Fasching und Fastenzeit - Humor und Ernst
In dieser Woche beenden wir im weltlichen Kalender den Fasching, der mit heutigem Tag endet und treten dann als Gläubige gemäß dem kirchlichen Kalender in die Fastenzeit ein. Ist dies ein Gegensatz? Ich glaube nicht!
Der Fasching hat in der Gesellschaft eine wichtige Aufgabe. Er soll dem Leben, das allzu leicht in einen tierischen Ernst gerät, eine gewisse Würze geben, aus dem grauen Alltag herausheben und helfen, das Leben mehr von der heiteren, gelassenen Seite zu sehen. Und es ist auch gut, wenn im Fasching manche Dinge humorvoll zum Vorschein kommen, die man sonst nicht so sagen könnte.
Natürlich gibt es auch Missverständnisse, Ausuferungen oder Verzerrungen, die dem Fasching einen schlechten Ruf einbringen bzw. eingebracht haben. Wer kennt nicht jenes Gefühl: Man sitzt in einer Faschingsversammlung oder schaut sich eine solche im Fernsehen an und es werden verschiedene Dinge dargeboten. Dann stockt einem plötzlich der Atem, eine Szene ist so derb, stockdumm, dass es einigen Zuhörern geradezu peinlich wird. Die Peinlichkeit wird noch erhöht durch das oberflächliche Lachen von Zuhörern, die sich an der Derbheit ergötzen. Wirklich schlimm wird es aber dann, wenn nicht einmal vor dem Wertvollsten halt gemacht wird, wenn über Heiliges wie z. B. über Sakramente gespöttelt, gelacht oder sogar gelästert wird, und das von oder in Gesellschaft von Christen. Dag würde man dann am Liebsten weggehen, um nicht dabei gewesen zu sein.
Eine wahre Bereicherung ist der Fasching, wenn ein geistvoller Humor zum Ausdruck kommt.
Dieser Humor ist die Fähigkeit, zu sich selbst Distanz zu haben, über sich selbst lachen zu können, eben das Gegenteil von Humorlosigkeit, einer Form von Verstocktheit, wo jemand auf sich selbst beschränkt ist und nichts wichtig nimmt außer sich selbst.
Der wahre Humor ist weiters die Fähigkeit, in schwierigen Lebenslagen und bei großen Problemen trotzdem noch heiter sein zu können, eben nicht alles tierisch ernst zu nehmen.
Der wahre Humor ist intelligent. Die Selbstdistanz verleiht dem Menschen einen großen Spielraum für Kreativität und gibt ihm so einen großen Einfallsreichtum.
Es ist kein Zufall, dass Leute mit einem lebendigen Glauben zum Humor neigen. Wer Christus kennt und in IHM verwurzelt ist, kann leichter über sich selbst lachen und viele Schwierigkeiten gelassen tragen.
Christus befreit uns von der dummen Derbheit zum fröhlichen Humor, vom tierischen Ernst zum heiligen Ernst. Weil wir das Heilige ernst nehmen, können wir über alle menschlichen Dinge lachen.
So ist ein heiterer Fasching eine gute Vorbereitung für ein ernsthaftes Bemühen in der Fastenzeit, die wiederum hineinführt in die Freude der Auferstehung, in das befreiende Osterlachen.
Ignaz Steinwender
Wenn Menschen Gott spielen (16.2.)
Die Geburt eines spanischen Babys macht momentan Schlagzeilen. Es handelt
sich um ein so genanntes Designerbaby, das im Reagenzglas gezüchtet wurde,
um seinem kranken Geschwisterchen als Lebensretter zu dienen. Laut
Medienberichten könne der fünfjährige Bruder durch die bei der Geburt
gewonnenen Stammzellen gerettet werden. In Österreich ist ein solches
Vorgehen zu Recht verboten, da dafür mehrere Kinder gezeugt, im
Embryonalstadium untersucht und schließlich alle, bis auf jenes, das die
gewünschten Eigenschaften besitzt, getötet oder wenn es das Gesetz erlaubt
- für medizinische Experimente weiterverwendet werden.
Nun wird dieser Fall gewiss kein Einzelfall bleiben, im Gegenteil, es werden
andere Anwendungen der vorgeburtlichen Selektion dazukommen, etwa um
Knochenmarks- oder Organspender für kranke Geschwisterkinder zu erhalten.
Ein Kind sollte aber doch aus Liebe und um seiner selbst willen gezeugt
werden, und nicht um als Ersatzteillager für seine älteren Geschwister
dienen zu müssen. Dieses Vorgehen widerspricht der Würde des Menschen und
macht ihn zu einem Nutzobjekt.
Dem Menschen gemäß ist es, durch die liebevolle Umarmung seiner Eltern
gezeugt zu werden, vorbehaltlos geliebt und angenommen zu sein, ohne gewisse
Kriterien (sei es die genetische Übereinstimmung mit einem Geschwisterchen
oder was ebenfalls stark auf dem Vormarsch ist einen Gencheck, der
bestimmte Erbkrankheiten ausschließt) zu erfüllen. Die
Präimplantationsdiagnostik, also ein Gencheck, kann aber nicht nur zum
Ausschluss bestimmter Krankheiten angewendet werden, sondern auch das
Geschlecht oder andere man möchte meinen nebensächliche Merkmale können
bestimmt werden und darüber entscheiden, welcher Embryo eingesetzt wird.
Durch das oben geschilderte Verfahren, entsteht ein neuer Mensch in der
Kälte und Einsamkeit eines Labors im Reagenzglas. Entspricht er nicht den
Vorstellungen, wird er entsorgt oder weiterverwertet. Aus menschlichen
Embryonen lassen sich allerhand kosmetische und medizinische Produkte
herstellen.
Manche argumentieren mit dem medizinischen Fortschritt und versprechen sich
Heilung und längeres Leben durch solch fragwürdige Techniken. Es kann nicht
laut genug und oft genug gesagt werden, dass der Zweck nicht die Mittel
heiligt. Gesundheit ist ein hohes Gut, und der Mensch darf und soll danach
streben, sie zu erhalten, doch nicht um jeden Preis!
In Diskussionen über solche Themen habe ich schon öfter den Vorwurf gehört,
dass man ja leicht urteilen könne, wenn man selbst nicht betroffen sei. Man
könne erst sagen, wie man sich selbst entscheiden würde, wenn man in eine
vergleichbare Situation kommt. Ich glaube, dass das falsch ist. Ich bin
eigentlich sogar vom Gegenteil überzeugt. Wenn man nicht betroffen ist, wenn
man selbst und die Angehörigen gesund sind, wenn man eben nicht durch die
Ängste und Befürchtungen, durch den Druck der Umgebung oder der Ärzte oder
durch die Verzweiflung angesichts einer aussichtlosen Lage in seinem
Urteilsvermögen getrübt ist, dann muss man grundsätzliche Entscheidungen
treffen. Zum Beispiel: Ich werde keine medizinischen Methoden in Anspruch
nehmen, bei denen Embryonen getötet werden.
Ähnliches gilt auch für Abtreibung oder Sterbehilfe. In guten Zeiten
überlegen und entscheiden, nur dann hat man auch die Kraft im Ernstfall zu
bestehen.
Von Priestern und Müttern
Es gibt heute zwei Berufsgruppen, die gesellschaftlich einen schweren Stand haben. Vielleicht weil es bei ihnen eben um mehr geht, als um einen Beruf, nämlich um eine Berufung und die damit verbundene Lebensweise. Gemeint sind Priester und Mütter. Wenn es auch auf den ersten Blick so aussieht, als hätten diese beiden Lebenswege kaum Gemeinsamkeiten, so gibt es doch vieles, was sie miteinander verbindet, oder wo sie sich gegenseitig ermutigen können.
Beide haben einen 24-Stunden-Job, sind für die ihnen Anvertrauten immer auf Abruf bereit und scheuen keine Mühe, wenn es um das Heil der anderen geht. Bei beiden steht das Dienen im Mittelpunkt. Und damit ecken sie wohl an in einer Ellbogengesellschaft, in der sich jeder selbst der nächste ist.
Beiden wird von der Gesellschaft suggeriert, dass in ihrem Leben eigentlich etwas Wichtiges fehle: dem Priester eine sexuelle Beziehung, der Mutter ein richtiger Beruf. Anstatt den jungen Männern zu sagen, dass ein Leben in der Nachfolge Christi wirklich ganz erfüllen kann und die jungen Frauen dazu zu ermutigen, ganz Mutter zu sein, wird Unzufriedenheit, Zweifel und Neid in ihre Herzen gesät. Die Folgen sind katastrophal. Junge Mütter werden nicht selten beim Spagat zwischen Beruf, Beziehung und Kindern aufgerieben, Priester zerbrechen oft an der Zerrissenheit zwischen Gott und zwischenmenschlichen Beziehungen.
Dabei könnten sich Priester und Mütter gegenseitig stärken, indem der eine dem anderen ein Vorbild in selbstloser Hingabe ist. Woher könnte der Priester das sorgende, mütterliche Element besser lernen, als wenn er es bei beispielhaften Müttern gesehen hat. Haben nicht gerade viele Heilige ihre Mutter oder die Mütter allgemein besonders geehrt und ihnen viel zu verdanken? Und ist es nicht ein Trost zu wissen, dass Angesichts des großes Arbeitspensums, mit dem viele Priester konfrontiert sind, es noch jemanden gibt, der wie sie immer da ist, immer zuhört, immer hilft? Und umgekehrt, kaum irgendwo sonst kann einer Mutter wieder so deutlich vor Augen geführt werden, dass sich Verzicht lohnt und dass Opfer Früchte bringen, als wenn sie auf einen treuen Priester und die geistlichen Früchte in seiner Pfarre blickt.
Vieles, das heute im Argen liegt, kann gut werden, wenn Priester wieder echte Priester und Mütter wieder echte Mütter werden.
Bettina Rahm
Ausgetreten? (1. Februar)
Kürzlich geriet ein Priester aus Ostösterreich in die Schlagzeilen, da er im Pfarrblatt die Namen aller aus der Kirche ausgetretenen Personen in seiner Pfarre veröffentlichte. Eine Frau beschwerte sich daraufhin und die Diözese stellte klar, dass dieses Vorgehen aus Datenschutzgründen nicht zulässig sei. Ich weiß nicht, was den Pfarrer zu diesem Schritt bewogen haben mag, er wollte ja gewiss nicht Werbung für den Kirchenaustritt machen, doch kann ich mir vorstellen, dass er Ähnliches erlebt hat, wie es Priester immer öfter erleben.
Oftmals treten Menschen aus der Kirche aus, ohne ihr Umfeld darüber zu informieren. Ein Kirchenaustritt ist zwar eine ganz persönliche Entscheidung, doch erscheint es mir redlich, die nächsten Verwandten über diesen Schritt zu informieren. Manche Ausgetretene besuchen sogar noch hin und wieder, meist zu besonderen Anlässen, den Gottesdienst und vermitteln so anderen den Eindruck, dieser Gemeinschaft nach wie vor anzugehören bzw. angehören zu wollen.
Leider gab es schon drastische Fälle, wo nach dem plötzlichen Tod eines Angehörigen, die Verwandten entsetzt feststellten, dass dieser aus der Kirche ausgetreten war, und es kein kirchliches Begräbnis geben kann. Die Kirche achtet den freien Willen des Menschen unbedingt. Wenn jemand nicht mehr Teil der kirchlichen Gemeinschaft sein will und dies offiziell bekundet, respektiert der Pfarrer diese Entscheidung, auch dann, wenn die Angehörigen um ein kirchliches Begräbnis bitten.
Für alle, die ihren Kirchenaustritt bereuen - vielleicht war es ja eine Kurzschlussentscheidung aus Ärger über den Kirchenbeitrag oder aufgrund einer Kränkung durch einen Geistlichen oder wegen einer Medienkampagne gegen die Kirche- gibt es die Möglichkeit, wieder in die Kirche einzutreten. Dazu kann jederzeit das Gespräch mit dem Ortspfarrer gesucht werden und die notwendigen Schritte geklärt werden.
Gerade das Argument, der Austritt erfolge wegen der Kirchenbeitrages, kann ich einerseits verstehen, andererseits auch wieder nicht. Wenn ich Mitgliedsbeitrag bei einem Fitnessstudio zu bezahlen hätte, aber nie hinginge, wäre mir das auch bald zu teuer und ich würde meine Mitgliedschaft kündigen. Daher ist es nachvollziehbar, dass Personen, die den Glauben nicht praktizieren, den Kirchenbeitrag ungern bezahlen wollen. Ein Austritt ist in einem solchen Fall vielleicht nur konsequent, da er äußerlich anzeigt, was innerlich bereits geschehen ist, die Trennung von der kirchlichen Gemeinschaft. Andererseits muss gesagt werden, dass gerade der finanzielle Beitrag, trotz aller Schwächen des derzeitigen Systems, die nicht geleugnet werden sollen, ein Prinzip bereits in den ersten Christengemeinden war. Wer viel hatte, gab viel, wer weniger hatte, weniger, wer nichts hatte, wurde von den anderen versorgt und mitgetragen. Wem der Kirchenbeitrag zu viel ist, für den gäbe es ja auch noch eine andere Alternative als den Austritt, nämlich das, was die Kirche zu bieten hat, auch in Anspruch zu nehmen, zum Beispiel indem man regelmäßig die Sakramente empfängt.
Bettina Rahm
Weihnachten wird in den Herzen entschieden (17.12)
Eine bekannte Elektronikkette hat für das heurige Weihnachtsgeschäft folgenden Slogan gewählt: Weihnachten wird unterm Baum entschieden. Dafür hagelte es scharfe Kritik von vielen Katholiken, darunter auch einigen Bischöfen, vor allem in Deutschland. Die evangelische und katholische Jugend Bayerns schloss sich zusammen um mit einer Gegenkampagne darauf aufmerksam zu machen, dass es zu Weihnachten um mehr geht, als um die Geschenke unterm Christbaum. „Weihnachten wurde unterm Stern entschieden – Wir sind doch nicht blöd“ lautete ihre Antwort. Bei manchen Kommentatoren war zu lesen, dass Weihnachten in der Krippe entschieden worden sei. Das alles ist richtig und das Bemühen dafür zu sensibilisieren, dass solche Werbespots gläubige Menschen kränken können, lobenswert. Es ist wahr, dass die Geburt unseres Erlösers Jesus Christus
unter dem Stern in der Krippe in Bethlehem das entscheidende Moment von Weihnachten war und ist und doch muss jeder selbst die Entscheidung für oder gegen Weihnachten selbst treffen. Weihnachten wird im letzen in unseren Herzen entschieden. Will ich, dass Jesus in mein Herz kommt? Bin ich überhaupt darauf vorbereitet? Habe ich mein Leben nach der Ordnung Gottes ausgerichtet oder herrscht in meinem Inneren das Chaos? Ist in meinem Herzen überhaupt noch ein Platz für Jesus frei? Und habe ich vor lauter Weihnachtsputz, Kekse backen und Saisonstress, inmitten der Vorbereitungen für einen „perfekten“ Weihnachstabend mit Festmenü und Geschenksberg denn noch wirklich Zeit für einen so unaufdringlichen Gast wie Gott?
Bei einem Vortrag darüber, wie Familien das Kirchenjahr leben und feiern können, sagte die Referentin in Bezug auf all die äußeren Vorbereitungsarbeiten zu Weihnachten: Rechtzeitig anfangen und rechtzeitig aufhören (auch wenn man nicht fertig geworden ist!) Wie wahr! Denn nur dann bleibt Zeit, um still zu werden, um sich innerlich zu ordnen, um sich in einer guten Beichte mit Gott und den Mitmenschen zu Versöhnen, damit Weihnachten wirklich das Fest des Friedens sein kann, um auch Raum zu schaffen für eine echte Ergriffenheit über das Wunder der Menschwerdung Gottes.
Bettina Rahm
Wo katholisch drauf steht... (1.12.)
...muss auch katholisch drin sein, so Kardinal Schönborn kürzlich bei einer Pressekonferenz. Dieser Aussage kann ich mich zu 100% anschließen, nur stellt sich die Frage, wer denn überprüft, ob bei denen, die katholisch heißen, auch die katholische Lehre vertreten wird. Bei manchen ist das nämlich so offensichtlich nicht der Fall, dass man sich nur wundern kann, dass sie sich überhaupt noch katholisch nennen dürfen. Zum Beispiel bei der Katholischen Frauenbewegung, deren neu gewählte Chefin kürzlich in einem Zeitungsinterview meinte, dass die KFB selbstverständlich für das Frauenpriestertum eintrete, oder manche Bildungseinrichtungen, die eigene, alternative Eheseminare anbieten, damit den Teilnehmern die kirchliche Lehre zu Sexualität und Fruchtbarkeit wie sie in der Enzyklika „Humanae Vitae“ dargelegt ist, erspart bleibt, oder die Katholische Aktion unserer Erzdiözese (dazu gehören Kath. Frauen- und Männerbewegung, Kath. Bildungswerk, Jungschar und Kath. Jugend,…) die sich einstimmig dafür entschieden hat, das so genannte Theologenmemorandum zu unterstützen, dessen Inhalt so wenig überraschend ist, dass ich dem keine Zeile widmen möchte. Und das Tollste bei allen diesen so genannten katholischen Vereinigungen ist, dass man immer wieder von der „Basis“ und deren Reformwünschen schwafelt. Tatsächlich ist mit Basis allerdings nicht der einfache Gläubige in der Pfarrgemeinde vor Ort gemeint, sondern die unzufriedenen Funktionäre, die mit ihren uralten Forderungen (manche werden schon seit der Reformationszeit wiedergekaut) hauptsächlich sich selbst vertreten. Einen Trost gibt es jedoch: In unserer, ebenso wie in vielen anderen Pfarren, gibt es Menschen, die sich unter dem Namen oben genannter Institutionen engagieren, die direkt bei den Menschen sind, die gläubig im Alltag leben, die der Kirche treu sind. Sie sind wohl der einzige Grund, dass sich so manche Organisation, die das „Katholisch“ im Namen führt, noch so nennen darf.
Bettina Rahm
Wenn Priester nicht mehr sein wollen, was sie sind
Im heutigen Bezirksblatt ist zu lesen, dass auch ein Priester aus unserem Bezirk sich dem Aufruf zum Ungehorsam der Pfarrer-Initiative gefolgt sei. Die Forderungen werden mit Formulierungen wiedergegeben, die eindeutig der Kirche den Schwarzen Peter zuschieben. Vor allem zwei Aussagen bedürfen deshalb einer Klärung.
Im Artikel heißt es: „Gutwilligen Gläubigen (auch Geschiedenen, Wiederverheirateten oder Mitgliedern anderer christl. Kirchen) wird die Eucharistie nicht verweigert.“ Und „Wortgottesdienste mit Kommunionspendung werden als „priesterlose Eucharistiefeier“ anerkannt.“
Sowohl der Begriff „anerkannt“ als auch die Formulierung „nicht verweigert“ rufen im Leser möglicherweise den Eindruck hervor, die Kirche verweigere Menschen ein Recht, das ihnen zusteht bzw. versage die Anerkennung einer Handlung, obwohl sie dies ohne weiteres könnte. Beides sind schwere Irrtümer.
Zur Anschuldigung der Eucharistieverweigerung: Geschiedenen wird die Kommunion keineswegs verweigert. Eine Trennung oder Scheidung ist kein Kommunionhindernis. Wer eine schwere Sünde begeht, dazu gehört auch Ehebruch, schließt sich selbst aus der Kommuniongemeinschaft aus. (Näheres dazu siehe Glaubensbote Nr…) Eine Interkommunion, das heißt ein Kommunionempfang eines Mitglieds einer anderen christlichen Konfession im Katholischen Gottesdienst ist derzeit nicht möglich. Die Eucharistie ist das Sakrament der Einheit und solange in der Ökumene nicht die völlige Einheit zwischen den Konfessionen wieder hergestellt ist, kann es auch keine gegenseitige Kommunion geben. Besonders klar ist die Trennung in diesem Bereich zwischen der Katholischen Kirche und den nach der Reformation entstandenen Gemeinschaften, da diese das katholische Eucharistieverständnis nicht teilen. Während zB bei den Protestanten der Gottesdienst lediglich ein Erinnerungs- und Brüdermahl ist, an dem prinzipiell jeder teilnehmen kann, glauben Katholiken, dass in der Heiligen Messe das Kreuzesopfer Christi auf unblutige Weise vergegenwärtigt wird und Jesus Christus nach der Wandlung in seiner ganzen Gottheit und seiner ganzen Menschheit in den heiligen Zeichen von Brot und Wein real gegenwärtig ist. Wer also zur Kommunion geht, vereint sich nicht symbolisch oder gedanklich mit Christus, sondern Christus kommt wirklich – wenn auch verborgen in den eucharistischen Gestalten – in unser Herz, um sich mit uns zu vereinigen. Das Allerheiligste ist deshalb auch das Kostbarste für einen Katholiken.
Aus diesem Grund dürfen auch zB kleine Kinder, die den Unterschied zwischen der Hostie und einer Oblate noch nicht verstehen, nicht die heilige Kommunion empfangen bzw. Menschen, die den Glauben an die Realpräsenz nicht teilen, nicht zum Tisch des Herrn treten. Die Kirche könnte nur etwas verweigern, wenn ein Anspruch auf das verlangte Gut bestünde. Asfa-Wossen Asserate schreibt in seinem Bestseller „Manieren“ dazu auf treffende Weise: „Zur Anerkennung solcher Grenzen gehört auch, allfällige Segnungen, heilige Handlungen, die Kommunion: alles, was für den Gläubigen von sakramentalen Eigenschaften besetzt ist, als Außenstehender nicht einfach auch für sich verlangen zu wollen. Man sollte sich immer aufs neue klarmachen, dass in sakraler Sphäre niemand und schon gar nicht der Außenstehende die mindesten Ansprüche besitzt.“
Die Rede von einer so genannten „priesterlosen Eucharistiefeier“ ist ein Widerspruch in sich. Ohne den Priester, der aufgrund seiner Weihe „in persona Christi“ handelt, gibt es keine Wandlung. Die liturgische Feier ist nur ein Wortgottesdienst. Auch die Spendung der Kommunion ändert nichts daran. Der heilige Pfarrer von Ars führt uns die Bedeutung des Priester drastisch vor Augen, wenn er sagt: „Oh, wie groß ist der Priester! Wenn er sich selbst verstünde, würde er sterben. Gott gehorcht ihm: Er spricht zwei Sätze aus, und auf sein Wort hin steigt der Herr vom Himmel herab und schließt sich in eine kleine Hostie ein.“ „Ohne das Sakrament der Weihe hätten wir den Herrn nicht. Wer hat ihn da in den Tabernakel gesetzt? Der Priester. Wer hat Eure Seele beim ersten Eintritt in das Leben aufgenommen? Der Priester. Wer nährt sie, um ihr die Kraft zu geben, ihre Pilgerschaft zu vollenden? Der Priester. Wer wird sie darauf vorbereiten, vor Gott zu erscheinen, indem er sie zum letzten Mal im Blut Jesu Christi wäscht? Der Priester, immer der Priester.“
Wie schade, wenn Priester das Große wozu sie von Christus berufen sind, selbst kleinreden und verleugnen.
Ist die Bischofswahl ein Wunschkonzert?
In den vergangenen Tagen bekamen die Pfarrgemeinderatsobleute eine Einladung der so genannten Taxhamer PGR-Initiative zu einem Treffen zugesandt. Da es sich bei der Taxhamer PGR-Initiative um keine offizielle kirchliche Einrichtung handelt und diese Initiative schon öfters durch unkirchliche Forderungen an die Öffentlichkeit getreten ist, drängt sich natürlich die Frage auf, woher diese PGR-Initiative die Adressen der PGR-Obleute hat, ob die Verwendung des offiziellen Pfarrgemeinderatslogos in der Einladung in Absprache mit dem Seelsorgeamt geschehen ist und mit welchem Recht eine solche Initiative die Teilnahme eines Vertreters aus jeder Pfarre fordern kann. Ebenso unklar ist, wer denn das Ganze (Papier und Briefmarken kosten ebenso Geld wie das Mittagessen für die Teilnehmer) eigentlich bezahlt.
Interessant ist auch die Tagesordnung, welche folgende Punkte umfasst:
+Welche Reformen sind dringend notwendig, um in Zeiten des Priestermangels die Qualität der Seelsorge und lebendige Pfarrgemeinden zu erhalten?
+Wie motivieren wir zur Kandidatur für die PGR-Wahl?
+Wünsche und Erwartungen bei der Wahl des neuen Erzbischofs
Schon nach wenigen Minuten Recherche im Internet ist klar, dass die gewünschten Reformen auffällig mit denen diverser anderer Initiativen (seien es Laien oder Priester, die dahinter stecken) überein stimmen. Wenn aber der Blick schon auf die uralten Forderungen nach Abschaffung des Zölibats und weiteren Änderungen der Zulassungsbedingungen fixiert ist, wie kann dann noch klar erkannt werden, was erstens wirkliche Lösungsansätze wären bzw. was zweitens auch wirklich möglich ist. Darüber hinaus stellt sich die Frage, was es bringt (den Pfarrgemeinderäten, den Pfarren, dem derzeitigen und dem zukünftigen Erzbischof) wenn hier eine Wunschliste an den zukünftigen Hirten der Erzdiözese fabriziert wird. Will man bereits im Vorfeld Druck erzeugen um gemeinsam mit den Medien die Bischofsernennung zu beeinflussen? Stellt sich nicht für jeden Christen vielmehr die Frage, was erwartet Gott, die Kirche, der Bischof, mein Ortspfarrer von mir?
In einem Pfarrblatt las ich folgende Anekdote: Als im Kloster ein neuer Abt gewählt werden sollte, unterhielten sich einige Mönche darüber, wer es wohl werde. Sie fragten einen älteren Mitbruder: „Was glaubst du, wer wird der neue Abt?“ Dieser antwortete: „Der eine oder der andere.“ „Welcher eine oder andere?“ fragten sie nach. Da sprach der weise Bruder: „Der von der Vorsehung Gottes oder der von der Zulassung Gottes.“
In diesem Sinne können wir alle der bevorstehenden Bischofswahl gelassen entgegen sehen. Doch darüber hinaus sollten wir im persönlichen und gemeinsamen Gebet Gott inständig um einen guten Hirten bitten.
Wenn der ORF bei Pfarrern herumfragt...
70 % der Pfarrer Österreichs unterstützen (zumindest teilweise) die Anliegen der Pfarrer-Initiative, die - bekannt durch ihren medial omnipräsenten Anführer Pf. Schüller- zum Ungehorsam gegen die Kirche aufgerufen hat. Solche Schlagzeilen musste sich der ORF Zuschauer diese Woche wieder um die Ohren hauen lassen. Dass der ORF als Auftraggeber einer Studie, in der 500 österreichische Pfarrer zu ihrer Haltung zu verschiedenen Forderungen so mancher selbst ernannten Reformer befragt wurden, auftritt und diese von seinem Haus- und Hoftheologen Prof. Zulehner durchführen lässt, ist eine skandalöse Einmischung in innerkirchliche Angelegenheiten mit dem vorrangigen Ziel, jene Ergebnisse zu erhalten, die die Zulehner’schen und Schüller’schen Theorien als mehrheitsfähig dastehen lassen.
Trotzdem können wir alle etwas daraus lernen:Jede Umfrage kann so durchgeführt werden, dass das herauskommt, was man will. Dazu müssen einerseits die „Richtigen“ befragt werden (offenbar hat eine große Zahl von romtreuen Priester die Teilnahme abgelehnt) und andererseits die Fragen „richtig“ gestellt sowie die Antworten „richtig“ interpretiert werden.
Wo ORF Religion draufsteht ist Zulehner drin, ist Schüller drin. Spätestens jetzt kann man ohne schlechtes Gewissen Berichte des „STAATSfunks“ über die katholische Kirche ignorieren und sich in anderen Medien informieren.
Die jungen Priester sind anders. Zum wiederholten Mal hat eine Zulehner-Studie gezeigt, dass die jungen Priester den Reformvorschlägen (die in Wirklichkeit keine Reformen sind) der 68er Priestergeneration ablehnend gegenüber stehen. 28% der Befragten lehnten die Reformvorschläge welche nicht im Einklang mit der katholischen Lehre sind ab, nach Altersgruppen aufgeteilt, zeigt sich, dass diese Ablehnung auf 51% der unter 40-Jährigen, aber nur auf 17% der 61-70-Jährigen zutrifft.Mit diesen Zahlen vermittelt die Studie – wenn auch wohl von den Urhebern unbeabsichtigt – doch Hoffnung für die Zukunft, es kommt eine neue Priestergeneration: wahrhaft Geistliche.
Einige Fragen bleiben aber doch noch offen:
Wenn von 500 Befragten 70% die Pfarrerinitiative bzw. deren Ideen und Anliegen unterstützen (und so kommt es in der Berichterstattung bei den Menschen an), wären das 350 Priester. Zählt man die Mitglieder und Unterstützer der Pfarrerinitiative zusammen sind es 361 Priester. Es werden doch wohl nicht gerade die angerufen und befragt worden sein? Und wenn nicht, warum unterschreiben dann diejenigen, die am Telefon so reformfreudig tun, nicht auch, wenn doch die Bischöfe ohnehin so kooperativ sind und keinerlei Sanktionen beabsichtigen?
Und was wäre, wenn tatsächlich 70% aller österreichischen Priester die Lehre der Kirche nicht mehr mittragen würden? Würden die Bischöfe aus ihrer Ohnmacht erwachen und klare Verhältnisse schaffen? Würde sich die österreichische Kirche von Rom abspalten? Würde Paul Zulehner Papst von Österreich?
Wie immer man auf diese Fragen antwortet, die eigentliche Frage für jeden einzelnen von uns ist: Bist du auf der Seite der Mehrheit oder bist du auf der Seite der Wahrheit?
Jesus - bitte warten! (19.10.)
Ich las einmal eine Geschichte, wo jemand, der nichts vom Christentum wusste, zufällig in einer Messe war. Er berichtete, dass gegen Ende der Zusammenkunft zuerst einige Leute zaghaft, dann mehrere Leute nach vorne gingen, dort ein weißes Blättchen bekamen und dann wieder mit eher traurigem Gesicht zurückgegangen seien.
Als ich - ich glaube es war letztes Jahr bei der Osternachtsfeier - Kommunion austeilte, kam als letztes eine Frau, die die Hände über der Brust gekreuzt hatte als Zeichen dafür, dass sie die Kommunion nicht empfangen könne.
Ich machte ihr ein Kreuzzeichen auf die Stirn und legte ihr die Hand auf. Dann ging sie überglücklich und geradezu freudensrtrahlend zurück. Ich dachte mir später. Alle anderen haben viel mehr empfangen, nämlich den Leib Christi, und sind ganz gewöhnlich zurückgegangen, so gewöhnlich, wie man eben zur Kommunion geht, was manche mit dem furchtbaren Wort Abspeisen gehen ausdrücken.
Wenn ein Nichtwissender in eine unserer Messen kommt, merkt der dann, dass es um ein tiefes Geheimnis geht, z. B. beim Kommunionempfang. Dieser ist zwar nicht der Höhepunkt der Messe (das ist die Wandlung), aber spürt man da, dass es um das Kostbarste geht, das es für uns Christen gibt, um den Leib Christi, um eine intime Vereinigung, die alles andere übertrifft?
Ist es nicht eher befremdend, wenn der Kommunionspender zum Speisgitter bzw. zum Mittelgang geht, hilfesuchend in die Reihen blicken muss bis sich allmählich einige aufraffen. Die Zauderer lassen ja nicht den Kommunionspender warten, sondern den Herrn. Es heißt also:
Jesus, bitte warten.
Zugegeben, jetzt habe ich vielleicht etwas übertrieben, aber: Ist es uns wirklich bewusst, was in der Messe geschieht, was ER in dieser Feier tut,
und wen wir da empfangen? Hier stellt sich auch die Frage, wer soll oder wer darf den Leib Christi empfangen? Der Empfang soll freiwillig, würdig und ehrfürchtig geschehen.
- Mit freiwillig meine ich, es soll eine bewusste Entscheidung des Einzelnen sein. Dies setzt voraus, das der Gläubige weiß, wen er empfängt und daher daran glaubt, dass Christus hier wirklich, wahrhaft und dem Wesen nach (realiter, vere und substantialiter) gegenwärtig ist. Niemand soll zum Empfang gezwungen bzw. genötigt werden, zB durch das gewohnheitsmäßige Vorgehen Bankreihe für Bankreihe oder wie z. B. oft Angehörige von Verstorbenen, denen gesagt wird, sie müssten gehen, weil sie Angehörige sind. Wer sich aber entschlossen hat, soll ohne zu zögern vortreten. Manche warten vielleicht aus Menschenfurcht, weil sie nicht zu fromm dastehen wollen, manche wollen vielleicht aus falscher Bescheidenheit anderen den Vortritt lassen, oder meinen irrtümlich die Angehörigen bei Begräbnissen müssten zuerst gehen.
- Der Kommunikant soll würdig sein, d. h. frei von schwerer Sünde. Wer unwürdig isst, beleidigt Gott, schadet sich selbst (er isst sich das
Gericht, sagt Paulus) und der Kirche. Wenn jemand aus bewusster Entscheidung wegen Unwürdigkeit nicht empfängt und einen geistlichen Akt der Anbetung setzt, ist er dem Herrn sicher viel näher als ein oberflächlicher, gewohnheitsmäßiger oder unwürdiger Kommunikant. Weil die Eucharistie ein Sakrament der Versöhnten ist, hat das Sakrament der Versöhnung eine wichtige Bedeutung. Wenn die Beichte fast abgekommen ist aber die Kommunionen zugenommen haben, dann stimmt etwas nicht mehr. Kommt es dann nach den ersten, die zaghaft zur Kommunion vortreten, zu einem Dammbruch, so dass nachher jeder "Abspeisen geht", bedeutet das eben nicht einen Fluss der Gnaden, sondern ein großes Problem für die Seelsorge.
- Der Gläubige soll die Kommunion ehrfürchtig empfangen. Wer weiß, wen er empfängt, wird eine Kniebeuge vor dem Empfang bzw. einen
knienden Empfang wenn auch nicht als zwingend, so doch sicher sehr angemessen empfinden. Die Momente nach der Vereinigung mit Jesus in der Kommunion sollen von innigem Gebet erfüllt sein. Niemals sonst ist man dem Herrn so nahe.
So kann die Messe wirklich zur Quelle und zum Gipfel werden und Früchte bringen. Durch den regelmäßigen freiwilligen, würdigen und
ehrfürchtigen Empfang des Leibes Christi wird der Kommunikant in seinem Inneren geformt bzw. verwandelt, im Sein, im Denken, im Wollen und sogar in seinen Neigungen. Er wird Frucht bringen.
Noch eine praktische Anregung:
Wenn der Priester aus dem Kelch trinkt und dann den Ministranten die Kommunion spendet, dann mögen die Kommunikanten bereits vortreten, damit ER nicht warten muss.
Die Kirche trotzdem lieben (13.10.)
Oft hört man den ermutigend gemeinten Satz, ich bleibe trotzdem in der Kirche, oder die Aussage, die Kirche soll man trotzdem lieben. Ehrlich gesagt, bei diesen Formulierungen beschleicht mich ein seltsames Gefühl. Wer von uns kann so etwas sagen?
Wenn jemand über seine eigene Mutter schimpft, ihre Schwächen aufzeigt oder gar dadurch ihr Antlitz verdunkelt, dann wären wir zu recht empört und denken, wie kann denn jemand seine eigene Mutter so behandeln, ist das nicht ein missratenes Kind? Heute ist es üblich geworden, dass die Mutter Kirche öffentlich von ihren eigenen Kindern an den Pranger gestellt wird. Ist das nicht auch abgrundtief verwerflich, ein Handeln mißratener Kinder? Der Philosoph Josef Pieper hat einmal über die Dankbarkeit geschrieben, dass wir unseren Eltern niemals das vergelten können, was wir ihnen verdanken, nämlich das Leben. Was immer wir unseren Eltern Gutes tun, es ist nur ein Dank für viel mehr, das wir ihnen schulden.
Wenn wir über die Kirche nachdenken, dann sollten wir uns zuerst einmal die Frage stellen, was wir ihr verdanken. An erster Stelle ist es das geistige, übernatürliche Leben, die Kindschaft Gottes durch die heilige Taufe. Haben wir das verdient, hatten wir einen Anspruch darauf? Können wir der Kirche das zurückgeben? Sicher nicht! Klingt bei der Aussage, die Kirche trotzdem lieben, nicht ein großer Hochmut mit, der etwa lautet: Ich liebe die Kirche trotzdem, obwohl der Papst nicht tut, was ich will, obwohl dieser oder jener das getan hat, obwohl ich diese oder jene Erfahrung mit jemand gemacht habe, usw.
Könnten wir nicht umgekehrt die Frage stellen: Gott liebt mich trotzdem. Ich darf trotzdem bei seiner Kirche bleiben, obwohl ich undankbar war, obwohl ich ein schlechtes Beispiel gegeben habe, obwohl ich ein lauer Christ bin, obwohl ich vergessen habe, was ich meiner Mutter Kirche verdanke, obwohl andere mich ertragen müssen, wie ich bin. Ich darf bei der Kirche bleiben und in ihr immer wieder die Barmherzigkeit Gottes erfahren, ich darf trotz meiner Sünden ein Glied an ihrem Leib blieben und an den Verdiensten Christi und seiner Heiligen teilhaben. Gott liebt mich trotzdem und lässt mich durch Seine Kirche den Weg des Heiles gehen. Wenn ich das erkennen darf, dann kann ich Gott nur dafür danken in dem Bewusstsein. Meine Liebe zur Kirche ist nur ein Dank für viel mehr, dass ich ihr schulde. „Nur danken kann ich, mehr doch nicht!“
Esoterik-Weg in die Unfreiheit (6.Oktober)
Es ist bemerkenswert zu beobachten, wie die Angebote und Veranstaltungen mit esoterischem oder okkultem Inhalt oder Hintergrund immer zahlreicher werden. Auch getaufte Christen, ja selbst Kirchgänger scheinen kaum Skrupel zu haben, esoterische Praktiken anzuwenden oder bei sich anwenden zu lassen und werden meist über die Wellness- oder Gesundheitsschiene so schleichend mit dem esoterischen Gedankengut vertraut gemacht. Das esoterische Welt- und Menschenbild widerspricht der christlichen Auffassung vollkommen, da es die Wahrheit über Gott und seine Geschöpfe verzerrt und verdunkelt, so dass meist langsam und zuerst unbemerkt die Glaubenspraxis wie das Gebet und der Gottesdienstbesuch abnimmt, bis schließlich der Irrglaube an irgendwelche kosmischen Kräfte und göttliche Energien den Glauben an den einen, allmächtigen Gott vollkommen abgelöst haben. Schon im Alten Testament heißt es: Es soll bei dir keinen geben, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lässt, keinen, der Losorakel befragt, Wolken deutet, aus dem Becher weissagt, zaubert, Gebetsbeschwörungen hersagt oer Totengeister befragt, keinen Hellseher, keinen, der Verstorbene um Rat fragt. Denn jeder, der so etwas tut, ist dem Herrn ein Gräuel. (Dtn 18,10-12) Gewiss gibt es in diesem Bereich auch viele Scharlatane, die den naiven Menschen einfach das Geld aus der Tasche ziehen, doch es gibt eben auch Phänomene, die aus geistlicher Sicht abzulehnen sind. Oft entstehen Abhängigkeiten, die die Freiheit des Menschen massiv einschränken. Wenn ich zuerst ein Pendel oder irgendwelche Karten befragen muss, bevor ich eine Entscheidung treffen kann oder meine Entscheidungen vom Rat irgendwelcher Astrologen abhängig mache, verliere ich meine Freiheit. Wenn mir eingeredet wird, dass jedes körperliche oder seelische Unwohlsein auf eine Störung des Energieflusses zurückzuführen sei, und dass dieses Problem durch die richtige Meditation oder andere Techniken behoben werden kann, lastet ein enormer Druck auf den Betroffenen. Schließlich sind sie erstens selbst Schuld an ihrem Zustand und müssen das Leid auch noch selbst überwinden. Bei wem dann Reiki oder andere so genannte Heilungspraktiken nicht wirken, der glaubt zu wenig, bemüht sich zu wenig, öffnet sich zu wenig und ist erst recht wieder selbst verantwortlich. Bei wem es wirkt, der gerät meist immer tiefer in diesen Sumpf von tausendundeiner Möglichkeit, schöner, jünger, gesünder und glücklicher zu werden. Doch um welchen Preis?
Aussteiger aus der Esoterik schildern ihren Leidensdruck, sich selbst heilen, ja erlösen zu müssen. Viele berichten von der Verlagerung körperlicher Probleme auf die seelische Ebene. Depressionen und Angstzustände sind sehr häufig.
Müssten wir Katholiken nicht wieder mehr auf unsere Schätze schauen, auf die Sakramente, die Gnadenerweise Gottes sind und unser Leben begleiten und uns stärken. Müssten wir nicht wieder auf DEN Hinweisen, der die Quelle des lebendigen Wassers ist, auf ihn, unseren Heiland, der wirklich heil macht. Gott ist nicht irgendeine nebulose Energie, sondern ein persönliches Gegenüber, ein Vater, ein Retter, ein Tröster, der uns zuruft: Kommet zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt.
Äußerst interessant zu diesem Thema auch ein Vatikan-Dokument über die Esoterik. » Hier zum Nachlesen
Sie sollen alle eins sein! (30.09)
Die Kirche geht durch eine spannende, sicherlich nicht einfach Zeit. Wer unvoreingenommen auf die ganze Situation hinschaut, ohne sich vielleicht irgendeinem Lager zugehörig zu fühlen oder die Einteilung in liberal/progressiv und konservativ für sinnvoll zu halten, kann ohne eines der derzeitigen heißen Eisen konkret vor Augen zu haben, einen ganz eindeutigen Missstand in der Kirche feststellen: die Uneinigkeit der Kirche, die von der kleinen Pfarre am Diözesanrand bis nach Rom geht. Wie sollen Menschen für den Glauben an den dreifaltigen Gott, der sie als Schöpfer ins Leben gerufen hat, der sie als Heiland von ihren Sünden erlöst und der sie persönlich, aber auch die ganze Kirche als Beistand und Tröster führt, gewonnen werden, wenn der eine Priester schwarz und der andere weiß sagt? Der eine sagt so, der andere so, beim einen geht etwas (zB die Segnung von wiederverheirateten Geschiedenen), beim anderen nicht.
Es geht dann zu wie bei Eltern, die sich in der Kindererziehung nicht einig sind. Sie werden ständig gegeneinander ausgespielt. Und wie bei den Eltern ist im ersten Moment immer der strengere der Böse. Wenn ein Priester nun sein Vorgehen erklären oder rechtfertigen will, bekommt er leicht zu hören: Ja, aber dort geht es ja auch, dort ist es doch auch anders, dort ist dieses und jenes aber erlaubt.
Das ist das eigentliche Übel. Der Priester soll stellvertretend für den Bischof der Hirte seiner Pfarre sein. Wenn nun aber von zwei Priestern der eine Hüh und der anderer Hott schreit, wer vertritt dann den Bischof? Wem sollen die Leute folgen? Oder wer soll Mitglied in einer Gemeinschaft der Nächstenliebe sein wollen, wenn der eine Priester über den anderen schlecht spricht? Oder wer soll den Sinn des Zölibats verstehen wollen, wenn uns die Zeitungen ständig Beispiele von Priestern bringen, die ihr Versprechen brechen und trotzdem im Amt bleiben? Oder wie kann jemandem vermittelt werden, dass die Feier der Heiligen Messe Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens ist und dass sie eine heilige Handlung ist, vor allem ein Gnadenwirken Gottes an den Gläubigen, wenn manche Priester statt den heiligen Texten selbstverfasste verwenden.
Wenn unsere Bischöfe versichern, es gäbe keine Spaltung, dann mögen sie mir ein anderes Wort für diese Zustände nennen. Nur wenn wir diese innerkirchlichen Probleme überwinden, wird ein gemeinsames, starkes Zeugnis für Christus möglich, zu dem uns der Heilige Vater immer wieder aufruft und ermutigt, und das in unserer Zeit, in der immer weniger Menschen Gott wirklich kennen, notwendiger, weil notwendender, ist als alles andere.
Warum Christen keine Sündenböcke brauchen (21.9.)
Vor kurzen gab es eine hitzige öffentliche Debatte. Frau Finanzministerin Dr. Maria Fekter hatte festgestellt, dass in Europa gerade enorme Feindbilder aufgebaut würden gegen die Banken, gegen die Reichen, gegen die Vermögenden. Ihr Hinweis, das wir so etwas schon einmal hatten, dass damals ähnliche Gruppierungen gemeint waren und das dies zwei Mal in einem Krieg geendet hätte, hat einen Sturm der Empörung ausgelöst. Ich bin nicht der Meinung, dass die Frau Finanzministerin einen Direktvergleich mit der NS-Zeit gemacht oder intendiert hat. Mich beschäftigt aber ihr Anliegen. Wir bauen gerade Feindbilder auf.
Wenn man die Medien heute genauer beobachtet, kann man zweifelsfrei sehen, dass viele versuchen, neben anderen Gruppierungen auch gegen die katholische Kirche ein Feindbild aufzubauen. Dabei werden sie unterstützt durch überhebliche Kirchenleute und gefördert durch das profillose Verhalten schweigender Wächter. Im alltäglichen Leben fällt mir oft folgendes auf: Wenn Leute über die Kirche schimpfen, dann steckt oft ein persönliches Problem dahinter, ein besonderer Lebenswandel, nicht selten eine unbewältigte Schuld. Die Kirche wird dann zum Sündenbock, an dem man seine Aggressionen abreagiert. Wer den Balken im eigenen Auge nicht erkennt, sieht allzu leicht Splitter im Auge der Kirche.
Manchmal erinnere ich mich an ein Gespräch mit dem Journalisten Günther Nenning im Jahre 1995. Nenning, der sich selbst als treuen Fernstehenden bezeichnete und im gereifteren Alter die Bedeutung und Größe von Johannes Paul II. viel mehr erkannte und schätzte als mancher katholische Bischof, stellte fest, dass der liberale Mensch, der nicht an die Erbsünde glaubt, immer jemanden braucht, den er verfolgen kann, also einen Sündenbock. Man könnte daraus schließen, je liberaler und Gott-loser die Gesellschaft wird, desto mehr braucht sie Sündenböcke für alle Übel, derer sie nicht Herr wird. Viele Medien demonstrieren das täglich vor. Wenn z. B. irgendein Unglück oder eine Katastrophe passiert, setzt sofort die Suche nach dem Schuldigen ein und es muss mindestens ein Verantwortlicher, am besten ein Minister dafür herhalten. Wenn dann ein zum Sündenbock gestempelter Politiker zurücktritt, dann ist das Opfer vollbracht und die unerlöste Gesellschaft befriedigt.
Die Menschen haben schon seit altersher gewusst, erfahren und gespürt, dass es Schuld gibt und mit dem Problem gerungen, die eigene Schuld loszuwerden. Im Alten Testament hat man die Schuld der Menschen Sündenböcken aufgeladen, die dann in die Wüste geschickt wurden.
Die wohl wirksamste Form der Schuldbewältigung kennen wir Christen. Christus selbst hat alle Schuld der Welt auf sich genommen und gesühnt. . Er ist für uns alle zum Sündenbock geworden und hat uns durch sein Kreuz erlöst. Die Erlösung kann besonders wirksam werden, wenn wir uns mit IHM und der Kirche versöhnen lassen im Sakrament der Busse und die Heilige Messe als Versöhnungsopfer feiern. Christus hat uns berufen, als Christen, d. h. als erlöste Menschen in der Freiheit der Kinder Gottes zu leben. Unsere Freiheit besteht darin, dass wir bei IHM wirklich und wirksam Versöhnung erlangen. Deshalb braucht der versöhnte, erlöste Christ keinen Sündenbock mehr.
Christen kennen nur einen wirklichen Feind, den die Bibel den Vater der Lüge, die Schlange, den Diabolos oder den Ankläger nennt, der die Auserwählten bei Tag und Nacht vor Gott verklagt.
Frau Ministerin Fekter hat sicher recht, wenn sie feststellt, dass der Aufbau von Feindbildern zweimal in einem Krieg geendet hat. Kürzlich hat der polnische Finanzminister Jan Vincent-Rostowski davor gewarnt, dass ein Zerbrechen des Euro die Gefahr eines neuen Krieges in Europa einläuten würde. Wenn wirtschaftlich schlechte Zeiten kommen, ist die Gefahr der Sündenbocksuche sehr groß. Ein Kriegsgefahr kann gemindert werden, wenn wir Feindbilder abbauen, indem wir uns Christus anvertrauen, der für uns zum Sündenbock geworden ist.
Mir wird immer klarer, warum viele Medien und viele Menschen ständig auf die katholische Kirche hinhauen. Das ist ganz logisch. Weil es die Kirche Christi ist, weil diese Christus darstellt und auch berufen ist, wie Christus als Sündenbock zu fungieren. Als Sündenbock dient die Kirche auch den Unerlösten, denen, die sie verspotten, bekämpfen und anklagen.
Christen stehen vor der Wahl: Als Glieder der Kirche mit Christus zu leiden, indem sie wie ER Zielscheibe von Spott und Verachtung werden oder auf der Seite der Ankläger zu sein. Christen sind berufen, am Erlösungswerk Christi mitzuwirken. Einen Mittelweg zwischen IHM und dem Ankläger, einen Kompromiss zwischen Wahrheit und Lüge gibt es nicht.
Warum Pf. Schüller nicht evangelisch wird (14.09.)
Vor kurzem erzählte mir ein Theologe, der mit den Verhältnissen in den USA
gut vertraut ist, dass es dort mit der katholischen Kirche bergauf gehe, gekennzeichnet durch
lebendige Pfarren, ein hohes Maß an Initiative, ein Wachstum in vielerlei
Hinischt etc. Als Gründe für das Wachstum der katholischen Kirche nannte er
neben der Einwanderung von Katholiken aus dem Süden zwei interessante
Faktoren. Viele verschiedene protestantische Richtungen verzeichnen einen
enormen Schwund am Mitgliedern. Der zumeist "liberale Kurs" dieser Gruppen
führt zu Auflösungstendenzen. Viele Leute gehen dann weg, die meisten
entweder zu den Freikirchlern oder zur katholischen Kirche. Der Zweite
Faktor: Dort, wo die katholischen Ortskirchen papsttreu sind, gebe es einen
großen Aufschwung, der sich durch kinderreiche Familien, eine hohe Zahl an
Gottesdienstbesuchern, lebendige Pfarreien, viele geistliche Früchte etc. zeigt.
Wenn man die in Österreich von einer kleinen Gruppe mit Unterstüztung der
Medien forcierte und durch die Führungsschwäche der Kirchenleitung teilweise
ermöglichte Protestantisierung bzw. Liberalisierung der katholischen Kirche
beobachtet, dann ist es einem völlig klar, warum es keinen allgemeinen
Aufschwung geben kann.
Warum aber, so könnte man fragen, gehen Leute wie Pfarrer Schüller nicht
einfach zur evangelischen Kirche, wo doch dort ihre Forderungen schon längst
verwirklicht sind? Ganz einfach: Dort ist die Konsequenz ihrer Haltung
schon eingetreten, die Selbstrelativierung und der Bedeutungsverlust durch
Anpassung. In der evangelischen Kirche wäre Schüller über Nacht so
bedeutungslos, wie er es ohne das mediale Getöse ohnehin schon wäre. Der
liberale Protestierer braucht eine Institution, wo noch eine Substanz da
ist, weil er seine Identität vom Protest gegen etwas oder jemand stiftet.
Schüller und Co leben vielleicht mehr von der heiligen katholischen Kirche
als die treuen Anhänger derselben. Wenn es den Papst plötzlich nicht mehr
gäbe, gerieten wahrscheinlich die Kirchenkritiker in eine viel größere Identitätskrise als
die treuesten Katholiken.
Gehorsam bringt Segen und macht frei (8.September)
Im letzten Sonntagsevangelium spricht Jesus davon, dass man den Sünder unter
vier Augen zurechtweisen soll. Wenn dieser hört, so hat man einen Bruder
zurückgewonnen.
Die brüderliche Zurechtweisung, eigentlich ein bedeutender Faktor für den
geistlichen Fortschritt in der Gemeinschaft (auch in der Pfarre) und für die
geistliche Weiterentwicklung jedes einzelnen Gläubigen, wird heute kaum noch
verstanden.
Manche lehnen Zurechtweisung mit den Worten, "Jeder muss selber wissen, was
er tut, ich will mich nicht einmischen" ab. Mit dem Verschwinden der
brüderlichen Zurechtweisung steigt aber gleichzetig das Urteilen und
Verurteilen Anderer in Abwesenheit.
Bei der brüderlichen Zurechtweisung unter vier Augen geht es darum, einen
Bruder, eine Schwester zurückzugewinnen, sie zu gewinnen für das wahre
Leben, für das Heil, für die Fülle. Es geht also um das Ganze, um das
Kostbarste, weshalb die brüderliche Zurechtweisung eine Liebestat ist.
Jeder kann für sich überlegen. Wann habe ich zuletzt jemand zurechtgewiesen
oder: Wann bin ich zuletzt zurechtgewiesen worden. Wenn man schon lange
nicht zurechtgewiesen wurde, kann man sich kritisch fragen, warum. Entweder
ist man schon schon zur Heiligkeit gelangt, oder man strahlt einen
unbelehrbaren Stolz aus, der bei einer Zurechtweisung eine Feindschaft zur
Folge hätte oder man hat keinen wirklich guten Freund, der es so ehrlich und
so gut mit einem meint, dass er sich zu diesem Liebesdienst der
Zurechtweisung aufraffte.
In unserer Gesellschaft ist immer mehr das Geschrei maßgeblich und man
vergisst auf die Bedeutung des Gehörs. Das Gehör ist wichtig in der Pädagogik
und im Glauben. Jeder Lehrer, jeder Vater und jede Mutter wissen, dass es in
der Erziehung eine wirkliche Entwicklung nur geben kann, wenn die
Bereitschaft zum Hören da ist. Wenn das Interesse, die Aufmerksamkeit und
die Fähigkeit zur Stille da ist, kann jemand das Gehörte wirklich aufnehmen.
Es gibt einen Fortschritt.
Dies trifft noch mehr auf den Glauben zu. Der Glaube kommt vom Hören. Hören
können, hören wollen. Gehorsam sein - also das gehörte auch befolgen - bewirkt, dass der Hörende beschenkt
wird, dass der Innere Reichtum wächst, dass ein Mensch weitergeführt und
freier wird.
Deshalb war der Gehorsam immer eine Tugend. Der Gehorsam ist nicht blind,
weil der wirklich Hörende eine größere geistliche Tiefe und Weite erlangt und
dadurch mehr fähig wird, Gut und Böse zu unterscheiden, die Wirklichkeit
einzuschätzen und gute Entscheidungen zu treffen. Der Gehorsam macht stark,
dem Bösen zu widerstehen und macht Menschen auch fähig, zu führen. Wer
selbst hören kann, kann auch Orientierung geben, Vorbild sein und führen.
Wer ungehorsam ist, neigt zum Tyrannen.
Der Ungehorsam in Glaubensfragen ist ein Widerspruch in sich, ein Gift, dass
die Fähigkeit zum Glauben zerstört.
Jesus selbst lehrt uns den Weg des Gehorsams. ER hat den Willen des Vaters
erfüllt, ER war gehorsam bis zum Tod am Kreuze. Wer auf IHN und SEINE Kirche
hört, wir reich beschenkt und kann andere beschenken.
Wahr ist, was im Fernsehen ist - oder? (31.August)
Die Weltjugendtagspilger aus dem Zillertal sind wieder gut und vor allem voller bleibender Eindrücke von der wunderbaren Begegnung mit dem Heiligen Vater und mit rund 1,5 Millionen Jugendlichen aus aller Welt, nachhause zurück gekommen. Eine Teilnehmerin erzählte mir ganz überrascht, dass sie nach ihrer Rückkehr ständig auf die vielen Demonstranten, die gegen den Papstbesuch protestiert hatten, angesprochen worden war. Ist ja auch kein Wunder, wenn man bedenkt, wie sehr die laut Medienberichten maximal 5000 Gegendemonstranten die mediale Berichterstattung des Weltjugendtages geprägt haben. Wie nun die einzelnen Medien, von denen es den meisten äußerst schwer zu fallen scheint, Positives über die Kirche zu berichten, mit dem Weltjugendtag umgegangen sind, war unterschiedlich.
Manche verlegten sich aufs Kleinreden, in dem sie die Teilnehmerzahlen herunterspielten und in Artikeln bzw. Meldungen von Hunderttausenden, in einigen besonders negativen Beispielen sogar von Zehntausenden sprachen. Auch wurden mehrfach die bleibenden Früchte dieses katholischen Jugendtreffens angezweifelt, um ihm die Berechtigung abzusprechen. Andere Medien taten sich besonders durch ständige negative Schlagzeilen hervor und berichteten fast ausschließlich von den Forderungen der Demonstranten oder den Kosten, die der Weltjugendtag angeblich verursacht. Dazu sei gesagt, dass sich der Weltjugendtag weitgehend selbst finanziert, nämlich durch die Beiträge der Teilnehmer, sowie durch Sponsoren. Wenn selbst für sportliche Großereignisse oder Staatsbesuche die dafür benötigte Infrastruktur bereitgestellt wird, so darf das doch wohl auch für den Besuch des Heiligen Vaters, der immerhin rund eine Milliarde Katholiken vertritt erwartet werden. Besonders ungern werden natürlich auch Bilder von den vielen jubelnden, oder noch schlimmer betenden Jugendlichen gezeigt. Weshalb die Fernsehberichte zum Beispiel von der Vigil am Vorabend des großen Abschlussgottesdienstes fast ausschließliche auf ausdrücklich katholischen Fernsehsendern zu sehen waren.
Während tagelang die Bilder und Berichte der Krawalle von jungen Menschen in London, oder vor längerer Zeit in französischen Vorstädten die Medien beherrschten, sind die Fröhlichkeit, die Gelassenheit, die Begeisterung und die Fähigkeit zu Sammlung und Gebet kaum eine Schlagzeile, geschweige denn einen ausführlichen Bericht wert. So hat sich die Maxime „Only bad news are good news“ (Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten) wieder einmal durchgesetzt, um den Preis, dass viele – auch Gläubige, die durchaus am Weltjugendtag interessiert sind – ein sehr verzerrtes Bild dieses Ereignisses in Erinnerung behalten werden. Für alle, die etwas über den wahren Weltjugendtag erfahren wollen, empfiehlt sich ein Gespräch mit jenen, die selbst dabei gewesen sind. Sie freuen sich bestimmt über euer Interesse.
Urlaub bei Gott (23.August)
Anfang August sagte Papst Benedikt XVI. bei der Generalaudienz, dass viele gerade in der Urlaubszeit gerne ein Buch zur Hand nehmen, um sich einerseits abzulenken, manchmal aber auch um sich im Gegensatz zum übrigen Jahr einmal einer anspruchsvolleren Lektüre zu widmen. Und wirklich geht es ja vielen, die gerne lesen so, dass sie sich ein bestimmtes Buch für den Urlaub vornehmen, für das sie während des Jahres nicht genug Aufmerksamkeit aufbringen können. Der Heilige Vater schlägt vor, auch einmal eines der Bücher der Bibel ganz durchzulesen. Während die Evangelien doch eher geläufig sind, gibt es im Alten Testament einige wenig bekannte Schätze. Darunter zum Beispiel das Buch Ruth oder das Buch Tobit, für deren Lektüre es kaum mehr als eine Stunde Zeit braucht, die aber wunderbare Zeugnisse göttlicher und menschlicher Liebe sind.
Ist es nicht überhaupt so, dass sich gerade in der Freizeit zeigt, was einem wichtig ist? Wenn die Pflicht erfüllt ist und jeder sich dem widmen kann, was ihm Freude macht, kann man einiges über einen Menschen erfahren. Egal ob Sport, Kunst, eine Vereinstätigkeit oder ein Ehrenamt, alle diese Beschäftigungen und Hobbies sollen ein Ausgleich sein, sollen Spaß machen – das ist auch gut so. Doch darf man auch fragen, bleibt für Gott in meiner Freizeit auch noch ein Platz? Plane ich auch einmal eine Gebetszeit, einen Gottesdienstbesuch, eine Wallfahrt oder eben das Lesen in der Heiligen Schrift ein? Keine Angst, Gott will uns nicht den Urlaub wegnehmen und erhebt keinen Anspruch auf unseren Feierabend. Gott nimmt uns nichts, sondern will uns alles schenken. Es ist zu wenig nur körperlich zur Ruhe zu kommen, der Mensch braucht auch eine geistige bzw. geistliche Erholung. Und mit Erholung ist eben nicht eine Zerstreuung, sondern eine Sammlung gemeint.
Deshalb hat Gott uns auch den Sonntag gegeben. Nicht weil er sich erholen musste, sondern weil er weiß, dass wir diesen Ruhetag brauchen, damit wir nicht in ein Hamsterrad von Arbeit und Geschäftigkeit geraten, aus dem es kein Entrinnen gibt. Egal ob jemand seine Arbeit sehr gerne tut und vielleicht sogar buchstäblich sein Hobby zum Beruf machen konnte, oder ob jemand unter den Bedingungen am Arbeitsplatz leiden, egal ob jemanden familiäre oder finanzielle Sorgen bedrücken oder Krankheit oder irgend eine andere Not da ist , jeder braucht eine Zeit, in der er von all dem aufschauen und den Blick zu Gott erheben kann.
Viele leiden unter einem großen beruflichen und gesellschaftlichen Druck. „Urlaub“ bei Gott hilft! Er selbst lädt uns ein: Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht. (Mt 11, 28)
Die Kirche ist jung! (17. August)
Wer in diesen Tagen nach Madrid blickt, erlebt auf eindrucksvolle Weise das jugendliche Antlitz der Kirche. Von vielen schon totgesagt, zeigt sich dem hoffnungsvollen Betrachter die Zukunft der Kirche in den hunderttausenden jungen Menschen, die sich um den Heiligen Vater Papst Benedikt XVI. versammelt haben, um mit ihm gemeinsam Christus zu begegnen.
In Zeiten eines ausgeprägten Jugendkultes, in dem viele den Druck verspüren die eigene Jugendlichkeit auf verschiedenste Weise zur Schau stellen zu müssen und auch die Kirchen leicht der Versuchung erliegen, sich bei den Jugendlichen anzubiedern, stellt sich die Frage, was denn die jungen Gläubigen am Papst finden. Was verbindet sie mit ihm? Warum hören sie ihm zu und hören auf das, was ihnen ein über achtzig Jähriger sagt? Warum lieben sie diesen alten Mann?
Papst Benedikt versteht es auf ganz schlichte, ungekünstelte Weise auf die Jugendlichen zu zugehen. Er verstellt sich nicht, ist authentisch und vertraut auf die Anziehungskraft der einmaligen Frohen Botschaft, die er den Mädchen und Burschen mitzugeben hat. Er traut, wie kaum jemand, den Jugendlichen zu, dass sie fähig sind, Christus zu begegnen, seinem Wort zu folgen und echte Zeugen zu sein. Wie sein Vorgänger, der bei früheren Weltjugendtagen die Jugendlichen als „Salz der Erde“, „Licht der Welt“ und „Wächter eines neuen Morgens“ bezeichnete, vertraut er darauf, dass die jungen Menschen durch eine lebendige Beziehung mit Jesus Christus die Kirche in die Zukunft führen werden.
Der Heilige Vater weiß, dass junge Menschen keine Angst vor Herausforderungen haben, sondern sie suchen. Er weiß, dass sie wachsen können, wenn man ihnen etwas zutraut. Den Weg mit Jesus zu gehen, ist niemals einfach – egal ob man alt oder jung ist, ob man zur Ehe oder zum Priester-oder Ordensstand berufen ist, ob man Hausfrau, Elektriker, Anwalt oder Bauer ist. Jeder muss um die Freundschaft mit Gott ringen, sich darum bemühen. Doch wer es wagt, wird auch dreißigfach, sechzigfach und hundertfach dafür belohnt.
Die Jugendlichen spüren, dass der Papst bei einem so großen Event wie dem Weltjugendtag nicht Jesus die Show stiehlt, sondern im Gegenteil, sein Beten, sein Zelebrieren, seine Ansprachen, seine demütige Freude und wahrhafte Liebe zu den jungen Menschen hilft allen, die dabei sind, mit ihm gemeinsam den Blick und das Herz zu Gott zu erheben. Jesus ist der Weg und zugleich das Ziel unseres Weges. Der Heilige Vater ist wie ein Kompass, wer an seiner Seite bleibt, kann den Weg nicht verfehlen.
Der Heilige Vater liebt die Jugendlichen! Doch nicht mit einer oberflächlichen, gefallsüchtigen Liebe, die ihnen nach dem Mund redet, sondern mit einer Liebe, die ihnen die Wahrheit zumutet- um ihres Heiles willen.
Im Herzen ist der Papst genauso jung wie diejenigen, denen er in diesen Tagen in Madrid begegnet. Das bleibt den jungen Christen nicht verborgen und diese Jugend, die aus der begeisterten und begeisternden Liebe zum dreifaltigen Gott kommt, verbindet den Papst und die Jugendlichen mehr miteinander, als sie ein paar Falten und Lebensjahre trennen könnten.
Wie sozial sind eigentlich Abtreibungen?10.August
Wie sozial ist eigentlich eine Abtreibung?
Gesundheitsminister Stöger will das Töten ungeborener Kinder in unserem Land erleichtern. Angesichts der Prognosen mancher Demografen, die uns ja schon jetzt das Aussterben voraussagen, frage ich mich, ob unser Gesundheitsminister so wenig Zukunft für unser Land sieht, dass er glaubt, diesen Prozess noch beschleunigen zu müssen. Schon jetzt werden jedes Jahr zwischen 30.000 (das sagen die Abtreibungsbefürworter) und über 50.000 (das sagen die Lebensschützer) Kinder abgetrieben. Lebend geboren wurden 2010 übrigens 78.742 Kinder. Da jedoch viele Politiker kaum langfristig, sondern hauptsächlich in Legislaturperioden denken, kann man nicht erwarten, dass sie sich um solche Nebensächlichkeiten wie die demografische Entwicklung des Landes kümmern können.
Die hinter dem Vorstoß des Ministers stehende Ideologie ist tödlich, wenngleich die Rede von Beendigung oder Unterbrechung einer Schwangerschaft verschleiert, was wirklich geschieht: Ein Menschenleben wird ausgelöscht. Anstatt die bei Einführung der Fristenregelung 1973 von SPÖ Bundeskanzler Kreisky versprochenen flankierenden Maßnahmen (Statistische Erhebung der Zahl der Abtreibungen, der Motive für die Abtreibung, die Trennung von beratendem und abtreibendem Arzt und die Einrichtung eines Hilfsfonds für Schwangere in Not) endlich umzusetzen, will Minister Stöger lieber dafür sorgen, dass das Geld des Steuerzahlers, der ja die öffentlichen Spitäler finanziert, dafür verwendet wird, unschuldige Kinder umzubringen und die finanziellen Mittel jenen vorenthalten werden, die – ungeachtet anderer Kriterien wie dem medizinischen Niveau – sich weigern diese lebensfeindliche Ideologie mitzutragen.
Welch ein Hohn wäre es, wenn auf der einen Seite in den Krankenhäusern um das Überleben frühgeborener Kinder mit aller Kraft gekämpft wird, während nebenan Abtreibungen durchgeführt werden. Welche Perspektive hätte ein junger Gynäkologe, wenn er sich aus Gewissensgründen weigert, abzutreiben? Wenn Abtreibungen in den öffentlichen Krankenhäusern Routine werden, wäre seine Karriere wohl beendet, bevor sie begonnen hat.
Was ist von einem Minister und seiner Partei zu halten, die sich zwar den Kampf für so genannte Frauenrechte auf die Fahnen schreiben, es jedoch nicht der Mühe wert finden, zu fragen, was Frauen überhaupt dazu bewegt, ihr Kind abzutreiben und nicht einmal wissen wollen, wie viele Abtreibungen es jährlich in unserem Land gibt. Sonst will man ja gerne sozial sein. Doch bedeutet sozial nicht, dort zu helfen, wo Not ist? Wird man den Frauen wirklich gerecht, wenn man sie nicht einmal fragt, welche Not sie denn dazu treibt, NEIN zum eigenen Kind zu sagen? Und wie sozial ist es, das wehrloseste und schutzbedürftigste Wesen, das man sich vorstellen kann, ein unschuldiges, ungeborenes Kind, in den ersten drei Monaten seiner Existenz für vogelfrei zu erklären. Die leicht und kostengünstig zugängliche Tötung eines Kindes zu fordern und zu fördern, ist das sozial?
Die Heiligen sind die wahren Reformer! (3.August)
Gedanken zum Gedenktag des Hl. Pfarrers von Ars!
Heute wird sehr viel über Erneuerung und Reform, besonders in der Kirche nachgedacht, geschrieben und diskutiert. Vielfach werden Reformen – gemeint konkrete Maßnahmen – auch eingefordert. Manche erwarten sich das Heil vor allem durch strukturelle Veränderungen.
Die Kirche war schon oft in Situationen, wo man glaubte, jetzt ist es aus. In der Reformationszeit glaubte man, dass nördlich der Alpen die katholische Kirche abdanken werde, bis dann Petrus Canisius kam. Als Pius VI., ein Gefangener Napoleons, starb, jubelten viele und meinten, das Ende der Kirche sei überhaupt gekommen, aber gekommen ist bald das Ende Napoleons und Papst und Kirche hatten ein Ansehen wie schon lange nicht.
Wenn man die Kirchengeschichte betrachtet, kann man unschwer erkennen, dass die eigentlichen Reformer immer die Heiligen waren. Alle hatten sie eines gemeinsam. Sie haben die Kirche geliebt, sie lebten den Gehorsam und wurden zu Werkzeugen Gottes, indem sie die Reform bei sich begannen.
Ein Beispiel davon ist der Heilige Pfarrer von Ars, dessen Gedenktag morgen, am 4. August gefeiert wird. Er wurde als Pfarrer in das abgelegene Dorf Ars geschickt, vielleicht weil man meinte, dort könne der vielen als zu wenig gebildet erscheinende Priester nichts anstellen.
Dort begann Joahnnes Maria Vianney zu wirken, indem er besondere Schwerpunkte setzte. Die Eucharistiefeier, die Beichte und die Katechese.
Der Pfarrer von Ars feierte die Heilige Messe mit einer solchen Ergriffenheit, dass die Gläubigen spürten, was jetzt wirklich in der Messe geschieht. Sie wurden geradezu hineingezogen in dieses Geschehen. Der Pfarrer von Ars sagte einmal über die Messe: Ein Messopfer ist mehr wert als alle guten Taten der Menschen. Denn die Messe ist das Werk Gottes.
Der Heilige Pfarrer von Ars war ein begnadeter Beichtvater. Das Wirken der Barmherzigkeit Gottes in der Beichte wurde durch diesen demütigen Priester so klar erfahrbar, dass mit der Zeit unzählige Gläubige aus vielen Gebieten Frankreichs zu ihm kamen, um zu beichten. Jahrelang saß er bis zu 18 Stunden täglich im Beichtstuhl und ließ die Gnade der Versöhnung fließen. So reichte seine Wirksamkeit weit über Ars hinaus und ist durch alle Zeiten hindurch in der Weltkirche gegenwärtig.
Der Heilige Pfarrer von Ars legte auch großen Wert auf Predigt und Katechese. Neben dem Beichtstuhl und dem Altar war die Kanzel der wichtigste Ort für ihn. Man kann Gott nur lieben, wenn man ihn auch kennenlernt.
Heute stehen wir vor vielen, komplizierten Problemen. Trotzdem scheint eine Erneuerung sehr einfach zu sein. Die Heilige Messe wiederentdecken als Quelle und Gipfel unseres Tuns, die Barmherzigkeit Gottes wieder entdecken vor allem im Sakrament der Busse und die Katechese, die Glaubensvermittlung wieder fördern, wo immer es geht.
Wenn diese drei Quellen wieder mehr zu sprudeln beginnen, dann werden Ströme lebendigen Wasser fließen, das geistliche Leben wird aufblühen in einzelnen Menschen, in Pfarren und Diözesen, in Ordensgemeinschaften und Bewegungen, in der ganzen Kirche. Der Pfarrer von Ars wurde durch seine Demut ein Werkzeug Gottes. Die Heiligen machen deutlich, dass die Kirche SEIN Werk ist. Jeder Getaufte ist berufen, nach Heiligkeit zu streben und SEIN Werkzeug zu werden. Darin liegt der eigentliche Beitrag zur wahren Reform!
Das oder der Böse? (27. Juli)
Gegenwärtig ist die Welt erschüttert vom unglaublichen Mord an insgesamt 76
Personen in Norwegen.
Der Mörder, der alles eiskalt geplant hatte, hat auch den Wunsch gehabt,
öffentlich einvernommen zu werden und will die Zeit nach seiner Festnahme
als "Propagandaphase" nutzen.
In den Medien liest man überall vom Entsetzen, von der Betroffenheit etc.
über diese Wahnsinnstat. Sofort stellt sich die Frage, wie konnte das
passieren, wie kann man solche Dinge verhindern? Viele Experten wie
Psychologen, Pädagogen etc. werden gefragt und sagen viel Gescheites dazu.
Es wird auch versucht, den Täter weltanschaulich einzuordnun und aus der
Wahnsinnstat ideologisches Kapital zu schlagen.
Am Telefon sagte mir jemand zu diesen Fragen. Ich glaube, der Täter von Oslo
ist nicht krank, er ist böse, er hat sich dem Bösen geöffnet.
Wenn man als Katechet oder Pfarrer von der Erbsünde redet oder davon
spricht, dass es das personale Böse wirklich gibt, dann erntet man oft
Unverständnis oder sogar heftige Kritik. Kardinal Meisner sagte einmal
sinngemäß: Als die Pfarrer aufhörten, von der Hölle zu predigen, begannen
die Menschen, diese auf der Erde einzurichten.
Es gibt nicht nur das Böse, sondern auch den Bösen. Wenn man seine
Wirksamkeit überbetont oder leugnet, dann tut man ihm den größten Gefallen.
Je mehr man die personale Existenz des Bösen leugnet, desto ungehinderter
kann er überall eindringen. Auch wenn wir uns vom Bösen verabschieden, verabschiedet er sich nicht von uns.
Sehr viele Medien tragen dazu bei, die Menschenherzen für das Böse zu
öffnen, indem sie dessen eigentlichen Ursprung verleugnen, indem sie dem
Bösen viel Raum geben in Nachrichten, in Filmen etc. Das Böse wird hofiert,
vervielfältigt und überall gegenwärtig gehalten.
Es gäbe viele Möglichkeiten, dem Guten Raum zu geben, an das Edle im
Menschen zu apellieren, die Entfaltung von Tugenden zu fördern, die Familie
zu unterstützen, ja, Gott in den Mittelpunkt zu stellen, im Theater, im
Film, in der Literatur, im Fernsehen, in Zeitungen. Es gäbe viele
geistliche Mittel, das Gute zu fördern wie das Gebet, die Beichte,
Gottesdienste, das Wort Gottes, die Verehrung von Heiligen.
Das Böse verhindert man am besten, indem man sich dem Guten öffnet. Und ER
allein ist wirklich gut.
Heimat großer Söhne und Töchter (21. Juli)
In Österreich soll der Text der Bundeshymne geändert werden. So hat es eine große Mehrheit der Abgeordneten in Wien vereinbart. Es soll nicht nur Heimat bist du großer Söhne, sondern großer Töchter, Söhne heißen. Eine große Mehrheit der Bevölkerung ist laut Umfragen dagegen, die demokratisch gewählten Vertreter sind jedoch mehrheitlich dafür. Wahrscheinlich wären jene Frauen, die zu Recht als große Töchter unseres Landes bezeichnet werden können, beschämt über diese Änderung, da wahre Größe solcher Äußerlichkeiten nicht bedarf.
Abgesehen davon, dass man einen poetischen Text nicht verändern dürfte, denken sich viele Menschen, ob denn die Politiker gegenwärtig keine
wichtigeren Aufgaben sehen, als sich hier gegen den Willen des Volkes zu profilieren?
Wenn die Entwicklung so weitergeht, dann könnte man sich ja bald fragen, ob man den betreffenden Passus in der Bundeshymne nicht bald wird streichen können. Denn die großen Söhne und Töchter rücken immer mehr in die ferne Vergangenheit.
Leben wir nicht in einer Zeit des Niederganges, der Mittelmäßigkeit, in einer Zeit der Nivellierung. Wahrhaft große Söhne und Töchter haben in unserer Zeit gar keine Chance, sich als solche zu entfalten, weil jegliche Größe abgelehnt wird und man Eliten misstrauisch gegenüber steht. Immer mehr regiert die politische Korrektheit, die Angepasstheit, der Opportunismus. In einem solchen Klima kommt kaum Großes zum Vorschein. Auch in der Kirche ist dieser Trend zu bemerken.
Im Stephansdom wurde beim Requiem für Otto von Habsburg die Kaiserhymne gesungen. Gott erhalte, Gott beschütze ... Ist uns und unseren Politikern nicht das Wissen abhanden gekommen, dass ohne Gott kein gerechtes Regieren möglich ist, ja eigentlich gar kein Regieren. Jesus selbst sagte zu Pilatus: "Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre. (Joh 19,11) Die Urchristen haben für
den jeweiligen, damals heidnischen römischen Kaiser gebetet, sogar in Zeiten der Verfolgung.
Heute wäre es mehr denn je wichtig, besonders für die Politiker zu beten, dass sie ihre Verantwortung vor Gott erkennen, dass sie Gott mehr gehorchen als den Menschen, dass sie das Gemeinwohl vor das Eigenwohl stellen. Die Christen haben den Auftrag, sich in der Politik einzubringen und für die Politiker zu beten. Wenn viel gebetet wird, kann Gott große Söhne und Töchter aus einem Volk hervorgehen lassen. Dann kann unsere Heimat wahrhaft Heimat bleiben.
Ökumene oder neue Spaltung? (13. Juli)
Seit Jahrzehnten gibt es vermehrte Bemühungen um die Ökumene, ein Streben nach Einheit unter den Christen. Dieses besondere Anliegen, das auch das II. Vat. Konzil betont hat, ist von großer Bedeutung, weil Einheit ein Wesenmerkmal der Kirche Christi ist und auch für alle Christen gelten sollte. Die Spaltungen unter Christen sind ein Ärgernis. Sie entsprechen nicht dem Willen Jesu, der vor seinem Abschied um Einheit gebeten hat.
Seit fast 500 Jahren leiden wir unter den Folgen der Reformation, einer unseligen Spaltung. Luther wollte eine Kirchenreform, er bewirkte eine Spaltung, die latent bereits vorhanden war. Es bedurfte nur mehr eines Funkens. Der Kirchenhistoriker Hubert Jedin stellte einmal fest, daß die Kirchenspaltung der Reformation durch nichts so sehr gefördert wurde als durch den Glauben, daß sie nicht vorhanden sei.
Umso tragischer scheint es, wenn man beobachtet, wie in unseren Landen seit Jahrzehnten die innere Kirchenspaltung betrieben, gefördert und vertieft wird. Jüngster Höhepunkt war der „Aufruf zum Ungehorsam“ der sogenannten Pfarrer-Initiative am Dreifaltigkeitssonntag. Die Heilige Katharina bezeichnet den Ungehorsam als großes Übel. Wenn ausgerechnet Pfarrer, die den Gehorsam bei der Weihe gelobt haben, zum Ungehorsam aufrufen, dann müsste man an den Spruch eines Heiligen denken, der da lautet: „Omne malum a clero“, alles Übel kommt vom Klerus.
Der Priester hat durch die Weihe eine besondere Vollmacht, den Menschen das höchste Gut zu bringen, Gott, besonders in der Eucharistie und durch die Sündenvergebung. Wenn der Priester sich bemüht, sein Gehorsamsversprechen zu leben, kann er viel Segen erwirken, wenn nicht, dann kann er viel Unheil in den Seelen der Menschen anrichten.
Jesus war gehorsam bis zum Tod am Kreuze. Wir Christen sind berufen, IHM nachzufolgen. Deshalb ist der Gehorsam gegenüber Gott und der Kirche eine Tugend. Die Heilige Katharina sagt über den „heiligen Gehorsam“ in einem Brief an Novizen: Er „hält die Schuld der Todsünde fern und sichert uns das Leben der Gnade“, „wenn die Tugend der Demut wächst, wächst auch die Tugend des Gehorsams. Und dann seht ihr, wie es rascher vorwärtsgeht.“
Vom Ungehorsam sagt sie, daß er „die Seele der Gnade beraubt“. Die Ungehorsamen sind „noch ganz gefangen in der Eigenliebe“, „ verlangen begierig nach den Freuden der Welt“ und „kosten schon in diesem Leben das Unterpfand der Hölle“. Sie schreibt, daß alles Übel vom Ungehorsam kommt, weil er uns Menschen die Liebe und die Demut raubt, ebenso die Geduld, das Mark der Liebe.
Sie schreibt weites: „Es ist also die Liebe, die uns geduldig und gehorsam macht und die uns salbt mit vollkommener Demut.“ „Bleibt in der heiligen und zärtlichen Liebe Gottes“ und schließt den Brief mit den Worten „seid ein Spiegel des Gehorsams!“
Wenn wir das Streben nach Ökumene ernst meinen, dann sollen wir zuallererst in Demut für die Einheit innerhalb der Kirche arbeiten, beten und leiden.
Dekan Ignaz Steinwender
Heimat bist du großer Söhne (7. Juli 2011)
Als wir in der Pfarre Zell erfuhren, dass Otto von Habsburg gestorben sei, hat der Mesner die Sterbeglocke der Pfarrkirche Zell geläutet. Einige, die sich darüber wunderten, haben von Otto von Habsburg wohl nicht mehr gewusst, als was man halt in unseren Medien zu lesen bekam, in einem Land, dass viele seiner großen Söhne nicht erkannt und nicht geachtet hat.
Ich erinnerte mich bei dieser Todesnachricht vor allem an zwei wichtige Momente die ich persönlich erlebt habe, an den 3. Oktober 2004 und an den 27. und 28. März 2009.
Zum Ersten: Als die Seligsprechungsfeier von Kaiser Karl, dem letzten Kaiser der Österreichisch-Ungarischen Monarchie am 3. Oktober 2004 zu Ende war, stand ich mit dem Mesner von Maria Rast Peter Huber am Petersplatz und sah, wie sich zwei überragende Persönlichkeiten vor den Augen tausender Menschen begegneten. Der inzwischen seliggesprochene große Papst Johannes Paul II., der Sohn eines altösterreichischen Offiziers und Otto von Habsburg, der Sohn des neuen Seligen, der Thronfolger der Habsburgermonarchie. Dem Mesner und mir war bewusst: Das ist ein historischer Moment in der europäischen Geschichte: Die bedeutendsten Symbolgestalten des christlichen Europas aus Kirche und Politik trafen sich auf höchster Ebene. Es war ein ergreifender, bewegender Moment, als sich beide die Hand schüttelten.
Die Ungarn waren bei dieser Feier stark vertreten, kirchlich und auch politisch. Man spürte geradezu ihren Stolz auf den neuen Seligen. Die Österreicher hingegen waren schlecht vertreten, kirchlich und politisch. Die Ordinariate hatten wenig oder nichts getan, um Gläubige zur Teilnahme an der Seligsprechung zu motivieren.
Zum Zweiten: Als Otto von Habsburg am 27. März 2009 in unsere Pfarre Zell am Ziller kam, um einen Vortrag zum Thema Andreas Hofer, seine Zeit und seine Botschaft für uns heute, zu halten, da sind mir einige Dinge in Erinnerung geblieben. Der Mensch, der Politiker und der Christ Otto von Habsburg.
Als Mensch erschien er mir ganz einfach, offen und dankbar und mit einer vornehmen Höflichkeit. Sein Realismus war gepaart mit einem Optimismus, wie ihn nur jemand haben kann, der von der christlichen Hoffnung getragen wird.
Der Christ Otto von Habsburg kam vor allem auch zum Ausdruck in seiner Dankbarkeit. Mehrmals bedankte er sich bei mir dafür, dass wir die Veranstaltung mit einer Heiligen Messe begonnen hatten. Der Christ kam natürlich auch in seinem Vortrag zum Ausdruck, in dem er zuerst auf die gegenwärtige Wirtschaftskrise zu sprechen kam, dann als tiefere Ursache die moralische Krise erwähnte und schließlich zum eigentlichen Problem, nämlich der Abwesenheit von Gott aus der Öffentlichkeit und der EU-Verfassung zu sprechen kam. Seine Aussage, dass Andreas Hofer vor allem als Christ gekämpft hatte und als Christ gefallen ist, war eine wichtige Botschaft für heutige Christen, das christliche Erbe Andreas Hofers weiterzutragen.
Beim Frühstück am nächsten Tag konnte ich den Politiker Otto von Habsburg näher kennenlernen. Er erinnerte sich, wie er die Versuche Hitlers, mit ihm Kontakt aufzunehmen, abgewehrt hatte, wie er Schuschnigg angeboten hatte, im Februar 1938 die Regierungsgeschäfte Österreichs zu übernehmen und bereit gewesen wäre, sich gegen Hitler zu verteidigen. Er wies mich darauf hin, dass es neueres Archivmaterial gäbe, wonach eine Widerstand Österreichs gegen Hitler in der deutschen Armee möglicherweise zu einer Zerreißprobe geführt hätte. Er erzählte mir u. a., wie er sich an der holländischen Grenze mit Pater Muckermann traf und von einem jungen Priester hochbrisantes Informationsmaterial aus höchsten NS-Kreisen über deren Pläne und Ziele übernahm, um es der Botschaft in Paris zur Weitergabe an Präsident Roosevelt zu überbringen. Er erzählte von Teddy Kollek, dem Jerusalemer Bürgermeister, den er persönlich kannte und vom Heiligen Vater Benedikt XVI., der ihn damals als einziger Bischof unterstützt hatte, als kirchliche Kreise wegen seiner Kandidatur für den Europarat über ihn hergefallen waren. Ich hatte Gelegenheit, ihn über seine Ansicht zu Putin, Obama und viele andere Themen zu fragen.
Mein Doktorvater sagte mir ein mal sinngemäß. Ich glaube, dass es uns in Österreich immer noch relativ gut geht, weil der Selige Kaiser Karl die Hand über uns hält. Otto von Habsburg war ein großer Europäer. Er hat viel für Österreich getan, aber gegolten hat er in Österreich wenig bis nichts, in einem Land wo die Profillosigkeit in Politik und Kirche immer mehr um sich greift. Die Sterbeglocke erinnert daran, dass jemand verstorben ist, dass man für ihn beten soll. Ich bin überzeugt, dass Otto von Habsburg weiter wirken wird, auch für diejenigen, die ihn nicht erkannt und geachtet haben.
Dekan Ignaz Steinwender
Wie ist das eigentlich mit der Erbsünde (8.12.)
Alljährlich zum Fest Mariä Empfängnis werden Befragungen präsentiert, die belegen, wie wenig der Inhalt dieses Festes noch im Bewusstsein der Menschen ist. Wir feiern, dass Maria von ihrer Empfängnis an von der Erbschuld und deren Folgen bewahrt geblieben ist. Nun wissen aber auch viele mit dem Begriff Erbsünde oder Erbschuld nichts mehr anzufangen. Zuerst können wir uns fragen, wie es denn vor dem so genannten Sündenfall war. Im Katechismus lesen wir dazu: „Gott hat den Menschen nach seinem Bilde geschaffen und in seine Freundschaft aufgenommen. Als geistbeseeltes Wesen kann der Mensch diese Freundschaft nur in freier Unterordnung unter Gott leben.“ Gott verlangt nicht viel, nur dass die ersten Menschen nicht vom „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ essen sollen. Mit dem Auftreten der Schlange, sie steht für den Widersacher, den Vater der Lüge, den „Diabolus“, die in das Menschenherz das Misstrauen gegenüber Gott sät, nimmt das Übel seinen Lauf. Sie redet den Menschen ein, dass Gottes Verbot nur verhindern solle, dass sie – Adam und Eva – selbst wie Gott würden. Sie suggeriert, dass Gott ihnen etwas vorenthalten wolle. Beide, sowohl die Frau als auch der Mann werden schwach und glauben der Schlange mehr als Gott. Die Folgen sind fatal: Sie erkennen ihre Nacktheit. Was vorher völlig natürlich war, das Vermögen dem anderen auch in seiner Nacktheit mit einem reinen Blick zu begegnen, war verloren gegangen, so machen sie sich Kleidung. Die Freundschaft mit Gott ist gebrochen. Sofort beginnen die gegenseitigen Schuldzuweisungen. Als Gott Adam zur Rechenschaft zieht, hat er die Frechheit zu antworten: Die Frau, die du mir beigesellt hast, hat mir von dem Baum gegeben, und so habe ich gegessen.“ (Gen 3, 12). Eva hingegen schiebt die Schuld auf die Schlange. Was Gott dann gegen die Menschen ausspricht ist keine Strafe, sondern einfach die Konsequenz ihres Handelns, der Verlust des Paradieses. Für Eva (und alle Frauen) bedeutet das: „Viel Mühsal bereite ich dir, sooft du schwanger wirst. Unter Schmerzen gebierst du Kinder. Du hast Verlangen nach deinem Mann, er aber wird über dich herrschen.“ (Gen 3,16) Für Adam (und alle Männer): „So ist verflucht der Ackerboden deinetwegen. Unter Mühsal wirst du von ihm essen alle Tage deines Lebens. Dornen und Disteln lässt er dir wachsen und die Pflanzen des Feldes musst du essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Ackerboden, von ihm bist du ja genommen. Denn Staub bist du und zum Staub musst du zurück.“ (Gen 3, 17b) Und ist es nicht das, was wir im täglichen Leben erfahren? Die gegenseitigen Schuldzuweisungen, dass Misstrauen gegenüber Gott, der uns alles verbietet, was Spaß macht, die Mühe, die uns unsere tägliche Arbeit bereitet, die Verletzungen in den Beziehungen zwischen Mann und Frau und die Missverständnisse gerade im Bereich der Sexualität?
Durch die Erbsünde ist der Mensch (nicht Adam als einzelner, sondern die ganze Menschheit) verwundet. Wir haben einen Hang zum Bösen, das Gute zu tun fällt uns oft schwer. Ohne die Lehre von der Erbsünde könnte ich mir das tägliche Leben kaum erklären. Sie eröffnet uns einen realistischen Blick auf den Menschen. Unser Glaube gibt uns aber zugleich auch Hoffnung. Im Katechismus heißt es: Der Mensch ermangelt (durch die Erbsünde, Anm.) der ursprünglichen Heiligkeit und Gerechtigkeit, aber die menschliche Natur ist nicht durch und durch verdorben, wohl aber in ihren natürlichen Kräften verletzt. Sie ist der Verstandesschwäche, dem Leiden und der Herrschaft des Todes unterworfen und zur Sünde geneigt;… Indem die Taufe das Gnadenleben Christi spendet, tilgt sie die Erbsünde und richtet den Menschen wieder auf Gott aus, aber die Folgen für die Natur, die geschwächt und zum Bösen geneigt ist, verbleiben im Menschen und verpflichten ihn zum geistlichen Kampf.“ (KKK 405)
Was für ein wichtiges Wort für uns Christen: Wir müssen einfach wissen, dass das Leben ein Kampf ist, auch in geistlicher Hinsicht! An unserer Seite geht die Muttergottes, die von Anfang an von der Erbschuld bewahrt wurde. Was Jesus durch sein Erlösungsopfer für alle Menschen errungen hat, wurde ihr schon im Voraus zuteil. Sie war ohne Erbsünde und blieb ihr Leben lang ohne persönliche Sünde. Doch auch sie war frei wie Adam und Eva, doch hat sie ihre Freiheit nicht missbraucht, sondern hat sich freiwillig ganz dem Liebesplan Gottes untergeordnet. „Dieser „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ erinnert sinnbildlich an die unüberschreitbare Grenze, die der Mensch als Geschöpf freiwillig anerkennen und vertrauensvoll achten soll. Der Mensch hängt vom Schöpfer ab, er untersteht den Gesetzen der Schöpfung und den sittlichen Normen, die den Gebrauch der Freiheit regeln.“ (KKK396)
Auch in unserer Zeit und in unserem persönlichen Leben gibt es diese Versuchung, die Ordnung Gottes außer Kraft zu setzen, unsere Geschöpflichkeit zu leugnen und selbst Herr sein zu wollen, die Normen, die uns ins Herz geschrieben sind, zu ignorieren. Das Fest Mariä Empfängnis soll uns auch daran erinnern, dass die göttliche Ordnung ein Rahmen ist, in dem allein der Mensch das Heil finden kann.
Kürzlich habe ich in einem Mail das folgende Zitat von Taizé-Gründer Roger
Schutz gelesen: Lebe das, was du vom Evangelium begriffen hast. Seither
ist mir dieser Satz nicht aus dem Kopf gegangen und ich habe viel darüber
nachgedacht, wie er wohl gemeint sein könnte. In dem Zusammenhang, in dem er
verwendet wurde, hatte ich zuerst den Eindruck, dass man ihn leicht in der
Richtung missverstehen könnte, dass man nur das zu leben braucht, was man
eben verstanden hat. Das widerstrebte mir sehr und ich kann mir auch nicht
vorstellen, dass Roger Schutz es so gemeint hat, dass man Inhalte, Gebote,
Weisungen der Heiligen Schrift außer acht lassen kann, nur weil man momentan
deren Sinn nicht vollständig erfasst. Dabei muss man auch erwähnen, dass die
Fähigkeit, etwas zu verstehen, auch mit dem Willen, etwas zu verstehen,
zusammenhängt. Jeder Gläubige ist natürlich dazu aufgerufen, die göttlichen
Gebote mit Hilfe des kirchlichen Lehramts verstehen zu lernen. Der Heilige
Vater wird nicht müde, zu betonen, dass unser Glaube ja der Vernunft
zugänglich ist. Unser Glaube ist nicht blind, sondern jeder ist
aufgefordert, sich vernünftig damit auseinanderzusetzen, so dass er ihn
verstehen lernt. Trotzdem gibt es auch einen Gehorsam, der verlangt, dass
man als Katholik auch in Bereichen, wo die Lehre auf den ersten Blick für
mich nicht verständlich ist, darauf vertraut, dass die Kirche als ganze die
Wahrheit lehrt und ich dem Lehramt getrost folgen kann. Am Beispiel der
Empfängnisverhütung lässt sich das Gesagte veranschaulichen: Jemand weiß,
dass die Kirche künstliche Verhütungsmittel ablehnt, kennt aber die
Argumente und Erklärungen dafür nicht. Er oder sie soll sich dann bemühen,
durch gute Lektüre (zB die Enzyklika Humanae Vitae oder Bücher über die
Theologie des Leibes), Gespräche mit einem treuen Seelsorger oder mit
Ehepaaren, die nach der kirchlichen Lehre leben, die Gründe mit der Vernunft
zu erfassen, damit eine bewusste Entscheidung gefällt werden kann. Das
Argument weil es die Kirche sagt reicht eben nicht aus und die Kirche
verlangt auch nicht diesen blinden Gehorsam. Dieser Prozess braucht jedoch
Zeit und es ist gut für einen gläubigen Menschen auch, während dieser Zeit
der Beschäftigung schon im Gehorsam zu leben. Es kann auch eine Hilfe sein,
auf andere Bereiche des Glaubenslebens zu blicken, wo man bereits erfahren
hat, dass die Kirche die Wahrheit lehrt. Ich kann dann leichter darauf
vertrauen, dass das Lehramt dann auch in den anderen Fragen nicht irrt.
Doch zurück zum Ausgangspunkt, dem Zitat von Roger Schutz. Ich glaube, er
könnte gemeint haben, dass Menschen, die zum Glauben kommen, sofort damit
beginnen sollen, diesen auch zu leben. Nicht erst warten bis man in allen
Bereichen bekehrt und belehrt ist, nicht warten bis man alles verstanden hat
und perfekt ist, da dieser Tag mit größter Wahrscheinlichkeit nicht kommen
wird. Wenn ich zB erfasst habe, dass es bei der Beichte nicht um die Neugier
des Priesters geht, der meine Sünden wissen will, sondern dass mein Erlöser
selbst im Beichtstuhl ist und mir in seiner Barmherzigkeit alles verzeihen
will, dann soll ich damit beginnen beichten zu gehen, selbst wenn ich noch
gar nicht alles, was in meinem Leben Sünde ist, schon als solche erkennen
kann. Dass ich mich aber auch um Wachstum im Glaubenswissen bemühen soll,
wurde schon gesagt.
Als letzter Gedanke ist mir schließlich gekommen, dass die Aussage doch eine
ziemliche Herausforderung enthält. Gerade die Evangelien sind eigentlich
nicht sehr schwierig zu verstehen. Jesus ist in seinen Aussagen klar und
deutlich, sei es wenn er über die Ehe spricht oder darüber, dass man nicht
zwei Herren dienen könne oder dass er ermahnt: Sündige von jetzt an nicht
mehr. In den meisten Fällen wird man nicht sagen können, dass man nicht
versteht, was Jesus sagt. Das Problem heute ist eher, dass die Menschen die
Aussagen Jesu nicht mehr kennen. Wer nicht regelmäßig zum Gottesdienst kommt
und selbst in der Heiligen Schrift liest, kennt Gott nicht oder nur
bruchstückhaft. Dieses Halbwissen wird für ein Leben aus dem Glauben nicht
reichen oder es wird nur eine Karikatur des Katholischen Glaubens sein.
Deshalb lese ich aus Roger Schutz´ Worten vor allem eines heraus, die
Ermutigung das Evangelium kennen zu lernen und verstehen zu wollen.

