichkeit, schöner, jünger, gesünder und glücklicher zu werden. Doch um welchen Preis?

Aussteiger aus der Esoterik schildern ihren Leidensdruck, sich selbst heilen, ja erlösen zu müssen. Viele berichten von der Verlagerung körperlicher Probleme auf die seelische Ebene. Depressionen und Angstzustände sind sehr häufig.
Müssten wir Katholiken nicht wieder mehr auf unsere Schätze schauen, auf die Sakramente, die Gnadenerweise Gottes sind und unser Leben begleiten und uns stärken. Müssten wir nicht wieder auf DEN Hinweisen, der die Quelle des lebendigen Wassers ist, auf ihn, unseren Heiland, der wirklich heil macht. Gott ist nicht irgendeine nebulose Energie, sondern ein persönliches Gegenüber, ein Vater, ein Retter, ein Tröster, der uns zuruft: Kommet zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt.

Äußerst interessant zu diesem Thema auch ein Vatikan-Dokument über die Esoterik. Hier zum Nachlesen

Sie sollen alle eins sein! (30.09)

Die Kirche geht durch eine spannende, sicherlich nicht einfach Zeit. Wer unvoreingenommen auf die ganze Situation hinschaut, ohne sich vielleicht irgendeinem Lager zugehörig zu fühlen oder die Einteilung in liberal/progressiv und konservativ für sinnvoll zu halten, kann ohne eines der derzeitigen heißen Eisen konkret vor Augen zu haben, einen ganz eindeutigen Missstand in der Kirche feststellen: die Uneinigkeit der Kirche, die von der kleinen Pfarre am Diözesanrand bis nach Rom geht. Wie sollen Menschen für den Glauben an den dreifaltigen Gott, der sie als Schöpfer ins Leben gerufen hat, der sie als Heiland von ihren Sünden erlöst und der sie persönlich, aber auch die ganze Kirche als Beistand und Tröster führt, gewonnen werden, wenn der eine Priester schwarz und der andere weiß sagt? Der eine sagt so, der andere so, beim einen geht etwas (zB die Segnung von wiederverheirateten Geschiedenen), beim anderen nicht.

Es geht dann zu wie bei Eltern, die sich in der Kindererziehung nicht einig sind. Sie werden ständig gegeneinander ausgespielt. Und wie bei den Eltern ist im ersten Moment immer der strengere der Böse. Wenn ein Priester nun sein Vorgehen erklären oder rechtfertigen will, bekommt er leicht zu hören: Ja, aber dort geht es ja auch, dort ist es doch auch anders, dort ist dieses und jenes aber erlaubt.

Das ist das eigentliche Übel. Der Priester soll stellvertretend für den Bischof der Hirte seiner Pfarre sein. Wenn nun aber von zwei Priestern der eine Hüh und der anderer Hott schreit, wer vertritt dann den Bischof? Wem sollen die Leute folgen? Oder wer soll Mitglied in einer Gemeinschaft der Nächstenliebe sein wollen, wenn der eine Priester über den anderen schlecht spricht? Oder wer soll den Sinn des Zölibats verstehen wollen, wenn uns die Zeitungen ständig Beispiele von Priestern bringen, die ihr Versprechen brechen und trotzdem im Amt bleiben? Oder wie kann jemandem vermittelt werden, dass die Feier der Heiligen Messe Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens ist und dass sie eine heilige Handlung ist, vor allem ein Gnadenwirken Gottes an den Gläubigen, wenn manche Priester statt den heiligen Texten selbstverfasste verwenden.

Wenn unsere Bischöfe versichern, es gäbe keine Spaltung, dann mögen sie mir ein anderes Wort für diese Zustände nennen. Nur wenn wir diese innerkirchlichen Probleme überwinden, wird ein gemeinsames, starkes Zeugnis für Christus möglich, zu dem uns der Heilige Vater immer wieder aufruft und ermutigt, und das in unserer Zeit, in der immer weniger Menschen Gott wirklich kennen, notwendiger, weil notwendender, ist als alles andere.

Warum Christen keine Sündenböcke brauchen (21.9.)

Vor kurzen gab es eine hitzige öffentliche Debatte. Frau Finanzministerin Dr. Maria Fekter hatte festgestellt, dass in Europa gerade enorme Feindbilder aufgebaut würden gegen die Banken, gegen die Reichen, gegen die Vermögenden. Ihr Hinweis, das wir so etwas schon einmal hatten, dass damals ähnliche Gruppierungen gemeint waren und das dies zwei Mal in einem Krieg geendet hätte, hat einen Sturm der Empörung ausgelöst. Ich bin nicht der Meinung, dass die Frau Finanzministerin einen Direktvergleich mit der NS-Zeit gemacht oder intendiert hat. Mich beschäftigt aber ihr Anliegen. Wir bauen gerade Feindbilder auf.

Wenn man die Medien heute genauer beobachtet, kann man zweifelsfrei sehen, dass viele versuchen, neben anderen Gruppierungen auch gegen die katholische Kirche ein Feindbild aufzubauen. Dabei werden sie unterstützt durch überhebliche Kirchenleute und gefördert durch das profillose Verhalten schweigender Wächter. Im alltäglichen Leben fällt mir oft folgendes auf: Wenn Leute über die Kirche schimpfen, dann steckt oft ein persönliches Problem dahinter, ein besonderer Lebenswandel, nicht selten eine unbewältigte Schuld. Die Kirche wird dann zum Sündenbock, an dem man seine Aggressionen abreagiert. Wer den Balken im eigenen Auge nicht erkennt, sieht allzu leicht Splitter im Auge der Kirche.
Manchmal erinnere ich mich an ein Gespräch mit dem Journalisten Günther Nenning im Jahre 1995. Nenning, der sich selbst als treuen Fernstehenden bezeichnete und im gereifteren Alter die Bedeutung und Größe von Johannes Paul II. viel mehr erkannte und schätzte als mancher katholische Bischof, stellte fest, dass der liberale Mensch, der nicht an die Erbsünde glaubt, immer jemanden braucht, den er verfolgen kann, also einen Sündenbock. Man könnte daraus schließen, je liberaler und Gott-loser die Gesellschaft wird, desto mehr braucht sie Sündenböcke für alle Übel, derer sie nicht Herr wird. Viele Medien demonstrieren das täglich vor. Wenn z. B. irgendein Unglück oder eine Katastrophe passiert, setzt sofort die Suche nach dem Schuldigen ein und es muss mindestens ein Verantwortlicher, am besten ein Minister dafür herhalten. Wenn dann ein zum Sündenbock gestempelter Politiker zurücktritt, dann ist das Opfer vollbracht und die unerlöste Gesellschaft befriedigt.
Die Menschen haben schon seit altersher gewusst, erfahren und gespürt, dass es Schuld gibt und mit dem Problem gerungen, die eigene Schuld loszuwerden. Im Alten Testament hat man die Schuld der Menschen Sündenböcken aufgeladen, die dann in die Wüste geschickt wurden.
Die wohl wirksamste Form der Schuldbewältigung kennen wir Christen. Christus selbst hat alle Schuld der Welt auf sich genommen und gesühnt. . Er ist für uns alle zum Sündenbock geworden und hat uns durch sein Kreuz erlöst. Die Erlösung kann besonders wirksam werden, wenn wir uns mit IHM und der Kirche versöhnen lassen im Sakrament der Busse und die Heilige Messe als Versöhnungsopfer feiern. Christus hat uns berufen, als Christen, d. h. als erlöste Menschen in der Freiheit der Kinder Gottes zu leben. Unsere Freiheit besteht darin, dass wir bei IHM wirklich und wirksam Versöhnung erlangen. Deshalb braucht der versöhnte, erlöste Christ keinen Sündenbock mehr.
Christen kennen nur einen wirklichen Feind, den die Bibel den Vater der Lüge, die Schlange, den Diabolos oder den Ankläger nennt, der die Auserwählten bei Tag und Nacht vor Gott verklagt.

Frau Ministerin Fekter hat sicher recht, wenn sie feststellt, dass der Aufbau von Feindbildern zweimal in einem Krieg geendet hat. Kürzlich hat der polnische Finanzminister Jan Vincent-Rostowski davor gewarnt, dass ein Zerbrechen des Euro die Gefahr eines neuen Krieges in Europa einläuten würde. Wenn wirtschaftlich schlechte Zeiten kommen, ist die Gefahr der Sündenbocksuche sehr groß. Ein Kriegsgefahr kann gemindert werden, wenn wir Feindbilder abbauen, indem wir uns Christus anvertrauen, der für uns zum Sündenbock geworden ist.
Mir wird immer klarer, warum viele Medien und viele Menschen ständig auf die katholische Kirche hinhauen. Das ist ganz logisch. Weil es die Kirche Christi ist, weil diese Christus darstellt und auch berufen ist, wie Christus als Sündenbock zu fungieren. Als Sündenbock dient die Kirche auch den Unerlösten, denen, die sie verspotten, bekämpfen und anklagen.
Christen stehen vor der Wahl: Als Glieder der Kirche mit Christus zu leiden, indem sie wie ER Zielscheibe von Spott und Verachtung werden oder auf der Seite der Ankläger zu sein. Christen sind berufen, am Erlösungswerk Christi mitzuwirken. Einen Mittelweg zwischen IHM und dem Ankläger, einen Kompromiss zwischen Wahrheit und Lüge gibt es nicht.

Warum Pf. Schüller nicht evangelisch wird (14.09.)

Vor kurzem erzählte mir ein Theologe, der mit den Verhältnissen in den USA
gut vertraut ist, dass es dort mit der katholischen Kirche bergauf gehe, gekennzeichnet durch
lebendige Pfarren, ein hohes Maß an Initiative, ein Wachstum in vielerlei
Hinischt etc. Als Gründe für das Wachstum der katholischen Kirche nannte er
neben der Einwanderung von Katholiken aus dem Süden zwei interessante
Faktoren. Viele verschiedene protestantische Richtungen verzeichnen einen
enormen Schwund am Mitgliedern. Der zumeist "liberale Kurs" dieser Gruppen
führt zu Auflösungstendenzen. Viele Leute gehen dann weg, die meisten
entweder zu den Freikirchlern oder zur katholischen Kirche. Der Zweite
Faktor: Dort, wo die katholischen Ortskirchen papsttreu sind, gebe es einen
großen Aufschwung, der sich durch kinderreiche Familien, eine hohe Zahl an
Gottesdienstbesuchern, lebendige Pfarreien, viele geistliche Früchte etc. zeigt.

Wenn man die in Österreich von einer kleinen Gruppe mit Unterstüztung der
Medien forcierte und durch die Führungsschwäche der Kirchenleitung teilweise
ermöglichte Protestantisierung bzw. Liberalisierung der katholischen Kirche
beobachtet, dann ist es einem völlig klar, warum es keinen allgemeinen
Aufschwung geben kann.

Warum aber, so könnte man fragen, gehen Leute wie Pfarrer Schüller nicht
einfach zur evangelischen Kirche, wo doch dort ihre Forderungen schon längst
verwirklicht sind? Ganz einfach: Dort ist die Konsequenz ihrer Haltung
schon eingetreten, die Selbstrelativierung und der Bedeutungsverlust durch
Anpassung. In der evangelischen Kirche wäre Schüller über Nacht so
bedeutungslos, wie er es ohne das mediale Getöse ohnehin schon wäre. Der
liberale Protestierer braucht eine Institution, wo noch eine Substanz da
ist, weil er seine Identität vom Protest gegen etwas oder jemand stiftet.
Schüller und Co leben vielleicht mehr von der heiligen katholischen Kirche
als die treuen Anhänger derselben. Wenn es den Papst plötzlich nicht mehr
gäbe, gerieten wahrscheinlich die Kirchenkritiker in eine viel größere Identitätskrise als
die treuesten Katholiken.

Gehorsam bringt Segen und macht frei (8.September)

Im letzten Sonntagsevangelium spricht Jesus davon, dass man den Sünder unter
vier Augen zurechtweisen soll. Wenn dieser hört, so hat man einen Bruder
zurückgewonnen.
Die brüderliche Zurechtweisung, eigentlich ein bedeutender Faktor für den
geistlichen Fortschritt in der Gemeinschaft (auch in der Pfarre) und für die
geistliche Weiterentwicklung jedes einzelnen Gläubigen, wird heute kaum noch
verstanden.

Manche lehnen Zurechtweisung mit den Worten, "Jeder muss selber wissen, was
er tut, ich will mich nicht einmischen" ab. Mit dem Verschwinden der
brüderlichen Zurechtweisung steigt aber gleichzetig das Urteilen und
Verurteilen Anderer in Abwesenheit.

Bei der brüderlichen Zurechtweisung unter vier Augen geht es darum, einen
Bruder, eine Schwester zurückzugewinnen, sie zu gewinnen für das wahre
Leben, für das Heil, für die Fülle. Es geht also um das Ganze, um das
Kostbarste, weshalb die brüderliche Zurechtweisung eine Liebestat ist.

Jeder kann für sich überlegen. Wann habe ich zuletzt jemand zurechtgewiesen
oder: Wann bin ich zuletzt zurechtgewiesen worden. Wenn man schon lange
nicht zurechtgewiesen wurde, kann man sich kritisch fragen, warum. Entweder
ist man schon schon zur Heiligkeit gelangt, oder man strahlt einen
unbelehrbaren Stolz aus, der bei einer Zurechtweisung eine Feindschaft zur
Folge hätte oder man hat keinen wirklich guten Freund, der es so ehrlich und
so gut mit einem meint, dass er sich zu diesem Liebesdienst der
Zurechtweisung aufraffte.

In unserer Gesellschaft ist immer mehr das Geschrei maßgeblich und man
vergisst auf die Bedeutung des Gehörs. Das Gehör ist wichtig in der Pädagogik
und im Glauben. Jeder Lehrer, jeder Vater und jede Mutter wissen, dass es in
der Erziehung eine wirkliche Entwicklung nur geben kann, wenn die
Bereitschaft zum Hören da ist. Wenn das Interesse, die Aufmerksamkeit und
die Fähigkeit zur Stille da ist, kann jemand das Gehörte wirklich aufnehmen.
Es gibt einen Fortschritt.

Dies trifft noch mehr auf den Glauben zu. Der Glaube kommt vom Hören. Hören
können, hören wollen. Gehorsam sein - also das gehörte auch befolgen - bewirkt, dass der Hörende beschenkt
wird, dass der Innere Reichtum wächst, dass ein Mensch weitergeführt und
freier wird.

Deshalb war der Gehorsam immer eine Tugend. Der Gehorsam ist nicht blind,
weil der wirklich Hörende eine größere geistliche Tiefe und Weite erlangt und
dadurch mehr fähig wird, Gut und Böse zu unterscheiden, die Wirklichkeit
einzuschätzen und gute Entscheidungen zu treffen. Der Gehorsam macht stark,
dem Bösen zu widerstehen und macht Menschen auch fähig, zu führen. Wer
selbst hören kann, kann auch Orientierung geben, Vorbild sein und führen.
Wer ungehorsam ist, neigt zum Tyrannen.

Der Ungehorsam in Glaubensfragen ist ein Widerspruch in sich, ein Gift, dass
die Fähigkeit zum Glauben zerstört.

Jesus selbst lehrt uns den Weg des Gehorsams. ER hat den Willen des Vaters
erfüllt, ER war gehorsam bis zum Tod am Kreuze. Wer auf IHN und SEINE Kirche
hört, wir reich beschenkt und kann andere beschenken.

Wahr ist, was im Fernsehen ist - oder? (31.August)

Die Weltjugendtagspilger aus dem Zillertal sind wieder gut und vor allem voller bleibender Eindrücke von der wunderbaren Begegnung mit dem Heiligen Vater und mit rund 1,5 Millionen Jugendlichen aus aller Welt, nachhause zurück gekommen. Eine Teilnehmerin erzählte mir ganz überrascht, dass sie nach ihrer Rückkehr ständig auf die vielen Demonstranten, die gegen den Papstbesuch protestiert hatten, angesprochen worden war. Ist ja auch kein Wunder, wenn man bedenkt, wie sehr die laut Medienberichten maximal 5000 Gegendemonstranten die mediale Berichterstattung des Weltjugendtages geprägt haben. Wie nun die einzelnen Medien, von denen es den meisten äußerst schwer zu fallen scheint, Positives über die Kirche zu berichten, mit dem Weltjugendtag umgegangen sind, war unterschiedlich.

Manche verlegten sich aufs Kleinreden, in dem sie die Teilnehmerzahlen herunterspielten und in Artikeln bzw. Meldungen von Hunderttausenden, in einigen besonders negativen Beispielen sogar von Zehntausenden sprachen. Auch wurden mehrfach die bleibenden Früchte dieses katholischen Jugendtreffens angezweifelt, um ihm die Berechtigung abzusprechen. Andere Medien taten sich besonders durch ständige negative Schlagzeilen hervor und berichteten fast ausschließlich von den Forderungen der Demonstranten oder den Kosten, die der Weltjugendtag angeblich verursacht. Dazu sei gesagt, dass sich der Weltjugendtag weitgehend selbst finanziert, nämlich durch die Beiträge der Teilnehmer, sowie durch Sponsoren. Wenn selbst für sportliche Großereignisse oder Staatsbesuche die dafür benötigte Infrastruktur bereitgestellt wird, so darf das doch wohl auch für den Besuch des Heiligen Vaters, der immerhin rund eine Milliarde Katholiken vertritt erwartet werden. Besonders ungern werden natürlich auch Bilder von den vielen jubelnden, oder noch schlimmer betenden Jugendlichen gezeigt. Weshalb die Fernsehberichte zum Beispiel von der Vigil am Vorabend des großen Abschlussgottesdienstes fast ausschließliche auf ausdrücklich katholischen Fernsehsendern zu sehen waren.

Während tagelang die Bilder und Berichte der Krawalle von jungen Menschen in London, oder vor längerer Zeit in französischen Vorstädten die Medien beherrschten, sind die Fröhlichkeit, die Gelassenheit, die Begeisterung und die Fähigkeit zu Sammlung und Gebet kaum eine Schlagzeile, geschweige denn einen ausführlichen Bericht wert. So hat sich die Maxime „Only bad news are good news“ (Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten) wieder einmal durchgesetzt, um den Preis, dass viele – auch Gläubige, die durchaus am Weltjugendtag interessiert sind – ein sehr verzerrtes Bild dieses Ereignisses in Erinnerung behalten werden. Für alle, die etwas über den wahren Weltjugendtag erfahren wollen, empfiehlt sich ein Gespräch mit jenen, die selbst dabei gewesen sind. Sie freuen sich bestimmt über euer Interesse.

Urlaub bei Gott (23.August)

Anfang August sagte Papst Benedikt XVI. bei der Generalaudienz, dass viele gerade in der Urlaubszeit gerne ein Buch zur Hand nehmen, um sich einerseits abzulenken, manchmal aber auch um sich im Gegensatz zum übrigen Jahr einmal einer anspruchsvolleren Lektüre zu widmen. Und wirklich geht es ja vielen, die gerne lesen so, dass sie sich ein bestimmtes Buch für den Urlaub vornehmen, für das sie während des Jahres nicht genug Aufmerksamkeit aufbringen können. Der Heilige Vater schlägt vor, auch einmal eines der Bücher der Bibel ganz durchzulesen. Während die Evangelien doch eher geläufig sind, gibt es im Alten Testament einige wenig bekannte Schätze. Darunter zum Beispiel das Buch Ruth oder das Buch Tobit, für deren Lektüre es kaum mehr als eine Stunde Zeit braucht, die aber wunderbare Zeugnisse göttlicher und menschlicher Liebe sind.

Ist es nicht überhaupt so, dass sich gerade in der Freizeit zeigt, was einem wichtig ist? Wenn die Pflicht erfüllt ist und jeder sich dem widmen kann, was ihm Freude macht, kann man einiges über einen Menschen erfahren. Egal ob Sport, Kunst, eine Vereinstätigkeit oder ein Ehrenamt, alle diese Beschäftigungen und Hobbies sollen ein Ausgleich sein, sollen Spaß machen – das ist auch gut so. Doch darf man auch fragen, bleibt für Gott in meiner Freizeit auch noch ein Platz? Plane ich auch einmal eine Gebetszeit, einen Gottesdienstbesuch, eine Wallfahrt oder eben das Lesen in der Heiligen Schrift ein? Keine Angst, Gott will uns nicht den Urlaub wegnehmen und erhebt keinen Anspruch auf unseren Feierabend. Gott nimmt uns nichts, sondern will uns alles schenken. Es ist zu wenig nur körperlich zur Ruhe zu kommen, der Mensch braucht auch eine geistige bzw. geistliche Erholung. Und mit Erholung ist eben nicht eine Zerstreuung, sondern eine Sammlung gemeint.

Deshalb hat Gott uns auch den Sonntag gegeben. Nicht weil er sich erholen musste, sondern weil er weiß, dass wir diesen Ruhetag brauchen, damit wir nicht in ein Hamsterrad von Arbeit und Geschäftigkeit geraten, aus dem es kein Entrinnen gibt. Egal ob jemand seine Arbeit sehr gerne tut und vielleicht sogar buchstäblich sein Hobby zum Beruf machen konnte, oder ob jemand unter den Bedingungen am Arbeitsplatz leiden, egal ob jemanden familiäre oder finanzielle Sorgen bedrücken oder Krankheit oder irgend eine andere Not da ist , jeder braucht eine Zeit, in der er von all dem aufschauen und den Blick zu Gott erheben kann.

Viele leiden unter einem großen beruflichen und gesellschaftlichen Druck. „Urlaub“ bei Gott hilft! Er selbst lädt uns ein: Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht. (Mt 11, 28)



Die Kirche ist jung! (17. August)

Wer in diesen Tagen nach Madrid blickt, erlebt auf eindrucksvolle Weise das jugendliche Antlitz der Kirche. Von vielen schon totgesagt, zeigt sich dem hoffnungsvollen Betrachter die Zukunft der Kirche in den hunderttausenden jungen Menschen, die sich um den Heiligen Vater Papst Benedikt XVI. versammelt haben, um mit ihm gemeinsam Christus zu begegnen.

In Zeiten eines ausgeprägten Jugendkultes, in dem viele den Druck verspüren die eigene Jugendlichkeit auf verschiedenste Weise zur Schau stellen zu müssen und auch die Kirchen leicht der Versuchung erliegen, sich bei den Jugendlichen anzubiedern, stellt sich die Frage, was denn die jungen Gläubigen am Papst finden. Was verbindet sie mit ihm? Warum hören sie ihm zu und hören auf das, was ihnen ein über achtzig Jähriger sagt? Warum lieben sie diesen alten Mann?

Papst Benedikt versteht es auf ganz schlichte, ungekünstelte Weise auf die Jugendlichen zu zugehen. Er verstellt sich nicht, ist authentisch und vertraut auf die Anziehungskraft der einmaligen Frohen Botschaft, die er den Mädchen und Burschen mitzugeben hat. Er traut, wie kaum jemand, den Jugendlichen zu, dass sie fähig sind, Christus zu begegnen, seinem Wort zu folgen und echte Zeugen zu sein. Wie sein Vorgänger, der bei früheren Weltjugendtagen die Jugendlichen als „Salz der Erde“, „Licht der Welt“ und „Wächter eines neuen Morgens“ bezeichnete, vertraut er darauf, dass die jungen Menschen durch eine lebendige Beziehung mit Jesus Christus die Kirche in die Zukunft führen werden.

Der Heilige Vater weiß, dass junge Menschen keine Angst vor Herausforderungen haben, sondern sie suchen. Er weiß, dass sie wachsen können, wenn man ihnen etwas zutraut. Den Weg mit Jesus zu gehen, ist niemals einfach – egal ob man alt oder jung ist, ob man zur Ehe oder zum Priester-oder Ordensstand berufen ist, ob man Hausfrau, Elektriker, Anwalt oder Bauer ist. Jeder muss um die Freundschaft mit Gott ringen, sich darum bemühen. Doch wer es wagt, wird auch dreißigfach, sechzigfach und hundertfach dafür belohnt.

Die Jugendlichen spüren, dass der Papst bei einem so großen Event wie dem Weltjugendtag nicht Jesus die Show stiehlt, sondern im Gegenteil, sein Beten, sein Zelebrieren, seine Ansprachen, seine demütige Freude und wahrhafte Liebe zu den jungen Menschen hilft allen, die dabei sind, mit ihm gemeinsam den Blick und das Herz zu Gott zu erheben. Jesus ist der Weg und zugleich das Ziel unseres Weges. Der Heilige Vater ist wie ein Kompass, wer an seiner Seite bleibt, kann den Weg nicht verfehlen.

Der Heilige Vater liebt die Jugendlichen! Doch nicht mit einer oberflächlichen, gefallsüchtigen Liebe, die ihnen nach dem Mund redet, sondern mit einer Liebe, die ihnen die Wahrheit zumutet- um ihres Heiles willen.

Im Herzen ist der Papst genauso jung wie diejenigen, denen er in diesen Tagen in Madrid begegnet. Das bleibt den jungen Christen nicht verborgen und diese Jugend, die aus der begeisterten und begeisternden Liebe zum dreifaltigen Gott kommt, verbindet den Papst und die Jugendlichen mehr miteinander, als sie ein paar Falten und Lebensjahre trennen könnten.

Wie sozial sind eigentlich Abtreibungen?10.August

Wie sozial ist eigentlich eine Abtreibung?

Gesundheitsminister Stöger will das Töten ungeborener Kinder in unserem Land erleichtern. Angesichts der Prognosen mancher Demografen, die uns ja schon jetzt das Aussterben voraussagen, frage ich mich, ob unser Gesundheitsminister so wenig Zukunft für unser Land sieht, dass er glaubt, diesen Prozess noch beschleunigen zu müssen. Schon jetzt werden jedes Jahr zwischen 30.000 (das sagen die Abtreibungsbefürworter) und über 50.000 (das sagen die Lebensschützer) Kinder abgetrieben. Lebend geboren wurden 2010 übrigens 78.742 Kinder. Da jedoch viele Politiker kaum langfristig, sondern hauptsächlich in Legislaturperioden denken, kann man nicht erwarten, dass sie sich um solche Nebensächlichkeiten wie die demografische Entwicklung des Landes kümmern können.

Die hinter dem Vorstoß des Ministers stehende Ideologie ist tödlich, wenngleich die Rede von Beendigung oder Unterbrechung einer Schwangerschaft verschleiert, was wirklich geschieht: Ein Menschenleben wird ausgelöscht. Anstatt die bei Einführung der Fristenregelung 1973 von SPÖ Bundeskanzler Kreisky versprochenen flankierenden Maßnahmen (Statistische Erhebung der Zahl der Abtreibungen, der Motive für die Abtreibung, die Trennung von beratendem und abtreibendem Arzt und die Einrichtung eines Hilfsfonds für Schwangere in Not) endlich umzusetzen, will Minister Stöger lieber dafür sorgen, dass das Geld des Steuerzahlers, der ja die öffentlichen Spitäler finanziert, dafür verwendet wird, unschuldige Kinder umzubringen und die finanziellen Mittel jenen vorenthalten werden, die – ungeachtet anderer Kriterien wie dem medizinischen Niveau – sich weigern diese lebensfeindliche Ideologie mitzutragen.

Welch ein Hohn wäre es, wenn auf der einen Seite in den Krankenhäusern um das Überleben frühgeborener Kinder mit aller Kraft gekämpft wird, während nebenan Abtreibungen durchgeführt werden. Welche Perspektive hätte ein junger Gynäkologe, wenn er sich aus Gewissensgründen weigert, abzutreiben? Wenn Abtreibungen in den öffentlichen Krankenhäusern Routine werden, wäre seine Karriere wohl beendet, bevor sie begonnen hat.

Was ist von einem Minister und seiner Partei zu halten, die sich zwar den Kampf für so genannte Frauenrechte auf die Fahnen schreiben, es jedoch nicht der Mühe wert finden, zu fragen, was Frauen überhaupt dazu bewegt, ihr Kind abzutreiben und nicht einmal wissen wollen, wie viele Abtreibungen es jährlich in unserem Land gibt. Sonst will man ja gerne sozial sein. Doch bedeutet sozial nicht, dort zu helfen, wo Not ist? Wird man den Frauen wirklich gerecht, wenn man sie nicht einmal fragt, welche Not sie denn dazu treibt, NEIN zum eigenen Kind zu sagen? Und wie sozial ist es, das wehrloseste und schutzbedürftigste Wesen, das man sich vorstellen kann, ein unschuldiges, ungeborenes Kind, in den ersten drei Monaten seiner Existenz für vogelfrei zu erklären. Die leicht und kostengünstig zugängliche Tötung eines Kindes zu fordern und zu fördern, ist das sozial?







Die Heiligen sind die wahren Reformer! (3.August)

Gedanken zum Gedenktag des Hl. Pfarrers von Ars!

Heute wird sehr viel über Erneuerung und Reform, besonders in der Kirche nachgedacht, geschrieben und diskutiert. Vielfach werden Reformen – gemeint konkrete Maßnahmen – auch eingefordert. Manche erwarten sich das Heil vor allem durch strukturelle Veränderungen.

Die Kirche war schon oft in Situationen, wo man glaubte, jetzt ist es aus. In der Reformationszeit glaubte man, dass nördlich der Alpen die katholische Kirche abdanken werde, bis dann Petrus Canisius kam. Als Pius VI., ein Gefangener Napoleons, starb, jubelten viele und meinten, das Ende der Kirche sei überhaupt gekommen, aber gekommen ist bald das Ende Napoleons und Papst und Kirche hatten ein Ansehen wie schon lange nicht.

Wenn man die Kirchengeschichte betrachtet, kann man unschwer erkennen, dass die eigentlichen Reformer immer die Heiligen waren. Alle hatten sie eines gemeinsam. Sie haben die Kirche geliebt, sie lebten den Gehorsam und wurden zu Werkzeugen Gottes, indem sie die Reform bei sich begannen.

Ein Beispiel davon ist der Heilige Pfarrer von Ars, dessen Gedenktag morgen, am 4. August gefeiert wird. Er wurde als Pfarrer in das abgelegene Dorf Ars geschickt, vielleicht weil man meinte, dort könne der vielen als zu wenig gebildet erscheinende Priester nichts anstellen.

Dort begann Joahnnes Maria Vianney zu wirken, indem er besondere Schwerpunkte setzte. Die Eucharistiefeier, die Beichte und die Katechese.

Der Pfarrer von Ars feierte die Heilige Messe mit einer solchen Ergriffenheit, dass die Gläubigen spürten, was jetzt wirklich in der Messe geschieht. Sie wurden geradezu hineingezogen in dieses Geschehen. Der Pfarrer von Ars sagte einmal über die Messe: Ein Messopfer ist mehr wert als alle guten Taten der Menschen. Denn die Messe ist das Werk Gottes.

Der Heilige Pfarrer von Ars war ein begnadeter Beichtvater. Das Wirken der Barmherzigkeit Gottes in der Beichte wurde durch diesen demütigen Priester so klar erfahrbar, dass mit der Zeit unzählige Gläubige aus vielen Gebieten Frankreichs zu ihm kamen, um zu beichten. Jahrelang saß er bis zu 18 Stunden täglich im Beichtstuhl und ließ die Gnade der Versöhnung fließen. So reichte seine Wirksamkeit weit über Ars hinaus und ist durch alle Zeiten hindurch in der Weltkirche gegenwärtig.

Der Heilige Pfarrer von Ars legte auch großen Wert auf Predigt und Katechese. Neben dem Beichtstuhl und dem Altar war die Kanzel der wichtigste Ort für ihn. Man kann Gott nur lieben, wenn man ihn auch kennenlernt.

Heute stehen wir vor vielen, komplizierten Problemen. Trotzdem scheint eine Erneuerung sehr einfach zu sein. Die Heilige Messe wiederentdecken als Quelle und Gipfel unseres Tuns, die Barmherzigkeit Gottes wieder entdecken vor allem im Sakrament der Busse und die Katechese, die Glaubensvermittlung wieder fördern, wo immer es geht.

Wenn diese drei Quellen wieder mehr zu sprudeln beginnen, dann werden Ströme lebendigen Wasser fließen, das geistliche Leben wird aufblühen in einzelnen Menschen, in Pfarren und Diözesen, in Ordensgemeinschaften und Bewegungen, in der ganzen Kirche. Der Pfarrer von Ars wurde durch seine Demut ein Werkzeug Gottes. Die Heiligen machen deutlich, dass die Kirche SEIN Werk ist. Jeder Getaufte ist berufen, nach Heiligkeit zu streben und SEIN Werkzeug zu werden. Darin liegt der eigentliche Beitrag zur wahren Reform!

Das oder der Böse? (27. Juli)

Gegenwärtig ist die Welt erschüttert vom unglaublichen Mord an insgesamt 76
Personen in Norwegen.
Der Mörder, der alles eiskalt geplant hatte, hat auch den Wunsch gehabt,
öffentlich einvernommen zu werden und will die Zeit nach seiner Festnahme
als "Propagandaphase" nutzen.

In den Medien liest man überall vom Entsetzen, von der Betroffenheit etc.
über diese Wahnsinnstat. Sofort stellt sich die Frage, wie konnte das
passieren, wie kann man solche Dinge verhindern? Viele Experten wie
Psychologen, Pädagogen etc. werden gefragt und sagen viel Gescheites dazu.
Es wird auch versucht, den Täter weltanschaulich einzuordnun und aus der
Wahnsinnstat ideologisches Kapital zu schlagen.

Am Telefon sagte mir jemand zu diesen Fragen. Ich glaube, der Täter von Oslo
ist nicht krank, er ist böse, er hat sich dem Bösen geöffnet.

Wenn man als Katechet oder Pfarrer von der Erbsünde redet oder davon
spricht, dass es das personale Böse wirklich gibt, dann erntet man oft
Unverständnis oder sogar heftige Kritik. Kardinal Meisner sagte einmal
sinngemäß: Als die Pfarrer aufhörten, von der Hölle zu predigen, begannen
die Menschen, diese auf der Erde einzurichten.

Es gibt nicht nur das Böse, sondern auch den Bösen. Wenn man seine
Wirksamkeit überbetont oder leugnet, dann tut man ihm den größten Gefallen.
Je mehr man die personale Existenz des Bösen leugnet, desto ungehinderter
kann er überall eindringen. Auch wenn wir uns vom Bösen verabschieden, verabschiedet er sich nicht von uns.

Sehr viele Medien tragen dazu bei, die Menschenherzen für das Böse zu
öffnen, indem sie dessen eigentlichen Ursprung verleugnen, indem sie dem
Bösen viel Raum geben in Nachrichten, in Filmen etc. Das Böse wird hofiert,
vervielfältigt und überall gegenwärtig gehalten.

Es gäbe viele Möglichkeiten, dem Guten Raum zu geben, an das Edle im
Menschen zu apellieren, die Entfaltung von Tugenden zu fördern, die Familie
zu unterstützen, ja, Gott in den Mittelpunkt zu stellen, im Theater, im
Film, in der Literatur, im Fernsehen, in Zeitungen. Es gäbe viele
geistliche Mittel, das Gute zu fördern wie das Gebet, die Beichte,
Gottesdienste, das Wort Gottes, die Verehrung von Heiligen.

Das Böse verhindert man am besten, indem man sich dem Guten öffnet. Und ER
allein ist wirklich gut.

Heimat großer Söhne und Töchter (21. Juli)

In Österreich soll der Text der Bundeshymne geändert werden. So hat es eine große Mehrheit der Abgeordneten in Wien vereinbart. Es soll nicht nur Heimat bist du großer Söhne, sondern großer Töchter, Söhne heißen. Eine große Mehrheit der Bevölkerung ist laut Umfragen dagegen, die demokratisch gewählten Vertreter sind jedoch mehrheitlich dafür. Wahrscheinlich wären jene Frauen, die zu Recht als große Töchter unseres Landes bezeichnet werden können, beschämt über diese Änderung, da wahre Größe solcher Äußerlichkeiten nicht bedarf.
Abgesehen davon, dass man einen poetischen Text nicht verändern dürfte, denken sich viele Menschen, ob denn die Politiker gegenwärtig keine
wichtigeren Aufgaben sehen, als sich hier gegen den Willen des Volkes zu profilieren?

Wenn die Entwicklung so weitergeht, dann könnte man sich ja bald fragen, ob man den betreffenden Passus in der Bundeshymne nicht bald wird streichen können. Denn die großen Söhne und Töchter rücken immer mehr in die ferne Vergangenheit.
Leben wir nicht in einer Zeit des Niederganges, der Mittelmäßigkeit, in einer Zeit der Nivellierung. Wahrhaft große Söhne und Töchter haben in unserer Zeit gar keine Chance, sich als solche zu entfalten, weil jegliche Größe abgelehnt wird und man Eliten misstrauisch gegenüber steht. Immer mehr regiert die politische Korrektheit, die Angepasstheit, der Opportunismus. In einem solchen Klima kommt kaum Großes zum Vorschein. Auch in der Kirche ist dieser Trend zu bemerken.

Im Stephansdom wurde beim Requiem für Otto von Habsburg die Kaiserhymne gesungen. Gott erhalte, Gott beschütze ... Ist uns und unseren Politikern nicht das Wissen abhanden gekommen, dass ohne Gott kein gerechtes Regieren möglich ist, ja eigentlich gar kein Regieren. Jesus selbst sagte zu Pilatus: "Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre. (Joh 19,11) Die Urchristen haben für
den jeweiligen, damals heidnischen römischen Kaiser gebetet, sogar in Zeiten der Verfolgung.

Heute wäre es mehr denn je wichtig, besonders für die Politiker zu beten, dass sie ihre Verantwortung vor Gott erkennen, dass sie Gott mehr gehorchen als den Menschen, dass sie das Gemeinwohl vor das Eigenwohl stellen. Die Christen haben den Auftrag, sich in der Politik einzubringen und für die Politiker zu beten. Wenn viel gebetet wird, kann Gott große Söhne und Töchter aus einem Volk hervorgehen lassen. Dann kann unsere Heimat wahrhaft Heimat bleiben.

Ökumene oder neue Spaltung? (13. Juli)

Seit Jahrzehnten gibt es vermehrte Bemühungen um die Ökumene, ein Streben nach Einheit unter den Christen. Dieses besondere Anliegen, das auch das II. Vat. Konzil betont hat, ist von großer Bedeutung, weil Einheit ein Wesenmerkmal der Kirche Christi ist und auch für alle Christen gelten sollte. Die Spaltungen unter Christen sind ein Ärgernis. Sie entsprechen nicht dem Willen Jesu, der vor seinem Abschied um Einheit gebeten hat.

Seit fast 500 Jahren leiden wir unter den Folgen der Reformation, einer unseligen Spaltung. Luther wollte eine Kirchenreform, er bewirkte eine Spaltung, die latent bereits vorhanden war. Es bedurfte nur mehr eines Funkens. Der Kirchenhistoriker Hubert Jedin stellte einmal fest, daß die Kirchenspaltung der Reformation durch nichts so sehr gefördert wurde als durch den Glauben, daß sie nicht vorhanden sei.

Umso tragischer scheint es, wenn man beobachtet, wie in unseren Landen seit Jahrzehnten die innere Kirchenspaltung betrieben, gefördert und vertieft wird. Jüngster Höhepunkt war der „Aufruf zum Ungehorsam“ der sogenannten Pfarrer-Initiative am Dreifaltigkeitssonntag. Die Heilige Katharina bezeichnet den Ungehorsam als großes Übel. Wenn ausgerechnet Pfarrer, die den Gehorsam bei der Weihe gelobt haben, zum Ungehorsam aufrufen, dann müsste man an den Spruch eines Heiligen denken, der da lautet: „Omne malum a clero“, alles Übel kommt vom Klerus.

Der Priester hat durch die Weihe eine besondere Vollmacht, den Menschen das höchste Gut zu bringen, Gott, besonders in der Eucharistie und durch die Sündenvergebung. Wenn der Priester sich bemüht, sein Gehorsamsversprechen zu leben, kann er viel Segen erwirken, wenn nicht, dann kann er viel Unheil in den Seelen der Menschen anrichten.

Jesus war gehorsam bis zum Tod am Kreuze. Wir Christen sind berufen, IHM nachzufolgen. Deshalb ist der Gehorsam gegenüber Gott und der Kirche eine Tugend. Die Heilige Katharina sagt über den „heiligen Gehorsam“ in einem Brief an Novizen: Er „hält die Schuld der Todsünde fern und sichert uns das Leben der Gnade“, „wenn die Tugend der Demut wächst, wächst auch die Tugend des Gehorsams. Und dann seht ihr, wie es rascher vorwärtsgeht.“
Vom Ungehorsam sagt sie, daß er „die Seele der Gnade beraubt“. Die Ungehorsamen sind „noch ganz gefangen in der Eigenliebe“, „ verlangen begierig nach den Freuden der Welt“ und „kosten schon in diesem Leben das Unterpfand der Hölle“. Sie schreibt, daß alles Übel vom Ungehorsam kommt, weil er uns Menschen die Liebe und die Demut raubt, ebenso die Geduld, das Mark der Liebe.

Sie schreibt weites: „Es ist also die Liebe, die uns geduldig und gehorsam macht und die uns salbt mit vollkommener Demut.“ „Bleibt in der heiligen und zärtlichen Liebe Gottes“ und schließt den Brief mit den Worten „seid ein Spiegel des Gehorsams!“
Wenn wir das Streben nach Ökumene ernst meinen, dann sollen wir zuallererst in Demut für die Einheit innerhalb der Kirche arbeiten, beten und leiden.

Dekan Ignaz Steinwender

Heimat bist du großer Söhne (7. Juli 2011)

Als wir in der Pfarre Zell erfuhren, dass Otto von Habsburg gestorben sei, hat der Mesner die Sterbeglocke der Pfarrkirche Zell geläutet. Einige, die sich darüber wunderten, haben von Otto von Habsburg wohl nicht mehr gewusst, als was man halt in unseren Medien zu lesen bekam, in einem Land, dass viele seiner großen Söhne nicht erkannt und nicht geachtet hat.

Ich erinnerte mich bei dieser Todesnachricht vor allem an zwei wichtige Momente die ich persönlich erlebt habe, an den 3. Oktober 2004 und an den 27. und 28. März 2009.

Zum Ersten: Als die Seligsprechungsfeier von Kaiser Karl, dem letzten Kaiser der Österreichisch-Ungarischen Monarchie am 3. Oktober 2004 zu Ende war, stand ich mit dem Mesner von Maria Rast Peter Huber am Petersplatz und sah, wie sich zwei überragende Persönlichkeiten vor den Augen tausender Menschen begegneten. Der inzwischen seliggesprochene große Papst Johannes Paul II., der Sohn eines altösterreichischen Offiziers und Otto von Habsburg, der Sohn des neuen Seligen, der Thronfolger der Habsburgermonarchie. Dem Mesner und mir war bewusst: Das ist ein historischer Moment in der europäischen Geschichte: Die bedeutendsten Symbolgestalten des christlichen Europas aus Kirche und Politik trafen sich auf höchster Ebene. Es war ein ergreifender, bewegender Moment, als sich beide die Hand schüttelten.
Die Ungarn waren bei dieser Feier stark vertreten, kirchlich und auch politisch. Man spürte geradezu ihren Stolz auf den neuen Seligen. Die Österreicher hingegen waren schlecht vertreten, kirchlich und politisch. Die Ordinariate hatten wenig oder nichts getan, um Gläubige zur Teilnahme an der Seligsprechung zu motivieren.

Zum Zweiten: Als Otto von Habsburg am 27. März 2009 in unsere Pfarre Zell am Ziller kam, um einen Vortrag zum Thema Andreas Hofer, seine Zeit und seine Botschaft für uns heute, zu halten, da sind mir einige Dinge in Erinnerung geblieben. Der Mensch, der Politiker und der Christ Otto von Habsburg.
Als Mensch erschien er mir ganz einfach, offen und dankbar und mit einer vornehmen Höflichkeit. Sein Realismus war gepaart mit einem Optimismus, wie ihn nur jemand haben kann, der von der christlichen Hoffnung getragen wird.
Der Christ Otto von Habsburg kam vor allem auch zum Ausdruck in seiner Dankbarkeit. Mehrmals bedankte er sich bei mir dafür, dass wir die Veranstaltung mit einer Heiligen Messe begonnen hatten. Der Christ kam natürlich auch in seinem Vortrag zum Ausdruck, in dem er zuerst auf die gegenwärtige Wirtschaftskrise zu sprechen kam, dann als tiefere Ursache die moralische Krise erwähnte und schließlich zum eigentlichen Problem, nämlich der Abwesenheit von Gott aus der Öffentlichkeit und der EU-Verfassung zu sprechen kam. Seine Aussage, dass Andreas Hofer vor allem als Christ gekämpft hatte und als Christ gefallen ist, war eine wichtige Botschaft für heutige Christen, das christliche Erbe Andreas Hofers weiterzutragen.
Beim Frühstück am nächsten Tag konnte ich den Politiker Otto von Habsburg näher kennenlernen. Er erinnerte sich, wie er die Versuche Hitlers, mit ihm Kontakt aufzunehmen, abgewehrt hatte, wie er Schuschnigg angeboten hatte, im Februar 1938 die Regierungsgeschäfte Österreichs zu übernehmen und bereit gewesen wäre, sich gegen Hitler zu verteidigen. Er wies mich darauf hin, dass es neueres Archivmaterial gäbe, wonach eine Widerstand Österreichs gegen Hitler in der deutschen Armee möglicherweise zu einer Zerreißprobe geführt hätte. Er erzählte mir u. a., wie er sich an der holländischen Grenze mit Pater Muckermann traf und von einem jungen Priester hochbrisantes Informationsmaterial aus höchsten NS-Kreisen über deren Pläne und Ziele übernahm, um es der Botschaft in Paris zur Weitergabe an Präsident Roosevelt zu überbringen. Er erzählte von Teddy Kollek, dem Jerusalemer Bürgermeister, den er persönlich kannte und vom Heiligen Vater Benedikt XVI., der ihn damals als einziger Bischof unterstützt hatte, als kirchliche Kreise wegen seiner Kandidatur für den Europarat über ihn hergefallen waren. Ich hatte Gelegenheit, ihn über seine Ansicht zu Putin, Obama und viele andere Themen zu fragen.

Mein Doktorvater sagte mir ein mal sinngemäß. Ich glaube, dass es uns in Österreich immer noch relativ gut geht, weil der Selige Kaiser Karl die Hand über uns hält. Otto von Habsburg war ein großer Europäer. Er hat viel für Österreich getan, aber gegolten hat er in Österreich wenig bis nichts, in einem Land wo die Profillosigkeit in Politik und Kirche immer mehr um sich greift. Die Sterbeglocke erinnert daran, dass jemand verstorben ist, dass man für ihn beten soll. Ich bin überzeugt, dass Otto von Habsburg weiter wirken wird, auch für diejenigen, die ihn nicht erkannt und geachtet haben.

Dekan Ignaz Steinwender

Wie ist das eigentlich mit der Erbsünde (8.12.)

Alljährlich zum Fest Mariä Empfängnis werden Befragungen präsentiert, die belegen, wie wenig der Inhalt dieses Festes noch im Bewusstsein der Menschen ist. Wir feiern, dass Maria von ihrer Empfängnis an von der Erbschuld und deren Folgen bewahrt geblieben ist. Nun wissen aber auch viele mit dem Begriff Erbsünde oder Erbschuld nichts mehr anzufangen. Zuerst können wir uns fragen, wie es denn vor dem so genannten Sündenfall war. Im Katechismus lesen wir dazu: „Gott hat den Menschen nach seinem Bilde geschaffen und in seine Freundschaft aufgenommen. Als geistbeseeltes Wesen kann der Mensch diese Freundschaft nur in freier Unterordnung unter Gott leben.“ Gott verlangt nicht viel, nur dass die ersten Menschen nicht vom „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ essen sollen. Mit dem Auftreten der Schlange, sie steht für den Widersacher, den Vater der Lüge, den „Diabolus“, die in das Menschenherz das Misstrauen gegenüber Gott sät, nimmt das Übel seinen Lauf. Sie redet den Menschen ein, dass Gottes Verbot nur verhindern solle, dass sie – Adam und Eva – selbst wie Gott würden. Sie suggeriert, dass Gott ihnen etwas vorenthalten wolle. Beide, sowohl die Frau als auch der Mann werden schwach und glauben der Schlange mehr als Gott. Die Folgen sind fatal: Sie erkennen ihre Nacktheit. Was vorher völlig natürlich war, das Vermögen dem anderen auch in seiner Nacktheit mit einem reinen Blick zu begegnen, war verloren gegangen, so machen sie sich Kleidung. Die Freundschaft mit Gott ist gebrochen. Sofort beginnen die gegenseitigen Schuldzuweisungen. Als Gott Adam zur Rechenschaft zieht, hat er die Frechheit zu antworten: Die Frau, die du mir beigesellt hast, hat mir von dem Baum gegeben, und so habe ich gegessen.“ (Gen 3, 12). Eva hingegen schiebt die Schuld auf die Schlange. Was Gott dann gegen die Menschen ausspricht ist keine Strafe, sondern einfach die Konsequenz ihres Handelns, der Verlust des Paradieses. Für Eva (und alle Frauen) bedeutet das: „Viel Mühsal bereite ich dir, sooft du schwanger wirst. Unter Schmerzen gebierst du Kinder. Du hast Verlangen nach deinem Mann, er aber wird über dich herrschen.“ (Gen 3,16) Für Adam (und alle Männer): „So ist verflucht der Ackerboden deinetwegen. Unter Mühsal wirst du von ihm essen alle Tage deines Lebens. Dornen und Disteln lässt er dir wachsen und die Pflanzen des Feldes musst du essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Ackerboden, von ihm bist du ja genommen. Denn Staub bist du und zum Staub musst du zurück.“ (Gen 3, 17b) Und ist es nicht das, was wir im täglichen Leben erfahren? Die gegenseitigen Schuldzuweisungen, dass Misstrauen gegenüber Gott, der uns alles verbietet, was Spaß macht, die Mühe, die uns unsere tägliche Arbeit bereitet, die Verletzungen in den Beziehungen zwischen Mann und Frau und die Missverständnisse gerade im Bereich der Sexualität?
Durch die Erbsünde ist der Mensch (nicht Adam als einzelner, sondern die ganze Menschheit) verwundet. Wir haben einen Hang zum Bösen, das Gute zu tun fällt uns oft schwer. Ohne die Lehre von der Erbsünde könnte ich mir das tägliche Leben kaum erklären. Sie eröffnet uns einen realistischen Blick auf den Menschen. Unser Glaube gibt uns aber zugleich auch Hoffnung. Im Katechismus heißt es: Der Mensch ermangelt (durch die Erbsünde, Anm.) der ursprünglichen Heiligkeit und Gerechtigkeit, aber die menschliche Natur ist nicht durch und durch verdorben, wohl aber in ihren natürlichen Kräften verletzt. Sie ist der Verstandesschwäche, dem Leiden und der Herrschaft des Todes unterworfen und zur Sünde geneigt;… Indem die Taufe das Gnadenleben Christi spendet, tilgt sie die Erbsünde und richtet den Menschen wieder auf Gott aus, aber die Folgen für die Natur, die geschwächt und zum Bösen geneigt ist, verbleiben im Menschen und verpflichten ihn zum geistlichen Kampf.“ (KKK 405)
Was für ein wichtiges Wort für uns Christen: Wir müssen einfach wissen, dass das Leben ein Kampf ist, auch in geistlicher Hinsicht! An unserer Seite geht die Muttergottes, die von Anfang an von der Erbschuld bewahrt wurde. Was Jesus durch sein Erlösungsopfer für alle Menschen errungen hat, wurde ihr schon im Voraus zuteil. Sie war ohne Erbsünde und blieb ihr Leben lang ohne persönliche Sünde. Doch auch sie war frei wie Adam und Eva, doch hat sie ihre Freiheit nicht missbraucht, sondern hat sich freiwillig ganz dem Liebesplan Gottes untergeordnet. „Dieser „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ erinnert sinnbildlich an die unüberschreitbare Grenze, die der Mensch als Geschöpf freiwillig anerkennen und vertrauensvoll achten soll. Der Mensch hängt vom Schöpfer ab, er untersteht den Gesetzen der Schöpfung und den sittlichen Normen, die den Gebrauch der Freiheit regeln.“ (KKK396)
Auch in unserer Zeit und in unserem persönlichen Leben gibt es diese Versuchung, die Ordnung Gottes außer Kraft zu setzen, unsere Geschöpflichkeit zu leugnen und selbst Herr sein zu wollen, die Normen, die uns ins Herz geschrieben sind, zu ignorieren. Das Fest Mariä Empfängnis soll uns auch daran erinnern, dass die göttliche Ordnung ein Rahmen ist, in dem allein der Mensch das Heil finden kann.

Kürzlich habe ich in einem Mail das folgende Zitat von Taizé-Gründer Roger
Schutz gelesen: „Lebe das, was du vom Evangelium begriffen hast.“ Seither
ist mir dieser Satz nicht aus dem Kopf gegangen und ich habe viel darüber
nachgedacht, wie er wohl gemeint sein könnte. In dem Zusammenhang, in dem er
verwendet wurde, hatte ich zuerst den Eindruck, dass man ihn leicht in der
Richtung missverstehen könnte, dass man „nur“ das zu leben braucht, was man
eben verstanden hat. Das widerstrebte mir sehr und ich kann mir auch nicht
vorstellen, dass Roger Schutz es so gemeint hat, dass man Inhalte, Gebote,
Weisungen der Heiligen Schrift außer acht lassen kann, nur weil man momentan
deren Sinn nicht vollständig erfasst. Dabei muss man auch erwähnen, dass die
Fähigkeit, etwas zu verstehen, auch mit dem Willen, etwas zu verstehen,
zusammenhängt. Jeder Gläubige ist natürlich dazu aufgerufen, die göttlichen
Gebote mit Hilfe des kirchlichen Lehramts verstehen zu lernen. Der Heilige
Vater wird nicht müde, zu betonen, dass unser Glaube ja der Vernunft
zugänglich ist. Unser Glaube ist nicht blind, sondern jeder ist
aufgefordert, sich vernünftig damit auseinanderzusetzen, so dass er ihn
verstehen lernt. Trotzdem gibt es auch einen Gehorsam, der verlangt, dass
man als Katholik auch in Bereichen, wo die Lehre auf den ersten Blick für
mich nicht verständlich ist, darauf vertraut, dass die Kirche als ganze die
Wahrheit lehrt und ich dem Lehramt getrost folgen kann. Am Beispiel der
Empfängnisverhütung lässt sich das Gesagte veranschaulichen: Jemand weiß,
dass die Kirche künstliche Verhütungsmittel ablehnt, kennt aber die
Argumente und Erklärungen dafür nicht. Er oder sie soll sich dann bemühen,
durch gute Lektüre (zB die Enzyklika Humanae Vitae oder Bücher über die
Theologie des Leibes), Gespräche mit einem treuen Seelsorger oder mit
Ehepaaren, die nach der kirchlichen Lehre leben, die Gründe mit der Vernunft
zu erfassen, damit eine bewusste Entscheidung gefällt werden kann. Das
Argument „weil es die Kirche sagt“ reicht eben nicht aus und die Kirche
verlangt auch nicht diesen blinden Gehorsam. Dieser Prozess braucht jedoch
Zeit und es ist gut für einen gläubigen Menschen auch, während dieser Zeit
der Beschäftigung schon im Gehorsam zu leben. Es kann auch eine Hilfe sein,
auf andere Bereiche des Glaubenslebens zu blicken, wo man bereits erfahren
hat, dass die Kirche die Wahrheit lehrt. Ich kann dann leichter darauf
vertrauen, dass das Lehramt dann auch in den anderen Fragen nicht irrt.
Doch zurück zum Ausgangspunkt, dem Zitat von Roger Schutz. Ich glaube, er
könnte gemeint haben, dass Menschen, die zum Glauben kommen, sofort damit
beginnen sollen, diesen auch zu leben. Nicht erst warten bis man in allen
Bereichen bekehrt und belehrt ist, nicht warten bis man alles verstanden hat
und perfekt ist, da dieser Tag mit größter Wahrscheinlichkeit nicht kommen
wird. Wenn ich zB erfasst habe, dass es bei der Beichte nicht um die Neugier
des Priesters geht, der meine Sünden wissen will, sondern dass mein Erlöser
selbst im Beichtstuhl ist und mir in seiner Barmherzigkeit alles verzeihen
will, dann soll ich damit beginnen beichten zu gehen, selbst wenn ich noch
gar nicht alles, was in meinem Leben Sünde ist, schon als solche erkennen
kann. Dass ich mich aber auch um Wachstum im Glaubenswissen bemühen soll,
wurde schon gesagt.
Als letzter Gedanke ist mir schließlich gekommen, dass die Aussage doch eine
ziemliche Herausforderung enthält. Gerade die Evangelien sind eigentlich
nicht sehr schwierig zu verstehen. Jesus ist in seinen Aussagen klar und
deutlich, sei es wenn er über die Ehe spricht oder darüber, dass man nicht
zwei Herren dienen könne oder dass er ermahnt: Sündige von jetzt an nicht
mehr. In den meisten Fällen wird man nicht sagen können, dass man nicht
versteht, was Jesus sagt. Das Problem heute ist eher, dass die Menschen die
Aussagen Jesu nicht mehr kennen. Wer nicht regelmäßig zum Gottesdienst kommt
und selbst in der Heiligen Schrift liest, kennt Gott nicht oder nur
bruchstückhaft. Dieses Halbwissen wird für ein Leben aus dem Glauben nicht
reichen oder es wird nur eine Karikatur des Katholischen Glaubens sein.
Deshalb lese ich aus Roger Schutz´ Worten vor allem eines heraus, die
Ermutigung das Evangelium kennen zu lernen und verstehen zu wollen.